Staatsbürgerkunde in der DDR. Probleme und Einflussfaktoren einer dogmatischen Pädagogik vom Staate aus.


Zwischenprüfungsarbeit, 2001

40 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Abriss der Entwicklung des Bildungssystems der DDR
2.1 Antifaschistisch-demokratische Schulreform - Neuordnung ab 1945
2.2 Aufbau der sozialistischen Schule
2.3 Allgemeinbildung und Polytechnisierung
2.4 Das einheitliche sozialistische Bildungssystem11

3. Ideologische Erziehung und Staatsbürgerkunde
3.1 Das Ideal der „allseitig entwickelten sozialistischen Persönlichkeit“
3.2 Ziele und Aufgaben des Staatsbürgerkundeunterrichts
3.3 Lehrplan und Lehrplanvorgaben
3.3.1 Begriffsbestimmung „Lehrplan“
3.3.2 Inhaltsvorgaben für das Fach Staatsbürgerkunde
3.4 Staatsbürgerkunde und Religion

4. Die Rolle des Staatsbürgerkundelehrers
4.1 Ansprüche an die Persönlichkeit des Lehrers
4.2 Didaktisch-methodische Umsetzung des Lehrplanes
4.2.1 Vorgaben
4.2.2 Probleme

5. Die Realität - Vergleich der Theorie und den Vorgaben des Staates mit der tatsächlichen Umsetzung im alltäglichen Schulbetrieb
5.1 Pädagogik der DDR - Staatspädagogik einer Diktatur
5.2 Zugänge
5.2.1 Lehrerrolle und Lehrersein
5.2.2 Schülerrolle, Schülersein und die Rolle der familialen Sozialisation

6. Schlussbetrachtung

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Erklärung/Versicherung

1. Einleitung

Als sich Ende der 80iger Jahre durch die Reformbewegung in der UdSSR der Ost- West-Konflikt, als ein Konflikt zweier sich grundlegend unterscheidender Herrschaftssysteme, und auch der Kalte Krieg, der seit dem Zerbrechen der Anti- Hitler-Koalition das Weltgeschehen maßgeblich beeinflusste, dem Ende neigten, ging auch ein Kapitel deutscher Geschichte zu Ende.

Dieses Kapitel war geprägt durch die Teilung Deutschlands und die damit verbundene Einbindung der neu entstandenen Staaten in den jeweiligen Machtbereich der Supermächte USA und UdSSR.

Während 1949 im Westteil Deutschlands ein Staat mit westlich-demokratischen Prinzipien ausgerufen wurde, die Bundesrepublik Deutschland, entstand im Ostteil der „erste Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden“, die Deutsche Demokratische Republik. Sie wurde nach sowjetischem Muster auf den Prinzipien des Marxismus-Leninismus bzw. des Sozialismus aufgebaut.

Vom Selbstverständnis her war die DDR ein „...sozialistischer deutscher Staat, in dem die von der marxistisch- leninistischen Partei, der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, geführte Arbeiterklasse [...] die Macht ausübt. […] Sie [die Arbeiterklasse] schuf den sozialistischen Staat der Arbeiter und Bauern als eine Form der Diktatur des Proletariats.“ (Böhme 1978, S.162)

Weiterhin verstand sie sich als ein „...Teil des welthistorischen Prozesses […], des Übergangs der Völker vom Kapitalismus zum Sozialismus“. (ebd., S.163)

Doch unter der Berücksichtigung des dialektischen Verhältnisses von Sein und Bewusstsein, bedurfte dieser Übergang eines neuen Menschentyps. Dieser sollte im Sozialismus, als eine Vorstufe des Kommunismus, gebildet werden. Der marxistisch- leninistischen Partei als „Avantgarde des Proletariats“ oblag hierbei die Führung.

