Buddhismus - Lernen an fremden Religionen


Seminararbeit, 2005
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Grundregeln des „interreligiösen Lernens“

2. Der Mensch Gautama auf der Such nach Erlösung- Gautamas Lehre
2.1. Ursprung der Lehre
2.2 Der Mensch als Subjekt des Leidens
2.3 Wiedergeburt
2.4 Der achtfache Pfad

3. Lern und Lehrziele zum Thema „Fremden Religionen achtsam begegnen – der Buddhismus“

4. Interessen, Vorkenntnisse und Einstellungen der Lernenden zum Buddhismus

5. Schlussreflexion- Was mich am Thema Buddhismus herausgefordert hat/ herausfordert

6. Literaturverzeichnis

1. Grundregeln des „interreligiösen Lernens“

Der Begriff interreligiöses Lernen lässt sich folgendermaßen verstehen: Interreligiöses Lernen verfolgt generell einen philosophisch- pädagogischen Zweck. Die Verständigung zwischen den Kulturen inmitten der religiösen Vielfalt unserer Zeit steht dabei im Mittelpunkt. Auf Grund der Mannigfaltigkeit der Themen bietet sich der Religionsunterricht (im folgenden abgekürzt mit RU) durch die aktive Einbindung der Schüler für ein schülerorientiertes Lernen an.

Der häufig auftretende Begriff des interreligiöses Lernen in der Religionspädagogischen Literatur lässt darauf schließen, dass sich in den letzten Jahren auf diesem Sektor viel verändert hat. Hieß das Thema damals Weltreligionen im Unterricht, spricht man heute nur noch vom interkulturellen oder interreligiösem Lernen. Die Globalisierung und die gleichzeitige Individualisierung der Gesellschaft sind nur einige der Ursachen, die diesen Wandel verursacht haben. Hinzu kommt das allgemeine Interesse an fremden Lebensformen, wozu auch der Umgang mit fremden Religionen zählt. Der RU hat die Chance den Schülern dazu den Einstieg zu ermöglichen.

Um einen Zugang herstellen zu können müssen Grundregeln für das interreligiöses Lernen aufgestellt werden. Problematisch scheint die Prämisse, wie Tworuschka richtig bemerkt, dass dafür „interreligiöse Spezialisten“[1] benötigt würden. Dieses „Einlassen“ auf andere Religionen ist nur bei demjenigen der Fall, der sich auf andere Religionen einlassen kann und gleichzeitig religionswissenschaftliche Kompetenzen besitzt oder sich diese aneignet. Notwendig für das interreligiöses Lernen ist die sachgemäße, inhaltlich differenzierte, möglichst vorurteilsfreie und authentische Darstellung beim Thema Buddhismus. Die Eigentümlichkeiten der Sprache der Religionen, so Tworuschka, sollen im Unterricht zu Wort kommen. Im RU müssen die Zusammengehörigkeiten, Nähen und Distanzen zwischen den Religionen herausgearbeitet werden. Das Prinzip der Dialogizität bietet sich an, um Religionen nicht nur theoretisch auszuleuchten, sondern diese von innen, und diese nicht als messbare Sache zu betrachten; sondern zu erkennen und zu verstehen, was hinter den Figuren und Vorgängen, der nahen als auch der fernen Geschichte, stecken. Alternative Perspektiven anwenden zu können, muss daher für den Religionsdidaktiker im Mittelpunkt der Lernaufgaben des Unterrichts stehen. Die Einbeziehung alltäglich elementarer Handlungsweisen und Geschehnisse sollte daher im Blickfeld des Lehrers stehen. Darunter fallen nicht nur Schulbücher, Hörfunk und Fernsehsendungen, sondern auch der Besuch einer Moschee oder eines buddhistischen Zentrums. Dabei soll, laut Tworuschka, religiöses Denken, Fühlen und Handeln nicht als „Sonderwelt“ dargestellt werden. Ähnlich wie im Christentum üblich, ist es sinnvoll im Unterricht Geschichten, Mythen und Erzählweisen fremder Religionen zu behandeln, denn durch die sprachliche Ebene wird Identifikation, Rollenübernahme und Miterleben gefördert. Dadurch wird das Glaubensverständnis mehr unterstützt, als durch das objektive berichten. Schließlich sollen Fakten lediglich informieren und nicht den gesamten Zeitplan des RU einnehmen.

