Thomas Hobbes, Leviathan - Vom Naturzustand zum starken Staat


Seminararbeit, 2002
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

England zu Zeiten Thomas Hobbes’

Das Leben des Thomas Hobbes

Hobbes’ Methode

Der Name „Leviathan“

Leviathan - Entwicklung vom Naturzustand zum starken Staat

Hobbes’ Machtbegriff

Hobbes’ Menschenbild und der Naturzustand

Notwendigkeit der Staatsgründung

Vom Staat

Die Rechte des höchsten Herrschers im Staat

Rechte des Untertanen

Vom christlichen Staat

Das Reich der Finsternis

Hobbes’ heutige Bedeutung

Literaturverzeichnis

Einführung

Im Rahmen des Proseminars: „Frühneuzeitliche Klassiker der politischen Theorie – Von Morus bis Montesquieu“ habe ich mich in Form eines Referates und dieser Hausarbeit näher mit Thomas Hobbes und seiner Schrift „Leviathan“ beschäftigt. Der „Leviathan“ dürfte so ziemlich das bekannteste Werk von Thomas Hobbes sein, man betrachte nur die zahlreichen, noch heute bekannten, Zitate wie z.B.: „Bellum omnium in omnes“, „Homo homini lupus“ oder „Wissen ist Macht“.

Hobbes beschreibt in dieser Arbeit, wie seiner Meinung nach ein guter Staat aussehen soll. Er schildert den Weg vom Naturzustand zu einem starken Staat. Dabei geht er stets von einem negativen Menschenbild aus und fordert deshalb einen mächtigen Staat. Mit ein Grund für seine radikalen Ansichten, mag die Ermordung König Heinrichs IV. von Frankreich gewesen sein; durch dieses Ereignis wurden Hobbes staatstheroretische Auffassungen sicherlich beeinflusst. Des weiteren kannte Hobbes die Geschichte des Peloponnesischen Krieges, was möglicherweise auch Wirkung auf das pessimistische Menschenbild Hobbes’ hatte.

Hobbes stellte sich also die Frage nach der richtigen Staatsordung, was sicherlich an den zeitlichen Umständen, in denen er lebte lag.[1] So wird im ersten Teil der vorliegenden Arbeit näher auf die historische Situation im England des 16. und 17. Jahrhunderts eingegangen, bevor ein Blick auf die Biographie von Thomas Hobbes geworfen wird. Ferner werden die Herkunft und Bedeutung des Namens „Leviathan“ beleuchtet.

Im Hauptteil gehe ich dann ausführlich auf den Inhalt der Schrift ein bzw. auf die Entwicklung des starken Staates. Hierbei wird besonderes Augenmerk auf die zentralen Kapitel 10 bis 21 gelegt, in denen das Menschenbild Hobbes’, der Naturzustand, die Naturrechte, die Notwendigkeit einer Staatsgründung, sowie die Rechte der einzelnen Mitglieder des Staates dargestellt werden.

Der Abschnitt über den christlichen Staat wird nur ziemlich knapp behandelt, da dies nicht direkt etwas mit dem Weg der Entwicklung eines starken Staates zu tun hat. An dieser Stelle wird nur auf die Rolle der Religion eingegangen und welche Position der Souverän hier inne hat.

Zum Schluss wird noch ein kurzer Blick auf die heutige Bedeutung des „Leviathan“ von Hobbes geworfen, um zu zeigen, dass die Schrift bis heute noch Eintritt in verschiedene potilikwissenschaftliche Problemstellungen findet.

England zu Zeiten Thomas Hobbes’

Die Zeit, in der Thomas Hobbes lebte war sehr bewegt. Auf dem Festland fand der 30jährige Krieg statt, die englischen Kolonien in Nordamerika wurden gegründet und die Weltgeltung Frankreichs wurde durch die Könige Ludwig VIII. und Ludwig IX. gefestigt.

Im England des 17. Jahrhunderts finden sich zwei Hauptauseinandersetzungen. Einmal zwischen Krone und Parlament und auf der anderen Seite gab es den Konflikt zwischen der Kirche, den Presbyterianern, einer Strömung, die das Bischofsamt nicht anerkennt, und den Anhängern von Oliver Cromwell. Cromwell war ein strenger Puritaner, d.h. er nahm seine moralischen und religiösen Pflichten seht ernst und dies mit deutlichem Eifer. Er organisierte im Bürgerkrieg zwischen König und Parlament das Heer und führte es so zu seinen Siegen.

