Ab 2005 besteht in Deutschland voraussichtlich ein Wahlrecht zur Anwendung der International Accounting Standards/International Financial Reporting Standards (im folgenden IAS/IFRS) bezüglich der Erstellung des Einzelabschlusses aller Unternehmen und des Konzernabschlusses der nicht kapitalmarktorientierten Unternehmen. Damit stehen auch kleine und mittelgroße Unternehmen vor dem Problem, ob dieses Wahlrecht ausgeübt werden soll.
Im Grundlagenteil dieser Arbeit werden zunächst kleine und mittelgroße Unternehmen abgegrenzt sowie die aktuelle Entwicklung der internationalen Rechnungslegung und die Auswirkungen der Internationalisierung der Rechnungslegung mit allgemeinen Vor- und Nachteilen für kleine und mittelgroße Unternehmen erläutert.
Um die grundsätzlichen Unterschiede der Ansatz- und Bewertungsvorschriften nach HGB und nach IAS/IFRS darzustellen, wurde vom Verfasser aus der Vielzahl der Möglichkeiten die Bewertung von langfristigen Fertigungsaufträgen gewählt. Als HBG-konforme Bewertungsmethode wird die Completed-Contract-Methode ausführlich erläutert. Der IASB (International Accounting Standards Board) hat die Bewertung von Fertigungsaufträgen im IAS 11 geregelt. Danach ist die Percentage-of-Completion-Methode anzuwenden, die ebenfalls ausführlich beschrieben wird. Dabei werden Situationen, in denen der langfristige Fertigungsauftrag mit Gewinn abgeschlossen wird von solchen unterschieden, in denen über alle Perioden des Fertigungauftrags ein negatives Ergebnis erzielt wird.
Es schließt sich ein Vergleich beider Methoden in bezug auf kleine und mittelgroße Unternehmen an. Die wesentlichen Unterschiede sowie Vor- und Nachteile beider Methoden werden dargestellt. Dabei wird an einem einfachen Beispiel untersucht, ob die Anwendung der IAS/IFRS für kleine und mittelgroße Unternehmen, die langfristige Fertigungsaufträge ausführen, sinnvoll sein kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen internationaler Rechnungslegung für kleine und mittelgroße Unternehmen
2.1 Definition kleiner und mittelgroßer Unternehmen
2.2 Aktuelle Entwicklung der gesetzlichen Grundlagen internationaler Rechnungslegungsvorschriften
2.3 Auswirkungen der Internationalisierung der Rechnungslegung auf kleine und mittelgroße Unternehmen
3 Gegenüberstellung der Bewertungsvorschriften langfristiger Fertigungsaufträge nach HGB und IAS/IFRS
3.1 Abgrenzung langfristiger Fertigungsaufträge
3.2 Sonderprobleme bei der Bewertung langfristiger Fertigungsaufträge
3.3 Langfristige Fertigungsaufträge nach dem HGB
3.3.1 Grundsätze der Bewertung von langfristigen Fertigungsaufträgen nach dem HGB
3.3.2 Completed-Contract-Methode
3.3.2.1 Completed-Contract-Methode bei kumuliertem Gewinn des langfristigen Fertigungsauftrags
3.3.2.2 Completed-Contract-Methode bei kumuliertem Verlust des langfristigen Fertigungsauftrags
3.4 Langfristige Fertigungsaufträge nach den IAS/IFRS
3.4.1 Grundsätze der Bewertung von langfristigen Fertigungsaufträgen nach den IAS/IFRS
3.4.2 Percentage-of-Completion-Methode
3.4.2.1 Percentage-of-Completion-Methode bei kumuliertem Gewinn des langfristigen Fertigungsauftrags
3.4.2.2 Bilanzierung nach IAS/IFRS bei kumuliertem Verlust des langfristigen Fertigungsauftrags
3.5 Anwendung und Vergleich der Bewertungsmethoden bezüglich kleiner und mittelgroßer Unternehmen
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die bilanzielle Behandlung langfristiger Fertigungsaufträge unter dem HGB im Vergleich zu IAS/IFRS und analysiert insbesondere, ob für kleine und mittelgroße Unternehmen ein Wechsel zu internationalen Standards aufgrund des Wahlrechts und der verbesserten Darstellung der Ertragslage vorteilhaft ist.
