In den letzten zwanzig Jahren sind vermehrt Spezialeinrichtungen zur Behandlung von Angststörungen entstanden. Selbsthilfegruppen für Betroffene schossen aus dem Boden. Angst ist eine der am häufigsten auftretenden Emotion auf der Welt, so verwundert es nicht, dass sie in unserer Gesellschaft weit verbreitet und vielfach unter-sucht worden ist. Vor allem in den letzten Jahren rückte das Thema Angst verstärkt in das Interesse der Öffentlichkeit. Oft wird mittlerweile auch von einer „Angstgesellschaft“ gesprochen, in der soziale, politische aber auch existentielle Ängste zunehmen. Ausgehend davon ist das Phänomen der Angst egal in welchen Berufsgruppen ein brandaktuelles Thema.
Der Angstbegriff, der dieser Arbeit zu Grunde liegt, stützt sich auf die Angstdefinition von Hackford/ Schwenkmezger (1985):
„Angst ist eine kognitive, emotionale und körperliche Reaktion auf eine Gefahrensituation bzw. auf die Erwartung einer Gefahren- oder Bedrohungssituation. Als kognitive Merkmale sind subjektive Bewertungsprozesse und auf die eigene Person bezogene Gedanken anzuführen…. Emotionales Merkmal ist die als unangenehm erlebte Erregung, die sich auch in physiologischen Veränderungen manifestieren und mit Verhaltensänderungen einhergehen kann.“
Verschiedene psychologische Richtungen (die Psychoanalyse von Freud (1895), die Lernpsychologie durch Mowrer (1939) und Miller (1948) und die kognitive Psychologie durch Epstein (1972) und Bandura (1979)) haben sich bemüht, das Phänomen Angst näher zu bestimmen. Sie dienen als Grundlage für die nachfolgenden Ausführungen, werden jedoch an dieser Stelle nicht weiter diskutiert.
Die vorliegende Arbeit setzt sich vordergründig mit den Ängsten von Referendaren auseinander. Dabei stützt sich die Arbeit im theoretischen Teil hauptsächlich auf Untersuchungen und Ergebnisse der Lehrerforschung und der empirische Teil wird vornehmlich von der Gruppe der Referendare bestimmt. Weiterhin soll die Arbeit einen Einblick in den bisherigen Forschungsstand geben und einen ergänzenden Beitrag zur Untersuchung von Ängsten bei Lehrern und Referendaren leisten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Themenbegründung
1.2 Einordnung des Themas in den wissenschaftlichen Forschungsstand
1.3 Fragestellungen
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Bedingungen für die Entstehung von Lehrerangst
2.1.1 Formen der Lehrerangst
2.1.2 Ursachen und Gründe der Lehrerangst
2.1.3 Auswirkungen und Bewältigungsmöglichkeiten der Lehrerangst
2.1.4 Lehrerrollen und Rollenkonflikte
2.1.5 Anforderungsstrukturen
2.2 Ängste von Referendaren – Der Praxisschock
2.3 Kritik an der Lehrerausbildung
3 Empirische Untersuchung
3.1 Zielstellungen
3.2 Methodisches Vorgehen
3.3 Stichprobe
3.4 Datenerhebung und -verarbeitung
3.4.1 Auswertung der Interviews
3.4.2 Ergebnisse und Interpretation der Interviews
4 Diskussion der Methode
4.1 Aspekte der Auswahl der zu Befragenden
4.2 Aspekte der Datenerhebung und -verarbeitung
5 Zusammenfassung und Konsequenzen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ängste von Referendaren im schulischen Kontext mit dem Ziel, Phänomene, Ursachen und Bewältigungsstrategien aufzudecken. Ausgehend von theoretischen Ansätzen der Lehrerangst-Forschung wird durch qualitative Interviews mit Referendaren ein authentischer Einblick in die Praxis des Berufseinstiegs gewonnen, um Zusammenhänge zwischen den Anforderungen der Institution Schule, der universitären Ausbildung und dem persönlichen Erleben der Betroffenen zu erforschen.
