„Die plumpen Kritzeleien von Kannibalen finden hier Nachahmung. Mit
Kunst hat das blitzwenig wenig zu tun.“1 So rezensiert das Karlsruher
Tageblatt vom 2. Januar 1919 eine Ausstellung der dort ansässigen Gruppe
„Rih“.
So sehr die Ikonographie der Karlsruher Künstler auch einen solchen
Kommentar provozieren mag, ist es unmöglich, ihn auch auf die neusachlichen
Maler in München zu übertragen. Worin genau die Differenzen
zwischen Karlsruher und Münchner Neuen Sachlichkeit liegen, wie sie
entstehen und wie gravierend sie tatsächlich sind, dies möchte ich in dieser
Hausarbeit ausführen.
Dazu werde ich mich dem bisherigen künstlerischen Schaffen einiger
Protagonisten zuwenden, auf die Frage, wie isoliert die Zentren München
und Karlsruhe zu betrachten sind, eingehen und außerdem versuchen festzustellen,
wo die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den Stillleben
beispielsweise Alexander Kanoldts und den kritischen Zeichnungen Karl
Hubbuchs liegen.
Gliederung
II. Einleitung
III. Der Begriff „Neue Sachlichkeit“ und die Mannheimer Ausstellung
IV. Künstlerische Ausgangslage
V. Neue Sachlichkeit in Karlsruhe
1. Allgemeines
2. Karl Hubbuch
3. Georg Scholz
4. Wilhelm Schnarrenberger
VI. Neue Sachlichkeit in München
1. Allgemeines
2. Alexander Kanoldt
a. Französische Einflüsse
b. Italienische Einflüsse
3. Heinrich Maria Davringhausen
4. Carlo Mense
5. Georg Schrimpf
6. Walter Schulz-Matan
VII. Kontakt zu Künstlern in anderen Zentren
VIII. Zur Frage der Bedeutung des neusachlichen Stilllebens
IX. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der „Neuen Sachlichkeit“ in Karlsruhe und München, wobei die künstlerischen Ansätze der Hauptvertreter beider Zentren analysiert werden, um die spezifischen Entwicklungen und stilistischen Ausprägungen dieser Strömung zu ergründen.
- Vergleich der veristischen Karlsruher Szene mit der magisch-realistischen Münchner Kunst
- Analyse des Einflusses der italienischen Pittura metafisica und des französischen Kubismus
- Untersuchung der künstlerischen Biografie bedeutender Protagonisten
- Reflexion über die Bedeutung des Stilllebens im Kontext der neusachlichen Ästhetik
Auszug aus dem Buch
II. Einleitung
„Die plumpen Kritzeleien von Kannibalen finden hier Nachahmung. Mit Kunst hat das blitzwenig wenig zu tun.“1 So rezensiert das Karlsruher Tageblatt vom 2. Januar 1919 eine Ausstellung der dort ansässigen Gruppe „Rih“.
So sehr die Ikonographie der Karlsruher Künstler auch einen solchen Kommentar provozieren mag, ist es unmöglich, ihn auch auf die neu sachlichen Maler in München zu übertragen. Worin genau die Differenzen zwischen Karlsruher und Münchner Neuen Sachlichkeit liegen, wie sie entstehen und wie gravierend sie tatsächlich sind, dies möchte ich in dieser Hausarbeit ausführen.
Dazu werde ich mich dem bisherigen künstlerischen Schaffen einiger Protagonisten zuwenden, auf die Frage, wie isoliert die Zentren München und Karlsruhe zu betrachten sind, eingehen und außerdem versuchen festzustellen, wo die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den Stillleben beispielsweise Alexander Kanoldts und den kritischen Zeichnungen Karl Hubbuchs liegen.
Zusammenfassung der Kapitel
II. Einleitung: Hier wird die Ausgangslage der Arbeit skizziert und die Forschungsfrage nach den Unterschieden zwischen den Karlsruher und Münchner Künstlern der Neuen Sachlichkeit formuliert.
