Otto I, Otto II. und ihr Verhältnis zu Byzanz


Seminararbeit, 2006

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Ottonen, Byzanz und die Kaiserwürde – eine kurze Einführung

2 Die Herrschaft Ottos I. bis 962

3 Die byzantinischen Kaiser von Romanos II. bis Basileios II

4 Die Byzanzpolitik Ottos I. - Streben nach Anerkennung
4.1 Otto I. und Nikephoros II. Phokas - Missachtung und Kon- frontation
4.2 Otto I. und Johannes I. Tzimiskes - Heirats- und Friedens-
abkommen

5 Otto II
5.1 Die Politik bis 980
5.2 Otto II. und Byzanz
5.3 Otto II. und seine Interpretation der Kaiserwürde
5.4 Nach der Niederlage bei Columna Regia

6 Vom Ausgleich zum Hegemonialstreben

7 Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Ottonen , Byzanz und die Kaiserwürde – eine kurze Einführung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Verhältnis der jungen Kaisermacht des Westens, dem ostfränkisch-deutschen Reich, zu der alten Kaisermacht des Ostens, Byzanz.

Durch die Kaiserkrönung Ottos I. 962 endete die kaiserlose Zeit in Westeuropa und die Tradition des Römischen und des Karolingerreichs wurde durch ihn wiederbelebt. Damit trat er gleichzeitig in Konkurrenz zum Byzantinischen Reich, das aus dem Oströmischen Reich hervorgegangen war und nach dem Ende der Antike den staatsrechtlich begründeten Anspruch hatte, alleiniger Rechtsnachfolger der antiken römischen Kaiser zu sein. Die Existenz von zwei Kaisern widerstrebte der universalen Auffassung des Kaisertums, wonach es nur einen Kaiser geben durfte.[1]

Beschränkt wird sich auf die Beziehungen Ottos I. und Ottos II. zu Byzanz, beginnend mit der Kaiserkrönung Ottos I. Die Protagonisten auf byzantinischer Seite zu jener Zeit sind die Kaiser Nikephoros II. Phokas, Johannes I. Tzimiskes und Basileios II. Damit ist ein zeitlicher Rahmen von der Kaiserkrönung 962 bis zum Tode Ottos II. 983 gesteckt.

Dabei wird vor allem auf die Geschehnisse in den von beiden Parteien beanspruchten Gebieten in Unter- und Mittelitalien und auf die Interpretation der Kaiserwürde unter Otto I. und Otto II., bzw. deren Akzeptanz auf byzantinischer Seite, eingegangen. Einen wichtigen Aspekt stellt dabei die Brautsuche Ottos I. für seinen Sohn dar. Otto I. favorisierte eine byzantinische Prinzessin um sein Kaisertum durch die Kaisermacht des Ostens anerkannt zu wissen. Abschließend wird ein Vergleich zwischen Otto I. und Otto II. bezüglich ihrer Byzanzpolitik gezogen werden.

Wichtige Erkenntnisse liefern die Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg und der Gesandtschaftsbericht „Relatio de legatione Constantinopolitana“ des Bischofs Liutprand von Cremona. Bei Thietmar ist zu beachten, dass Otto II., der aus Thietmars Sicht durch die Auflösung „seines“ Bistums Merseburg den größtmöglichen Frevel überhaupt begangen hat, natürlich negativer dargestellt wird als seine Vorgänger und Nachfolger. Die Chronik ist zwischen 1012 und 1018, also über 30 Jahre nach den Ereignissen, verfasst wurden. Die wörtlichen Aussagen, die den Akteuren in den Mund gelegt werden, sind daher wohl Thietmars Phantasie zuzuschreiben. Der Gesandtschaftsbericht Liutprands liefert Aufschluss über die Sicht, die Byzanz auf Otto I. hatte. Während Liutprand 949 in seinem Werk Antapodosis Byzanz noch in den höchsten Tönen gelobt hatte, erfolgt in seinem Gesandtschaftsbericht 19 Jahre später eine wesentlich negativere Darstellung. Dies ist wohl nicht zu letzt auf die Art und Weise wie Liutprand in Konstantinopel behandelt wurde zurückzuführen. Somit schwingt wohl auch ein Stück weit persönliche Kränkung in Liutprands Worten mit. Dennoch dürfte das Selbstverständnis des Byzantinischen Kaisertums gegenüber dem ottonischen treffend dargestellt sein.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends kam es im Zuge der Ausstellung „Otto der Große, Magdeburg und Europa“ zu vielen Publikationen, so dass auch etliche Arbeiten neueren Datums vorliegen.

2 Die Herrschaft Ottos I. bis 962

Otto wurde 912 in der Harzgegend geboren. Sein Vater Heinrich wurde 919 als erster aus dem Volk der Sachsen zum „König der östlichen Franken“ gewählt. Nach dem Tod seines Vaters 936 wurde Otto von den Großen des Reiches in Aachen zu dessen Nachfolger gewählt.[2] In den ersten Jahren seiner Regierungszeit war er vorrangig damit beschäftigt seinen Hoheitsanspruch über ganz Ostfranken durchzusetzen. Nach Unterwerfung des böhmischen Herrschers Boleslaw plante Otto die Ostgrenze des Reichs durch Gründung neuer Bistümer zur Missionierung der Slawen zu sichern. Die Pläne zur Slawenmissionierung erforderten ein Zusammengehen mit dem Papst[3], da dessen Zustimmung zur Neugründung eines Erzbistums mit zugehörigen Suffraganbistümern notwendig war. Somit wies der Weg nach Rom zur Erneuerung des westlichen Kaisertums.

