Metakommunikation in der Sozialpsychologie - Theorie und Praxis


Hausarbeit, 2005
19 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Theoretischer Teil der Hausarbeit
1. Begriffsbestimmung
2. Metakommunikation in der Sozialpsychologie
2.1. Explizite und implizite Metakommunikation
2.2. Doppelbindung
3. Voraussetzungen für Metakommunikation
3.1. Funktionen von Metakommunikation
4. Anwendung von Metakommunikation
5. Grenzen der Metakommunikation

II. Aufbau des Seminarbeitrages
A Theorie
B Praxis
C Übungsmaterial
D Umsetzung
Quellenangaben
Anhang: Referat und Arbeitsblatt

Einleitung

Der kleinste gemeinsame Nenner aller Definitionen von Metakommunikation ist, dass Metakommunikation Kommunikation über Kommunikation ist. Allerdings beinhaltet diese Kurzdefinition weder Aussagen über die Voraussetzungen noch über die Anwendung von Metakommunikation und soll daher im Folgenden erklärt und erweitert werden. Zuvor soll jedoch der Begriff bestimmt und damit ein Überblick über die unterschiedlichen Interpretationen von „Metakommunikation“ gegeben werden.

Auch wenn sich viele Menschen dessen nicht bewusst sind: Metakommunikation gehört zur Alltagssprache. Sie ist ein konstitutives Element der kommunikativen Interaktionsfähigkeit des Menschen. Ohne Metakommunikation ist ein sinnvoller Austausch von Informationen kaum möglich. Die Verständigung darüber, wie der Sender einer Nachricht diese Nachricht vom Empfänger verstanden wissen will, ist essentiell für gelungene Kommunikation. In diesem Zusammenhang sollen explizite und implizite Metakommunikation erklärt und um den Begriff der „Doppelbindung“ ergänzt werden.

Anschließend wird der Aufbau meines Seminarbeitrags dargelegt werden. Er besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Die Seminarteilnehmer sollten sich zuerst mit dem Thema „Metakommunikation“ vertraut machen, um es später umzusetzen.

I. Theoretischer Teil der Hausarbeit

Theorie, Vorraussetzungen und Anwendung von Metakommunikation werden im Folgenden näher betrachtet.

1. Begriffsbestimmung

Zuerst wird der Begriff „Metakommunikation“ interpretiert. Daraus lässt sich erkennen, dass dieser nicht nur der Kommunikations- bzw. Sozialpsychologie zugeordnet werden kann. Die sozialpsychologische Interpretation von „Metakommunikation“ ist nur eine unter vielen.

So beschäftigt sich auch die Linguistik mit Metakommunikation. In diesem Zusammenhang interessiert sich die Linguistik aber nur für die verbal-kommunikativen Interaktionsfähigkeit des Menschen. Nonverbale Metakommunikation wird, anders als in der Sozialpsychologie, nicht beachtet. Zudem arbeitet die Linguistik mit dem „metakommunikativem Sprechakt“. Dabei sei nur das als metakommunikativer Sprechakt anzusehen, was „innerhalb der Kommunikation“ ist. Metakommunikativ wäre also laut Wunderlich: „ein sprachliches Verhalten zu nennen, dass über eine Kommunikation spricht, während es zugleich in dieser Kommunikation steht“.[1] Kommunikation über eine in einem anderen Zusammenhang erfolgte Kommunikation ist demnach nicht als Metakommunikation zu zählen.

Auch in der hermeneutischen Philosophie wird Metakommunikation untersucht. Die Fähigkeit zur Metakommunikation wird hier laut Apel als „eine wesentliche Bedingung der Möglichkeit der Sprachwissenschaft“[2] angesehen. In dieser Tradition ist die Rückbezüglichkeit der Sprache, die sich in Metakommunikation manifestiert, eine Voraussetzung für jegliches Verstehen. Besondere Bedeutung haben in diesem Zusammenhang laut Apel „Sprachspiele“, die sich auf andere „Sprachspiele“ beziehen. „Sprachspiele“ heißt in diesem Zusammenhang, dass Wörter untersucht werden, um anhand derer philosophische Grundannahmen zu bestätigen oder als falsch zu widerlegen. Um dies zu verdeutlichen, greift Apel auf den späten Wittgenstein zurück.[3] Dieser erfand Sprachspiele, die in Form von Rede und Gegenrede über Bedeutungen von Wörtern metakommunizieren.

