Der Thurgauerkrieg (1460)


Seminararbeit, 2002
16 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. VORGESCHICHTE

3. DIE VERMITTLUNG DES PAPSTES

4. DER CUSANUSKONFLIKT

5. DER THURGAUERKRIEG

6. WAFFENSTILLSTANDS- UND FRIEDENSVER- MITTLUNGEN

7. NACHBETRACHTUNG

8. LITERATURVERZEICHNIS

1. einleitung:

Mit dem Thurgauer Krieg im Herbst 1460 verloren die Habsburger die letzten bedeutenden Gebiete südlich des Rheins und des Bodensees in der heutigen Schweiz. „Am 20. September des Jahres 1460 rotteten sich in Rapperswil am oberen Zürichsee junge Leute aus Unterwalden, Luzern und Rapperswil selbst – im Grunde ohne konkreten Anlass – zusammen, um – zunächst auf eigene Faust, und dann erst langsam mit wachsender Billigung durch ihre Obrigkeiten – einen Kriegszug in den Thurgau zu unternehmen, [...]“[1] Der Thurgau wurde rasch erobert und unter eidgenössische Verwaltung gestellt. „Der Thurgau leitet seinen Namen vom Fluss her, [...]. Das Wort ‚Thur’ soll veneto-illyrischen Ursprungs sein und ‚das Fließende’ bedeuten.“[2]

Die staatsrechtliche Entwicklung des heutigen Kantons Thurgau verlief in folgenden Phasen: „Die fränkische Gau-Grafschaft, ein königliches Lehen, das später auch als Grafschaft Frauenfeld bezeichnet worden ist, ging über in die von den Habsburgern eingenommene Landgrafschaft und 1460 in die bis 1798 dauernde Gemeine Herrschaft der Eidgenossen. Nach dem Untergang der Alten Eidgenossenschaft wurde der Thurgau ein Verwaltungsbereich der Helvetischen Einheitsrepublik und nach 1803 ein Kleinstaat im Rahmen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, die sich 1848 vom losen Staatenbund zum fester gefügten Bundesstaat wandelte.“[3]

Doch zunächst stelle ich die verschiedenen Ursachen und das auslösende Moment für den Thurgauerkrieg im Herbst 1460 näher dar.

2. vorgeschichte:

„Im Gebiet der heutigen Schweiz besaßen die Habsburger damals [1452] noch die Grafschaft Kyburg, den Thurgau mit Diessenhofen, Frauenfeld und Winterthur, die Stadt Rapperswil sowie die Städte Rheinfelden mit dem Fricktal und Laufenberg. Nach dem plötzlichen Tode des Habsburgers Ladislaus Postumus († 23. November 1457) verzichtete Erzherzog Albrecht VI. zugunsten Herzog Sig[is]munds auf die Vorlande.“[4] Am 10. Mai 1458 übernahm Sigismund die Vorlande und verzichtete dafür zu Gunsten Albrechts auf das ihm zustehende Drittel vom Erbe des Ladislaus Postumus. Jetzt war Sigismund „der Münzreiche“, wie er später genannt wurde, also Herr über alle habsburgischen Gebiete in Tirol, Vorarlberg und dem später so genannten Vorderösterreich, die auch sein Vater Friedrich IV. besessen hatte.

