Finanzierungslösungen für den Mittelstand

Klassische Mezzanine-Darlehen im Vergleich zu einer indirekten Kapitalmarktfinanzierung mittels Preferred Pooled Shares


Bachelorarbeit, 2006
74 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG UND PROBLEMSTELLUNG

2. AKTUELLE SITUATION DER FINANZIERUNG MITTELSTÄNDISCHER UNTERNEHMEN
2.1. Begriff des Mittelstandes
2.2. Finanzierungssituation des Mittelstandes
2.3. Problematik der risikoadjustierten Bepreisung bei der Kreditfinanzierung durch die Kreditwirtschaft
2.4. Problematik des begrenzten Zugangs zum Kapitalmarkt für deutsche Mittelstandsunternehmen
2.5. Mezzanine-Kapital als Lösungsansatz zur Stärkung der Eigenkapitalbasis

3. KLASSISCHE MEZZANINE FINANZIERUNGS- INSTRUMENTE
3.1. Begriff Mezzanine-Kapital
3.2. Generelle Ausgestaltung und Bedeutung von Mezzanine- Darlehen bei der Unternehmensfinanzierung
3.3. Equity-Mezzanine
3.3.1. Genussrechte
3.3.2. Stille Beteiligungen
3.4. Debt-Mezzanine
3.4.1. Nachrangdarlehen
3.4.2. Partiarische, indexierte und Verkäufer-Darlehen
3.4.3. Schuldscheindarlehen
3.4.4. Hochzinsanleihen / High-Yield-Debt
3.5. Auswirkungen des Einsatzes klassischer Mezzanine-Darlehen.
3.5.1. Auswirkungen bei dem kapitalnehmenden Unternehmen
3.5.2. Auswirkungen bei dem kapitalgebenden Kreditinstitut

4. INNOVATIVE FORMEN DER MITTELSTANDSFINAN- ZIERUNG MITTELS PREFERRED POOLED SHARES
4.1. PREPS als Brücke zum Kapitalmarkt
4.1.1. Kooperation zwischen der HypoVereinsbank und der Capital Efficiency Group
4.1.2. Hintergrund und Motivation zum Angebot von PREPS durch die HypoVereinsbank
4.1.3. Der Wunsch des Mittelstandes nach einer bankenunab- hängigen Finanzierungsquelle
4.2. Aufbau und Ablauf einer PREPS-Transaktion
4.2.1. Strukturierung einer PREPS-Transaktion und daran beteiligte Parteien
4.2.2. Identifikation PREPS-fähiger Unternehmen mit darauffolgendem Ratingprozess
4.2.3. Verwendung der Finanzierungsmittel
4.2.4. Platzierung eines PREPS-Portfolios am Kapitalmarkt
4.2.4.1. Investoren
4.2.4.2. Konditionen
4.3. Auswirkungen der Finanzierung einer beispielhaften PREPS- Transaktion
4.3.1. Auswirkungen für die HypoVereinsbank unter Ertrags- und Risikogesichtspunkten
4.3.2. Auswirkungen für die durch die Transaktion mit Kapital ausgestatteten Unternehmen

5. VERGLEICH DES PRODUKTES PREPS MIT ÄHNLICHEN PRODUKTEN DER WETTBEWERBER
5.1. Ein Vergleich mit dem Produkt equiNotes der Deutschen Bank 43 mit der DZ-Bank
׀5.2 Ein Vergleich mit dem Produkt ge

6. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK

LITERATURVERZEICHNIS

ANLAGEN

Abkürzungsverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Einordnung von Mezzanine-Kapital

Abbildung 2: Mezzanine in Bezug auf den Lebenszyklus des Unternehmens

Abbildung 3: Illustrativer Ablauf einer PREPS-Transaktion

Abbildung 4: Beteiligte Parteien bei einer PREPS-Transaktion

Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1: Mittelstandsdefinition der Europäischen Union

Tabelle 2: Eigenkapitalausstattung des Mittelstandes

Tabelle 3: Insolvenzen deutscher Unternehmen im Zeitreihenvergleich...

