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Picasso als beobachtender Vater, die Inszenierung einer Familie und seine nachempfundene Kindheit

Title: Picasso als beobachtender Vater, die Inszenierung einer Familie und seine nachempfundene Kindheit

Term Paper , 2002 , 23 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: M.A. Saskia Dams (Author)

Art - Painting
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Picassos Kunst bildet einen fast nicht zu durchschauenden Kosmos. Dennoch wurden annähernd alle Abschnitte und Aspekte seines Schaffens schnell in der Literatur besprochen. Doch der auch quantitativ äußerst repräsentative Beitrag zum Thema „Kind in der Kunst“ wurde bis in die fünfziger Jahre verschwiegen. Bilder von Paulo oder Maya sowie von Claude und Paloma wurden nicht behandelt.
Ein größeres Interesse entstand erst in den neunziger Jahren.
Bezeichnend ist, dass es gerade die Portraits der eigenen Kinder sind, die Picasso als „Familiengalerie“ in seinem Atelier bewusst vor dem Blick Außenstehender bewahrte. Seine Kinderportraits und Kindergenres haben den Status eines privaten Familienfotoalbums. Auch die Darstellungen von Françoise und Jaqueline sowie die plastischen Werke fanden sich ausschließlich im Nachlass.1 Diese Tatsache kann zu einem gewissen Grad als Grund für die Nichtbehandlung des Themas in der Literatur angesehen werden.

1 Vgl. Spies, 1995, S. 14f.; Kay, 1966, S. 14.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Forschungsbericht

2. Exkurs: Gedanken zur Bedeutung der Kindheit in der modernen Kunst

3. Rückblick: Picassos Kinderdarstellungen von Paulo und Maya

4. Claude und Paloma als Auslöser für Picassos intensive Auseinandersetzung mit der Kindheit

4.1. Picasso als beobachtender Vater

4.1.1. Beschreibung von „Claude und Paloma beim Zeichnen“

4.1.2. Der quietistische Ausdruck des Kindlichen

4.2. Assemblagen aus Fundstücken und Spielzeug

4.2.1. Beschreibung von „Kleines seilspringendes Mädchen“

4.2.2. Picassos Adaptation einer kindlich schöpferischen Taktik

4.2.3. Beschreibung von „Frau mit Kinderwagen“

4.2.4. Picassos Interesse am Sehen des Kindes

5. Die Inszenierung einer Familie und die Problematik der getrennten Welten

6. Die Frage der nachempfundenen Kindheit Picassos

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die künstlerische Auseinandersetzung Pablo Picassos mit der Kindheit, insbesondere im Kontext seiner eigenen Kinder Claude und Paloma, und analysiert, inwieweit diese Werke als Ausdruck einer persönlichen Sehnsucht nach der eigenen, früh beendeten Kindheit gedeutet werden können.

  • Analyse der kindlichen Motive und deren Darstellung in Picassos Werk.
  • Untersuchung von Picassos Assemblagetechnik im Zusammenhang mit spielerischen Adaptionen.
  • Betrachtung der Familiendynamik und der räumlichen Distanz zwischen dem Künstler und seinen Kindern.
  • Interpretation des „kindlichen Blickes“ als künstlerische Strategie und Perspektivismus.
  • Kritische Würdigung der inszenierten häuslichen Sphäre im Kontrast zur gelebten Realität.

Auszug aus dem Buch

4.2.1. Beschreibung von „Kleines seilspringendes Mädchen“

Zunächst sei zu bemerken, dass das Motiv des seilspringenden Mädchens auf Paloma projiziert werden kann. Neben einer plastischen Verarbeitung des Themas, gibt er Paloma beim Seilspringen in einem Gemälde wieder. (Abb. 11). Die Datierungen hierzu variieren zwischen 1952/ 53 und 1954. Teilweise wird das Gemälde sogar als Vorlage für die plastische Ausführung angesehen. Diese wurde jedoch bereits 1950 begonnen, so dass das Gemälde eindeutig nach der Plastik, oder bestenfalls 1952 gegen Ende der Fertigung entstand.