Gustav Mensching fasst die Grundregeln des Interreligiösen Lernens im RU wie folgt zusammen[2]. Er legt Wert auf

1. das Symbolverständnis der anderen Religion im Unterricht
2. die Auffassung von religiöser Wahrheit anderer und deren Absolutheit
3. die religionsdialogischen Überlegungen, das heißt die Darstellung und Präsentation
4. das, die konkreten Religionen nicht nivellierenden Postulat, der Einheit der Religionen
5. die daraus gebotenen Haltung „inhaltlicher Toleranz

Karl Ernst Nipkow stellt als Ziel interkulturellen Lernens zwar das Erwerben von Kenntnisse über andere religiöse Traditionen, und dadurch das Bemühen, Missverständnisse zu reduzieren, Bereiche sozialen Handelns für gemeinsame Anstrengungen identifizieren, voran, fordert jedoch verschiedene Ebenen der Kritikfähigkeit. Zentral sind für ihn:

1. die immanente Kritik, die aus Kriterien der jeweiligen Religion resultiert,
2. die externe Kritik in Form von Ideologiekritik,
3. die fachwissenschaftlicher Kritik, sowie die
4. Kritik auf der Ebene humaner Werte.

Laut Nipkow sei die „Erziehung zur Toleranz“[3] wichtigstes Ziel des Interreligiösen Lernens im RU und dürfe sich nicht im Wettstreit mit dem politischen Ziel einer toleranten Weltgesellschaft strapazieren. Vielmehr gehe es darum zu zeigen, dass „[…] jede Religion ihre unübertragbare Struktur, ihre unübertragbare Logik besitzt“[4]

Nipkow betont, dass Kinder diejenige Religion aufnehmen sollen in der sie aufwachsen, jedoch ist der Absolutheitsanspruch der Religion, wie im Christentums, nicht gegeben. Vielmehr solle man „die Wahrheit des christlichen Glaubens im wirklichen Leben von Menschen […]“[5] suchen. Das theologische Denken bleibt dabei im Zirkel der christlichen Existenz verhaftet.

Im Christentums kreist der Unterricht um die persönliche und gemeinsame Christuserfahrung. Christus ist nicht die Wahrheit als Begriff, sondern die Wahrheit als Weg, so Abromeit. Religion als Weg, verbindet das Christentum mit dem Buddhismus und dem Hinduismus. Von dieser Betrachtungsweise ausgehend hätte der Lehrer schon mal einen guten Einstieg.

2. Der Mensch Gautama auf der Such nach Erlösung- Gautamas Lehre

2.1. Ursprung der Lehre

Die Erschütterung über das Leid in der Welt brachte Gautama dazu, sein früheres Leben aufzugeben, um sich mit der philosophischen Erforschung des Daseins zu beschäftigen. Daher ist im Buddhismus der Leidbegriff der zentrale Ausgangspunkt. Er gibt dem buddhistischen Denken ein Thema und gleichzeitig wird durch den Begriff die Analyse des Leidens auf der Suche nach Erlösung zu dessen Inhalt. Für Gautama sind Geburt Alter Tod, Trauer, Nichterfüllung von Wünschen, etc. mit dem Begriff Leid verbunden. Solange diese Zustände vorhanden sind kann der Mensch nicht glücklich sein und da diese Begriffe vom Leben nicht zu trennen sind ist das Leben leidvoll. Dazu gehört auch die Liebe, denn Gautama sagt, dass, wenn jemand viele Dinge liebt, dieser viel leidet, wenn er diese verliert:

Welche vielfältige Trauer, welche Kümmernisse,

welche Leiden in der Welt es auch gibt:

Durch Liebes bedingt entstehen sie;

Sie entstehen nicht, gibt es nichts Liebes.[6]

Es gibt für Buddha drei Gruppen des Leidens:

1. Leiden, das aus Schmerz resultiert (dukkha- dukkha),
2. Leiden, das aus der Veränderung oder Vergänglichkeit resultiert (viparināma - dukkha), dazu gehören, wegen der zugrunde liegenden Unbeständigkeit auch angenehme Dinge und Gefühle
3. Leiden aus den Persönlichkeitsbestandteilen, das das Individuum in seiner Anfälligkeit dem Bösen gegenüber erfasst. Dazu gehört auch die Furcht vor kommenden Dingen.

