Soloalbum. Alles nur Oberfläche? Popliteratur, ihre Kennzeichen und ihre Entwicklung. Am Beispiel des Romans von Benjamin von Stuckrad-Barre.


Hausarbeit, 2004

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Autor

3. Popliteratur- Merkmale, Wurzeln und Entwicklung
3.1 Merkmale der Popliteratur
3.2 Wurzeln und Entwicklung der Popliteratur- Ein historischer Abriss
3.2.1 DADA- Die Avantgarden
3.2.2 Die 1950´er Jahre: Beat-Literatur
3.2.3 Die 1960´er Jahre: Pop-Art und Postmoderne
3.2.4 Die 1970´er Jahre
3.2.5 Popliteratur heute: Von der Subkultur zum Massenphänomen

4. Soloalbum
4.1 Inhalt
4.2 Stil und die Verwendung von Markennamen
4.3 Medienbezug und Funktion der Marken

5. Fazit

Literatur

Soloalbum- Alles nur Oberfläche?

Popliteratur, ihre Kennzeichen und ihre Entwicklung.

Am Beispiel des Romans von Benjamin von Stuckrad-Barre.

1. Einleitung

Benjamin von Stuckrad-Barre hat mit seinem Debütroman „Soloalbum“[1] von 1998 einen durchschlagenden Erfolg erzielt. Dieses Werk, als berühmtes Beispiel für die jüngere deutsche Popliteratur, steht im Mittelpunkt dieser Arbeit. Nach einigen biografischen Hinweisen zum Autor, aufgrund des Personenkultes um Stuckrad-Barre durchaus wichtig für die Rezeption des Buches, gebe ich zunächst einen Überblick über Wurzeln, Entwicklung und Merkmale der Popliteratur. Dann werde ich vor diesem Hintergrund die speziellen Eigenarten von „Soloalbum“ untersuchen: Was macht dieses Buch zu „Popliteratur“? Welche Funktion erfüllen Marken und Medien im Roman? Ist das Buch mehr als nur flott geschriebene Unterhaltungslektüre?

Sekundärliteratur ist aufgrund der relativen Neuheit des Buches und des Phänomens Popliteratur, wie es heute verstanden wird, recht spärlich. Als Fachliteratur dienten mir Dirk Franks „Arbeitstexte für den Unterricht. Popliteratur“[2], der in seiner Einleitung auf Charakteristika und Entstehung der Popliteratur in Deutschland eingeht, sowie „Popliteratur“ von Thomas Ernst[3], der ausgehend von den Dadaisten Ende des Ersten Weltkrieges eine Geschichte der Popkultur hinsichtlich ihrer Wurzeln, Vorläufer und Entwicklung bis heute beschreibt. Des weiteren „Der deutsche Pop-Roman. Die neuen Archivisten“ von Moritz Baßler[4], der anhand mehrerer Autorenbeispiele Interpretationsansätze liefert und sich mit Sprache, Stil und Charakteristika der ausgewählten Werke beschäftigt. Darüber hinaus dienten mir die Aufsätze von Leslie A. Fiedler „Überquert die Grenze, schließt den Graben! Über die Postmoderne“[5] und „Grenzgänger. Neue deutsche Pop-Literatur“[6] von Hubert Winkels als Sekundärliteratur, sowie einige Zeitungsartikel[7] und Quellen aus dem Internet.[8]

2. Der Autor

Benjamin von Stuckrad-Barre ist einer der bekanntesten Vertreter der jungen deutschen Popliteraten. Sein ausgeprägtes Geltungsbedürfnis und sein präsentes Auftreten in den Medien wurden oft thematisiert: „Er ist eine Erscheinung, wie sie sich die Medien nicht besser hätten ausdenken können, und die sie sich hätten ausdenken müssen, wäre er, Stuckrad-Barre, nicht von selbst auf die Bühne der Öffentlichkeit getappt. Obwohl man von einem Tappen nicht sprechen kann. Eher ist es der Auftritt der Neuen Mitte, wie sie von deren Werbemanagern geradezu herbeigesehnt wird: jung, frech, gutaussehend und von einer Eloquenz, die zwar oft im Trüben fischt, der man dies aber, aufgrund ihres sprudelnden Allumfassens und ihrer gleichzeitigen Boulevardmagazin-Kongruenz, nicht anhört, zumindest nicht auf Anhieb.“[9]