Tabelle 4: Entwicklung des Zinsüberschusses deutscher Banken

Tabelle 5: Bewertungsaufwand deutscher Banken

Tabelle 6: Dimensionsabgrenzung des Mittelstandes

Tabelle 7: Genussrechte

Tabelle 8: Stille Beteiligungen

Tabelle 9: Nachrangdarlehen

Tabelle 10: Partiarische, indexierte und Verkäufer-Darlehen

Tabelle 11: Abgeschlossene PREPS-Transaktionen

Tabelle 12: Rating der PREPS-Portfolien

Tabelle 13: Konditionen der PREPS 2004-2-Transaktion

Tabelle 14: Transaktionskosten bei PREPS 2004-2

1. Einleitung und Problemstellung

Die vergangenen, konjunkturell gesehen schlechteren Jahre, einhergehend mit den gestiegenen Unternehmensinsolvenzen, stellen den Mittelstand hinsichtlich der Kapitalbeschaffung vor eine neue schwierige Aufgabe. Ebenso haben sich die Banken mit einem erhöhten, auch zunehmend internationalen Rentabilitätsdruck auseinander zusetzen.

Die zunehmende Globalisierung, nochmals verschärft durch die EUOsterweiterung im Jahre 2004, sowie die Neuorientierung der Banken und die zu erwartenden Entwicklungen aufgrund der Basel II-Vorgaben verstärken diesen Wandlungsprozess.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich zunächst mit dem Begriff sowie einer Definition des Mittelstandes, um anschließend die aktuelle Finanzierungssituation und das daraus resultierende Fremdkapitalbeschaffungsproblem des Mittelstandes darzustellen.

Darauf aufbauend wird die Lage der deutschen Kreditwirtschaft veranschaulicht, um die Problematik, der die Banken in der heutigen Zeit in der Mittelstandsfinanzierung unterliegen, näher zu erörtern.

Eine seit jeher existierende Form der Unternehmensfinanzierung, die sogenannte (sog.) Mezzanine-Finanzierung, welche in den letzten Jahren eine wahre Renaissance erlebte, wird in ihren vielschichtigen Ausgestaltungen und Verwendungsmöglichkeiten ausführlich vorgestellt.

Die Thematik der oftmals für den Mittelstand nicht möglichen direkten Finanzierung über den Kapitalmarkt führt schließlich zu einer detaillierten Vorstellung einer neuen, innovativen Form der Mittelstandsfinanzierung durch die HypoVereinsbank, die auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle spielt.

Im Wesentlichen geht es hierbei darum, den kreditnehmenden Unternehmen mittels der Bereitstellung einer Plattform sowie dem Know-how der Banken einen indirekten Zugang zum Kapitalmarkt zu ermöglichen.

Um diese Instrumente in einem rasch wachsenden Markt kritisch würdigen zu können, werden ähnliche alternative Instrumente zweier Mitbewerber aus der Kreditwirtschaft untersucht.

Aufgrund der bis heute sehr geringen, aber in der Zukunft wohl immer stärker wachsenden Bedeutung solcher Instrumente, stellt der Teil der innovativen Finanzierungslösungen den Kern der Arbeit dar.

Trotz aller positiven Signale seitens der Banken, Unternehmen und auch der Wirtschaftspresse werden die dargestellten Finanzierungsformen einer kritischen Würdigung unterzogen, um klarzustellen, dass diese Finanzierungsarten nicht die Lösung für die strukturell angesiedelten Probleme des Mittelstandes und der Banken sind.

2. Aktuelle Situation der Finanzierung mittelständischer Unternehmen

Nach einer grundlegenden Definition des Mittelstandes wird auf die derzeitige Kapitalausstattung sowie der Finanzierung der Unternehmen eingegangen. Ein Vergleich mit anderen europäischen Ländern sowie den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) soll die Problematik der heutigen Situation verdeutlichen.

Die sich im Wandel befindliche Kreditwirtschaft nebst der wirtschaftlichen Entwicklung der deutschen Wirtschaft mit den folgenden Kreditausfällen führt auf die Notwendigkeit einer risikoadjustierten Bepreisung der Mittelstandsfinanzierung.

Abschließend erfolgt eine Beleuchtung des Faktes eines fehlenden Zugangs zum Kapitalmarkt für die mittelständischen deutschen Unternehmen mit einer Überleitung auf eine neue zukunftsweisende Form der Finanzierung zur Stärkung der wichtigen Position Eigenkapital.