Diesen Führungsanspruch machte die SED in allen Bereichen des öffentlichen Lebens geltend. In Verbindung mit dem demokratischen Zentralismus, als ein Grundprinzip der marxistisch- leninistischen Theorie, baute man einen Staatsapparat auf, in dem sich alle Befugnisse von der SED selbst ableiteten, die somit das absolute Machtmonopol besaß. Im Hintergrund einer sogenannten Erziehungsdiktatur, wie das System der DDR auch bezeichnet wird, spielte natürlich die Schule als staatliche Instanz der Erziehung eine besonders große Rolle.

Der staatliche Erziehungsanspruch ging aber weit über den Bereich der Schule hinaus. Die Organisation von Kaderlehrgängen, Parteischulen etc. soll als Beispiel dienen. Ein deutliches Kennzeichen für das Faktum ist die verfassungsmäßige Verankerung des Erziehungsanspruchs und Leitlinien seiner Ausrichtung:

„Die Deutsche Demokratische Republik sichert das Voranschreiten des Volkes zur sozialistischen Gemeinschaft allseitig gebildeter und harmonisch entwickelter Menschen, die vom Geist des sozialistischen Patriotismus und Internationalismus durchdrungen sind und über eine hohe Allgemeinbildung und Spezialbildung verfügen.“ (Verfassung der DDR von 1974 Artikel 25 (2) aus Schneider 1995, S. 27)

Diese Arbeit beschäftigt sich nun mit einem Instrument des Staates, dass durch offenkundlich politisch-ideologische Erziehung und Bildung die Aufgabe verfolgte, zur Verwirklichung der Entwicklung des Sozialismus in der DDR beizutragen – das Unterrichtsfach Staatsbürgerkunde. Um das Thema im bildungspolitischen Zusammenhang betrachten zu können, wird einleitend eine Übersicht zur Entwicklung des Bildungssystems der DDR erstellt.

Die Darstellung erfolgt dann zunächst aus dem Selbstverständnis des damaligen Staates heraus, und erläutert diesbezüglich die Idee der sozialistischen Erziehung und Bildung, die diversen staatlichen Vorgaben und speziellen Anforderungen an den Lehrer. Anschließend wird in einem Vergleich zwischen der Theorie und der tatsächlichen Umsetzung in die Realität bilanziert welche Probleme sich bei dem Versuch der Umsetzung der Theorie bemerkbar machten, und wo die Grenzen des Einflusses einer vom Staat dogmatisch auferlegten Pädagogik sind.

2. Zur Entwicklung des Bildungssystems in der DDR

Die folgende Skizzierung der Entwicklung der Bildungspolitik und des Bildungssystems der DDR erhebt nicht den Anspruch einer generellen Orientierung, sondern dient lediglich dazu kontextuelle Bedingungen aufzuzeigen, um einen Rahmen für den eigentlichen Gegenstand dieser Arbeit zu schaffen. Es wird daher auch vorrangig Bezug genommen auf die Schulpolitik und Schulentwicklung bis 1965.[1]

2.1 Antifaschistisch-demokratische Schulreform - Neuordnung ab 1945

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges übernahm am 8. Mai 1945 die Sowjetische Militär- administration in Deutschland (SMAD) die Regierungsgewalt auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Die SMAD trug somit auch die Verantwortung für den Wideraufbau des Bildungswesens und überwachte das Erziehungsgeschehen dahingehend, dass nazistische und militaristische Lehren entfernt wurden und eine Entwicklung demokratischer Ideen vorangetrieben wurde. Dabei waren für die Neugestaltung des Schulwesens sowohl die Vorstellungen der SMAD als auch die Pläne der aus dem sowjetischen Exil zurückkehrenden Mitglieder der KPD entscheidend. So wurden die meisten Schlüsselpositionen in den neuen Schulverwaltungen der Länder und der am 27.Juli 1945 errichteten Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung (DZV, später Ministerium für Volksbildung) in Berlin aus den Reihen der KPD besetzt.