Es werden Aspekte angesprochen, die auch anderen Vertretern der jüngeren deutschen Popliteratur (z.B. Christian Kracht, Benjamin Lebert oder Alexa Hennig von Lange) nachgesagt werden, wie ein kommerziell gut verwertbares Gebaren (Aussehen?) in der Öffentlichkeit, das Vermögen, sich in Szene zu setzen und überhaupt die Bereitschaft dazu, in solchem Maße in den Medien vertreten zu sein, wie man es sonst eher von Popstars als von Autoren gewohnt ist. Auch auf eine gewisse Oberflächlichkeit in der Rhetorik wird verwiesen, eine fehlende Tiefe und Bedeutung hinter der beim flüchtigen Lesen, bzw. Hinhören, gekonnt klingenden Formulierungsfassade. Ob nicht doch etwas mehr hinter dieser Fassade aus Wortspielen und –neuschöpfungen steckt, werde ich im Laufe dieser Arbeit versuchen zu klären. Fest steht, dass im Stil der Einfluss des Mediums Film unverkennbar ist (siehe Kapitel 3), und tatsächlich ist „Soloalbum“ im Jahre 2002 verfilmt worden.[10]

Benjamin von Stuckrad-Barre wurde am 27.01.1975 in Bremen geboren. Nach dem Abitur begann seine journalistische Laufbahn, er arbeitete unter anderem als Musikjournalist für den „Rolling Stone“, schrieb Kolumnen für die „FAZ“, das „jetzt“-Magazin und den „stern“ und arbeitete als Gag-Schreiber für die „Harald-Schmidt-Show“. Er hatte sogar eine Show auf dem Musiksender MTV, in der seine als Spektakel inszenierten Lesungen gezeigt wurden.[11] Den Umgang mit den Medien war Stuckrad-Barre also durchaus gewohnt, was, wie später gezeigt, sich auch in seinem Werk bemerkbar macht, als er 1998 mit seinem Debütroman „Soloalbum“ den literarischen Durchbruch schaffte. Es folgten das von seinen Lesereisen erzählende Werk „Livealbum“(1999), die Sammlung einiger essayistischer Beiträge seiner Journalistenlaufbahn „Remix“(1999), und das episodenhafte Werk „Blackbox“(2000).

Der Autor versteht es, sich zu inszenieren, er machte sogar Werbung für die Kaufhauskette „peek&cloppenburg“, zusammen mit seinem ebenfalls mit dem Etikett „Popliteratur“ versehenen Kollegen Christian Kracht („Faserland“ 1995).

Zu seinem Ruf als dekadenter, arroganter Schnösel trug sicher auch das Treffen einiger Größen der Popliteraten im Berliner Hotel Adlon bei, die geführten Gespräche sind in Buchform unter dem Titel „Tristesse Royale. Das popkulturelle Quintett.“[12] veröffentlicht worden.

3. Popliteratur- Merkmale, Wurzeln und Entwicklung

In den späten 60´er Jahren machte sich in Deutschland der Einfluss der angloamerikanischen Beat- und Popkultur bemerkbar (siehe auch Kapitel 3.2).[13] Zunächst dominierte noch die Lyrik (als Konkurrenz zu den Songtexten), dramatische Formen blieben bis heute seltene Ausnahmen, der Einfluss des Films als popkulturelles Medium wirkte sich auch auf den Stil der Literatur aus.[14] Seit Mitte der 90´er Jahre wurde die Popliteratur von einem Massenpublikum entdeckt, die bekanntesten (populärsten) Vertreter sind Christian Kracht, Benjamin von Stuckrad-Barre, Alexa Hennig von Lange und Benjamin Lebert, die Autoren ähneln hinsichtlich Selbstinszenierung, Vermarktung und Medienkompatibilität, bzw. -präsenz eher Popstars, als dass sie an das Bild des sinnierenden Schriftstellers oder des politisch engagierten Autors der 68´er erinnern.[15]

