Fußball als Religion? Göttliches Spiel auf heiligem Rasen?


Seminararbeit, 2006

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Parallelen von Fußball und Religion

3 Die Bedeutung von Ritualen im Fußball

4 Heiligenverehrung – sind Fußballer unsere wahren Götter?

5 Fußball als Ersatzreligion?

6 Fazit

7 Literatur und Internetquellen

1 Einleitung

Fußball als Gottesdienst

„Tausende von religiösem Fanatismus beseelte Menschen strömen, gekleidet in den Farben ihrer Sekte, versehen mit Wimpeln und anderen Devotionalien ins Stadion, das einem Heiligtum gleichkommt. Auf dem heiligen Rasen jagen unter der Aufsicht des schwarz gekleideten Oberpriesters rivalisierende Ballpfaffen in Spezialkleidung hinter der Wahrheit in Form einer Kugel her. Mit dem Fuß wird der Gral hin und her gekickt, um ab und zu die sich ekstatisch aufführenden Glaubensanhänger auf den Rängen in lautstarke rituelle Gesänge ausbrechen zu lassen. “

(Pieper, 1993, S. 157)

Fußball begegnet uns täglich überall und jetzt, im Hinblick auf die Fußball WM 2006 in Deutschland, besonders. Längst hat der Fußball sämtliche Bereiche des Lebens eingenommen und ist auch kein reiner Männersport geblieben. Die Zahl der Frauen und Mädchen die sich für Fußball interessieren oder selbst aktiv spielen, hat ebenso zugenommen wie das Interesse der Medien an dem Sport. Und selbst an Universitäten versucht man sich dem Phänomen Fußball wissenschaftlich anzunähern. Auch die großen Kirchen schenken dieser gesellschaftlichen Massenbewegung in der Zwischenzeit größere Aufmerksamkeit und versuchen anstatt mit dem Fußball zu konkurrieren ihn in die Glaubensgemeinschaft zu integrieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sport und Kirche sind mit großem Abstand die zwei größten Bürgerbewegungen des Landes. In jedem Dorf gibt es eine Kirche und einen Sportverein und der DFB hat mit seinen über sechs Millionen Mitgliedern fast so viele Mitglieder wie die Katholische oder Evangelische Kirche (vgl. http://www.dfb.de).

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Warum aber fiebert ein Großteil der Deutschen so auf die WM hin und warum fiebern Menschen einem jeden Spiel ihres Vereins entgegen, verbringen regelmäßig jeden Samstag oder Sonntag auf dem Fußballplatz oder im Stadion, während dieser Tag doch eigentlich Gott geweiht ist? Kann Fußball ein sinnstiftendes Element sein? Kann er den Menschen Lebenshilfe sein, wie es die Religion für viele ist? Ist Fußball gar selbst eine Religion, die zum Beispiel der christlichen ebenbürtig ist und diese ersetzen kann? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die vorliegende Arbeit.

Hierbei wird zunächst auf den Begriff „Religion“ eingegangen und dabei die Parallelen zum Fußball herausgestellt. Im Weiteren wird die Bedeutung von Ritualen bei Fußballspielen und im Anschluss die „Heiligenverehrung“ beim Fußball untersucht. Zuletzt wird sich mit der Frage beschäftigt, ob Fußball eine Ersatzreligion darstellen kann.

Im Rahmen dieser Hausarbeit wird sich dabei auf den Fußball in Deutschland beschränkt. Dass eine Analyse in anderen Ländern, beispielsweise in Südamerika, anders ausfallen könnte ist nicht auszuschließen, wird hier jedoch außer Acht gelassen.