(vgl. Anweiler 1988, S.22ff)

Mit dem Zusammenschluss der vier in der SBZ zugelassenen Parteien[2] zur

„Einheitsfront der antifaschistisch-demokratischen Parteien“, in der nach dem Prinzip der Einstimmigkeit und Verbindlichkeit der Einheitsfront-Beschlüsse verfahren werden sollte, wurde ein „...freier Wettbewerb der politischen Parteien erheblich eingeschränkt; die Selbstbindung der Parteien wirkte sich schon bald ausschließlich zugunsten der KPD und später der SED[3] aus und behinderte die offene demokratische Auseinandersetzung auch und gerade in Fragen der Schule und Erziehung.“ (Griese/Marburger 1995, S.23) Die Anfangsphase der schulpolitischen Entwicklung war jedoch von einem weiteren, erhebliche Bedeutung tragenden Faktor bestimmt.

Im Zuge der Entnazifizierung der Schulen, wurde die politische und soziale Umschichtung der Lehrerschaft eingeleitet. Bis 1948 wurden rund 75 Prozent der vor 1945 aktiven Lehrer aus dem Schuldienst entlassen. Dies hatte zur Folge, dass ein erheblicher Lehrermangel entstand. Die verbliebenen Lehrer mussten an obligatorischen politischen Schulungen teilnehmen. Die Bevölkerung und selbst die Schulverwaltung reagierte auf die Maßnahme der politischen Säuberung mit Unverständnis, da ein Absinken des fachlichen Unterrichts zu befürchten war. Um die entstandene Lücke in der Lehrerschaft zu füllen, wurden im Schuljahr 1946/47 etwa 24000 sogenannte Neulehrer in achtmonatigen Kursen ausgebildet. Mehr als die Hälfte verfügte lediglich über eine Volksschulbildung und besaß keinerlei pädagogische Kenntnisse. (vgl. Anweiler 1988, S. 24)

Durch die Übernahme der Schlüsselfunktionen durch die KPD/SED, die zunehmende Zentralisierung und die beginnende Umformung der Lehrerschaft gewann die kommunistische Partei zu einem sehr frühen Zeitpunkt die Kontrolle über das Schulwesen. Zwar enthielt das Programm für eine „demokratische Schulreform“ noch keine parteipolitischen Festlegungen, da alltägliche Probleme der Nachkriegszeit und die Herstellung eines relativ normalen Schulbetriebs im Vordergrund standen, die entscheidenden politischen Weichen wurden aber verhältnismäßig früh gestellt. (vgl. ebd., S.25ff)

Im Mai/Juni 1946 betrieb die SED ohne größere Widerstände die rechtliche Fixierung der Bildungsreform, indem in den Ländern der SBZ das „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule“ erlassen wurde. Mit diesem Gesetz waren grundlegende Strukturentscheidungen gefallen. Für alle Kinder war nun die achtklassige Einheitsschule (Grundstufe) verbindlich, der sich entweder drei Jahre Berufsschule oder eine höhere Schule anschloss (Oberstufe). „Die neue Einheitsschule sollte auch die soziale Zusammensetzung der Oberschüler und Studenten langfristig verändern, indem sie die frühere Auslese und die institutionellen Barrieren auf dem Weg zur Hochschule für die ‚Arbeiter und Bauern’ beseitigte.“ (ebd., S.29) Der Anteil von „Arbeiter- und Bauernkindern“ auf der Oberschule und den Universitäten galt in der SBZ und bis zum Ende der DDR „als Gradmesser der Demokratisierung und des sozialistischen Charakters der Gesellschaft.“ (ebd.) Bei der Zuordnung zu dieser Gruppe handelte es sich jedoch nicht nur „um objektive soziale Statuszuweisungen“, sondern immer auch „um Elemente einer Gesinnungs- und Verhaltensprüfung nach politischen Kriterien,“ (ebd.) die allerdings nur schwer aufgrund empirischen Daten messbar und nachprüfbar sind.

