Immanuel Kant: "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?"


Hausarbeit, 2004
13 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Abriss der Biographie Immanuel Kants

III. Auseinandersetzung mit der Schrift Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?
1. Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit und die Ursachen derselben
2. Die beinahe zur Natur gewordene Unmündigkeit
3. Daß ein Publikum sich selbst aufkläre, ist eher möglich
4. Die Freiheit des öffentlichen und privaten Gebrauches der Vernunft
5. Der Monarch und die Religionsfrage Seite: 10-11

IV. Schlussbetrachtung

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung:

Die Schrift Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?, mit welcher ich mich in dieser Arbeit befasse, entstand 1784 in Immanuel Kants kritischer Periode, nachdem er zuletzt eines seiner Werke, Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik die als Wissenschaft wird auftreten können, 1781 veröffentlicht hatte. Zur Zeit der Publikation dieses Werkes ist Kant an der Hochschule in seiner Heimatstadt Königsberg tätig. Er gilt als der wohl wichtigste Denker der Aufklärung in Deutschland.[1] Das Zeitalter der Aufklärung im 18. Jahrhundert, eine geistesgeschichtliche Epoche, fand insbesondere in Frankreich, England und Deutschland statt. Man strebte nicht nur nach philosophischen, sondern auch nach politischen und sozialen Veränderungen. Im Zentrum der Aufklärungsphilosophie steht der Glaube an die Kraft der menschlichen Ratio, sowie das Abwenden von einer mystisch-spekulativen Tradition. Immanuel Kant definiert die Aufklärung als „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“[2] Als zentrales Motto dieser Zeit dient hier Kants „Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“[3] Jedoch wurden zahlreiche Aufklärungsschriften zensiert, den Verfassern drohte man langjährige Gefängnisstrafen an. So geriet auch Kant mit seiner Schrift Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft (1793) in Konflikt mit der preußischen Regierung. König Friedrich Wilhelm II belegte ihn mit einem auf religiöse Themen beschränkten Lehr- und Publikationsverbot.

Vorläufer oder eher Vordenker des Zeitalters der Aufklärung waren die Philosophen René Descartes und Baruch Spinzona, der Begründer des Empirismus John Locke, der Naturwissenschaftler Isaak Newton, der Staatstheoretiker Thomas Hobbes und der französische Skeptiker Pierre Bayle. Als Philosoph beschränkte sich die Wirkung Immanuel Kants nicht nur auf Fachkreise, denn viele Schriftsteller seiner Zeit beschäftigten sich mit seinen Publikationen, wie beispielsweise Johann Wolfgang von Goethe oder Johann Christoph Friedrich von Schiller. In der Philosophie beschäftigten sich insbesondere Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Wilhelm Schelling und Johann Gottlieb Fichte mit den Kant´schen Werken.[4] Immanuel Kant gilt als größter Philosoph der Neuzeit und Moderne. Er prägte den Deutschen Idealismus und den so genannten Neukantilismus und sein fundamental angelegtes Denken beeinflusst noch heute philosophische Diskussionen.