Die österreichischen Herrschaften in der Schweiz waren in ihrer Mehrzahl bedroht. Es stellte sich die Frage, wie man den seit 60 Jahren andauernden Abbröckelungsprozess stoppen könnte. „In dieser Lage beschloss Herzog Sigismund, den Schutz über seine ‚Schweizer’ Herrschaften indirekt einer fremden Macht anzuvertrauen. Dabei ging er sehr geschickt vor.“[5] Am 22. November 1457 und am 16. August 1458 überschrieb Sigismund die gefährdeten Gebiete an der Grenze zur Eidgenossenschaft an seine Gemahlin Eleonore von Schottland. „Der französische König Karl VII. betrachtete Eleonore wie eine Tochter [und] Sig[is]mund erhoffte sich dadurch eine Art französisches Protektorat über seine gefährdeten Außenposten.“[6] Als die französischen Gesandten gemeinsam mit den Vertreter Sigismunds und Eleonores den Huldigungseid entgegennehmen wollten, wurden sie im Thurgau fast erschlagen und mussten fluchtartig die Gebiete verlassen. „Dies war für den Tiroler umso peinlicher, als gerade in diesen Tagen wieder ein Problem akut wurde, das seit längerer Zeit geschwelt hatte.“[7] Während des „Plappartkrieges“[8] 1458 wechselte die österreichische Stadt Rapperswil auf die Seite der Eidgenossen. Angesichts dieses offenen Bruchs des 50jährigen Friedens zwischen den Eidgenossen und Habsburg-Österreich, der bis 1462 dauern sollte, unternahm Herzog Sigismund einen breit angelegten Feldzug auf dem Gebiet der Diplomatie. Wegen Rapperswil war nun der Anlass gegeben, den Beistand des französischen Königs anzurufen. Sigismund hoffte auf den Beistand weiterer Reichsfürsten, doch niemand wollte sich mit den Eidgenossen anlegen. „Da sich die Unmöglichkeit militärischen Vorgehens ohne fremde Hilfe sehr bald herausstellte und niemand an einer Auseinandersetzung mit den tapferen Eidgenossen Interesse zeigte, blieb nur der Weg der Verhandlungen.“[9] Der Bischof von Konstanz und der französische König boten ihre Vermittlung an. Die Zeit arbeitete gegen Sigismund, wenn Rapperswil nicht bald wieder in österreichischen Besitz zurückkäme, so war die Stadt für immer verloren. „Am Tiroler Hof gedachte man, neben der französischen Vermittlung auch die päpstliche anzurufen, um dem Konflikt mit den Eidgenossen ein Ende zu setzten und Verlorenes an den alten Herrn zurückzubringen.“[10]

Die „Ostschweiz“ vom Alten Zürichkrieg (1440 – 1446) bis

zur Eroberung des Thurgaus (1460):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Helmut Maurer, Schweizer und Schwaben. Ihre Begegnung und ihr Auseinanderleben am Bodensee im Spätmittelalter, Konstanz ²1991, S. 11.

3. die vermittlung des papstes:

„Dem neuen Papst Pius II. war der Überfall auf Rapperswil, [...] , keineswegs recht. Er wollte Sig[is]mund zur Unterstützung seines geplanten Türkenkreuzzugs gewinnen, da die Kurie damit rechnen konnte, dass der Herzog einen Kreuzzug so lange nicht unterstützen würde, bis an der Schweizer Front Ruhe eingekehrt sein würde.“[11] Papst Pius II. beauftragte zunächst die Bischöfe von Konstanz und Basel, alles in ihrer Macht Stehende zu tun um den leidigen Konflikt friedlich beizulegen. Am 25. Mai 1459 wurden die Friedensverhandlungen in Konstanz eröffnet, an denen außer den zuerst Vermittlern noch zahlreiche Vertreter europäischer Fürsten teilnahmen. Die Verhandlungen zogen sich lange Zeit hin und vergleicht man die Dauer und die Heftigkeit der Gespräche mit dem Resultat, das man nach 14 Tagen erzielte, so muss man es als dürftig bezeichnen. Von den Tiroler Wünschen wurde kein einziger erfüllt, weder Rapperswil noch kleinere Besitzungen im Rheintal wurden an Herzog Sigismund zurückgegeben. Die österreichischen Vertreter hatten dies mit aller Vehemenz gefordert und lange historische Begründungen zur Stützung ihrer Ansprüche vorgetragen. „Im Schlussvertrag kam Rapperswil mit keinem Wort vor [und] es wurde lediglich der 50jährige Friede von 1412 bis 1462 bestätigt. Streitigkeiten sollten vor den Bischöfen von Konstanz oder Basel oder den Gesandten des Papstes oder des Königs von Frankreich beigelegt werden.“[12] Die französische Vermittlung hatte nichts genützt und „es lässt sich daher vermuten, dass die Vertreter Karls VII. insgeheim wohl eher die Eidgenossen begünstigten, die bezüglich der Stadt Rapperswil eindeutig im Unrecht waren.“[13]

[...]