- Grundlagen der Rechnungslegung für KMU
- Gegenüberstellung Completed-Contract- vs. Percentage-of-Completion-Methode
- Auswirkungen des Gewinnausweises auf die Kreditwürdigkeit
- Kosten-Nutzen-Analyse der IFRS-Einführung
Auszug aus dem Buch
3.2 Sonderprobleme bei der Bewertung langfristiger Fertigungsaufträge
Der unabgeschlossene langfristige Fertigungsauftrag ist am Bilanzstichtag nur zum Teil ausgeführt, d.h. beide Vertragspartner haben Ihre Verpflichtungen noch nicht vollständig erfüllt. Der Hersteller hat das Projekt noch nicht vollendet und der Auftraggeber hat noch nicht vollständig bezahlt. Daraus resultieren besondere Bilanzierungs- und Bewertungsprobleme. Die Frage, ob der Auftragnehmer oder der Auftraggeber das noch unfertige Werk bilanzieren muß, wird ggf. abweichend vom juristischen Eigentumsbegriff mit der Bilanzierung beim Auftragnehmer beantwortet. Das Hauptproblem stellt jedoch die Bewertung, d.h. die Höhe des Ansatzes des langfristigen Fertigungsauftrags in der Bilanz des Auftragnehmers dar. Zur Bestimmung des Bilanzwertes gibt es verschiedene Ansätze, von denen die Completed-Contract-Methode und die Percentage-of-Completion-Methode am bedeutendsten sind. Wichtigster Unterschied zwischen beiden Methoden ist die Verteilung der aus dem Fertigungsauftrag entstehenden Gewinne über die Laufzeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz des Wahlrechts zur Anwendung von IAS/IFRS für kleine und mittelgroße Unternehmen in Deutschland und führt in die Thematik der Bilanzierung langfristiger Fertigungsaufträge als Analysegegenstand ein.
2 Grundlagen internationaler Rechnungslegung für kleine und mittelgroße Unternehmen: Dieses Kapitel definiert KMU und analysiert die aktuelle Entwicklung sowie die Vor- und Nachteile der Internationalisierung der Rechnungslegung.
3 Gegenüberstellung der Bewertungsvorschriften langfristiger Fertigungsaufträge nach HGB und IAS/IFRS: Hier erfolgt eine detaillierte Gegenüberstellung der Methoden zur Auftragsbewertung, wobei insbesondere die Unterschiede zwischen der HGB-konformen Completed-Contract-Methode und der IAS-konformen Percentage-of-Completion-Methode herausgearbeitet werden.
4 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einem Resümee über die Vorteile des periodengerechten Erfolgsausweises nach IAS 11 und bewertet die Eignung der internationalen Standards für KMU unter Berücksichtigung der damit verbundenen Kostenbelastung.
Schlüsselwörter
IAS/IFRS, HGB, Fertigungsaufträge, KMU, Rechnungslegung, Completed-Contract-Methode, Percentage-of-Completion-Methode, Bilanzierung, Gewinnrealisierung, Bewertungsvorschriften, Internationalisierung, Jahresabschluss, Fremdkapitalkosten, Periodenerfolg, Investition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Herausforderungen und bilanzpolitischen Entscheidungen kleiner und mittelgroßer Unternehmen bei der Anwendung internationaler Rechnungslegungsstandards im Kontext langfristiger Auftragsfertigungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Abgrenzung von KMU, die vergleichende Analyse von HGB- und IFRS-Bewertungsmethoden bei Aufträgen sowie die ökonomischen Auswirkungen dieser Bilanzierungsmethoden auf die Unternehmensfinanzierung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Nutzwert einer Umstellung auf IAS/IFRS bei der Bewertung langfristiger Fertigungsaufträge für KMU zu prüfen und Vor- sowie Nachteile dieser Umstellung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse der gesetzlichen Vorschriften und einer vergleichenden Gegenüberstellung der Bewertungsmethoden mittels Fallbeispielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifisch die Completed-Contract-Methode (HGB) und die Percentage-of-Completion-Methode (IAS 11) anhand verschiedener Gewinn- und Verlustszenarien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe IAS/IFRS, Fertigungsaufträge, KMU, Bilanzierung und Gewinnrealisierung definieren.
Warum ist die Bilanzierung nach IAS 11 für Banken attraktiver?
Da IAS 11 einen periodengerechten Gewinnausweis ermöglicht, verbessert dies die Aussagekraft über die Rentabilität des Unternehmens, was bei Banken zu einer positiveren Einschätzung der Kreditwürdigkeit führen kann.
Welches Hauptargument führen Kritiker gegen IAS/IFRS für KMU an?
Kritiker führen primär die überproportional hohen Kostenbelastungen durch Umstellungsaufwand, Berichterstattung und Beratungskosten an, die kleine Unternehmen unverhältnismäßig stark treffen.
Welche Rolle spielt das Imparitätsprinzip im HGB-Kontext?
Das Imparitätsprinzip sorgt für die Bildung von Drohverlustrückstellungen, wenn bei langfristigen Aufträgen Verluste erwartet werden, und verhindert somit die Ausweisung von Scheingewinnen vor Abschluss eines Projekts.
- Quote paper
- Thomas Gipp (Author), 2003, Bewertung langfristiger Fertigungsaufträge nach IAS/IFRS, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54912