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Akkulturationsprozesse der Maori in Neuseeland

Title: Akkulturationsprozesse der Maori in Neuseeland

Thesis (M.A.) , 2005 , 74 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Thomas Dreher (Author)

English Language and Literature Studies - Culture and Applied Geography
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Summary Excerpt Details

Das British Empire galt als das größte seiner Art, das je auf der Welt etabliert
wurde. Auf der Suche nach Einfluss und Herrschaft trafen die Briten, erst als Entdecker,
später als Kolonisatoren, immer wieder auf Kulturen, die zuvor von der europäischen
Zivilisation unberührt geblieben waren. Je nach Zeitgeist wurden die Menschen
dieser Kulturen als Barbaren oder edle Wilde ("noble savage") bezeichnet. Für die Briten
auf ihrer "civilizing mission" (Joseph Chamberlain, 1897) war etwas anderes als die
Missionierung und Zivilisierung, also die rasche Anpassung an die britische oder europäische
Kultur der neu entdeckten Völker, undenkbar. Die Evolutionstheorie von
Charles Darwin, die sich Ende des 19. Jahrhunderts weitgehend Akzeptanz verschafft
hatte, fügt sich mit dem Postulat des "survival of the fittest" recht nahtlos in diese
Denkweise ein. In abgewandelter Form des Sozialdarwinismus wurde die ursprüngliche
These soweit verfremdet, dass das Recht zu Überleben und sich Durchzusetzen beim
Stärkeren liege, nicht etwa beim am besten an die Umstände Angepassten. Das Anrecht
auf Dominanz einer Kultur war demnach in der technischen Fortschrittlichkeit und militärischen
Macht der Briten begründet, unabhängig von regionalen oder lokalen Besonderheiten.
Diese Ausgangssituation lag auch in Neuseeland vor: wenige Jahrzehnte
nach Ankunft der ersten Missionare und Siedler begannen die Pakeha die Maori in
eine Gesellschaftsform, die im Sinn der europäischen Tradition geformt worden war,
auch durch Druck, einzugliedern.
Wesentliche Elemente der Zivilisierung der "rückständigen" Völker waren der
christliche Glaube und die englische Sprache, da beide eine Schlüsselposition in der
Vermittlung der britisch-europäischen Werte und Kultur insgesamt innehaben. Diese
beiden Faktoren, Religion und Sprache, bilden die zentralen Punkte der vorliegenden
Arbeit. Die nachfolgende These orientiert sich an dieser Vorgabe. Seit Beginn des neunzehnten Jahrhunderts verfolgten die Pakeha eine Politik der
Akkulturation und später der Assimilation, um die Maori in die europäische Kultur einzubinden.
Eine vollständige Assimilation konnte nicht erreicht werden. Heute ist Neuseeland
ein Staat, der zwei Sprachen und zwei Kulturen beherbergt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen

2.1. Identität

2.2. Kultur

2.3. Bikulturalismus

2.4. Akkulturation

2.5. Assimilation

2.6. Sprache

2.7. Bilingualismus

3. Geschichtlicher Überblick

4. Religion

4.1. Traditionelle Religion

4.1.1. Mana

4.1.2. Tapu

4.1.3. Noa

4.1.4. Atua

4.1.5. Weitere Zeremonien

4.2. Missionierung und Christianisierung

4.3. Gegenbewegungen

4.3.1. Die Io Doktrin

4.3.2. Pai Marire - Hauhau

4.3.3. Ringatu

4.3.4. Ratana

4.4. Von der Verschmelzung zur Emanzipation

4.5. Der Marae-Kirchen-Friedhofskomplex in Maorisiedlungen an der Ostküste

4.6. Die Migration der Maori vom Land in die Städte

4.7. Auswertung statistischer Daten bezüglich der Religiosität der Maori

4.8. Zusammenfassung - Religion

4.9. Ausblick - Religion

5. Die Sprache Maori

5.1. Linguistische Aspekte

5.2. Churchills Sechs-Stufen-Modell

5.3. Entwicklung im gesellschaftlichen Kontext

5.4. Ansätze zum Erhalt der Sprache

5.4.1. Bilinguale Schulausbildung

5.4.2. Taha Maori

5.4.3. Te Kohanga Reo

5.4.4. Te Kura Kaupapa Maori

5.4.5. Te Wharekura

5.4.6. Te Whare Wananga

5.5. Te Reo Maori Claim

5.6. Te Reo Maori in der Literatur

5.7. Te Reo Maori in den Medien

5.7.1. Te Reo Maori im Radio

5.7.2. Te Reo Maori im Fernsehen

5.8. Auswertung statistischer Daten bezüglich der Sprache Maori

5.9. Zusammenfassung - Sprache

5.10. Ausblick - Sprache

6. Konklusion

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Akkulturationsprozesse der Maori in Neuseeland mit einem besonderen Fokus auf die beiden zentralen Identitätsfaktoren Religion und Sprache. Ziel ist es zu analysieren, inwiefern die europäische Kolonisation und die damit verbundenen Zivilisierungsbestrebungen die traditionelle Kultur der Maori beeinflusst haben und wie sich die heutige Situation der Maori-Identität im Spannungsfeld von Tradition und moderner Gesellschaft darstellt.

