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Kritik des Ästhetizismus - Die lyrischen Dramen Hofmannsthals zwischen Magie und Sozialem

Title: Kritik des Ästhetizismus - Die lyrischen Dramen Hofmannsthals zwischen Magie und Sozialem

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 33 Pages , Grade: eins

Autor:in: Simone Linde (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Mit Hofmannsthal verband man lange Zeit den Mythos des sechszehnjährigen Loris, der die Dekadenz mit ihrer ästhetischen Lebensflucht in den Tempel des Schönen par excellence verkörperte. Dass der realitätsabgewandte, hedonistische Schönheitskult von Hofmannsthal aber keineswegs undistanziert, sondern vielmehr kritisch und ironisch betrachtet wurde, hat erst in den letzten Jahrzehnten in der Forschung einen allgemeinen Konsens gefunden. Denn in den lyrischen Dramen sind die Themen der späteren Komödien wie soziale Interaktion und Treue schon angelegt. So ist Hofmannsthals konservative Revolution, die Abwendung vom lyrischen Werk der Frühzeit zu den sozialen Komödien der Spätzeit, kein Bruch, wie in der Forschung immer noch an einigen Stellen behauptet wird, sondern eine notwendige Entwicklung, was diese Arbeit anhand der exemplarischen und themenorientierten Analyse einzelner lyrischen Dramen aufzeigen will.
Im ersten Teil stelle ich den sozialgeschichtlichen Kontext zur Wiener Moderne dar, wobei der Schwerpunkt darauf liegt zu zeigen, inwiefern die Moderne eine völlig neuartige Wahrnehmung von Wirklichkeit mit sich bringt. In diesem Zusammenhang stelle ich zwei Strömungen des Fin de Siècle vor, den Ästhetizismus und den Impressionismus, weil sie für die Autoren der Wiener Moderne (neben anderen) entscheidend waren, und besonders für die Analyse von Hofmannsthals Frühwerk von hoher Relevanz sind. Schließlich beschäftige ich mich mit der Künstlergruppe Jung Wien, zu der Hofmannsthal gehörte, und stelle sie in Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Bedingungen des Fin de Siècle, wobei im Vordergrund Jung Wiens Hinwendung von wie auch die Ablehnung zu modernen literarischen Strömungen steht.
Im zweiten Teil geht es um Hofmannsthals Verarbeitung bestimmter literarischen Tendenzen. Der Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von Kunst und Leben: der passiven Haltung des Ästhetizismus, der sich aus der Realität in eine künstliche Welt zurückzieht, steht das Leben als irrationales Prinzip gegenüber. Es geht darum aufzuzeigen, wie Hofmannsthal in den lyrischen Dramen von einer Kritik des Ästhetizismus als Lebens- und Kunstdilettantismus zu einer Zwischenlösung durch die mythologische Sicherung der Magie und schließlich zur Überwindung durch soziale Identitätsstiftung den Weg aus der monologischen Selbstbezogenheit in die soziale Kommunikation findet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sozialgeschichtlicher Kontext der Wiener Moderne

2.1 Politik und Gesellschaft im Wiener Fin de Siècle

2.2 Die Wiener Moderne in Kunst und Literatur

2.3 Der Künstlerkreis Jung Wien

3. Kritik des Ästhetizismus in den lyrischen Dramen Hofmannsthals

3.1 Das lyrische Drama als Form der Moderne

3.2 Kunst- und Lebensdilettantismus in „Gestern“ und „Der Tor und der Tod“

3.3 Der Weg der Magie in „Der Kaiser und die Hexe“

3.4 Der Weg ins Soziale in „Der weiße Fächer“

4. Schluss

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht den Übergang in Hugo von Hofmannsthals Werk von einer rein ästhetischen Weltflucht hin zu einer sozialen Identitätsstiftung, indem sie die ästhetischen und sozialgeschichtlichen Bedingungen der Wiener Moderne analysiert und Hofmannsthals lyrische Dramen als exemplarische Darstellungen dieser Entwicklung interpretiert.

  • Sozialgeschichtlicher Kontext und Krisenbewusstsein der Wiener Moderne
  • Charakteristika des Ästhetizismus und Impressionismus um 1900
  • Die Rolle der Künstlergruppe „Jung Wien“
  • Strukturelle Analyse der lyrischen Dramen als Ausdruck einer Wahrnehmungskrise
  • Überwindung des monologischen Subjektivismus durch soziale Kommunikation

Auszug aus dem Buch

3.1 Das lyrische Drama als Form der Moderne

Das lyrische Drama Hofmannsthals reiht sich thematisch ein in die zahlreichen Einakter um die Jahrhundertwende bedeutender Autoren wie Strindberg, Schnitzler, Tchechow und Maeterlinck, die alle in ähnlicher Weise auf die Wahrnehmungskrise reagieren: Die Autoren kehren ihr Augenmerk auf die Psyche und die Konstruktion und Destruktion von Identität, die in antinomischen Darstellungen von Spiel und Wirklichkeit, Schein und Sein, Wahrheit und Lüge vollzogen wird.

