»Sie kennen doch sicher den Witz von den beiden Ziegen, die die Rollen eines Films auffressen, der nach einem Bestseller gedreht worden ist, worauf die eine Ziege zur anderen sagt: „Mir war das Buch lieber“.« (Alfred Hitchcock)
Den Vorwurf, der Film werde der Vorlage nicht gerecht, müssen sich viele Filmregisseure gefallen lassen. Handelt es sich dabei auch noch um eine bekannte, allgemein anerkannte und vom Kritiker persönlich geschätzte Vorlage, fallen diese Vorwürfe dann natürlich besonders drastisch aus. Schon seit dem Bestehen des Films, muss man sich mit diesem Konflikt auseinandersetzen.
Die Probleme des Films, als eigenständige Kunstform akzeptiert zu werden, hängen mit der Geschichte der Romanadaption eng zusammen. Schon von den ersten Schritten des Medium Films an, griffen die Filmemacher auf die Literatur zurück, um einerseits etwas eigenes daraus zu machen oder einfach nur dem Werk seine Wertschätzung zu verleihen. Es ist äußerst wichtig, dass man dem Medium Film seine genügende Anerkennung, mit eigenen Bewertungskriterien, gibt. Nichtsdestotrotz kann ein Vergleich mit einer Vorlage durchgeführt werden. Man muss auch beurteilen können, in wie fern die Entscheidung, einen Film aus einer Vorlage zu machen, richtig war. Der Roman „ Madame Bovary“ von Gustave Flaubert wurde 1856 veröffentlicht und etwas mehr als 100 Jahre später verfilmte Claude Chabrol dieses grandiose Meisterwerk.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Medientheorie
2.1 Intermedialität
2.2 Medienwechsel: Was bedeutet der Übergang vom Buch zum Film?
3. Madame Bovary im Roman von Gustave Flaubert
3.1 Persönliche Entwicklung von Emma Bovary
3.2 Die Beziehung der Protagonistin zu den anderen Charakteren
3.3 Die Frage der Schuld
4. Madame Bovary im Film von Claude Chabrol
4.1 Persönliche Entwicklung von Emma Bovary
4.2 Die Beziehung der Protagonistin zu den anderen Charakteren
4.3 Die Frage der Schuld
5. Roman und Film im Vergleich – eine Zusammenfassung
6. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Literatur und Film am Beispiel von Gustave Flauberts Roman "Madame Bovary" und dessen Verfilmung durch Claude Chabrol aus dem Jahr 1991. Das Hauptziel der Analyse besteht darin, die mediale Übertragung von Buch zu Film zu evaluieren, wobei insbesondere die Entwicklung der Protagonistin Emma Bovary, ihre zwischenmenschlichen Beziehungen sowie die Thematik der Schuld im direkten Vergleich beider Werke beleuchtet werden.
- Intermediale Theoriekonzepte und der Prozess des Medienwechsels.
- Die Charakterzeichnung und Entwicklung der Emma Bovary in Buch und Film.
- Vergleichende Analyse der zwischenmenschlichen Beziehungen der Hauptfigur.
- Die moralische und existenzielle Fragestellung der Schuld im Kontext der Vorlage und der Adaption.
- Bewertung der werkgetreuen Umsetzung durch den Regisseur Claude Chabrol.
Auszug aus dem Buch
3. Madame Bovary im Roman von Gustave Flaubert
Wer ist Madame Bovary?
Emma Bovary ist eine Bauerntochter, erzogen in einem Klosterpensionat, in dem sie Sticken, Klavier spielen und sich fromm unterzuwerfen lernt. Besonders gerne verträumt sie ihre Zeit mit romantischen Liebeslektüren. Sie heiratet einen Landarzt, namens Charles. Seit der Geburt ihrer Tochter Berthe ist sie zutiefst unzufrieden. Unmengen von Geld gibt sie für kostbare Teppiche, Möbel und Stoffe aus. Ihr treuer Ehemann langweilt sie zu Tode. Sie fängt eine Affäre mit dem Edelmann Rodolphe an, plant mit im zu fliehen, der sie aber dann enttäuscht, als er ihren Plan zur gemeinsamen Flucht ablehnt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Konflikt zwischen Literatur und deren filmischer Adaption und führt in den spezifischen Vergleich von Flauberts Roman mit Chabrols Verfilmung ein.