2.1. Begriff des Mittelstandes

„Der Mittelstand ist ein Anker, der das manchmal schwerfällige Schiff unserer Volkswirtschaft in konjunkturellen Stürmen hält und ein Motor, der es zu neuen Ufern treibt.“1

Aufgrund der unbestrittenen und weltweit herausragenden Position als Arbeitgeber und Motor der Wirtschaft für Deutschland kommt dem Mittelstand eine erhebliche Bedeutung zu. Rund 70 % der Arbeitnehmer arbeiten für ein Mittelstandsunternehmen.2 Ebenso werden von diesen Unternehmen annähernd 50 % der Bruttowertschöpfung der Bundesrepublik Deutschland generiert.3

Seit dem 1.1.2005 existiert eine Empfehlung der Europäischen Union (EU) für die Definition des Mittelstandes, welche die Empfehlung aus dem Jahre 1996 ersetzt.

Hierbei wird der Mittelstand in Kleinst-, Klein-, Mittel- und Großunternehmen unterteilt. Eine Klassifizierung erfolgt nach der Anzahl der Beschäftigten, dem Jahresumsatz sowie der Bilanzsumme.

Die nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht über die neuen Schwellenwerte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein weiteres Kriterium stellt die Unabhängigkeit dar. Dies bedeutet, dass ein Unternehmen in der Regel nicht zu mehr als 25 % im Besitz eines anderen Unternehmens sein darf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Mittelstandsdefinition der Europäischen Union4

Diese EU-Definition findet mittlerweile auch verstärkt in Deutschland Anwendung. Die meist vorher verwandte Mittelstandsdefinition des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn (IFM Bonn)5 wird jedoch nach wie vor bei der Berechnung von Schlüsselzahlen angewandt. Anzumerken ist in diesem Falle, dass circa (ca.) 99,7 % der Unternehmen nach der Mittelstandsdefinition des IFM Bonn zu den kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) zählen und somit einen Umsatz von maximal 50 Millionen (Mio.) Euro erwirtschaften.6

Der in dieser Arbeit verwendete Begriff des Mittelstandes bezieht sich auf Unternehmen, die einen Umsatz bis zu € 500 Mio. erwirtschaften. Großkonzerne wie z. B. die Deutsche Telekom AG sind nicht Gegenstand dieser Ausführungen, da diese in der Regel (i. d. R.) ihren Finanzierungsbedarf direkt über den Kapitalmarkt sicherstellen und an den organisierten Kapitalmärkten andere Anforderungen als an den breiten Mittelstand gestellt werden.

2.2. Finanzierungssituation des Mittelstandes

Ausgehend von den grundsätzlichen Möglichkeiten der Unternehmens- finanzierung, der Eigen- oder Fremdfinanzierung, lässt sich feststellen, dass der Mittelstand in Deutschland derzeit (dzt.) unter einem akuten Mangel an Eigenkapital leidet.

Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der Verlustausgleichsfunktion des Eigenkapitals zu sehen. In konjunkturell schlechteren Jahren wird bei Verlusten die ohnehin schon geringe Eigenmitteldecke mehr und mehr aufgezehrt.

Seit Mitte der sechziger Jahre hat die durchschnittliche Eigenkapitalquote, diese beschreibt das Verhältnis von Eigenkapital zum Gesamtkapital, von 30 % stetig auf zuletzt etwa 17 % abgenommen.7

Diese Eigenkapitalverhältniszahl bezieht sich jedoch auf die KMU sowie die Großunternehmen gemeinsam. Bei den in Deutschland wichtigeren und stärker vertretenen Unternehmen im Segment der KMU ergibt sich ein noch gravierenderes Bild.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 28

Bei dem für Deutschland durchschnittlich ausgewiesenen Eigenkapitalanteil von 7,5 % ist zu beachten, dass hierbei auch die Personengesellschaften eingeflossen sind. Aufgrund der privaten Haftungsfunktion der Einzelunternehmer kann der wirtschaftliche Eigenkapitalanteil sicher höher angesetzt werden. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote bei Kapitalgesellschaften liegt bei 16 %.

Eine quantitativ unterlegte und somit fundierte Aussage bezüglich (bzgl.) des von den Banken erwarteten Eigenkapitals lässt sich nicht treffen, da dies immer individuell betrachtet werden muss. Jedoch wird im Allgemeinen eine Eigenkapitalquote von 30 % als angemessen erachtet.9

Die stark rückläufige Eigenkapitalquote der KMU in den vergangenen, wirtschaftlich betrachtet schlechteren Jahren korreliert signifikant mit der Zunahme der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 310