Aus kommunikationstheoretischer und soziologischer Perspektive ist die Beschäftigung mit Metakommunikation auf Watzlawick zurückzuführen. Ähnlich wie Apel ist er davon überzeugt, dass Metakommunikation ein elementarer Baustein jeglichen Verstehens ist: „Nun sehen wir, dass (...) grundsätzlich jedermann Metakommunikation verwenden muss. Die Fähigkeit zur Metakommunikation ist nicht nur die Conditio sine qua non aller erfolgreichen Kommunikation, sie ist überdies für jeden Menschen eng mit dem enormen Problem hinlänglichen Bewusstseins seiner selbst und der anderen verknüpft.“[4] Watzlawick setzt Metakommunikation mit dem Beziehungsaspekt jeder Kommunikation gleich: „Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist.“[5] Hierbei wird der „Beziehungsaspekt“ selbst zum Aspekt jeder Mitteilung. Denn er definiert, „wie der Sender die Beziehung zwischen sich und dem Empfänger sieht“.[6] An anderer Stelle seines Buches formuliert Watzlawick eine andere Definition von Metakommunikation: „Wenn wir Kommunikation nicht mehr ausschließlich zur Kommunikation verwenden, sondern um über die Kommunikation selbst zu kommunizieren (...) so verwenden wir Begriffe, die nicht mehr Teil der Kommunikation sind, sondern (...) von ihr Handeln.“[7] Vergleicht man beide Definitionen Watzlawicks miteinander, so fällt auf, dass der Begriff „Metakommunikation“ inkonsistent gebraucht wird. Kritisiert haben dies vor allem Welte und Rosemann, beide Linguisten. Sie stellen eine „schwerwiegende Ambiguität in der Konzeption“ in Watzlawicks Werk fest. So soll laut Watzlawick jede Kommunikation die beiden Aspekte Inhalt und Beziehung umfassen. Der Beziehungsaspekt wird mit Metakommunikation gleichgesetzt. Dann wiederum soll das Kommunizieren über die Kommunikation „Metakommunikation“ heißen. In diesem Fall ist aber eindeutig nicht der Beziehungsaspekt gemeint. Denn er soll der Kommunikation inbegriffen sein, während bei letztgenannter Definition Watzlawick Begriffe verwendet wissen will, die „nicht mehr Teil der Kommunikation sind“.[8] Meyer-Hermann geht in diesem Zusammenhang davon aus, dass Watzlawick „nicht ernsthaft eine generelle Identität (im vollen Sinn des Wortes) von Beziehungsaspekt und Metakommunikation [postuliert], sondern das Verhältnis des Beziehungsaspektes zum Inhaltsaspekt als eine Form von Metakommunikation“[9] charakterisieren will.

Die Auseinandersetzung unterschiedlicher Fachrichtungen mit der Metakommunikation zeigt, dass allgemein Einigkeit über die Wichtigkeit der Metakommunikation für die alltagssprachliche Verständigung besteht. Allerdings ist man sich weiterhin uneinig über den zugrundezulegenden Begriff von „Metakommunikation“. Das betrifft nicht nur die Linguisten und Psychologen, sondern sämtliche mit Kommunikation befassten Fachrichtungen wie Soziologie, Medienwissenschaft, Philosophie und andere.

Dieser Hausarbeit liegt deshalb eine, wenn man so will, „Basis-Definition“ von „Metakommunikation“ zugrunde: Metakommunikation ist Kommunikation über Kommunikation; dies inkludiert implizite Metakommunikation genauso wie explizite, soll heißen: nonverbale Kommunikation über Kommunikation wird im Rahmen dieser Hausarbeit als (Teil von) Metakommunikation betrachtet. Metakommunikation dient auch der Verständigung über gestörte Kommunikation und trägt dazu bei, diese zu „entstören“.

