Die veränderte Schuleingangsphase


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

11 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gründe für die veränderte Schuleingangsphase

3. Konzept der veränderten Schuleingangsphase
3.1 Pädagogische Maßnahme zur Umsetzung der Schuleingangsphase
3.2 Diagnose und Förderung
3.3 Anforderungen an die Lehrkräfte

4. Organisationsformen
4.1 Jahrgangsübergreifender Unterricht
4.2 Jahrgangsbezogener Unterricht

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In immer mehr Bundesländer wird der Schulanfang für die Grundschüler verändert. Man spricht von der veränderten Schuleingangsphase. Doch was meint dieser Begriff überhaupt?

In dieser Arbeit sollen zunächst die Gründe für die veränderte Schuleingangsphase dargelegt und dann näher auf das Konzept eingegangen werden. Ein besonderer Schwerpunkt soll dabei auf die „neue“ Organisationsform des jahrgangsübergreifenden Unterrichts gelegt werden.

In einem Fazit soll die Umsetzung des Konzepts in den verschiedenen Bundesländern beleuchtet, wichtige Konsequenzen, die mit der Einführung der veränderten Schuleingangsphase nötig werden, vorgestellt und offene Fragen aufgeworfen werden.

2. Gründe für die veränderte Schuleingangsphase

Die im Oktober 1997 von der Kultusministerkonferenz verabschiedete „Empfehlung zum Schulanfang und zur Optimierung der Arbeit zum Schulbeginn“ hatte in mehreren Bundesländern der Bundesrepublik Schulgesetzänderungen bezüglich der Einschulung zufolge. Gefordert bzw. empfohlen wird eine integrativ gestaltete Schuleingangsphase. Alle schulpflichtigen Kinder sollen demnach weitgehend ausnahmslos in der Eingangsphase aufgenommen werden, soweit sie die deutsche Sprache beherrschen. Bei der Anmeldung wird festgestellt, ob das Kind so über die deutsche Sprache verfügt, dass eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht erwartbar ist. Ist dies nicht der Fall, erhalten die Kinder eine gezielte sprachliche Förderung im Umfang von acht bis zehn Wochenstunden.[1] Eine Überweisung in den Schulkindergarten findet daher nicht mehr statt. Unterrichtet wird weitgehend jahrgangsübergreifend. Die Empfehlung erfolgte, da das durchschnittliche Einschulungsalter in Deutschland im internationalen Vergleich, bedingt durch die große Zurückstellungsquote, zu hoch ist. Zudem reagiert sie auf den Rückgang der vorzeitigen Einschulungen, da die Schuleingangsphase eine vorzeitige Einschulung befürwortet. Erleichtert wird diese in zahlreichen Schulen durch eine veränderte Stichtagregelung (30.6. bis 30.9.) und durch die Einführung von zwei Einschulungsterminen. Ein Termin liegt dabei im Februar, der andere weiterhin im August.

Ein weiterer Grund für die Einführung der Schuleingangsphase bildet die zunehmende Heterogenität, mit der die Kinder in die Schule kommen. Jedes Kind kommt mit einem unterschiedlichen und damit individuellen Entwicklungsstand in die Schule. Die Entwicklungsunterschiede von Kindern im Grundschulalter können bis zu vier Jahren betragen. Hinzu kommt die unterschiedliche kindliche Sozialisation vor und außerhalb der Schule. Familienstruktur und Lebensgewohnheiten der Kinder unterscheiden sich in hohem Maße.

3. Konzept der veränderten Schuleingangsphase

Die Schuleingangsphase reagiert auf diese Heterogenität, indem sie auf das Vorwissen, die unterschiedliche Motivation der Kinder, ihre Lerngewohnheiten und den individuellen Entwicklungstandes jeden Kindes eingeht. „Zielsetzung der Schuleingangsphase ist es, alle schulpflichtigen Kinder eines Jahrgangs in die Grundschule aufzunehmen und sie dem Grad ihrer Schulfähigkeit entsprechend zu fördern.“[2] Die Schulfähigkeit wird dabei als Entwicklungsaufgabe der Grundschule verstanden und ist nicht mehr als Voraussetzung, die das Kind erbringen muss, zu sehen. Die Kinder, die die Schuleingangsphase besuchen, sollen innerhalb von einem bis drei Jahren zur Schulfähigkeit geführt werden und nach dem Durchlaufen der Schuleingangsphase in der Lage sein, die dritte Klasse zu besuchen. Die Schuleingangsphase umfasst demnach die erste und zweite Klasse, in der sowohl begabte und schnell lernende, als auch langsam lernende Kinder, deren Schulfähigkeit noch nicht ausgeprägt ist, nebeneinander lernen. Die Kinder durchlaufen die Schuleingangsphase unterschiedlich schnell. Während begabte Kinder schon nach einem Jahr die Klassenstufe drei erreichen können, können Kinder, die noch Schwierigkeiten haben, bis zu drei Jahre in der Schuleingangsphase verweilen. Das dritte Jahr in der Schuleingangsphase wird jedoch nicht auf die Schulpflicht angerechnet. Das jahrgangsübergreifende Arbeiten verhindert eine Zurückstellung der schwächeren Kinder und ermöglicht ihnen somit eine relativ konstante und damit vertraute Lerngruppe. Der Schulkindergarten, der oft die zurückgestellten Kinder aufgenommen hat, hat keine Notwendigkeit mehr und wird somit aufgelöst. Er wird jedoch in die Grundschule integriert. Die sozialpädagogischen Fachkräfte[3] arbeiten stattdessen in der Schuleingangsphase mit den Lehrkräften zusammen. Sie sind vor allem für die Förderung der Kinder zuständig, deren Schulfähigkeit noch weiterentwickelt werden muss, d.h. die sonst in den Schulkindergarten zurückgestellt werden würden.