Ottos erster Italienzug (951 – 952) brachte, nach dem Sieg über Berengar II. von Ivrea (wurde zum Vasallenkönig), durch die Heirat mit Adelheid von Burgund den Königstitel der Langobarden. Die angestrebte Kaiserwürde wurde ihm jedoch aufgrund der in Rom vorherrschenden Machtverhältnisse nicht zu teil.

Die im Jahr 955 errungenen Siege über die Ungarn auf dem Lechfeld und über die Slawen an der Recknitz, befreiten das Reich vor einer gefährlichen Bedrohung und steigerten sein Ansehen weiterhin. Im selben Jahr gebar Adelheid einen Sohn, der ebenfalls Otto hieß. Noch bevor Otto I. erneut nach Italien aufbrach, ließ er seinen Sohn in Worms 961 zum König wählen. Dieser zweite Italienzug erfolgte auf Hilferuf des Papstes, welcher sich von Berengar bedroht fühlte. Am 2. Februar 962 wurde Otto I. in der Petrusbasilika von Papst Johannes XII. zum Kaiser gekrönt.

3 Die byzantinischen Kaiser von Romanos II. bis Basileios II.

Bevor die Auseinandersetzungen zwischen Otto I. bzw. Otto II. mit den byzantinischen Herrschern näher beleuchtet werden können, müssen zunächst zum besseren Verständnis deren verwandtschaftliche Verhältnisse und die Umstände ihrer Machtergreifung näher betrachtet werden.

Als Otto I. 962 zum Kaiser gekrönt wurde, herrschte in Byzanz seit drei Jahren Romanos II. (938–963). Aus der Ehe mit Theophano, der Älteren, gingen mit Basileios (geb. 956), Konstantin (geb. 958) und Anna drei Kinder hervor. Nach dem Tod Romanos 963 übernahm der erfolgreiche Feldherr Nikephoros II. Phokas (912 – 969), durch Heirat mit der Kaiserwitwe Theophano, die Regierung für die unmündigen Thronerben Basileios und Konstantin. 969 wurde Nikephoros II. Phokas von seinem Verwandten Johannes Tzimiskes (924 – 976), der wiederum Feldherr war, unter Mithilfe dessen Geliebter Theophano, also der Frau Nikephoros ermordet. Die geplante Hochzeit von Johannes Tzimiskes mit Theophano ließ der Patriarch von Konstantinopel nicht zu. Kurze Zeit später heiratete Johannes Tzimiskes stattdessen die Schwester Romanos II. Theodora, Theophano wurde in ein Kloster geschickt[4]. Tzimiskes starb 976 nach der Rückkehr von einem Feldzug vermutlich an Typhus.[5]

Nach dem Tod der beiden Soldatenkaiser Nikephoros II. Phokas und Johannes I. Tzimiskes, konnte sich Basileios II. (956 – 1025), Sohn Romanos II., nur schwer durchsetzen. Basileios war zwar der legitime Nachkomme der makedonischen Dynastie, jedoch war der Gedanke, dass der Thron den „Purpurgeborenen“[6] gehört, nach und nach erloschen. Man hatte sich daran gewöhnt, dass die Staatsgewalt in den Händen eines Feldherrn liegt. Doch nun war Basileios 20 Jahre alt und damit regierungsfähig. Er musste zu Beginn seiner Amtszeit mehrere Aufstände niederschlagen, zum Beispiel gegen Bardas Skleros (ebenfalls Feldherr). Unterstützt wurde Basileios anfangs von seinem Großonkel, dem Eunuchen Basileios Lakapenos. Der zwei Jahre jüngere Bruder von Basileios II., Konstantin VIII., war formell Teilhaber der Macht, verbrachte seine Zeit jedoch in Luxus und ohne jede Verantwortlichkeit und hatte somit an der Regierung keinen Anteil. Aufgrund der angesprochenen Thronstreitigkeiten befand sich Byzanz in einer politischen Krise, da es bis 985 dauerte, bis sich Basileios II. endgültig durchsetzen konnte und seine effektive Regierungszeit begann. Dies wirkte sich auch auf Süditalien aus, dass unter byzantinischer Herrschaft stand, aber vermehrt unter dem Einfall von Sarazenen zu leiden hatte.[7] Ab 1014 trug Basileios II. den Beinamen, „der Bulgarentöter“, nachdem er nach einem Sieg über die Bulgaren alle Gefangenen Blenden ließ und nur jeder Hundertste ein Auge behielt, um die Geblendeten zu führen.[8]

[...]


[1] Vgl. Anton (1998), LexMA, Sp. 720-723.

[2] Vgl. Struve (1998a), LexMA, Sp. 1564.

[3] Vgl. Struve (1998a), LexMA Sp. 1565.

[4] Vgl. Lilie (2003), S. 243.

[5] Vgl. Ostrogorsky (1963), S. 243-247.

[6] Bezeichnung für Kinder der kaiserlichen Familie. Diese wurden in einem mit Purpurmarmor ausgelegten Gebäude des Palastes geboren.

[7] Vgl. Ostrogorsky (1963), S. 250-253.

[8] Vgl. Speck (1988), LexMA, Sp. 1522.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Otto I, Otto II. und ihr Verhältnis zu Byzanz
Hochschule
Universität Leipzig  (Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften)
Veranstaltung
'Die Beziehungen zwischen dem liudolfingisch-ottonischen Reich und den Ländern im mittleren und östlichen Europa (919-1024)'
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V54957
ISBN (eBook)
9783638500340
ISBN (Buch)
9783638752091
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Otto, Verhältnis, Byzanz, Beziehungen, Reich, Ländern, Europa
Arbeit zitieren
Eric Petermann (Autor), 2006, Otto I, Otto II. und ihr Verhältnis zu Byzanz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54957

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