Als sozialpolitische Ziel dieses Gesetzes galt aber die Gleichheit der Bildungschancen.

Jedoch gab es bei der Umsetzung der Bildungsreform einige Schwierigkeiten. Zum einen gab es lokale Unterschiede aufgrund praktischer Organisationsschwierigkeiten, andererseits wurde das Prinzip der Einheitsschule gerade an Schulen die sich an den Reformschulen vor 1933 orientierten, unterschiedlich ausgelegt. (vgl. ebd., S.28)

Die neue Schule sollte aber nicht nur zur Demokratisierung der Bildung in sozialer Hinsicht beitragen, sondern auch ein neues „pädagogisches Gesicht“ erhalten. „Das Gesetz zu Demokratisierung der deutschen Schule“ enthielt zwar neue Grundgedanken, eine einheitliche pädagogische Ausrichtung der neuen Einheitsschule war darin aber nicht zu finden. Auskunft über die geistigen Grundlagen der neuen Schule gaben erst die im Mai 1947 auf dem II. Pädagogischen Kongress in Leipzig angenommenen „Grundsätze der Erziehung in der deutschen Demokratischen Schule.“ Dieses Leitdokument der Schulreform enthielt programmatische Aussagen „an der Schwelle einer sozialistischen Gesellschaftsordnung“ (ebd., S.34), wenn auch die Zielstellungen nicht marxistisch ausgerichtet waren, sondern enger Bezug zur Pädagogik Pestalozzis genommen wurde. „Der ‚streitbare demokratische Humanismus’ als oberstes Erziehungsziel mit der ‚Achtung vor der Freiheit, der Gerechtigkeit und der Würde des Menschen’ als seinen Grundvoraussetzungen konnte noch als verbindendes Programm der demokratisch-antifaschistischen Parteien gelten.“ (ebd.) Es handelte sich somit hier noch um gesellschaftspolitische und nicht parteipolitische Forderungen.

2.2 Aufbau der sozialistischen Schule

Zwischen 1948 und 1958 wurde das Schulwesen in der DDR radikal umgestaltet. Diese Umgestaltung begann 1948 mit der innerparteilichen Veränderung und Entwicklung der SED, die sich zu „einer Partei neuen Typus, die unerschütterlich und kompromisslos auf dem Boden des Marxismus-Leninismus steht“ (ebd., S.40) umformte und damit den politischen Kurs einer volksdemokratischen-sozialistischen Umgestaltung einschlug.

Die schulpolitische Neuorientierung begann mit der I. Parteikonferenz der SED 1949, als man im Zeichen der Politik des „Übergangs zum Sozialismus“ auch die Ausrichtung des Bildungswesens nach den Grundsätzen des Marxismus-Leninismus proklamierte.

(vgl. Griese/Marburger, S.12)

Die von der SED im August 1949 erarbeiteten „Schulpolitischen Richtlinien“ sollte wesentlich dazu beitragen den Übergang zum Sozialismus zu vollziehen und brachten zum Ausdruck, dass die politisch-ideologische Erziehung weiterhin das zentrale Problem bleiben wird.

Das Erziehungs- und Bildungsziel der „Schulpolitischen Richtlinien“ beinhaltete neben der „Herausbildung eines neuen demokratischen Staatsbewußtseins [...], eines freundschaftlichen Verhältnisses zur Sowjetunion“, und der „Befähigung, die Volkswirtschaft aufzubauen und deren Überlegenheit gegenüber der kapitalistischen Wirtschaft zu beweisen“ (Monumenta Paedagogica, Bd. XIV, S.16) noch das Ziel der Weiterführung des Kampfes um eine friedliche Wiedervereinigung.

Es begann jedoch ein Prozess der Gleichschaltung aller gesellschaftlichen und politischen Institutionen im Sinne der sozialistischen Entwicklung.

