Das Grundgut der Selbstachtung


Seminararbeit, 2006

13 Seiten, Note: gut


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung
1.1 Überblick über Rawls Theorie der Gerechtigkeit
1.2 Die Grundsätze der Gerechtigkeit

2. Das Grundgut der Selbstachtung
2.1 Die zwei Seiten der Selbstachtung
2.2 Das Problem der Scham

3. Resümee

LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Was ist gut? Was ist gerecht? Welche Merkmale hat eine gerechte Gesellschaft? Unter welchen Bedingungen kann sie sich so entwickeln, dass jedes in ihr lebende Individuum seine Möglichkeiten und Fähigkeiten in fairen Grenzen ausleben kann? Fragen, die schon hundertmal beantwortet wurden und sich doch immer wieder neu stellen.

Gerade in der heutigen Zeit, in der immer mehr Menschen auf ihr eigenes Wohl bedacht sind und Worte wie „Ethik“ und „Moral“ immer mehr ins Hintertreffen geraten, ist es notwendig diese, für ein menschliches Miteinander so wichtigen Begriffe, mit neuem Leben zu füllen. Wir leben zunehmend in einer „Ellenbogengesellschaft“, die Welt wird mit jedem Tag kleiner, die Ansprüche der einzelnen, größer.

Welche Möglichkeiten hat man nun, die begrenzten Güter gerecht zu verteilen, ohne weniger gut gestellten, Nachteile zu bereiten? Wie müsste eine Gesellschaft beschaffen sein und welche Voraussetzungen für Gerechtigkeit müssen gegeben sein, um solch eine „ideale“ Gesellschaftsstruktur zu schaffen? Dieser Fragestellung geht der amerikanische Philosoph John Rawls in seiner Theorie der Gerechtigkeit nach.

Im Rahmen dieser Arbeit werde ich mich eingehender mit dem Grundgut der Selbstachtung und mit ihr eng zusammenhängenden Begriffen beschäftigen. Dabei beziehe ich mich vor allem auf den dritten Teil des Buches und hier besonders auf die Kapitel 65-67 und 80.

1.1 Überblick über Rawls Theorie der Gerechtigkeit

Bevor ich mich eingehender mit der Problematik der Selbstachtung beschäftige, scheint es mir angebracht, eine kurze Zusammenfassung über die wichtigsten Aspekte des vorliegenden Werkes zu geben.

Die „Theorie der Gerechtigkeit“ umfasst drei Teile, wobei im ersten Teil, in dem die

Theorie entworfen wird, die speziellen Bedingungen erläutert werden: sie stellen den Rahmen für die Wahl der Gerechtigkeitsgrundsätze dar.

Der erste Teil der „Theorie der Gerechtigkeit“ enthält also die theoretischen Grundlagen der Gerechtigkeitskonzeption und umfasst die Ableitung der beiden grundlegenden Gerechtigkeitsprinzipien.

Diese Grundsätze werden im zweiten Teil näher erläutert, indem Rawls die Struktur einer „Grundordnung“ analysiert, die solchen Prinzipien gerecht werden kann.

Im dritten (und letzten) Teil weitet er seine Theorie auf den Bereich der Ethik aus, indem er mit Hilfe der Gerechtigkeitsprinzipien eine „umfassende Theorie des Guten“ aufstellt.

Bei Rawls „Theorie der Gerechtigkeit“ handelt es sich um den Entwurf einer Gerechtigkeitskonzeption, auf deren Grundlage er eine optimale „Grundordnung“ für eine Gesellschaft realisierbar hält. Unter „Grundordnung“ versteht Rawls dabei

die sozialen Institutionen, die einen großen Einfluss auf das Leben der Gesellschaftsmitglieder ausüben. Nur eine Gesellschaft mit einer solchen optimalen Grundordnung ist für Rawls gerecht. Wenn er in Bezug auf eine solche, nach seinen Vorstellungen „ideal“ verfassten Gesellschaft von einer „wohlgeordneten Gesellschaft“ spricht, so meint er damit „eine Gesellschaft, in der (1) jeder die gleichen Gerechtigkeitsgrundsätze anerkennt und weiß, dass das auch die anderen tun, und (2) die grundlegenden gesellschaftlichen Institutionen bekanntermaßen diesen Grundsätzen genügen.“[1]

1.2 Die Grundsätze der Gerechtigkeit

Was sind nun die beiden Gerechtigkeitsprinzipien und wie werden sie gewählt?

