Der Begriff ,,Novelle" stammt ursprünglich vom italienischen ,,novella" ab, was soviel bedeutet wie ,,Neuigkeit". Dieses Wort kann wiederum vom lateinischen ,,novellus" abgeleitet werde, was ,,neu" heißt und die Verkleinerungsform von ,,novus" ist. Somit ist eine Novelle eine kleine Neuigkeit, die auf eine Doppeldiminutivform zurückzuführen ist.
Bevor die Bezeichnung jedoch im 13.Jahrhundert einer literarischen Gattung zugeteilt wurde, war die Novelle vor allem im Bereich der Rechtswissenschaften zu finden. So gibt es auch heute noch den Terminus ,,Gesetzesnovelle".1
,,Es ist nicht leicht zu sagen, was eigentlich die Novelle sei, und wie sie sich von den verwandten Gattungen, Roman und Erzählung, unterscheide... Man gibt mit dem Namen bald zu viel, bald zu wenig. Es ist zu viel, wenn man geradezu sagt, die Novelle müsse eine ausgesprochene Tendenz haben, aber doch erwartet man in ihr etwas Hervorspringendes, eine Spitze... Man wird die scharfe, epigrammatische Pointe auch nicht zu sehr herausheben dürfen... Es ist schwer, hier einen allgemeinen Begriff zu finden, auf den sich alle Erscheinungen dieser Art zurückbringen ließen." 2
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1 Thomas Degering, Kurze Geschichte der Novelle: von Boccaccio bis zur Gegenwart. Fink, München,1994, S.7
2 Ebd.
Inhaltsverzeichnis
Herkunft des Begriffs „Novelle“ und Definitionsproblem der Gattung
Novellentheorien
Goethes „unerhörte Begebenheit“
„Die Schwester des Dramas“
Die „Falkentheorie“
Zusammenfassung und Erweiterung der Kennzeichen einer Novelle
Interpretation der „Falkennovelle“
Überleitung von der Rahmenhandlung zur eigentlichen Erzählung
Exposition
Steigerung zum Höhepunkt
Höhepunkt bzw. Wendepunkt
Abfall und Schluss der Novelle
Das Falkenmotiv
Der fünfte Tag
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gattungsmerkmale der Novelle anhand von Giovanni Boccaccios „Falkennovelle“. Dabei wird analysiert, wie unterschiedliche Novellentheorien – insbesondere Goethes Konzept der „unerhörten Begebenheit“ und Paul Heyses „Falkentheorie“ – in dem konkreten Werk angewendet und verifiziert werden können.
- Historische Herkunft und Definitionsproblematik des Novellenbegriffs.
- Vergleich zentraler Novellentheorien des 19. Jahrhunderts.
- Strukturanalyse der „Falkennovelle“ hinsichtlich Exposition, Steigerung und Wendepunkt.
- Bedeutung des Falkenmotivs als zentrales Dingsymbol der Erzählung.
- Einordnung der Novelle in den Kontext des „Dekameron“ und des fünften Tages.
Auszug aus dem Buch
Die „Falkentheorie“
Die Theorie, die sich bis heute am ehesten durchgesetzt hat ist die „Falkentheorie“ des Nobelpreisträgers Paul Heyse. Sie basiert auf der neunten Novelle des fünften Tages in Boccaccios „Il Decamerone“. Heyse sah diese Novelle als Musterbeispiel für diese Gattung, da sie alles enthält, wodurch, seiner Meinung nach, der Charakter einer Novelle zustande kommt: das Wesen einer Person und die ganze äußere Umgebung werden nicht weiter ausgemalt, als es zum Verständnis der Situation und der Handlung notwendig ist.
Der Motor, der die Ereignisse am Laufen hält, ist der Falke, der Heyses Theorie auch den Namen gibt und Dreh- und Angelpunkt der Erzählung ist. Durch dieses Leitmotiv wird der Wendepunkt, das überraschende Ereignis, herbeigeführt.
Zusammenfassung der Kapitel
Herkunft des Begriffs „Novelle“ und Definitionsproblem der Gattung: Einleitende Betrachtung der etymologischen Wurzeln des Begriffs und der Schwierigkeit, eine allgemeingültige Definition für die Gattung der Novelle zu finden.
Novellentheorien: Vorstellung einflussreicher theoretischer Konzepte, wie Goethes „unerhörte Begebenheit“, Storms Vergleich mit dem Drama und die grundlegende „Falkentheorie“ nach Paul Heyse.
Zusammenfassung und Erweiterung der Kennzeichen einer Novelle: Synthese der zuvor erarbeiteten Merkmale, die den Aufbau einer typischen Novelle, einschließlich ihrer straffen Form und dramatischen Struktur, definieren.
Interpretation der „Falkennovelle“: Detaillierte Analyse des Textes entlang der klassischen Erzählphasen von der Überleitung durch den Rahmen bis zur Schlussszene.
Das Falkenmotiv: Untersuchung der symbolischen Funktion des Falken als zentrales Leitmotiv und „Dingsymbol“, das die Handlung lenkt und das Schicksal der Charaktere bestimmt.
Der fünfte Tag: Kontextualisierung der Novelle innerhalb des „Dekameron“ und Diskussion der Rolle von Fortuna und der Liebe als leitende Themen dieses Zyklus.
Schlüsselwörter
Novelle, Falkentheorie, Boccaccio, unerhörte Begebenheit, Paul Heyse, Leitmotiv, Dingsymbol, Dekameron, Erzählstruktur, Wendepunkt, Fortuna, Literaturwissenschaft, Gattungsgeschichte, italienische Literatur, Rahmenhandlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Gattung Novelle am Beispiel von Giovanni Boccaccios berühmter „Falkennovelle“ und prüft klassische literaturtheoretische Ansätze an diesem Text.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition der Novelle, die Entwicklung verschiedener Novellentheorien und die strukturelle Untersuchung eines spezifischen narrativen Werks.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Kennzeichen einer Novelle – wie das Leitmotiv, den Wendepunkt und die dramatische Struktur – anhand von Boccaccios Erzählung nachzuweisen und zu verifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit bedient sich einer literaturwissenschaftlichen Textanalyse, indem sie Gattungstheorien mit der praktischen Interpretation des Erzähltextes verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der Gattungsmerkmale und eine fortlaufende Interpretation der „Falkennovelle“, gegliedert in die klassischen Stadien des Erzählverlaufs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Novelle, Falkentheorie, Dingsymbol, Wendepunkt, Erzählstruktur und die Verknüpfung von Rahmen- und Binnenerzählung.
Welche Bedeutung misst die Autorin dem „Falken“ bei?
Der Falke dient als Dreh- und Angelpunkt, der nicht nur die Handlung vorantreibt, sondern als „Dingsymbol“ die sittliche Haltung und die Schicksalsergebenheit der Hauptfigur Frederigo verdeutlicht.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Fortuna?
Fortuna wird in Anlehnung an Boccaccio nicht als reiner Zufall, sondern als „Dienerin der göttlichen Vorsehung“ interpretiert, die am Ende der Novelle zur Gerechtigkeit führt.
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- Beate Sewald (Autor), 2001, G. Boccaccios Falkennovelle, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5499