Voraussetzung für die Lösung der neuen schulpolitischen Aufgaben war der Prozess der Klärung politisch-ideologischer und pädagogisch-methodischer Grundfragen den ANWEILER mit folgenden 4 Punkten charakterisiert. Er betraf:

1. die Verpflichtung der pädagogischen Theorie auf den Marxismus-Leninismus und die Sowjetpädagogik;
2. die „Überwindung“ der reformpädagogischen Anschauungen und die Anerkennung einer verbindlichen „sozialistischen“ Didaktik und Methodik im Schulunterricht;
3. die stärkere ideologische Durchdringung der Erziehung und des gesellschaft-lichen Umfeldes der Schule;
4. die Suche nach einem gegenüber 1946 veränderten Strukturmodell der allgemeinbildenden Schule aufgrund der wirtschaftlichen Kaderbedarfspläne sowie ungelöster Probleme der Einheitsschule. (vgl.: ebd., S.43)

Interessant ist es hier zu erwähnen, dass weder die sowjetische Besatzungsmacht, noch die deutschen Kommunisten vor 1948 eine Orientierung der Schulpolitik und Pädagogik am Marxismus-Leninismus verlangten.

Es erfolgte also mit dem neuen Kurs der SED eine Umorientierung auf die Ideologie der Sowjetpädagogik. Diese ideologische Bindung, die 1948/49 begann, blieb als Konstante der Schulentwicklung in der DDR bestehen.

Zunächst wurde allerdings nur eine Nachahmung der sowjetischen Pädagogik betrieben. Diverse Bücher, Broschüren und Aufsätze, darunter Werke von A.S. Makarenko, wurden aus dem Russischen übersetzt und nach Änderung von Studien- und Prüfungsordnungen zur obligatorischen Pflichtlektüre an Universitäten und in der Lehrerfortbildung. Ebenso fanden Lehrpläne und Lehrbücher der sowjetischen Pädagogik Verwendung im Unterricht.

Das ZK der SED bekräftigte 1951 in drei Entschließungen über „...die Schule, die Berufsausbildung und die Universitäten und Hochschulen die Notwendigkeit, in allen Bereichen den Marxismus-Leninismus und die Sowjetpädagogik als Grundlage der Bildung und Erziehung konsequent anzuwenden.“(Anweiler1988, S.45) Es wurde sogar von einer „Kompassfunktion der Sowjetpädagogik“ gesprochen.

Der Beschluss des Politbüros der SED vom 29. Juli 1952 brachte auch eine sozialistische Zielsetzung der ideologischen Ausrichtung des Unterrichts und der Erziehung zum Ausdruck. Darin hieß es, dass es die Aufgabe der Schule ist, „...die Jugend zu allseitig entwickelten Persönlichkeiten zu erziehen, die fähig und bereit sind, den Sozialismus aufzubauen und die Errungenschaften der Werktätigen bis zum äußersten zu verteidigen.“(Monumenta Paedagogica Bd.XIV, S.145) Weiter wird der Schule der Auftrag übergeben „...Patrioten zu erziehen die ihrer Heimat, ihrem Volke, der Arbeiterklasse und der Regierung treu ergeben sind, die Einheit der friedliebenden, unabhängigen, demokratischen Deutschlands im Kampf gegen die imperialistischen Okkupanten und die Adenauer-Clique erzwingen, ewige Freundschaft mit der Sowjetunion [...] halten, [...] das sozialistische Eigentum mehren und schützen,...“ (ebd.) und die Staatsmacht festigen.