Auf der Leinwand konzentrieren sich Palomas Augen auf ihre Füße. Den einen Fuß wirft sie nach hinten in die Luft, den anderen setzt sie vorne knapp vor das Seil. Die kleinen kräftigen Hände halten das Seil fest gepackt. Das Gesicht des Kindes erscheint puppenhaft stilisiert, mit geschlossenen Kulleraugen, zierlicher Nase und Mund sowie einer ordentlich gekämmten Ponyfrisur. Der Körper besteht aus Kuben, welche die Bewegungen des Kindes andeuten sollen. Die gesamte Erscheinung wird eingerahmt von dem, für ein solch kleines Kind wohl etwas lang geratenen, und so bis zum Kopf hochgezogenen Springseil. Paloma scheint in der Luft zu hangen, nur das Seil verbindet sie mit dem Boden. Festgehalten ist also das kurze Moment des Sprungs über das Seil.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Forschungsbericht: Einführung in die Thematik der Kinderdarstellungen bei Picasso und Einordnung in den zeitgenössischen Forschungsstand.

2. Exkurs: Gedanken zur Bedeutung der Kindheit in der modernen Kunst: Diskussion des Wandels vom romantischen Kindheitsideal hin zur künstlerischen Adaption kindlicher Ausdrucksweisen.

3. Rückblick: Picassos Kinderdarstellungen von Paulo und Maya: Analyse der frühen Kinderporträts, die oft durch eine gewisse formale Distanz und Inszenierung gekennzeichnet sind.

4. Claude und Paloma als Auslöser für Picassos intensive Auseinandersetzung mit der Kindheit: Untersuchung der verstärkten künstlerischen Hinwendung zur kindlichen Perspektive durch die Geburt von Claude und Paloma.

5. Die Inszenierung einer Familie und die Problematik der getrennten Welten: Beleuchtung der spannungsreichen Familiendynamik und der räumlichen bzw. emotionalen Distanz zwischen dem Künstler und seinen Kindern.

6. Die Frage der nachempfundenen Kindheit Picassos: Zusammenfassende Betrachtung der Sehnsucht des Künstlers nach einer „zweiten Kindheit“ und deren Spiegelung im Werk.

Schlüsselwörter

Pablo Picasso, Kindheit in der Kunst, Claude und Paloma, Assemblage, kindlicher Blick, Kinderzeichnung, Familiendarstellung, künstlerische Adaption, Objekt trouvé, Moderne Kunst, Kinderporträt, Biografie, Kinderspiel, Perspektivismus, Bildende Kunst.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie Pablo Picasso das Thema Kindheit, speziell an seinen eigenen Kindern Claude und Paloma, in seinem Spätwerk künstlerisch verarbeitet hat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die kindliche Perspektive, die künstlerische Adaption kindlicher Ausdrucksformen sowie die Spannungen innerhalb des Familienlebens von Picasso.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist zu ergründen, ob Picassos Auseinandersetzung mit Kindern als Ausdruck einer persönlichen Sehnsucht nach der eigenen, früh beendeten Kindheit zu deuten ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine kunsthistorische Analyse der Werke durchgeführt, die durch biografische Daten, Briefe und Berichte (insbesondere von Françoise Gilot) kontextualisiert wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit spezifischen Werken (Gemälde und Assemblagen), dem künstlerischen Perspektivwechsel durch Kinder und der Problematik der "getrennten Welten" in Picassos Familienleben.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter wie Pablo Picasso, Assemblage, kindlicher Blick, Familiendarstellung und Kindheit in der Kunst beschreiben den Kern der Untersuchung.

Wie beeinflusste Picassos eigenes Kindheitserlebnis seine Kunst?

Picasso wurde früh als Erwachsener in der Akademie ausgebildet, was zu einer Sehnsucht führte, die ihm später verwehrte Spontaneität durch den Kontakt mit den eigenen Kindern und deren Kunst nachzuholen.

Welche Rolle spielen die Assemblagen für das Kindheitsthema?

Die Assemblagen dienen Picasso als Medium, um Spielzeug und Fundstücke in neue künstlerische Zusammenhänge zu überführen, die den kindlichen Geist und das "Sehen" des Kindes simulieren.

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Details

Title
Picasso als beobachtender Vater, die Inszenierung einer Familie und seine nachempfundene Kindheit
College
University of Heidelberg  (Kunsthistorisches Institut)
Course
Picasso
Grade
1,3
Author
M.A. Saskia Dams (Author)
Publication Year
2002
Pages
23
Catalog Number
V5502
ISBN (eBook)
9783638133586
ISBN (Book)
9783638956338
Language
German
Tags
Picasso Kinder Kindheit Paolo Maya Paloma Claude Francoise Gilot Kinderdarstellung Assemblage
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Saskia Dams (Author), 2002, Picasso als beobachtender Vater, die Inszenierung einer Familie und seine nachempfundene Kindheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5502
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