Das Leitmotto ist Leben ist Leiden. Darunter fällt, alles was im Kreislauf (samsāra) aus Entstehen und Absterben erwächst und nicht erlöst wird. Auf Grund der Tatsache des samsarischen Daseins kennt der Buddhist fünf Ebenen, die dafür verantwortlich sind. Gautama nennt sie die Aneignungsgruppen. Darunter fallen der Körper, die Empfindung, die Wahrnehmung, die Geistesregungen und das Bewusstsein. Gautama bezeichnet den Körper als einen wesentlichen Ort, an dem Ausdehnung, Zusammenhalt, Temperatur und Bewegung die Elementarqualitäten des Lebens darstellen. Die anderen Gruppen werden unter dem Überbegriff nāma (= Name) zusammengefasst. Auf sie wird später eingegangen.

2.2 Der Mensch als Subjekt des Leidens

Empfindungen sind für Gautama die Kontakte der Sinnesorgane mit der Außenwelt. Im Kopf des Betrachters werden diese zu Wahrnehmungen. Besitzt der Mensch diesen gegenüber nicht genügend Achtsamkeit, erwachsen aus diesen Wahrnehmungen Sehnsüchte und Begierden. Die Geistesregungen sind, und darin liegt die Gefahr, „Anstifter zu allem […] Tun“.[7] Das Gewahrwerden, das Bewusstsein der Reize und Eindrücke über bestimmte Objekte führt zum „Licht des wachen Verstandes“[8], zur Erleuchtung. Alles was den Menschen ausmacht steckt in den fünf Aneignungsgruppen. Der Mensch muss sich mit ihnen geistig identifizieren. Eben weil die fünf Gruppen Phänomene des Lebens wie Geburt, Tod, etc. einschließen, sind sie leidvoll. Aber auch weil sie vergänglich sind. Daraus ergibt sich ein folgenreicher Schluss: da die Einzelglieder der Gruppen vergänglich sind, also kein Selbst oder Ich besitzen, was wegen der indischen Begrifflichkeit ewig und unwandelbar sein muss, ist die Person ohne Seele, sie ist nicht wesenhaft, ein Nicht- Selbst (anatta). Zusammengefasst sind die drei Kennzeichen (tilakkhana) des Individuums und der Welt die Vergänglichkeit, Leidhaftigkeit und Nicht- Selbstheit.

Gautama misst dem Denkorgan große Bedeutung bei. Mit ihm trennt Gautama die nur sinnlich aufgenommenen Eindrücke der Welt (= Objekte) von denen, die durch das Nachdenken entstanden sind (= subjektive Eindrücke). Wichtig ist nicht, ob ein zutreffendes Bild der Welt vermittelt wird, sondern wie der Buddhist in ihr lebt und leidet. Erst das reflektierte Bewusstsein über seine Umwelt, und die damit verbundene persönliche Realität ermöglicht den Zugang zur Erlösung. Die Aufhebung des Leidens kann dann, und nur dann vom und im Menschen selbst verwirklicht werden.

[...]


[1] vgl. Tworuschka, Udo, Weltreligionen im Unterricht oder interreligiöses Lernen?, in : Religiöser Pluralismus und interreligöses Lernen, Johannes van der Ven (Hg.), Weinheim, 1994, S. 173.

[2] vgl. Tworuschka, S. 180.

[3] vgl. Nipkow, Karl Ernst, Weltreligionen im Unterricht oder interreligiöses Lernen?, in : Religiöser

Pluralismus und interreligöses Lernen, Johannes van der Ven (Hg.), Weinheim, 1994, S. 202.

[4] vgl. ebd. S. 203.

[5] vgl. ebd. S. 220.

[6] vgl. Schumann, Hans, Die Lehren des Theravāda, in: Buddhismus. Stifter Schulen und Systeme. Freiburg, 1976, S. 61.

[7] vgl. Schumann, S. 63.

[8] vgl. Schumann, S. 63.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Buddhismus - Lernen an fremden Religionen
Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V55162
ISBN (eBook)
9783638501903
ISBN (Buch)
9783638938471
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Buddhismus, Lernen, Religionen, Thema Buddhismus
Arbeit zitieren
Thomas Brunner (Autor), 2005, Buddhismus - Lernen an fremden Religionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55162

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