In der Phase des Übergangs zum Sozialismus sollte die Schule zur Stätte ideologischer Umformung der Kinder und Jugendlichen werden und es wurde so die Verankerung des neuen sozialistischen Wertesystems in allen Schichten der Bevölkerung angestrebt. Die SED sah somit den Aufbau des Sozialismus schwerpunktmäßig als eine erzieherische Aufgabe und versuchte nun ihren Führungsanspruch in der Bildung und Erziehung durchzusetzen. (vgl. Grieße/Marburger 1995, S.13)

2.3 Allgemeinbildung und Polytechnisierung

Die wichtigste strukturelle Neuerung in der Schulentwicklung betraf die Einführung der Zehnklassenschule. Durch die nicht befriedigend gelösten Probleme der Einheitsschule und vor allem durch die Anforderungen, die durch den wirtschaftlichen Aufbau und die volkswirtschaftliche Planung an die Schule herangetragen wurden, verlangte das Ministerium für Volksbildung im Mai 1955 die Verstärkung der zehnklassigen Schulausbildung im zweiten Fünfjahrplan (1955-1960).

Seit 1956 wurde dann die zehnklassige allgemeinbildende Mittelschule, die zugleich die Aufgabe der polytechnischen Bildung übernehmen sollte, als „...die dem sozialistischen Aufbau entsprechende Schulform proklamiert, die deshalb die zukünftige obligatorische Schule für alle Kinder in der DDR werden sollte.“ (Anweiler 1988, S.52)

Die zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule (POS) sollte als staatliche, unentgeltliche, einheitliche Pflichtschule allen Kindern eine hohe Allgemeinbildung vermitteln, ihrer kommunistischen Erziehung dienen und sie durch den Unterricht sowie durch vielfältige außerunterrichtliche Tätigkeiten auf das Leben und die Arbeit und auf alle weiterführenden Bildungswege vorbereiten. Der Begriff ,,Oberschule" steht für die Einheitsschule auf hohem intellektuellen Niveau. Das ergänzende Adjektiv ,,polytechnisch" wird als Verbindung von Theorie und Praxis verstanden. Der 10jährigen „Pflichtschule“ schloss sich die „Erweiterte Oberschule“ (EOS) an, an welcher das Abitur erworben werden konnte. Der Übergang zu dieser höheren Schule erfolgte bereits nach der 8. Klasse, da die vierjährige Oberschule als „erweiterte Oberschule“ wie bisher erhalten blieb, wobei nicht nur schulische Leistungen ausschlaggebend für den möglichen Übertritt waren, sondern vor allem die politisch-ideologische Bewertung eine große Rolle spielte.

Die Polytechnische Bildung wurde, auf der Grundlage von Marx, als charakteristisches Merkmal der sozialistischen Schule herausgehoben. Bei der Konzeption der polytechnischen Bildung handelte es sich um das Kernstück einer marxistischen Theorie der Bildung und Erziehung. Marx sprach sich darin für die Verbindung von Unterricht und Produktion aus. Es sollten zum einen allgemeine wissenschaftliche Grundkenntnisse, auch die der Produktionsprozesse, vermittelt werden und zum anderen eine praktische Verbindung der Erziehung mit produktive Arbeit hergestellt werden. (vgl. ebd., S.59)

[...]


[1] Einen Überblick zum Bildungswesen der DDR in seiner Gesamtheit, findet man bei Dietmar Waterkamp: Handbuch zum Bildungswesen der DDR. Berlin, 1987.

[2] KPD, SPD,LDPD und CDU

[3] KPD und SPD schlossen sich im April 1946 zur sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) zusammen

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Details

Titel
Staatsbürgerkunde in der DDR. Probleme und Einflussfaktoren einer dogmatischen Pädagogik vom Staate aus.
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für allgemeine Erziehungswissenschaft)
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
40
Katalognummer
V54859
ISBN (eBook)
9783638499682
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Staatsbürgerkunde, Probleme, Einflussfaktoren, Pädagogik, Staate
Arbeit zitieren
Esther Uhlmann (Autor), 2001, Staatsbürgerkunde in der DDR. Probleme und Einflussfaktoren einer dogmatischen Pädagogik vom Staate aus., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54859

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