Eine interessante Beobachtung kann gemacht werden, wenn man die Entwicklung der Insolvenzen im Zeitvergleich der Jahre 2003 und 2004 und die Eigenkapitalquote in Deutschland mit der in Spanien und Großbritannien vergleicht. In Spanien nahm die Zahl der Insolvenzen um 11,8 % ab und in Großbritannien sogar um 13,4 %. Das Ziehen eines direkten Vergleichs ist hierbei nur unter Vorbehalt möglich, da in Spanien oftmals bei kleineren Unternehmen gar kein Insolvenzverfahren eröffnet wird und in Großbritannien im Betrachtungszeitraum eine andere gesamtwirtschaftliche Entwicklung als in Deutschland zu verzeichnen war. Ein Zusammenhang zwischen einer unzureichenden Eigenkapitalausstattung und den Unternehmensinsolvenzen ist gleichwohl erkennbar.11

Wie bereits aufgezeigt, erfolgt die Unternehmensfinanzierung der KMU in Deutschland nur unzureichend über Eigenkapital. Somit stellt sich die Frage, wie sich der Mittelstand dann finanziert.

Dies geschieht überwiegend mittels des klassischen Bankkredites.12 Zwar haben alternative Formen der Finanzierung wie Factoring und Leasing etwas zugenommen, jedoch liegt der Anteil dieser Formen nach wie vor noch auf einem niedrigen Niveau.

Aufgrund der historischen Rahmenbedingungen war es für ein Unternehmen in Deutschland im Allgemeinen stets von Vorteil, Gewinne nicht zu thesaurieren, sondern diese steuerbegünstigt an die Eigner auszuschütten.13 Ebenso ist eine starke Fremdfinanzierung durch die steuerliche Abzugsfähigkeit der geleisteten Zinsen gefördert worden. Die Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, im Speziellen hier des Steuerrechts, könnte einen großen Beitrag zum Eigenkapitalaufbau leisten.

2.3. Problematik der risikoadjustierten Bepreisung bei der Kredit- finanzierung durch die Kreditwirtschaft

Die in der Vergangenheit vorgeschriebene Unterlegung der gewichteten Risikoaktiva mit Eigenkapital gemäß Grundsatz I des Kreditwesengesetzes (KWG) führte zu einer äußerst pauschalen Bepreisung des gesamten Kreditrisikos einer Bank. In den vergangenen Jahrzehnten stellte dies für die Banken i. d. R. keine größere Problematik dar.

Jedoch herrscht aufgrund des erheblichen Kampfes um Marktanteile, der oftmals rein über Konditionen geführt wurde und somit zu einem nicht unerheblichen Rückgang der Kreditmargen führte, sowie aufgrund der einhergehenden Globalisierung heutzutage ein differenziertes Bild.14

Die beiden nachfolgenden Tabellen zeigen eindrucksvoll, dass die Banken vor einer neuen Situation stehen, die wohl nur mittels einer noch stärker risikoorientierten Bepreisung bei der Kreditvergabe zu lösen ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 515

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 516

Das wirtschaftlich notwendige Umdenken in Richtung einer am Risiko orientierten Bepreisung bei der Kreditvergabe wird durch die Vorgaben der ab dem Jahre 2007 geltenden neuen Basel II-Richtlinien noch verstärkt. Denn nicht nur der Mittelstand selbst steht vor neuen Herausforderungen, auch die Banken müssen sich verstärkt einem internationalen Vergleich bzgl. ihrer Rentabilität unterziehen. Da die Rentabilität in den vergangenen Jahren bei den deutschen Banken massiv gesunken ist, sind diese allein aus Gründen des Wettbewerbs gezwungen, ihre eingegangenen Geschäfte und Risiken marktgerecht zu bepreisen, um selbst eine marktgerechte Rendite zu erwirtschaften.

2.4. Problematik des begrenzten Zugangs zum Kapitalmarkt für deutsche Mittelstandsunternehmen

Die in den beiden Abschnitten 2.2. und 2.3. aufgezeigten Probleme lassen nun die Frage aufkommen, ob deutsche Mittelstandsunternehmen nicht zukünftig den Kapitalmarkt als Finanzierungsquelle erschließen können.

Die traditionelle Hausbankbeziehung17 und der damit verbundene klassische Bankkredit war bisher stets die wichtigste Finanzierungsquelle. In den vergangen Jahren stellten die Banken in diesem Segment noch keinen besonderen Anspruch an zukunftsorientierte Finanzplanungen, Budgetplanungen und die langfristige strategische Ausrichtung des Unternehmens. Sie begnügten sich vielmehr mit einer stark vergangenheitsorientierten Betrachtung sowie der Stellung von Sicherheiten, um eine positive Kreditentscheidung zu treffen.