  • Historischer Kontext der Besiedlung und Kolonisation Neuseelands
  • Die Transformation religiöser Vorstellungen unter christlichem Einfluss
  • Der Rückgang und die Revitalisierungsstrategien der Sprache Maori (Te Reo Maori)
  • Einfluss der Urbanisierung auf kulturelle und religiöse Identitätsstrukturen
  • Die Rolle der Medien und Bildungspolitik beim Spracherhalt

Auszug aus dem Buch

4.1.1. Mana

Als mana bezeichnet man eine Form von Energie, die heutzutage als Charisma oder Prestige interpretiert wird. Mana konnte man den Göttern, Häuptlingen und Objekten zuordnen oder es als heilige Kraft betrachten, auf jeden Fall steht mana im Zusammenhang mit übernatürlichen Mächten, dort liegen seine Quellen. In seiner Kraft ist mana undifferenziert und gefährlich, aber auch übertragbar. Seine Bedeutung wird oft erst durch das Schwinden seiner Existenz erkennbar, so zum Beispiel durch wiederholte militärische Niederlagen eines Häuptlings oder durch die Unwirksamkeit einer Arznei; meist wurde ein Bruch eines tapu (siehe 4.1.2.) dafür verantwortlich gemacht. Das mana eines ganzen Stammes vereinigte sich in der Person des Häuptlings. Durch Siege über andere Stämme konnte das mana des eigenen Stammes wachsen, aber ebenso war es permanent durch Leichtsinn, Überheblichkeit oder verlorene Kriege dem möglichen Verlust ausgesetzt. Ohne sein mana war ein Stamm nicht überlebensfähig. So wurde zum Schutz des mana das System von tapu und noa (siehe unten) eingesetzt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Rahmen der britischen Kolonisation und die daraus resultierende Notwendigkeit der Maori, sich in eine europäisch geprägte Gesellschaftsform einzugliedern, mit Fokus auf Religion und Sprache als zentrale Vermittlungsinstanzen.

2. Definitionen: In diesem Kapitel werden theoretische Kernbegriffe wie Identität, Kultur, Bikulturalismus, Akkulturation, Assimilation, Sprache und Bilingualismus definiert, um eine wissenschaftliche Basis für die Analyse zu schaffen.

3. Geschichtlicher Überblick: Das Kapitel bietet einen historischen Abriss von der polynesischen Besiedlung über die Ankunft der Europäer und den Treaty of Waitangi bis zur modernen Emanzipationsbewegung der Maori.

4. Religion: Hier wird die Transformation der religiösen Welt der Maori unter christlichem Einfluss, die Entstehung neuer religiöser Gegenbewegungen (z.B. Ratana, Ringatu) und die aktuelle statistische Religiosität der Maori untersucht.

5. Die Sprache Maori: Dieses Kapitel analysiert die sprachliche Entwicklung, das Churchillsche Stufenmodell für Minderheitensprachen sowie konkrete Ansätze wie bilinguale Erziehung, Sprachnester (Te Kohanga Reo) und die Rolle der Medien bei der Revitalisierung des Te Reo Maori.

6. Konklusion: Das Fazit stellt fest, dass sich die sozialdarwinistische Assimilationsthese nicht bestätigt hat; stattdessen ist ein komplexer Akkulturationsprozess zu beobachten, der Neuseeland zu einem bikulturellen Staat geformt hat.

Schlüsselwörter

Maori, Neuseeland, Akkulturation, Assimilation, Religion, Sprache, Mana, Tapu, Christentum, Ratana, Ringatu, Bikulturalismus, Te Reo Maori, Te Kohanga Reo, Identität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Magisterarbeit befasst sich mit den sozialen und kulturellen Akkulturationsprozessen der Maori in Neuseeland, insbesondere wie diese durch die Faktoren Religion und Sprache geprägt wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Auswirkungen der christlichen Missionierung auf die traditionelle Maori-Religion sowie die Bemühungen zur Wiederbelebung und Erhaltung der Maori-Sprache im 20. und 21. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Die Forschungsfrage prüft, ob die historische Entwicklung eher einer vollständigen Assimilation oder einer gezielten Akkulturation unter Beibehaltung kultureller Identitätskerne entspricht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine deskriptive und analysierende Arbeit, die auf Literaturrecherche, historischen Dokumenten, dem Studium des Treaty of Waitangi und der Auswertung statistischer Zensusdaten basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsdefinition, einen geschichtlichen Abriss, eine tiefgehende Untersuchung der religiösen Entwicklung und eine detaillierte Analyse der sprachpolitischen Maßnahmen und Bildungsinitiativen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Maori, Akkulturation, Religion, Sprache (Te Reo Maori), Identität, Kolonisation und der Treaty of Waitangi.

Welche Bedeutung haben die Konzepte "Mana" und "Tapu"?

Dies sind zentrale traditionelle religiöse Konzepte der Maori. Mana beschreibt eine Art spirituelle Energie oder Prestige, während Tapu ein komplexes System von Heiligkeit und Verboten darstellt, das den sozialen Alltag strukturierte.

Warum ist die "Te Kohanga Reo"-Bewegung für das Thema so wichtig?

Sie gilt als entscheidender Wendepunkt in der Sprachrevitalisierung, da sie als "Sprachnest" den Kindern die Maori-Sprache außerhalb staatlicher Strukturen in einem kulturell eingebetteten Umfeld vermittelte.

Welche Rolle spielt die Migration in die Städte für die Religiosität?

Die Urbanisierung führte dazu, dass traditionelle Stammesstrukturen (wie die Marae) an Bindungskraft verloren, was korrelierend mit einer Zunahme der Areligiosität bei den städtischen Maori einhergeht.

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Details

Title
Akkulturationsprozesse der Maori in Neuseeland
College
University of Leipzig  (Philologisches Institut)
Grade
2,0
Author
Thomas Dreher (Author)
Publication Year
2005
Pages
74
Catalog Number
V55013
ISBN (eBook)
9783638500722
ISBN (Book)
9783656802464
Language
German
Tags
Akkulturationsprozesse Maori Neuseeland
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Dreher (Author), 2005, Akkulturationsprozesse der Maori in Neuseeland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55013
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