Ausgangspunkt für die Wahl der Gerechtigkeitsgrundsätze ist der Urzustand. Dieser besagt, das alle Teilnehmer gleich sind und dass sie eine Vorstellung von Gerechtigkeit besitzen. Sie gelten weiterhin als vernünftig. ,,Ein vernünftiger Mensch ist (danach) imstande, verschiedene Wahlmöglichkeiten nach ihrer Zweckdienlichkeit in eine Rangordnung zu bringen und eine Strategie zu verfolgen, die seinen Zielen und Interessen möglichst förderlich ist".[2] Die Vernunft ist ein wichtiger Aspekt bei der Entscheidung von Gerechtigkeitsgrundsätzen. Die Menschen wissen, dass sie einen ,,vernünftigen Lebensplan haben", besitzen allerdings keine Informationen darüber, welche Grundsätze für diesen förderlich wären.

Hier führt Rawls erstmals den wichtigen Begriff des „Schleier des Nichtwissens“ ein.

Dieser Begriff symbolisiert die Wissensbeschränkung, die Rawls den Vertragsparteien auferlegt. Ihnen stehen zwar „allgemeine“ Informationen zur Verfügung, andere, „speziellere“ Informationen aber werden ihnen bei der Wahl vorenthalten. Hierzu gehört zum Beispiel das Wissen um die eigenen Fähigkeiten, um die eigenen Vorstellungen vom Guten, oder die „spätere“ (nach Festlegung der Gerechtigkeitsprinzipien) gesellschaftliche Stellung, um nur einige zu nennen.

Rawls versucht auf diese Weise sicherzustellen, dass die Gerechtigkeitsgrundsätze unvoreingenommen gewählt werden, keiner der Wählenden also im Hinblick auf seine jeweilige Gesellschaftsposition oder natürlichen Anlagen Kriterien auswählen kann, die ihm persönlich zwar zugute kommen würden, Gesellschaftsmitglieder in einer anderen Situation – also mit anderen Anlagen oder in anderer gesellschaftlicher Position – aber eventuell schlechter stellen würden. Unter diesen Annahmen geht Rawls davon aus, dass die Mitglieder dieser Gesellschaft zu folgenden zwei Gerechtigkeitsgrundsätzen kommen würden:

(1) „Jedermann soll gleiches Recht auf das umfangreichste System gleicher Grundfreiheiten haben, das mit dem gleichen System für alle verträglich ist.“
(2) „Soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten sind so zu gestalten, dass (a) vernünftigerweise zu erwarten ist, dass sie zu jedermanns Vorteil dienen, und (b) sie mit Positionen und Ämtern verbunden sind, die jedem offen stehen.“[3]

Daraus ergibt sich eine verständliche Grundorientierung: “Ungleichverteilungen werden keine allgemeine Zustimmung finden, es sei denn, sie sind zum Vorteil von jedermann. Ungerechtigkeiten sind folglich distributiv unvorteilhafte Ungleichheiten. Daraus folgt, dass Gerechtigkeit nicht notwendig Gleichverteilung impliziert; Und daraus folgt weiterhin, dass sich Ungleichheiten durch distributive, d.h. jedermann betreffende Vorteilhaftigkeit legitimieren müssen.“[4]

Rawls erklärt in seinem Buch, dass diese Grundsätze nicht nur für die Gesellschaft an sich und ihre Institutionen wichtig sind, sondern auch eine entscheidende Grundlage für die Selbstachtung der in ihr lebenden Individuen darstellt: „Die Gerechtigkeitsgrundsätze spiegeln in der gesellschaftlichen Grundstruktur den Wunsch der Menschen wider, einander nicht bloß als Mittel, sondern als Zweck an sich selbst zu behandeln.“[5]

Diesen Gesichtspunkt der Selbstachtung und seine Relevanz für eine gerechte Gesellschaft werde ich nun im Weiteren näher beleuchten.

[...]


[1] Rawls, Theorie der Gerechtigkeit, Suhrkamp 1979, S. 21

[2] Koller, Neue Theorien des Sozialkontrakts. Schriften zur Rechtstheorie, Heft 124, Berlin. 1987, S. 39

[3] Rawls, Theorie der Gerechtigkeit, Suhrkamp 1979, S. 81

[4] Wolfgang Kersting, John Rawls zur Einführung, Junius 1993, S. 50

[5] Rawls, Theorie der Gerechtigkeit, Suhrkamp 1979, S. 205

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Das Grundgut der Selbstachtung
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Philosophie)
Veranstaltung
John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit
Note
gut
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V54934
ISBN (eBook)
9783638500203
Dateigröße
383 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grundgut, Selbstachtung, John, Rawls, Eine, Theorie, Gerechtigkeit
Arbeit zitieren
Sandra Schulz (Autor), 2006, Das Grundgut der Selbstachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54934

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