3.1 Merkmale der Popliteratur

Dirk Frank und Thomas Ernst beschreiben die „Erkennungsmerkmale“ der Popliteratur folgendermaßen: Sie sei geprägt von Strategien der Inszenierung und Selbstvermarktung, auch seitens der Autoren (siehe auch Kapitel 2).[16] Für den Schreibstil sei festzustellen, dass Effekte wichtiger seien als ästhetische Eigenschaften, die Öffentlichkeit und die Medien würden einbezogen[17], sowie pokulturelle Phänomene wie Musik und Werbung.[18] Formal werde auf Eingängigkeit Wert gelegt, d.h. die Verwendung von einfachen Prosa- und Lyrikformen, von Umgangs- oder Szenesprache dominiere.[19] Inhaltlich sei ein affirmatives, also bejahendes Verhältnis zur medial geprägten Alltagswelt jugendlicher und jung gebliebener Menschen zu beobachten.[20] Die Popliteratur wende sich der Oberfläche zu, ohne dabei selber oberflächlich sein zu wollen.[21] Eine einfache, authentische Sprache[22], mit der oft gespielt wird, bewirkt eine leichte Lesbarkeit.

Die Darstellungsweise mute realistisch an, sei aber medial gebrochen, gleiche also einer Reflexion aus der Sekundärbetrachtung heraus, anders als bei den audiovisuellen Medien vermöge die Literatur keine unmittelbare Wiedergabe zu leisten, die Themen würden literarisch bearbeitet, verfremdet und neu arrangiert.[23] Die Prosa sei von einfachen, narrativen und berichtenden Formen geprägt, es kämen sowohl erzählende Passagen als auch Kommentare vor.[24] Auf die Archivierungsfunktion zeitgenössischer, meist kurzlebiger Phänomene der Alltags- und Popkultur, auf die Moritz Baßler hinweist[25], gehe ich in Kapitel 4.2 genauer ein.

Inhaltlich befasst sich die Popliteratur mit Alltagsthemen. Häufig wird auf realistische Art und Weise aus dem Leben eines Außenseiters berichtet.[26] Ein, meist jugendlicher, Protagonist, auffällig auch die häufige Wahl der Ich-Perspektive, versucht seinen Alltag im Spannungsfeld zwischen Liebeskummer, Partys, Jungsein, Medieneinfluss und Identitätsproblemen zu meistern. Was hier im Besonderen für „Soloalbum“ aufgelistet ist, gilt mehr oder weniger auch für die anderen jüngeren Erzeugnisse der deutschen (ebenfalls überwiegend jüngeren) Popliteraten. Eine weitere Auffälligkeit, wie sie gerade für das hier besprochene Werk charakteristisch ist, ist die Verlagerung dessen, wovon man sich unterscheiden will: „Nicht mehr die Eltern, sondern die Stile der Altersgenossen bilden die Kontrastfolie für eigene Abgrenzungen.“[27]

Auffällig ist, dass die Popliteraten meist über Umwege zur Literatur gefunden haben (Stuckrad-Barre war Journalist, Sven Regener, Autor des Bestsellers „Herr Lehmann“, der ebenfalls verfilmt wurde, Musiker).[28]

3.2 Wurzeln und Entwicklung der Popliteratur- Ein historischer Abriss

In den USA waren die Vertreter der Beatkultur (Jack Kerouac, Allan Ginsberg, William Burroughs) die Wegbereiter einer Literatur, die weder Hoch-, noch Trivialliteratur sein wollte.[29] Leslie A. Fiedler, ein amerikanischer Literaturwissenschaftler, prägte 1968 erstmals den Begriff „Popliteratur“ für diese neuen Tendenzen, er forderte die Überwindung der Unterscheidung zwischen Höhenkamm- und Trivialliteratur mit dem Aufsatz „Cross the border, close the gap!“.[30] Er propagierte die Hinwendung zu Alltagsthemen und zu erotisch-lustbetonten Stoffen, vorher eher der Trivialliteratur vorbehalten, also zu Stoffen, die näher am Leser orientiert waren. Die Literatur sollte sich gegenüber der Populärkultur, dem Fernsehen, der Mode und der Popmusik öffnen. Eine Forderung, die bereits die Gefahr der Ausrichtung der Literatur am Massengeschmack und der Kommerzialisierung des literarischen Handwerks in sich trug.