2 Parallelen von Fußball und Religion

Um zu untersuchen ob Fußball eine Religion sein kann, muss zuerst einmal der Religionsbegriff definiert werden. Dies stellt jedoch eine Schwierigkeit dar, da es in den verschiedenen Wissenschaften keine einheitliche Definition von Religion gibt und auch in der Religionswissenschaft existieren verschiedene Definitionen von Religion nebeneinander. Es lassen sich jedoch Gemeinsamkeiten feststellen. So kann allgemein gesagt werden, dass Religionen sich damit beschäftigen, „die ‚letzten’ (Sinn-)Fragen menschlicher Gesellschaft und Individuen aufzugreifen und zu beantworten“ ((c)http://www.brockhaus-enzyklopaedie.de). Wird Religion als eng mit dem Glauben und übermenschlichen Prozessen und Wesen verbunden gesehen, wie es der substanzielle Religionsbegriff tut, so erscheint es unsinnig beim Fußball von einer Religion zu sprechen. Fasst man den Religionsbegriff jedoch weiter, wie es zum Beispiel Durkheim, ein Vertreter des funktionalen Religionsbegriffes tat, so wird Religion über ihre Funktion definiert. Es wird davon ausgegangen, dass Religion für das Individuum und die Gesellschaft eine prägende Rolle spielt und diese mitgestaltet. Religion wird hier über die soziale Funktion, das heißt, in Bezug auf gesellschaftliche und individuelle Zusammenhänge, definiert. Dieser Religionsbegriff kann eben auch auf Bereiche wie den Sport angewandt werden (vgl. Herzog, S. 27).

Wie die Religion übernimmt auch der Fußball Funktionen der gesellschaftlichen Integration und Identifikation. Die „Knirpse“, die schon den Ball rollen lassen, kaum das sie richtig laufen können, werden von der Zeit auf dem Fußballplatz vielleicht mehr geprägt, als es andere Bereiche ihres Lebens je tun werden. Auch tendiert der Fußball dazu die Menschen mitzureißen und er betrifft sie. Er ist allgegenwärtig und vielerorts Gesprächsthema. Spätestens bei Ereignissen wie der WM oder EM merkt man, wie sehr Fußball ein Thema ist, das unsere Gesellschaft bewegt.

Gemeinsam ist der Religion und dem Fußball außerdem das Erzeugen von Gemeinschaft. Während in der Kirche die Gemeinschaft im Gottesdienst, den Singstunden oder den Orchesterproben gepflegt wird, so passiert dies beim Fußball während des Stadionbesuchs oder beim vorherigen oder anschließenden Zusammentreffen in der Vereinskneipe. Aber auch das gemeinsame Fußballerlebnis vor dem Fernseher kann ein solches Gemeinschaftserlebnis darstellen. Genauso wie sich in der Religion zu einer bestimmten Glaubensrichtung bekannt wird, so wird sich im Fußball zu einem bestimmten Verein bekannt, dem die Treue geschworen wird. In der Ernsthaftigkeit dieser Bekenntnisse stehen sich die Anhänger in nichts nach.

Der festive Charakter von Gottesdiensten und Fußballspielen stellt eine weitere Parallele dar. Ein Fest steht im Gegensatz zum Alltag, es ist „herausgehoben aus den alltäglichen Verrichtungen und Zumutungen, abgesetzt von jeder Pflichtmonotonie“ (Bausinger, 2000, S. 47). Gerade hierbei gibt es natürlich gravierende Unterschiede und sogar Gegensätze von Fußball und Religion. Genau die Besonnenheit und Ruhe, das „Zu-Sich-Selbst-Kommen“, welches beim feiern eines Gottesdienstes erlebt werden kann, wird bei einem Fußballspiel ins Gegenteil umgekehrt. Überschäumende Lebenslust und Siegestaumel oder zutiefste Bestürzung bei einer Niederlage, die lauthals zum Ausdruck gebracht werden darf, dadurch zeichnet sich ein Fußballspiel im Gegensatz zum Gottesdienst aus.

Auf die Gemeinsamkeiten und Differenzen in der Ausübung und Bedeutung von Ritualen und in den Zielen von Religion und Fußball soll im Folgenden eingegangen werden.

3 Die Bedeutung von Ritualen im Fußball

Sowohl in der Religion als auch beim Fußball existieren gewisse Rituale. Wie im Eingangszitat in überspitzter Form dargestellt, gibt es im Fußball rituelle Abläufe die denen eines Gottesdienstes ähneln. Wie auch in der Kirche dienen sie dazu Gemeinschaft zu stiften und einen feierlichen Rahmen zu schaffen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Fußball als Religion? Göttliches Spiel auf heiligem Rasen?
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
12
Katalognummer
V54860
ISBN (eBook)
9783638499699
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fußball, Religion, Göttliches, Spiel, Rasen
Arbeit zitieren
Ines Weihing (Autor), 2006, Fußball als Religion? Göttliches Spiel auf heiligem Rasen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54860

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