[1] Helmut Maurer, Schweizer und Schwaben. Ihre Begegnung und ihr Auseinanderleben am Bodensee im Spätmittelalter, Konstanz ²1991, S. 44.

[2] Schoop, Albert, Geschichte des Kantons Thurgau 1798 – 1992. Frauenfeld 1994, S. 9.

[3] Schoop, Albert, Geschichte des Kantons Thurgau 1798 – 1992, S. 9.

[4] Wilhelm Baum, Der Speyrer Fürstentag von 1468. Die Außenpolitik Sigmunds des Münzreichen von Österreich vom Thurgauer Krieg bis zum Bündnis mit Karl dem Kühnen von Burgund (1460 – 1469). In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 136 (1988), S. 154.

[5] Werner Maleczek, Die diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich und Frankreich in der Zeit von 1430 bis 1474. Innsbruck 1968, S. 163.

[6] Wilhelm Baum, Der Speyrer Fürstentag von 1468, S. 154.

[7] Werner Maleczek, Die diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich und Frankreich in der Zeit von 1430 bis 1474, S. 171.

[8] „Plappartkrieg“: 1458 löste ein Streit auf einem Schützenfest in Konstanz die Heimsuchung des Thurgaus durch eidgenössische „Freischaren“ aus. Nach späterer Überlieferung soll eine als „Kuhplappart“ zurückgewiesene Berner Pfennigmünze den Anlass zu einem Rachezug gegeben haben. Innerschweizerische „Freischaren“, vorab Luzerner, die durch eidgenössischen Zuzug verstärkt worden waren, erzwangen im Thurgau erhebliche Brandschatzgelder von Weinfelden und Konstanz. Auf dem Heimweg glückte ein Handstreich gegen Rapperswil (Streit innerhalb der Bürgerschaft). Die Eidgenossen übernahmen nun die österreichischen Herrschaftsrechte in Rapperswil.

[9] Werner Maleczek, Die diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich und Frankreich in der Zeit von 1430 bis 1474, S. 173 – 174.

[10] Werner Maleczek, Die diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich und Frankreich in der Zeit von 1430 bis 1474, S. 175.

[11] Wilhelm Baum, Nikolaus von Kues und der Konflikt Herzog Sigmunds von Österreich mit den Schweizer Eidgenossen. In: Zeitschrift für Schweizer Kirchengeschichte 82 (1988), S. 9.

[12] Wilhelm Baum, Die Habsburger in den Vorlanden 1386 – 1486. Krise und Höhepunkt der habsburgischen Machtstellung in Schwaben am Ausgang des Mittelalters. Wien, Köln, Weimar 1993, S. 394.

[13] Wilhelm Baum, Die Habsburger in den Vorlanden 1386 – 1486, S. 395.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Thurgauerkrieg (1460)
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
SE Der Bodenseeraum im Spätmittelalter. Politische, soziale und kulturelle Entwicklung.
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
16
Katalognummer
V55195
ISBN (eBook)
9783638502191
Dateigröße
670 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Geschichte des Thurgauerkrieges zwischen den schweizerischen Eidgenossen und den tirolischen Habsburgern.
Schlagworte
Thurgauerkrieg, Bodenseeraum, Spätmittelalter, Politische, Entwicklung
Arbeit zitieren
Othmar Kolp (Autor), 2002, Der Thurgauerkrieg (1460), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55195

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