3.1 Pädagogische Maßnahme zur Umsetzung der Schuleingangsphase

Die Einführung der Schuleingangsphase erfordert es, den Anfangsunterricht pädagogisch und didaktisch-methodisch weiter zu entwickeln. Es wird jedoch auch auf bereits Bekanntes wie die Individualisierung und (Binnen-) Differenzierung zurückgegriffen. Die zu lernenden Inhalte werden dabei nicht kleinschrittig nacheinander behandelt, sondern in großen Abschnitten zugänglich gemacht. „Die Materialien für die selbstständige Arbeit repräsentieren die Inhalte beider Schuljahre. Jedes Kind nimmt nach seinem Tempo Zugriff darauf […].“[4] Dabei wird vor allem auf die oben bereits erwähnte Heterogenität der Kinder eingegangen. Der Unterricht sollte somit auf die Förderung des einzelnen Schüler bzw. von Gruppen von Schülern mit vergleichbaren Lernvoraussetzungen ausgelegt werden. Die Gruppen können je nach Unterrichtsfach variieren. Ziel ist es dabei, die leistungsstarken Schüler nicht zu unterfordern und die leistungsschwachen Schüler nicht zu überfordern. Wichtig ist es, die Selbstständigkeit und Selbstverantwortung der Kinder beispielsweise durch offene Unterrichtsformen weiterzuentwickeln. Der Unterricht sollte sich jedoch nicht nur auf offene Lernformen beschränken, sondern sollte sowohl Teile des selbst gesteuerten Lernens, als auch gemeinsame Lernprozesse in der Gruppe oder der ganzen Klasse und angeleitetes Lernen umfassen. „Bei allem kommt dem selbstgesteuerten Lernen eine besondere Bedeutung zu.“[5] Die Schüler sollen lernen, sich entsprechend ihres Lernalters und Lernstands einzuschätzen und sich somit selbst Aufgaben und Ziele setzen. Die Kinder eignen sich so eine eigene Lernstrategie an und entwickeln eine individuelle Lernkompetenz. Das angeleitete Lernen spielt vor allem für leistungsschwächere und ängstliche Kinder eine große Rolle, da sie sich in offenen Phasen oft verloren und alleingelassen fühlen.

Diese Kinder arbeiten zu Beginn viel mit den sozialpädagogischen Fachkräften zusammen, die sie in den Bereichen der Wahrnehmung, Konzentration und Motorik fördern. Allerdings werden auch die lernbereichsnahen Bereiche wie die Entwicklung des frühen Zahlenbegriffs und des phonologischen Bewusstseins angesprochen. Die Arbeit findet mit einzelnen Kindern oder in kleineren Gruppen in den Randstunden statt. Die Kinder werden vor allem in der Zeit des Schulanfangs von den sozialpädagogischen Fachkräften beobachtet. In den meisten Konzepten nehmen diese Kinder dennoch weiterhin am normalen Unterricht teil.

[...]


[1] Vgl. Kleinschmidt-Bräutigam, M.: Schulanfang neu entdecken: Flexible Schulanfangsphase (nicht nur) in Berlin. In: Grundschulunterricht 6/2004, S. 3 – 5.

[2] Bildungsportal NRW – Konzept zur Schuleingangsphase (Stand: 27.05.2004)

[3] Dies können Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Erzieher, Logopäden, u.a. sein.

[4] Faust-Siehl zit. n. Hinz, R.; Sommerfeld, D.: Jahrgangsübergreifende Klassen. In: R. Christiani (Hrsg.): Schuleingangsphase: neu gestalten. Cornelsen Verlag Scriptor GmbH & Co. KG, Berlin 2004, S. 175.

[5] Bildungsportal NRW – Konzept zur Schuleingangsphase (Stand: 27.05.2004)

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die veränderte Schuleingangsphase
Hochschule
Universität Lüneburg  (Institut für Pädagogik)
Veranstaltung
Der Schuleintritt als kritisches Lebensereignis?
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
11
Katalognummer
V55060
ISBN (eBook)
9783638501071
ISBN (Buch)
9783656780755
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schuleingangsphase, Schuleintritt, Lebensereignis
Arbeit zitieren
Anika Barton (Autor:in), 2005, Die veränderte Schuleingangsphase, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55060

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