Die Gesetze des internationalen Kapitalmarktes sprechen jedoch eine deutlich andere Sprache. Die Anforderungen an ein Unternehmen, das sich über den Kapitalmarkt finanzieren möchte, unabhängig davon, ob es um die Eigenkapitalbeschaffung mittels eines Going Public oder die Fremdkapitalbeschaffung durch die Emission einer Anleihe geht, sind vielschichtig und höchst anspruchsvoll. Kriterien wie Unternehmensgröße, Zukunftserwartungen, Management, finanzielle Stabilität und nicht zuletzt vollständige Transparenz, sind unabdingbare Merkmale, die es zu befriedigen gilt, um ein Unternehmen für Investoren interessant zu machen.

Diese Punkte sind ferner die Voraussetzung, um ein international anerkanntes Rating der renommierten Rating-Agenturen wie z.B. Standard & Poors, Moodys oder Fitch zu erlangen, welches letzten Endes den Zugang zum Kapitalmarkt ermöglicht.

Die heute von den Banken vorgenommen Bonitätsbeurteilungen stellen einen Teil eines solchen Ratingprozess dar. Jedoch sind die meist eigentümergeführten Unternehmen heute noch nicht in der Lage, diese Anforderungen zu erfüllen bzw. wollen dies gar nicht. Die fehlende Bereitschaft zur detaillierten Offenlegung wird meist noch dadurch verstärkt, dass die Unternehmen, oftmals sogar traditionsreiche Familienunternehmen, sich nicht „in die Karten“ sehen lassen wollen und nicht bereit sind, Kontroll- und Entscheidungsrechte an externe Investoren abzugeben.18 Letztendlich spielt auch der Preis eines solchen externen Ratings, der sich üblicherweise auf mehrere zehntausend Euro beläuft, eine ausschlaggebende Rolle.19

Die Inanspruchnahme von Private Equity oder Venture Capital scheitert i. d. R. an den hohen Renditeerwartungen der Kapitalgeber, welche die KMU meist nicht erfüllen können, an der fehlenden Akzeptanz solcher Gesellschaften im Mittelstand sowie der notwendigen Abgabe von Geschäftsanteilen und Entscheidungsrechten.20

Es ist unbestritten, dass der klassische Bankkredit auch in Zukunft eine tragende Säule bei der Unternehmensfinanzierung darstellt, jedoch ist es höchste Zeit für den Mittelstand, ergänzend alternative Wege in der Kapitalbeschaffung zu gehen. Die Voraussetzung hierfür ist zunächst ein gemeinsames Arbeiten der Kreditwirtschaft mit den Unternehmen, um diese während dieses Prozesses beraten und begleiten zu können.

In den vergangen Jahren wurden hier die Grundsteine gelegt. Zum Beispiel durch die „Initiative Finanzstandort Deutschland“ (IFD)21, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Beschaffungsmöglichkeiten für Eigenkapital für den breiten Mittelstand zu verbessern. Dies soll zum einen durch die Etablierung eines Fonds für den privaten Beteiligungsmarkt geschehen und zum anderen durch die Bereitstellung von mezzaninem Kapital.22

Dass von Seiten der internationalen Investoren außerordentliches Interesse an einem Mittelstands-Engagement besteht, belegen die Zahlen für den europäischen Mezzanine-Markt. Das Volumen verdoppelte sich vom Jahre 2000 zum Jahr 2004 auf 6 Milliarden (Mrd.) Euro23. Ähnliche Wachstumsraten sind ebenfalls für die Zukunft zu erwarten. Deutsche Unternehmen stellten mit 18 % den zweitgrößten Anteil hinter Großbritannien mit 27 % dar.24

Transaktionen, bei denen die Banken ihre Mittelstandskredite am Kapitalmarkt platziert haben, erfuhren in der Vergangenheit in Deutschland einen wahren Boom.

In den USA wurden bereits seit den 1970er Jahren Kredite, die mit Hypotheken unterlegt waren, verbrieft25 und am Kapitalmarkt platziert. Da in Deutschland dazu in den vergangenen Jahrzehnten keine Notwendigkeit bestand, wurde die erste Verbriefungstransaktion erst im Jahre 1995 durchgeführt. Die erste Transaktion, die ein reines Mittelstandsportfolio betraf, fand im Jahre 1998 durch die Deutsche Bank statt. Bis März 2005 wurden Mittelstandsrisiken in Höhe von (i. H. v.) insgesamt 40 Mrd. Euro verbrieft.26

Die von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ins Leben gerufene Plattform „PROMISE“, die als „Katalysator“ in diesem Prozess fungierte, trug maßgeblich zu diesem Erfolg bei und etablierte somit den deutschen Mittelstand als Asset-Klasse, in die sich internationale Investoren einkaufen können.