[...]


[1] Benjamin von Stuckrad-Barre: Soloalbum. Köln 2003 (Erstausgabe 1998).

[2] Dirk Frank(Hg.): Arbeitstexte für den Unterricht. Popliteratur. Stuttgart 2003.

[3] Thomas Ernst: Popliteratur. Hamburg 2001.

[4] Moritz Baßler: Der deutsche Pop-Roman. Die neuen Archivisten. München 2002.

[5] Leslie A. Fiedler: Überquert die Grenze, schließt den Graben! Über die Postmoderne. In: Roman oder Leben. Postmoderne in der deutschen Literatur. Hg. von Uwe Wittstock, Leipzig 1994.

[6] Hubert Winkels: Grenzgänger. Neue deutsche Pop-Literatur. In: Sinn und Form 51, H.4, 1994. S.581-610.

[7] Artikel: Feridun Zaimoglu: Knabenwindelprosa. In: Die Zeit, Nr.47, 18. November 1999.

Maxim Biller: Feige das Land, schlapp die Literatur. In: Die Zeit, Nr.16, 13.April 2000, S.47-49.

[8] Internet: www.titel-magazin.de/lit_themen/pop_lit.htm; www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=4418; www.stuckrad-barre.de

[9] Internet: www.titel-magazin.de/lit_themen/pop_lit.htm

[10] Soloalbum, Regie: Gregor Schnitzler, Produzent: Christoph Müller, Darsteller: Matthias Schweighöfer, Nora Tschirner u.a., Concorde Filmed Entertainment, Deutschland 2002.

[11] Barre: Soloalbum. Klappentext S.2. und Internet: www.stuckrad-barre.de

[12] Joachim Bessing (Hg.): Tristesse Royale. Das popkulturelle Quintett mit Joachim Bessing, Christian Kracht, Eckhart Nickel, Alexander v. Schönburg und Benjamin von Stuckrad-Barre. Berlin 1999.

[13] Frank: Arbeitstexte. S.5.

[14] Ebd.: S.8.

[15] Ebd.: S.5.

[16] Ebd.: S.5.

[17] Ebd.: S.6.

[18] Ernst: Popliteratur. S.9.

[19] Frank: Arbeitstexte. S.6.

[20] Ebd.: S.6.

[21] Ebd.: S.7.

[22] Ernst: Popliteratur. S.9.

[23] Frank: Arbeitstexte. S.7.

[24] Ebd.: S.8.

[25] Baßler: Der deutsche Pop-Roman. S.94ff.

[26] Ernst: Popliteratur. S.9.

[27] Frank: Arbeitstexte. S.11.

[28] Ebd.: S.8.

[29] Ebd.: S.11.

[30] Fiedler: Überquert die Grenze. S.14-39.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Soloalbum. Alles nur Oberfläche? Popliteratur, ihre Kennzeichen und ihre Entwicklung. Am Beispiel des Romans von Benjamin von Stuckrad-Barre.
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Literaturwissenschaften)
Veranstaltung
Popliteratur
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V55053
ISBN (eBook)
9783638501026
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soloalbum, Alles, Oberfläche, Popliteratur, Kennzeichen, Entwicklung, Beispiel, Romans, Benjamin, Stuckrad-Barre
Arbeit zitieren
Jan Wirschal (Autor), 2004, Soloalbum. Alles nur Oberfläche? Popliteratur, ihre Kennzeichen und ihre Entwicklung. Am Beispiel des Romans von Benjamin von Stuckrad-Barre., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55053

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