[...] In dieser Arbeit möchte ich nun der Frage nachgehen, inwiefern Spielbergs Film typische Merkmale
von Hollywoodproduktionen aufweist, sowohl im Handlungsaufbau, bzw. der Struktur des Films, als
auch in der filmisch- gestalterischen Umsetzung, und, damit einhergehend, ob Parallelen zu früheren
Werken des Regisseurs erkennbar sind, der bis dahin eher für effektvoll- unterhaltende „Blockbuster“
wie „E.T. Der Ausserirdische“ (1982) oder „Jurassic Park“ (1993) bekannt war. Einführend werde ich
jedoch zunächst auf die Beschreibung der Wandlung Schindlers eingehen, dem zentralen
Handlungsschwerpunkt des Films, um darauf aufbauend die Hollywoodästhetik in Spielbergs Werk zu
untersuchen. Hier folgt zunächst ein kurzer Überblick über Hintergrundinformationen zur Entstehung
des Drehbuchs und der Auswahl der Drehorte. Die nächsten Kapitel widmen sich dann dem beschriebenen Bereich der Hollywoodästhetik, inwieweit
eine solche überhaupt zu definieren wäre, und ob sie im behandelten Film erkennbar ist.
Als Ausgangspunkt dienten mir häufig Äußerungen in der Presse, als Quelle das Internet und Bücher,
die sich kritisch mit ähnlichen Fragestellungen beschäftigen, sowie Fachliteratur.
Abschließend bleibt die Frage, wie solch eine kommerziell anmutende Herangehensweise, wenn sie
denn vorhanden ist, bei einem Thema wie dem Genozid an über sechs Millionen Juden während des
Dritten Reiches zu werten wäre. Auf diesen Aspekt gehe ich im Schlussteil ein.
Als Bezugspunkt dient mir hauptsächlich der Film an sich, einen Vergleich zwischen Buch und Film
oder historischer Fakten und Film strebe ich nicht an, zum einen aus Platzgründen, zum anderen, weil
der Film „als Film“ im Mittelpunkt der Betrachtung stehen soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Darstellung Oskar Schindlers und seiner Wandlung im Film
2.1 Der Profitgierige
2.2 Der Frauenheld und Lebemann
2.3 Die Wandlung
3. Hollywoodästhetik in Spielbergs Film
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste" typische Merkmale von Hollywoodproduktionen aufweist. Dabei steht die Analyse der narrativen Struktur, der filmischen Gestaltungsmittel sowie der Charakterwandlung Oskar Schindlers im Mittelpunkt, um zu bewerten, wie der Regisseur dieses sensible historische Thema innerhalb der kommerziellen Logik der "Traumfabrik" umsetzt.
- Charakterisierung und Wandlungsprozess der Figur Oskar Schindler
- Einfluss von Nebenfiguren wie Itzhak Stern und Amon Göth
- Struktureller Aufbau des Films im Kontext populärer Kinokonventionen
- Vergleich mit Motiven aus früheren Spielberg-Werken
- Einsatz filmischer Gestaltungsmittel zur emotionalen Steuerung
Auszug aus dem Buch
2.2 Der Frauenheld und Lebemann
Neben Luxus, gutem Essen und Wein hat Schindler auch eine Schwäche für schöne Frauen. Besonders deutlich wird das in der Szene, in der er sich eine Sekretärin sucht (Seq.2; 28:03). Er ist nur am Aussehen, nicht aber an der fachlichen Kompetenz der Frauen interessiert. Dass er sich durch seinen Schlag bei Frauen sogar unbedacht Gefahren aussetzt, wird in der Szene während seiner Geburtstagsparty deutlich, in der er alle Frauen küsst, auch die Jüdin aus seiner Fabrik (Seq.6; 111:40), weswegen er ins Gefängnis kommt.
Er unterscheidet nicht zwischen Juden und Deutschen, eine Geisteshaltung, die ihn trotz seines anfangs berechnenden und nüchtern bis kaltherzig agierenden Auftretens grundlegend von Lagerkommandant Amon Göth unterscheidet. Göth bezeichnet seine jüdische Haushälterin Helene Hirsch als „Ratte“, sie sei ja als Jüdin „kein Mensch im eigentlichen Sinne“ (Seq.6; 107:00). Schindler nutzt den Schwarzmarkt als Quelle seines Luxuslebens geschickt aus, auch um die Bestechungspräsente für die Nazis zu besorgen. Dabei wirkt Schindler aber aufgrund seines charismatischen Auftretens nie ordinär, sondern eher wie ein charmantes Schlitzohr. Er hat mehrere Affären und führt ein umtriebiges Leben als Playboy.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Film vor, umreißt die kontroverse Rezeption und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Hollywoodästhetik bei der Darstellung des Holocaust.