Der Weg der Verbriefung und Ausplatzierung der Kreditrisiken hilft sicherlich den Banken, um die Rentabilität der knappen Ressource Eigenkapital zu verbessern. Jedoch ist dies bei weitem noch keine Lösung, für das beim Mittelstand nach wie vor bestehende Problem der geringen Eigenkapitalquote.

Die eben angesprochenen Mezzanine-Darlehen könnten hier einen wichtigen Beitrag leisten.

2.5. Mezzanine-Kapital als Lösungsansatz zur Stärkung der Eigenkapitalbasis

Die oben beschriebene Situation lässt die Frage aufkommen, wie der Mittelstand in Zukunft die aus Wettbewerbsgründen notwendigen Investitionen finanzieren soll. Ebenso müssen die Banken ihr zukünftiges Kreditgeschäft stärker am Risiko ausrichten und einem adäquateren Pricing unterziehen. Die Banken haben sich mehrfach öffentlich zur Mittelstandsfinanzierung bekannt. Jedoch ist die Zeit vorbei, in der langfristige Kredite ausgereicht wurden, die de facto Eigenkapitalfunktionen übernehmen, jedoch mit dem deutlich niedrigeren Fremdkapitalzins bedient werden. Ebenso ist eine Orientierung an den zukünftigen Cash-Flows der Unternehmen bei der Kreditvergabe das künftig entscheidende Kriterium.

Durch den Einsatz von Mezzanine-Kapital können unter Umständen (u. U.) Unternehmen weiter finanziert werden, bei denen eine herkömmliche Bankfinanzierung aufgrund des ausgereizten Verschuldungspotenzials nicht mehr möglich wäre.

Dieser seit Jahrzehnten existierende Baustein in der Unternehmens- finanzierung wird im nächsten Kapitel zunächst ausführlich beschrieben und definiert. Darauf aufbauend werden die gängigsten Ausgestaltungs- und Erscheinungsformen vorgestellt sowie deren übliche Verwendung und Einsatzfelder aufgezeigt.

3. Klassische mezzanine Finanzierungsinstrumente

3.1. Begriff Mezzanine-Kapital

In zahlreichen Publikationen der Wirtschaftspresse wird Mezzanine als die Lösung für das in Kapitel 2 beschriebene Dilemma bezeichnet.27

Um ein Verständnis für dieses Finanzierungsinstrument zu schaffen, wird zunächst eine Begriffsdefinition vorgenommen. Vorweg lässt sich sagen, dass bis dato keine einheitliche wissenschaftliche Definition existiert. Vielmehr wurde der Begriff Mezzanine im Zeitablauf durch die Praxis geprägt.28

Der sprachliche Ursprung des Wortes Mezzanine kommt vom italienischen „mezzanino“, was in der Architektur einem Zwischengeschoss entspricht.Bildlich gesprochen steht Mezzanine-Kapital somit in der Unternehmensbilanz zwischen dem Eigen- und dem Fremdkapital.29

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 130

Mezzanine-Kapital ist somit ein Sammelbegriff für alle Finanzierungsformen, die zwischen dem Eigen- und Fremdkapital liegen (hybride Finanzierungsinstrumente).31

3.2. Generelle Ausgestaltung und Bedeutung von Mezzanine- Darlehen bei der Unternehmensfinanzierung

Mezzanine-Kapital kann je nach Ausgestaltung eigenkapitalähnlich (Equity Mezzanine) oder fremdkapitalähnlich (Debt Mezzanine) wirken. Das Equity Mezzanine stellt für die Unternehmen bilanzielles oder wirtschaftliches Eigenkapital dar, ohne den Kapitalgebern Stimmrechte oder Einfluss- möglichkeiten einzuräumen.32 Gleichwohl kann auch das Debt Mezzanine bei entsprechender Ausgestaltung als wirtschaftliches Eigenkapital klassifiziert werden.