König Jakob I. (1566 – 1625) versuchte über zehn Jahre hinweg gegen das Parlament bzw. ohne das Parlament zu regieren. Er vereinigte die Kronen von Schottland und England in Personalunion und baute so seine königlichen Rechte aus. Das Parlament wehrte sich dann jedoch gegen eine Steuererhöhung. Dies stellte für König Karl I. (1600 – 1649) ein Problem dar, denn er war nun vielmehr auf „außerordentliche Einnahmen“ angewiesen als früher und so ergab sich für das Parlament durch seine Weigerung ein Druckmittel gegen die Krone. Der König benötigte die Steuereinnahmen dringend, denn während die Ausgaben, vor allem die des Kriegswesens immer weiter anstiegen, sanken die Einkünfte wegen der fortschreitenden Inflation. Aus diesen Gründen musste Karl I., der gegen das Parlament arbeitete und den Absolutismus durchsetzen wollte, im Jahre 1628 die „Petition of Right“ bewilligen. In diesem Schreiben forderte das englische Parlament die Wiederherstellung des Rechtszustandes im Land, so wurden z.B. Steuererhöhungen, denen vom Parlament nicht zugestimmt wurde, sowie willkürliche Verhaftungen durch den König als ungesetzlich erklärt. König Karl I. stimmte diesen Bedingungen gegen die Bewilligung von Kriegsgeldern formell zu. Gesetzeskraft erhielt die Petition allerdings nicht und so löste Karl I. ein Jahr später das Parlament auf. Sein Ziel war es, ein vom Parlament unabhängiges Königreich zu gründen, das auf ein stehendes Heer gestützt war. Er wollte so auch die Puritaner und Presbyterianer ausschalten. Dies war der Anfang einer tyrannischen Herrschaft des Königs, die elf Jahre andauern sollte.

Am 3. November 1640 trat zum ersten Mal das zeitlich unbefristete „Lange Parlament“ zusammen, dessen Sitzungsdauer sich über 13 Jahre erstreckte. Dieses außer Kontrolle geratene Parlament stellte den Beginn des englischen Bürgerkriegs dar, der von 1642 bis 1649 tobte.

1642 kam es zu der sogenannten „Puritanischen Revolution“. Hier siegte Oliver Cromwell zusammen mit Anhängern des Parlaments über den König und seine Gefolgsleute. Cromwell warf die Presbyterianer aus dem Parlament und gründete dann ein „Rumpfparlament“, das nur aus Cromwell-Sympathisanten bestand. Am 30. Januar 1649 ließ Oliver Cromwell König Karl I. hinrichten. Als nächstes schaffte er das Oberhaus ab und erklärte England zum Commonwealth, zur Republik. Diese Vorgehensweisen rechtfertigte das Rumpfparlament im März 1649 in der Erklärung „The late alterations in Government“, als „Akte politischer Notwehr“.[2] Cromwell unterwarf Irland und Schottland und regierte als „Lordprotektor“ mit diktatorischen Vollmachten. Durch Siege über Holland und Spanien stärkte er später die Machtstellung Englands. Cromwell war ein Alleinherrscher, der ohne Rücksicht auf Staatsrat und Parlament regierte. Nach seinem Tod im Jahre 1658 trat sein Sohn Richard seine Nachfolge an, er wurde allerdings schon ein Jahr später gestürzt. So wurde 1660 das Oberhaus wieder eingerichtet und König Karl II.

(1630 – 1685), der Sohn von Karl I., übernahm das Zepter und beendete die Zeit des republikanischen Commonwealth.

1673 beschwor die „Testakte“ nochmals die Oberhoheit des Königs über die englische Kirche. Jeder Beamte wurde gezwungen, der katholischen Lehre von Messe und Eucharistie zu widersagen.

Als Jakob II. das Land wieder rekatholisieren wollte, wandte sich das Parlament an Wilhelm von Oranien, den Enkel von Karl I., damit dieser den Thron übernehme. Dies geschah dann auch. Wilhelm vertrieb seinen Schwiegervater Jakob II. und übernahm die Herrschaft. Da diese Übernahme ohne Kampf und Blutvergießen vonstatten ging, nennt man dieses Ereignis von 1688 auch die „Glorreiche Revolution“.[3]

Das Leben des Thomas Hobbes

Vor diesem historischen Hintergrund lebte also Thomas Hobbes. Er wurde 1588 in Westport als Sohn eines Geistlichen geboren. Hobbes war sehr begabt, so lernte er bereits mit vier Jahren Lesen und Schreiben und begann in seinem siebten Lebensjahr, Latein und Griechisch zu lernen. 1603 trat er in Oxford sein Studium der Physik und der Logik an und schloss dieses 1607 ab.