III. Der Begriff „Neue Sachlichkeit“ und die Mannheimer Ausstellung: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung des Begriffs durch Gustav Hartlaub und die Bedeutung der wegweisenden Ausstellung von 1925.
IV. Künstlerische Ausgangslage: Die Untersuchung der biografischen Hintergründe verdeutlicht die Abkehr der Künstler vom Expressionismus und ihre Entwicklung hin zu einer gegenständlichen Malerei.
V. Neue Sachlichkeit in Karlsruhe: Der Fokus liegt auf der Bedeutung der Akademie und der veristischen, sozialkritischen Zeichenkunst von Künstlern wie Karl Hubbuch und Georg Scholz.
VI. Neue Sachlichkeit in München: Dieses Kapitel thematisiert die Vorliebe der Münchner Künstler für das Stillleben und ihre Inspiration durch die italienische Moderne.
VII. Kontakt zu Künstlern in anderen Zentren: Hier wird der Austausch der süddeutschen Szene mit Berlin und dem Rheinland reflektiert, um die Vernetzung der Künstler zu verdeutlichen.
VIII. Zur Frage der Bedeutung des neusachlichen Stilllebens: Eine kritische Analyse der Harmonie und Verfremdung in den Stillleben, insbesondere bei Alexander Kanoldt.
IX. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse, die feststellt, dass trotz fehlender expliziter Manifeste eine stilistische Verwandtschaft durch die Akademiebindung besteht.
Schlüsselwörter
Neue Sachlichkeit, Karlsruhe, München, Verismus, Magischer Realismus, Pittura metafisica, Stillleben, Karl Hubbuch, Alexander Kanoldt, Georg Scholz, Expressionismus, Kunstakademie, Avantgarde, Bildsprache, Weimarer Republik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Stilrichtung der „Neuen Sachlichkeit“ in den süddeutschen Kunstzentren Karlsruhe und München in den 1920er Jahren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit analysiert die Unterschiede zwischen der veristischen, sozialkritischen Kunst aus Karlsruhe und dem stärker auf das Stillleben ausgerichteten, metaphysisch geprägten Stil der Münchner Maler.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, wie sich die „Neue Sachlichkeit“ in Karlsruhe und München unterscheidet, welche Einflüsse (wie Kubismus oder Pittura metafisica) dabei eine Rolle spielten und wie gravierend diese Differenzen tatsächlich sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Künstlerbiografien, die Untersuchung von Fachbegriffen und einen komparativen Vergleich der künstlerischen Ausdrucksmittel und motivischen Schwerpunkte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Akteure in Karlsruhe und München, die Analyse der stilistischen Grundlagen sowie die Untersuchung spezifischer Einflüsse und Gattungen wie das Stillleben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Neue Sachlichkeit, Verismus, Magischer Realismus, sowie die Namen prägender Künstler wie Karl Hubbuch und Alexander Kanoldt.
Wie unterscheidet sich die Karlsruher von der Münchner Schule laut der Arbeit?
In Karlsruhe dominiert ein veristischer, sozialkritischer Zeichenstil, während in München das Stillleben als Mittel der Weltgestaltung und metaphysischer Auseinandersetzung überwiegt.
Welche Rolle spielten die Kunstakademien für die Entwicklung des Stils?
Die Akademien dienten als zentraler Ort des Austauschs und der Ausbildung, was maßgeblich zur Bildung der jeweiligen stilistischen Verwandtschaften unter den Künstlern beitrug.
Was ist die Schlussfolgerung bezüglich der „Künstlergruppen“?
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass man in Süddeutschland nicht von expliziten Künstlergruppen im Sinne eines Manifests sprechen kann, sondern eher von einer durch Akademiekonzentration bedingten Themenverwandtschaft.
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- Marie von Massow (Author), 2005, Die Neue Sachlichkeit in Karlsruhe und München, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55017