Es lässt sich feststellen, dass die Definition als Equity oder Debt Mezzanine lediglich darüber Auskunft gibt, ob sich in dem Instrument eher eigen- oder fremdkapitalähnliche Merkmale vereinen.33

Mezzanine-Kapital wird nach herrschender Meinung im Wesentlichen durch die folgenden sechs typischen Charakteristika geprägt:34

- Die Kapitalüberlassung ist zeitlich befristet.
- Es werden für die Kapitalüberlassung keine Sicherheiten gestellt.
- Die Vertragskonditionen können flexibel, den speziellen Finanzierungserfordernissen entsprechend ausgestaltet werden.
- Das überlassene Kapital ist im Falle der Insolvenz des Darlehensnehmers nachrangig gegenüber anderen Gläubigerforderungen.
- Im Insolvenzfalle ist es jedoch ggü. dem Eigenkapital vorrangig.
- Die für die Kapitalüberlassung zu zahlenden Zinsen sind handels- und steuerrechtlich ein Betriebsaufwand und somit steuerlich abzugsfähig.

Wenn diese Merkmale vorliegen, kann von Mezzanine-Kapital gesprochen werden.

[...]


1 Norbert Lamm (CDU); ehemaliger Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft.

2 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (Hrsg.): Mittelstandsoffensive „pro Mittelstand“, 28. Juni 2005, S. 1.

3 Vgl. Institut für Mittelstandsforschung Bonn (Hrsg.): Statistiken.

4 In Anlehnung an Institut für Mittelstandsforschung (Hrsg.): Statistiken.

5 Vgl. Institut für Mittelstandsforschung (Hrsg.): Statistiken.

6 Vgl. FitchRatings (Hrsg.): Who Will Finance the Mittelstand?, April 2005, S. 4.

7 Vgl. Creditreform (Hrsg.): Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Frühjahr 2005, S. 18.

8 Vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.): Monatsbericht Oktober 2003, S. 41-43; Creditreform (Hrsg.): Insolvenzen in Europa, 2004/05, S.11; Bundesverband deutscher Banken (Hrsg.): Mittelstandsfinanzierung - Partnerschaftliche Zusammenarbeit von Unternehmen und Banken, Februar 2005, S. 10.

9 Gemäß Interview vom 16.12.2005 mit Dr. Frank Henes (Leiter der strukturierten Unternehmensfinanzierung im Geschäftsfeld Deutschland der HypoVereinsbank). Diese Aussage wird durch die am Kapitalmarkt durchgeführten LBO-Transaktionen untermauert. Hier betrug der durchschnittliche Eigenkapitalanteil in den Jahren 2001 bis 2004 ~ 31%; Vgl. FitchRatings (Hrsg.): The European Leveraged Credit Market in 2004: Is this Sustainable in 2005?, Februar 2005, S. 4.

10 Vgl. Creditreform (Hrsg.): Insolvenzen, Neugründungen und Löschungen, Jahr 2003, S. 1; Creditreform (Hrsg.): Insolvenzen in Europa, Jahr 2004/05, S. 2.

11 Vgl. Creditreform (Hrsg.): Insolvenzen in Europa, Jahr 2004/05, S. 2.

12 Vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.): Monatsbericht Oktober 2003, S. 29 ff..

13 Vgl. Ann-Kristin Achleitner/Christoph von Einem/Benedikt von Schröder (Hrsg.): Private Debt - alternative Finanzierung für den Mittelstand, 2004, S. 15.

14 Vgl. o.V.: BaFin-Chef warnt Banken vor ruinösem Wettbewerb, Handelsblatt, Nr. 197, 12.10.2005, S. 23.

15 Vgl. Bundesverband deutscher Banken (Hrsg.): Statistik-Service, Strukturdaten.

16 Der Bewertungsaufwand setzt sich hier aus Risikovorsorge, Abschreibungen und Wertberichtigungen zusammen. Vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.): Monatsbericht September 2004, S. 32; Bundesverband deutscher Banken (Hrsg.): Mittelstands- finanzierung - Partnerschaftliche Zusammenarbeit von Unternehmen und Banken, Februar 2005, S. 14.

17 75 % der kompletten Verschuldung bei einem KMU sind bei einer Bank aufgenommen und 40 % der KMU verfügen lediglich über eine Bankverbindung. Vgl. Klaus Juncker und Erich Priewasser (Hrsg.): Handbuch Firmenkundengeschäft, 2002, S. 201.

18 Ca. 90 % der Unternehmen werden auch vom Inhaber geführt. Vgl. Ann-Kristin Achleitner/Christoph von Einem/Benedikt von Schröder (Hrsg.): Private Debt - alternative Finanzierung für den Mittelstand, 2004, S. 9.