2. Metakommunikation in der Sozialpsychologie

Das Wort „Störung“ findet sich bei Wiegand oft im Zusammenhang mit Kommunikation. So spricht er von „Sprachverstehensstörung“, „Kommunikationsstörung“ und „Kommunikationskonflikt“. Diese Störungen sind nach Wiegand mögliche Ansatzpunkte für Metakommunikation. Dementsprechend beschreibt er Funktionen für Metakommunikation. Laut Wiegand ist davon auszugehen, „dass zwischenmenschliche Kommunikationsbeziehungen von Kommunikationsstörungen und –konflikten der verschiedensten Art begleitet werden und zwar vor allem deswegen, weil Menschen, wenn sie miteinander kommunizieren, niemals vollkommene Voraussicht auf alle Faktoren der jeweils gegebenen bzw. zu schaffenden Interaktionssituationen haben.“[10]

Aus dieser Einsicht leitet Wiegand die Hypothese ab, dass Metakommunikation dazu dient, Kommunikationsstörungen und -konflikte zu beheben. Dieser Auffassung schließt sich auch Schulz von Thun an: „Es gibt kaum ein Heilmittel, dass für „kranke“, gestörte Kommunikation von den Fachleuten so empfohlen wird wie Metakommunikation.“[11]

Metakommunikation in der Sozialpsychologie dient also dazu, gestörte Kommunikation zu beheben. Dabei arbeitet die Sozialpsychologie mit einer funktionalen Metakommunikation. In diesem Zusammenhang zählen die Gesprächsintentionen; es ist wichtig, dass Metakommunikation stattfindet. Wie dies genau geschieht, ist im Gegensatz zur Linguistik, erst einmal zweitrangig. Metakommunikation in der Sozialpsychologie kann sowohl nonverbal als auch verbal praktiziert werden, die Hauptsache dabei ist, dass Kommunikationsprobleme gelöst werden können.

[...]


[1] Wunderlich, D.: Die Rolle der Pragmatik in der Linguistik. In: Der Deutschunterricht 22, 4 (1970) 5-41

[2] Apel, K.-O.: Wittgenstein und das Problem des hermeneutischen Verstehens. In: ders., Transformation der Philosophie, Band I, Frankfurt am Main, 1973. S. 335-337

[3] Vgl.: Josefiak, J.: Philosophie als Therapie: Konzeption und Methode der Philosophie im Spätwerk Ludwig Wittgensteins. Magisterarbeit an der KU (Philosophisch-Pädagogische Fakultät), 2005

[4] Watzlawick, P/ Beavin, J.H./Jackson, D.D.: Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien. Bern, Stuttgart, Wien, 1974. S. 56.

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. ebd. Seite 53

[7] Vgl.: Watzlawick, P/ Beavin, J.H./Jackson, D.D.: Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien. Bern, Stuttgart, Wien, 1974. Seite 41ff.

[8] Vgl.: Welte, W./Rosemann, P.: Alltagssprachliche Kommunikation im Englischen und Deutschen. Peter Lang. Frankfurt am Main, 1990. Seite 174

[9] Meyer-Hermann, R.: Studien zur Funktion von Metakommunikation (am Beispiel gesprochener portugiesischer und französischer Sprache). Teile I-III (Analysen). Bielefeld, 1979. Seite 7

[10] Wiegand, H.E.: Bemerkungen zur Bestimmung metakommunikativer Sprechakte (1. Fassung), Heidelberg, 1978. Seite 18

[11] Schulz von Thun, F.: Miteinander reden: 1. Störungen und Klärungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation. Rowohlt, 2003. Seite 91

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Details

Titel
Metakommunikation in der Sozialpsychologie - Theorie und Praxis
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Veranstaltung
Grundlagen der Kommunikationspsychologie
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V55035
ISBN (eBook)
9783638500890
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Hausarbeit angehängt sind Referat und Arbeitsblatt zum Thema.
Schlagworte
Metakommunikation, Sozialpsychologie, Theorie, Praxis, Grundlagen, Kommunikationspsychologie
Arbeit zitieren
Jenny Kramer (Autor), 2005, Metakommunikation in der Sozialpsychologie - Theorie und Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55035

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