Die Wichtigkeit von Grammatikunterricht möchte niemand in Frage stellen. Doch eine Begründung dafür zu finden, ist aufgrund der Tatsache, dass die meisten Deutschen erworbene Grammatikkenntnisse so gut wie nie benutzen und auch nicht benutzen können, gar nicht so einfach. Für mich erhält Grammatikunterricht dann einen Sinn, wenn die Kinder lernen, das erworbene Wissen sinnvoll einzusetzen. Dies ist meiner Meinung nach dann möglich, wenn sie ein Sprachbewusstsein aufbauen. Was darunter verstanden werden kann, soll aus der Sicht von verschiedenen Autoren herausgestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Klärung wichtiger Begriffe
3. Zielvorstellungen von Grammatikunterricht
4. Begründung des Lernziels Sprachbewusstsein
5. Bernd Switalla: Wie Kinder über Sprache denken
6. Jakob Ossner: Sprachthematisierung – Sprachaufmerksamkeit – Sprachwissen
7. Peter Klotz: Schulgrammatik. Alltagssprachliche Wege zu Sprachwissen und Sprachbewusstsein
8. Anmerkungen zu den Artikeln
9. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept des Sprachbewusstseins als zentrales Lernziel im Grammatikunterricht der Grundschule. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Schüler durch den Aufbau von Sprachbewusstsein ihre sprachliche Kompetenz nachhaltig steigern und den funktionalen Umgang mit Sprache erlernen können, anstatt nur isoliertes, formales Grammatikwissen zu reproduzieren.
- Definition und Abgrenzung verschiedener Begriffe der Sprachreflexion
- Analyse didaktischer Zielvorstellungen von Grammatikunterricht
- Untersuchung kindlicher Vorerfahrungen und Alltagstheorien über Sprache
- Vergleich fachdidaktischer Ansätze zur Förderung sprachlicher Aufmerksamkeit
- Entwicklung von Strategien zur funktionalen Sprachbetrachtung in der Grundschule
Auszug aus dem Buch
5. Bernd Switalla: Wie Kinder über Sprache denken.
Bernd Switalla stellt in seinem Text heraus, dass in der Sprachdidaktik nicht ausreichend zur Kenntnis genommen wird, dass schon jüngere Kinder in der Lage sind, über Sprache zu reflektieren. Denn im Sprachunterricht würde oftmals das alltagssprachliche Wissen der Kinder durch das „legitime Schulwissen“ ersetzt, anstatt an das bereits vorhandene Wissen anzuknüpfen und die Kinder dazu anzuregen, „ihr implizites Sprachverständnis zu artikulieren und zu reflektieren“ (S.25). Switalla meint, dass sowohl Kinder als auch Jugendliche und Erwachsene „Alltagstheorien“ über Sprache entwickeln, bevor sie beginnen, wissenschaftlich über Sprache nachzudenken.
Für den schulischen Grammatikunterricht sei es daher wichtig, Kinder als „sprachliche reflektierende Personen zur Kenntnis und ernst zu nehmen“ (S.24) und zu berücksichtigen, dass jemand, der die Sprache verstehen und gebrauchen kann, sich auch reflexiv dazu verhalten kann. Da schon in Ausdrücken der Alltagssprache die Bezugnahme auf andere sprachliche Ausdrücke enthalten ist (und somit ein gewisses metasprachliches Vokabular vorhanden ist), ist es möglich schon im elementaren Sprachunterricht mit Kindern über Sprache zu reflektieren und somit von Beginn an das kindliche Sprachbewusstsein systematisch zu fördern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin reflektiert eigene Erfahrungen im Praktikum und begründet das Interesse an innovativen Wegen im Grammatikunterricht, die über starre Regellehren hinausgehen.
2. Klärung wichtiger Begriffe: Es erfolgt eine theoretische Abgrenzung der Begriffe Sprachbewusstheit, Sprachbewusstsein, Sprachreflexion und Sprachwissen im Kontext der Fachliteratur.