Er beschäftigt sich viel mit Aristoteles und der Scholastik, steht diesen Lehren aber immer kritisch gegenüber. 1608 wird er Hauslehrer bei Baron Cavendish. In dieser Stellung konnte er sich selbst weiterbilden und viele Kontakte knüpfen. So begleitete er seinen Schüler auch nach Italien und Frankreich. Im Laufe der Zeit lernt Hobbes viele Naturwissenschaftler kennen, unter anderem Galilei, Gascendi, Kepler oder Newton.

1640 veröffentlicht Thomas Hobbes seine erste staatsphilosophische Schrift

„Elements of Law“. In diesem, Werk wird vor allem der absolute Anspruch der Krone betont. Da zu dieser Zeit in England ja das „Lange Parlament“ herrscht, muss Hobbes als Folge dieser Arbeit fliehen. Er geht nach Paris.

Dort veröffentlicht er 1642 „De cive“ und 1651 seinen „Leviathan“. Diese Schrift wird vor allem von der französischen Kirche als atheistisch verstanden und bereitet ihm so viel Ärger. Aus diesem Grund kehrt Hobbes nach England zurück.

1655 und 1658 publiziert er die Werke „De corpore“ und „De homine“.

In den nächsten Jahren werden Hobbes Schriften immer bekannter und finden so viele Anhänger, aber auch zahlreiche Kritiker.

1668 wird eine zweit Fassung des „Leviathan“ veröffentlicht, diesmal in lateinischer Sprache.

Im Jahre 1679 stirbt Hobbes im Stammhaus der Familie Cavendish, wo er 1608 als Hauslehrer seine Laufbahn begonnen hat.

1682 werde die Lehren von Thomas Hobbes verworfen und „De cive“ und der „Leviathan“ werden öffentlich verbrannt.[4]

Hobbes’ Methode

Hobbes’ Denken und Methode waren sehr von den Naturwissenschaften geprägt. Wie schon gesagt, beschäftigte er sich mit Descartes, Galilei, Kepler und Newton. In Paris traf er viele Intellektuelle und so entwickelte Hobbes sein eigenes System. Er wollte die Geisteswissenschaften mit den Naturwissenschaften in Verbindung setzen, so kann man vielleicht auch sagen, dass die Politikwissenschaft für Hobbes die gleiche Genauigkeit und Allgemeingültigkeit aufweist, wie z.B. die Mathematik. Allerdings hat, nach Hobbes, seine Wissenschaft gegenüber den anderen Wissenschaften Vorrang, da ihr Gegenstand der Mensch ist. Alle Naturwissenschaften, die Hobbes kennengelernt hat, beschäftigen sich mit mathematischen Methoden und so versucht er Probleme der Ethik bzw. der Politik mit geometrischen Methoden

(more geometrico) zu lösen. Hobbes erscheint die Geometrie als einzig exakte Wissenschaft und das Denken besteht für ihn nur als Zählen, als Addition und Subtraktion.

[...]


[1] Thomas Hobbes, Leviathan. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1998, S. 307 - 310

[2] Peter Wende, Geschichte Englands. Verlag W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart 1985, S.151

[3] W. Blum, M. Rupp, M. Gawlina, Politische Philosophen. Bayerische Landeszentrale für polit. Bildung. München, 1993, S. 106 f.

[4] Iring Fetscher, Leviathan oder Stoff, Form u. Gewalt eines bürgerlichen u. kirchlichen Staates. Suhrkamp, Berlin, 1966, IX - XVIII

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Thomas Hobbes, Leviathan - Vom Naturzustand zum starken Staat
Hochschule
Universität Augsburg  (Institut für Politikwissenschaften)
Veranstaltung
Proseminar: Frühneuzeitliche Klassiker der politischen Theorie - Von Morus bis Montesquieu
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
18
Katalognummer
V5494
ISBN (eBook)
9783638133524
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thomas, Hobbes, Leviathan, Naturzustand, Staat, Proseminar, Frühneuzeitliche, Klassiker, Theorie, Morus, Montesquieu
Arbeit zitieren
Beate Sewald (Autor), 2002, Thomas Hobbes, Leviathan - Vom Naturzustand zum starken Staat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5494

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