2. Medientheorie: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Intermedialität und Medienwechsel, um den theoretischen Rahmen für die Analyse der Übertragung von Buch zu Film zu schaffen.
3. Madame Bovary im Roman von Gustave Flaubert: Hier wird die literarische Vorlage analysiert, wobei der Fokus auf Emmas Charakterentwicklung, ihren Beziehungen und der moralischen Dimension ihrer Schuld liegt.
4. Madame Bovary im Film von Claude Chabrol: Dieser Abschnitt untersucht die filmische Umsetzung, unter anderem durch den Einsatz von Kamera und Regie, und vergleicht diese mit den Erkenntnissen aus dem Roman.
5. Roman und Film im Vergleich – eine Zusammenfassung: Dieses Kapitel führt die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Chabrol eine sehr werkgetreue, wenn auch teils langatmig wirkende Adaption gelungen ist.
6. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert die gegenseitige Abhängigkeit von Buch und Film und bewertet die Adaption von Chabrol abschließend als hervorragend.
Schlüsselwörter
Madame Bovary, Gustave Flaubert, Claude Chabrol, Literaturverfilmung, Intermedialität, Medienwechsel, Emma Bovary, Romanadaption, Schuldfrage, Charakterentwicklung, Isabelle Huppert, Literatur, Film, Erzähltechnik, Vergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Vergleich zwischen dem literarischen Werk "Madame Bovary" von Gustave Flaubert und der gleichnamigen Verfilmung durch den Regisseur Claude Chabrol aus dem Jahr 1991.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung behandelt?
Zentrale Themen sind die Medientheorie bezüglich des Wechsels von Text zu Bild, die psychologische Charakterentwicklung der Emma Bovary und die Frage nach der moralischen Schuld der Protagonistin.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, wie Flauberts Roman in den Film übertragen wurde und inwiefern die filmische Adaption den Intentionen und Inhalten des Originals gerecht wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine vergleichende Literatur- und Filmanalyse angewandt, die sowohl theoretische medienwissenschaftliche Konzepte als auch textimmanente sowie filmästhetische Beobachtungen einbezieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit konkret behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung sowie in eine detaillierte Gegenüberstellung der Charakterdarstellung, der zwischenmenschlichen Beziehungen und der Schuldproblematik, jeweils getrennt für den Roman und den Film.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Intermedialität, Madame Bovary, Literaturverfilmung, Medienwechsel, Schuldfrage und Charakterentwicklung beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Charles Bovary zwischen Buch und Film?
Der Roman widmet Charles Bovary deutlich mehr Raum, inklusive seiner Vorgeschichte, während er im Film eher als eine im Hintergrund agierende, zusätzliche Person mit weniger Tiefgang erscheint.
Welche Bedeutung kommt der Sterbeszene im Film von Chabrol zu?
Die Szene wird detailliert und präzise gefilmt, wobei der Zuschauer durch die drastische Darstellung des körperlichen Verfalls und Emmas Einsicht in ihr verpfuschtes Leben zu einer eher negativen Einschätzung ihrer Person bewegt wird.
Welche Rolle spielt Isabelle Huppert bei der filmischen Adaption?
Isabelle Huppert spielt die Rolle der Emma Bovary und wird dafür gelobt, durch ihre hohe schauspielerische Geschicklichkeit die verschiedenen Rollenmuster der Protagonistin glaubhaft zu vermitteln.
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- Sekina Mekky (Author), 2003, Madame Bovary - Roman und Film im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54812