Diese Problematisierung von Welt- und Selbstwahrnehmung drückt sich auch in der Form des Einakters aus. Per Definition ist der Einakter kein Ganzes, sondern ein Teil (eines Mehrakters). Zu betonen ist hierbei die Ausschnitthaftigkeit; der Einakter beansprucht keine Totalität, sondern betont die Perspektivität. Der Einakter zeichnet sich weiterhin vor allem durch seine fehlende Handlungslosigkeit aus, so dass Diemut Schnetz im Einakter nur vom Geschehen spricht. Die Handlung wird ersetzt durch „Zuständlichkeit“. Der bestimmende Faktor ist dabei die Situation, die einer „Momentaufnahme“ gleicht und durch ihre Widersprüchlichkeit begründet ist. Diese Situation bestimmt das Handeln der Personen, so dass diese der Situation ausgeliefert sind und nicht - wie im klassischen Drama - durch eine Entwicklung eine Änderung des Anfangszustands erreichen können. Die äußere Lage bleibt unverändert, nur die subjektive Ansicht wird verschoben. Das Geschehen entwickelt sich also aus der Situation heraus und ist von vorn herein durch sie bestimmt. Statt fortschreitender Zielbewegung besteht es aus einer „Vielzahl von stationären Einzelbewegungen“, die in einer fragmentarischen und scheinbar willkürlichen Reihung zusammentreten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Wandel der Forschungssicht auf Hofmannsthal und definiert das Ziel der Arbeit, anhand der lyrischen Dramen die Entwicklung von der ästhetischen Lebensflucht zur sozialen Kommunikation aufzuzeigen.

2. Sozialgeschichtlicher Kontext der Wiener Moderne: Dieses Kapitel beschreibt das gesellschaftliche Krisenbewusstsein um 1900 sowie die Strömungen des Ästhetizismus und Impressionismus, die das Geistesleben des Großbürgertums in Wien prägten.

3. Kritik des Ästhetizismus in den lyrischen Dramen Hofmannsthals: Der Hauptteil analysiert die Form des Einakters und die spezifische Auseinandersetzung Hofmannsthals mit den Themen Identität, Sprache und gesellschaftlicher Einbindung in seinen Werken.

4. Schluss: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt Hofmannsthals Weg aus der ästhetischen Isolation hin zur Erkenntnis der Notwendigkeit einer sozialen Identitätsstiftung.

Schlüsselwörter

Hofmannsthal, Wiener Moderne, Ästhetizismus, Impressionismus, Lyrisches Drama, Einakter, Identitätskrise, Subjekt-Objekt-Gegensatz, soziale Kommunikation, Lebensdilettantismus, Fin de Siècle, Identitätsstiftung, Sprachkritik, Jung Wien, Treueprinzip

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Entwicklung in Hugo von Hofmannsthals lyrischen Dramen, in denen er sich kritisch mit dem Ästhetizismus auseinandersetzt und den Weg aus der ästhetischen Isolation in die soziale Kommunikation sucht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind der sozialgeschichtliche Kontext der Wiener Moderne, die Problematik der Wahrnehmung, die Kritik am Lebens- und Kunstdilettantismus sowie die Identitätsfindung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass Hofmannsthals Werk keine bruchstückhafte Entwicklung darstellt, sondern eine notwendige Entwicklung von der ästhetischen Weltflucht hin zu einer sozialen Identitätsstiftung.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit nutzt eine exemplarische und themenorientierte Analyse einzelner lyrischer Dramen sowie eine Einbettung in den zeitgenössischen literatur- und kulturwissenschaftlichen Kontext.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die literarische Form des Einakters sowie die Dramen „Gestern“, „Der Tor und der Tod“, „Der Kaiser und die Hexe“ und „Der weiße Fächer“ detailliert hinsichtlich ihrer Protagonisten und deren Weltbildern analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Ästhetizismus, Impressionismus, Wiener Moderne, Identitätskrise, soziale Kommunikation und Hofmannsthals lyrische Dramen.

Wie bewertet die Autorin die Rolle der Sprache in Hofmannsthals Einaktern?

Die Autorin stellt fest, dass die Sprache in Hofmannsthals Dramen nicht nur als bloßes Kommunikationsmittel fungiert, sondern als identitätsstiftendes oder -verhinderndes Element in Frage gestellt wird, wobei sie den Widerstreit zwischen magischer und sozialer Sprache hervorhebt.

Inwiefern unterscheidet sich „Der weiße Fächer“ von den anderen untersuchten Stücken?

„Der weiße Fächer“ zeichnet sich durch eine Offenheit des Schlusses aus; die Protagonistin Miranda findet den Weg aus der monologischen Form des lyrischen Dramas heraus und erkennt die Notwendigkeit der sozialen Interaktion, wodurch die starre Form des lyrischen Dramas gesprengt wird.

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Details

Title
Kritik des Ästhetizismus - Die lyrischen Dramen Hofmannsthals zwischen Magie und Sozialem
College
University of Hamburg  (Institut für neuere deutsche Literatur)
Course
Einakter und Einakterzyklen um 1900
Grade
eins
Author
Simone Linde (Author)
Publication Year
2002
Pages
33
Catalog Number
V5521
ISBN (eBook)
9783638133678
ISBN (Book)
9783638774581
Language
German
Tags
Wiener Moderne Jung Wien Impressionismus Ästhetizismus Dilettantismus Fin de Siècle lyrisches Drama
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Simone Linde (Author), 2002, Kritik des Ästhetizismus - Die lyrischen Dramen Hofmannsthals zwischen Magie und Sozialem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5521
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