3. Zielvorstellungen von Grammatikunterricht: Dieses Kapitel vergleicht traditionelle Ziele mit neuen Anforderungen, bei denen Lernende ein eigenes Kategoriensystem entwickeln, um Sprache bewusst zu gebrauchen.
4. Begründung des Lernziels Sprachbewusstsein: Die Notwendigkeit der Förderung von Sprachbewusstsein wird mit Blick auf die kommunikative Handlungsfähigkeit und PISA-Ergebnisse zur Lesekompetenz diskutiert.
5. Bernd Switalla: Wie Kinder über Sprache denken: Der Ansatz Switallas wird vorgestellt, der Kinder als „Sprachtheoretiker“ ernst nimmt und an deren Alltagstheorien anknüpfen möchte.
6. Jakob Ossner: Sprachthematisierung – Sprachaufmerksamkeit – Sprachwissen: Ossners Modell wird analysiert, das zwischen spontanem Verhalten und angeleiteter Sprachaufmerksamkeit unterscheidet, um eine funktional orientierte Grammatik zu begründen.
7. Peter Klotz: Schulgrammatik. Alltagssprachliche Wege zu Sprachwissen und Sprachbewusstsein: Klotz’ Modell der „endlichen Kette“ wird erläutert, das durch einen alltagsnahen Fragenkatalog Entscheidungspunkte für Sprecher verdeutlicht.
8. Anmerkungen zu den Artikeln: Die drei vorgestellten didaktischen Konzepte werden kritisch miteinander verglichen und auf ihre Umsetzbarkeit in der Grundschulpraxis hin reflektiert.
9. Schlussbemerkungen: Die Autorin resümiert, dass Sprachbewusstsein ein sinnvolles Ziel ist, sofern es die Freude am Experimentieren mit Sprache erhält und an existierende sprachliche Erfahrungen anknüpft.
Schlüsselwörter
Sprachbewusstsein, Sprachbewusstheit, Grammatikunterricht, Sprachreflexion, Grundschule, Schriftspracherwerb, Sprachdidaktik, Funktionale Grammatik, Metasprache, Alltagstheorien, Sprachaufmerksamkeit, Sprachhandeln, Sprachkompetenz, Sprachthematisierung, Alltagssprache
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Aufarbeitung des Sprachbewusstseins als zentralem Lernziel für den Deutschunterricht in der Grundschule.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Begriffsklärung der Sprachreflexion, die Analyse aktueller Lehrpläne und die Vorstellung verschiedener didaktischer Konzepte von Switalla, Ossner und Klotz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schüler durch einen funktionalen Grammatikunterricht zu einem bewussteren und kompetenteren Umgang mit Sprache gelangen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und den Vergleich didaktischer Fachartikel zur Sprachdidaktik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Theorien von Bernd Switalla, Jakob Ossner und Peter Klotz, um deren Vorstellungen für die schulische Praxis zu prüfen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Sprachbewusstsein, funktionale Grammatik, Sprachreflexion und kindliche Alltagstheorien sind die wesentlichen Kernbegriffe.
Warum hält die Autorin den traditionellen Grammatikunterricht für problematisch?
Sie kritisiert, dass traditioneller Unterricht oft zu abstraktem, „totem“ Wissen führt, das keine Verbindung zur gelebten Sprachpraxis der Schüler aufbaut.
Welchen Stellenwert räumt die Arbeit den Alltagserfahrungen der Kinder ein?
Einen sehr hohen, da die Autoren fordern, an die bereits vorhandenen impliziten Sprachkenntnisse der Kinder anzuknüpfen, anstatt diese durch isoliertes Schulwissen zu ersetzen.
Wie unterscheidet sich Klotz' Ansatz von dem der anderen Autoren?
Klotz schlägt ein konkretes Modell vor, das durch einen „Fragenkatalog“ Entscheidungssituationen bei der Textproduktion sichtbar machen will, was eine sehr strukturierte Form der Sprachbetrachtung darstellt.
- Quote paper
- Dorothee Ahlrichs (Author), 2005, Sprachbewusstsein als Lernziel des Grammatikunterrichts der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54821