2. Die Darstellung Oskar Schindlers und seiner Wandlung im Film: Dieses Kapitel analysiert die Entwicklung der Hauptfigur in drei Stufen: vom profitorientierten Unternehmer über den Lebemann bis hin zum selbstlosen Retter.
2.1 Der Profitgierige: Dieser Abschnitt beleuchtet Schindlers anfängliche Motivation, die ausschließlich auf ökonomischem Gewinn durch den Krieg und die Ausbeutung jüdischer Arbeitskraft basiert.
2.2 Der Frauenheld und Lebemann: Hier wird Schindlers Charakter durch seinen luxuriösen Lebensstil und seine moralische Indifferenz gegenüber der Verfolgung sowie seine persönlichen Bindungen charakterisiert.
2.3 Die Wandlung: Dieser Teil beschreibt den psychologischen Prozess, der Schindler dazu bringt, seine Prioritäten grundlegend zu ändern und sich für die Rettung der Juden einzusetzen.
3. Hollywoodästhetik in Spielbergs Film: Das abschließende Hauptkapitel untersucht die filmischen Mittel, den Handlungsaufbau und die strukturellen Parallelen zu Spielbergs anderen Werken, um die kommerzielle Inszenierung des Holocaust zu bewerten.
Schlüsselwörter
Schindlers Liste, Steven Spielberg, Oskar Schindler, Holocaust, Hollywoodästhetik, Filmgeschichte, Charakterwandlung, Itzhak Stern, Amon Göth, Filmanalyse, Spielfilm, Handlungsaufbau, Inszenierung, Zeitgeschichte, Mediale Darstellung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste" und untersucht, inwieweit der Film die typischen ästhetischen und strukturellen Konventionen von Hollywoodproduktionen nutzt, um ein historisches Trauma wie den Holocaust darzustellen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Charakterwandlung Oskar Schindlers, die Rolle der zentralen Nebenfiguren, die dreiteilige narrative Struktur des Films und die filmischen Gestaltungsmittel wie Kameraeinsatz und Ton-Bild-Montage.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Spielberg den Spagat zwischen kommerziellen Anforderungen des Kinos und der nötigen Sensibilität gegenüber dem historischen Ereignis des Genozids bewältigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Filmanalyse, gestützt durch eine Sequenzbeschreibung und den Vergleich mit Fachliteratur sowie kritischen Pressestimmen zur Rezeption des Films.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Charakterstudie Schindlers (Profitgier, Lebemann, Wandlung) sowie eine Untersuchung der Hollywood-Strukturen, inklusive der Drehbuchgestaltung und filmischer Gestaltungsmittel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten über Begriffe wie Holocaust-Filmanalyse, Hollywoodästhetik, Schindlers Liste, Charakterwandlung und Regiestil von Steven Spielberg erschließen.
Wie unterscheidet sich die Filmfigur Schindler vom historischen Kontext?
Der Autor weist darauf hin, dass der Film zur Vereinfachung der Erzählung historisch reale Personen zu fiktionalisierten Charakteren verschmilzt, wie etwa die Figur des Itzhak Stern.
Warum wird die Rolle der Handkamera im Film als besonders hervorgehoben?
Der Einsatz der Handkamera erzeugt eine subjektive Perspektive, die den Zuschauer emotional direkt in das Geschehen, beispielsweise während der Lagerszenen, hineinzieht und so den Authentizitätseindruck verstärkt.
Wie wird die "Hollywoodisierung" des Holocaust im Fazit bewertet?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Film zwar kommerziellen Gesetzen folgt, aber dennoch durch seine handwerkliche Qualität und emotionale Wirkung einen wichtigen Beitrag zur Auseinandersetzung mit der Geschichte leistet.
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- Jan Wirschal (Author), 2003, Schindlers Liste - Die Wandlung Schindlers und Hollywoodästhetik in Spielbergs Film, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55054