- Psychologische Grundlagen der Lehrerangst und deren verschiedene Erscheinungsformen
- Die Rolle der Lehrerausbildung und die Problematik des sogenannten "Praxisschocks"
- Anforderungsstrukturen und Rollenkonflikte im Lehrerberuf
- Empirische Analyse individueller Bewältigungsstrategien von Referendaren
- Diskussion über Konsequenzen für die zukünftige Gestaltung der Lehrerausbildung
Auszug aus dem Buch
1.1 Themenbegründung
Der Anlass das Thema „Ängste von Referendaren im schulischen Kontext“ in meiner Examensarbeit näher zu untersuchen ist zum einen in Gesprächen mit Kommilitonen zu suchen, die Ängste vor der bevorstehenden Referendarzeit geäußert hatten. Zum anderen waren, von befreundeten Referendaren und Lehrern immer wieder Ängste während der beruflichen Tätigkeit erwähnt wurden. Die meisten wiesen auf ganz unterschiedliche Ängste hin, die sie in der Schule und dann auch außerhalb in ihrem Alltag begleiteten. Ein Großteil der Kommilitonen und Referendare sah sich mit seinen Ängsten allein den Schulalltag bewältigen und fühlte sich oft von Lehrerkollegen oder Seminarleitern wenig unterstützt und verstanden.
Des Weiteren ist die öffentliche Beschäftigung mit dem Lehrerberuf vermehrt in die Medien gerückt, so dass man unweigerlich damit konfrontiert wird. In den Zeitungen las man vor einigen Jahren Meldungen wie „Horrorjob Lehrer“ oder „Krankmacher Schule“. Aber auch im einundzwanzigsten Jahrhundert kann man Schlagzeilen lesen, wie „Klassenkrampf. Warum Lehrer und Schüler versagen“, „Horrortrip Schule“ oder „Deutsche Lehrer sind reif für die Klinik“. Diese beiden Aspekte und die Tatsache, dass auch ich als Referendar vor einer Klasse stehen werde, haben mich dazu bewegt dieses Thema näher zu erforschen. Weiterhin findet man neben diesen Medienberichten auch immer wieder besorgniserregende Krankheitszahlen oder Statistiken über Lehrer, die vorzeitig in den Ruhestand gehen müssen, andererseits aber nur wenige empirische Untersuchungen über die Ursachen. Deshalb ist es für mich wichtig, speziell für das Thema „Ängste bei Referendaren“ konkrete Ursachen herauszufinden und zu untersuchen in welchem Zusammenhang diese mit dem System Schule und der universitären Ausbildung stehen könnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel verortet das Thema Lehrerangst im aktuellen Forschungsstand und erläutert die Beweggründe für die Untersuchung sowie die formulierten Fragestellungen.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden die Ursachen von Lehrerängsten, die Bedeutung von Rollenkonflikten, das Phänomen des "Praxisschocks" sowie bestehende Ansätze der Lehrerausbildung theoretisch hergeleitet und diskutiert.
3 Empirische Untersuchung: Dieses Kapitel stellt das methodische Vorgehen vor, beschreibt die Stichprobe aus Referendaren und präsentiert die Auswertung sowie Interpretation der geführten Experteninterviews.
4 Diskussion der Methode: Hier findet eine kritische Reflexion über die gewählte qualitative Methode, die Auswahl der Probanden und den Prozess der Datengewinnung statt.
5 Zusammenfassung und Konsequenzen: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und leitet daraus notwendige Konsequenzen für eine verbesserte Lehrerausbildung ab.
Schlüsselwörter
Referendariat, Lehrerangst, Praxisschock, Lehrerrolle, Rollenkonflikt, Qualifikation, Selektion, Lehrergesundheit, Bewältigungsstrategien, Burn-out, Lehrerausbildung, qualitative Untersuchung, Interview, Unterrichtsvorbereitung, Leistungsangst.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik von Ängsten bei Referendaren während des Berufseinstiegs in den Schuldienst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf die Entstehung von Ängsten, die Rolle der Schule und der Lehrerausbildung sowie darauf, wie Referendare mit diesen Herausforderungen umgehen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifischen Ursachen und Phänomene von Referendarsängsten zu identifizieren und einen Einblick in die angewandten Bewältigungsstrategien der betroffenen Personen zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine qualitative Methode in Form von narrativen halbstandardisierten Interviews, die im Anschluss inhaltlich analysiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Lehrerängsten und Rollenkonflikten sowie eine empirische Untersuchung, die das Erleben von Referendaren detailliert auswertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe sind Referendariat, Lehrerangst, Praxisschock, Rollenkonflikt und Bewältigungsstrategien.
Welche Rolle spielt die universitäre Ausbildung laut der Autorin?
Die Ausbildung wird als weitgehend praxisfern kritisiert, was dazu führt, dass Referendare den Übergang in den Schulalltag häufig als "Sprung ins kalte Wasser" erleben.
Wie gehen Referendare mit ihren Ängsten um?
Die Bewältigungsversuche reichen von sportlichen Aktivitäten und dem Suchen von Rat bei Kollegen bis hin zu Verdrängungsmechanismen oder einer autoritären Unterrichtsgestaltung als Schutzmaßnahme.
- Quote paper
- Annett Oswald (Author), 2006, Ängste von Referendaren im schulischen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54796