19 Die fehlende notwendige Unternehmens- und Emissionsgröße, die hohen Fixkosten, die sich aus Emissions- und Publizitätskosten zusammensetzen, sowie die fehlende Bereitschaft zur Transparenz stellen im Wesentlichen die Gründe für einen nicht möglichen direkten Kapitalmarktzugang dar. Vgl. Klaus Juncker und Erich Priewasser (Hrsg.): Handbuch Firmenkundengeschäft, 2002, S. 202.

20 Vgl. Ann-Kristin Achleitner/Christoph von Einem/Benedikt von Schröder (Hrsg.): Private Debt - alternative Finanzierung für den Mittelstand, 2004, S. 27 - 29.

21 Die IFD stellt eine Aktionsgruppe der Finanzwirtschaft, der Bundesbank sowie des Bundesfinanzministeriums dar.

22 Vgl. Günther Bräunig et al.: Mittelstandsfinanzierung, Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen, April 2004, S. 178.

23 Vgl. o.V.: Mezzanine ist keine Modewelle, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 190, 17.08.2005, S. 20; Dirk Plankensteiner und Tobias Rehbock: Die Bedeutung von Mezzanine-Finanzierungen in Deutschland, Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen, Nr. 15, 2005, S. 794.

24 Vgl. Standard & Poor´s (Hrsg.): LCD European Mezzanine Review 2Q05, Juli 2005, S. 6.

25 Zu unterscheiden ist eine synthetische Verbriefung, bei der die Kreditrisiken über Kredit- derivate wie z.B. Credit Default Swaps oder Credit Linked Notes übertragen werden, oder der True Sale, bei dem die Forderungen tatsächlich an die Special Purpose Vehicle (SPV) verkauft werden, sog. Asset Backed Securities-Transaktionen (ABS-Transaktionen). Vgl. Ann-Kristin Achleitner: Handbuch Investment Banking, 2. Auflage, S. 418 ff..

26 Vgl. KfW Bankengruppe (Hrsg.): Mittelstands- und Strukturpolitik, Ausgabe 33, August 2005, S.51.

27 Vgl. Markus Dentz: Mezzanine - Der silberne Mittelweg, Fachzeitschrift Finance, Juni 2004, S. 64 ff.; o.V.: Mezzanine ist keine Modewelle, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 190, 17.08.05, S. 20.

28 Vgl. Oliver Müller-Känel: Mezzanine Finance, 2. Auflage, S. 14 - 15.

29 Vgl. Horst S. Werner: Mezzanine Kapital, 2004, S. 13.

30 Mezzanine nimmt quasi eine Zwitterfunktion zwischen Eigen- und Fremdkapital ein. In enger Anlehnung an Matthias Bischof und Eva Eberhartinger (Hrsg.): Hybride Finanzierungsinstrumente, 2005, S. 45.

31 Vgl. Jochen Kienbaum und Christoph J. Börner (Hrsg.), Neue Finanzierungswege für den Mittelstand, 2003, S. 62.

32 Vgl. Beat Bernet und Christoph L. Denk: Finanzierungsmodelle für KMU, 2000, S. 108-110.

33 Vgl. Dirk Plankensteiner und Tobias Rehbock: Die Bedeutung von Mezzanine-Finan- zierungen in Deutschland, Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen, Nr. 15, 2005, S. 790.

34 Vgl. Michael Häger und Manfred Elkemann-Reusch (Hrsg.): Mezzanine Finanzierungsinstrumente, 2004, S.23; Horst S. Werner: Mezzanine-Kapital, 2004, S. 23.

Ende der Leseprobe aus 74 Seiten

Details

Titel
Finanzierungslösungen für den Mittelstand
Untertitel
Klassische Mezzanine-Darlehen im Vergleich zu einer indirekten Kapitalmarktfinanzierung mittels Preferred Pooled Shares
Hochschule
Hochschule für Bankwirtschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
74
Katalognummer
V55021
ISBN (eBook)
9783638500807
ISBN (Buch)
9783656259312
Dateigröße
1225 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzierungslösungen, Mittelstand, Klassische, Mezzanine-Darlehen, Vergleich, Kapitalmarktfinanzierung, Preferred, Pooled, Shares
Arbeit zitieren
Matthias Gelmroth (Autor), 2006, Finanzierungslösungen für den Mittelstand , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55021

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