II. Abriss der Biographie Immanuel Kants

Immanuel Kant wurde am 22. April 1724 als viertes Kind eines pietistischen Sattlermeisters in der ostpreußischen Stadt Königsberg (heute Kaliningrad, Russland) geboren. Er genoss eine sehr strenge christliche Erziehung im Rahmen ärmlicher Verhältnisse, welche als wohl wichtigste Grundlage für seine Philosophie gilt. Wie auch George Berkeley wollte er das Fundament des christlichen Glaubens retten. Aus dem heraus erklärt sich der für sein Leben bestimmende Kampf um die geistige Selbstbefreiung, welcher sich auch in Die Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? andeutet. Kant besuchte in den Jahren 1732 bis 1740 das Collegium Fridericianum, in den darauf folgenden fünf Jahren studierte er Physik und Mathematik, klassische Naturwissenschaften und Philosophie an der Universität seiner Heimatstadt. 1746 unterbrach Kant sein Studium um wegen des Todes seines Vaters seinen Lebensunterhalt als Hauslehrer zu bestreiten. 1755 kehrte Immanuel Kant an die Königsberger Universität zurück und promovierte mit einer Meditation über das Feuer in der Philosophie, er legte noch im selben Jahr die Habilitation Die ersten Grundsätze der metaphysischen Erkenntnis vor und wurde als Lehrbeauftragter eingestellt. Er erwarb sich durch seine Vorlesungen und Publikationen sehr früh den Ruf eines herausragenden Philosophen. 1769 lehnte er ein Lehrstuhlangebot in Erlangen und 1770 eines in Jena ab und folgte noch im selben Jahr dem Ruf der Königsberger Universität für eine Professur für Logik und Metaphysik. Nach 27 Jahren der Lehrtätigkeit an dieser Universität wurde er zum Rektor ernannt. 1796 beendete Immanuel Kant die Lehrtätigkeit auf Grund seines hohen Alters und verstarb am 12. Februar 1804 in seiner Heimatstadt. Wie auch Thomas Hobbes entwickelte Kant seine Philosophie erst im vorangeschrittenen Alter. Er war fast sechzig Jahre alt, als er sein Hauptwerk Kritik der reinen Vernunft publizierte. Kants wichtigste Werke können in folgende Abschnitte eingeteilt werden: In eine vorkritische Periode (1746-1781), in welcher er Schriften wie Versuch einer Betrachtung über den Optimismus (1759), Beobachtung über das Gefühl des Schönen und Erhabenen (1764) oder Träume eines Geistessehers, erläutert durch Träume der Metaphysik (1766) hervorbrachte. In der darauf folgenden kritischen Periode (1781-1790) schrieb er unter anderem das schon erwähnte Werk Kritik der reinen Vernunft und drei Jahre später Die Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? In der Periode der Rechts- und Tugendschriften (1790-1800) publizierte er Die Metaphysik der Sitten (1797), Anthropologie in pragmatischer Hinsicht abgefasst (1798) und noch im selben Jahr die Schrift Der Streit der Fakultäten.[5]

III. Auseinandersetzung mit der Schrift: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?

1. Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten

Unmündigkeit und die Ursachen derselben[6]

Aufgeklärt scheint ein Mensch laut Kant zu sein, wenn er sich aus seiner selbstverschuldeten Unmüdigkeit zu befreien vermag. Sich somit von einer Unmündigkeit zu befreien, die er doch selbst verursacht hat. Unmündigkeit ist meines Erachtens eine Form der Unterdrückung. Die Kant´sche Unmündigkeit sei das Unvermögen sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Im Umkehrschluss scheint mir demnach Mündigkeit im Sinne Kants das Vermögen zu sein, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. „Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“[7] stellt den Kantschen Wahlspruch der Aufklärung dar. Kant fordert die unaufgeklärten Menschen auf sich ihres eigenen Verstandes zu bemächtigen. Kant erläutert im Weiteren, was er unter der selbstverschuldeten Unmüdigkeit zu verstehen glaubt. Es mangele dem Mensch nicht an Verstand, dieser sei als Voraussetzung gegeben. Jedoch mangele es an Mut und Entschließungskraft sich dessen zu bedienen, so erklärt er sich die Unmündigkeit als eine selbstverschuldete.

Oberflächlich könnte man die Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? für abgeschlossen betrachten, dennoch hinterfragt Kant weiter. Warum bleiben viele Menschen zeitlebens unmündig? Er scheint die Ursache einerseits in Faulheit oder auch Bequemlichkeit gefunden zu haben, da sie von der Natur von einer fremden Leitung schon freigesprochen wurden. Kant unterstreicht diese Behauptung an Hand der folgenden Reihe an Beispielen: „Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, so brauche ich mich ja nicht selbst bemühen.“[8] Doch ist das wirklich nur mit Faulheit oder Bequemlichkeit in Verbindung zu bringen? Kann ich mich nicht doch meines eigenen Verstandes bedienen und trotz dem ein Buch lesen, meinen Seelsorger um Rat bitten und den Arzt meine Diät beurteilen lassen, und letztendlich aus deren Ansichten mir selbst ein Bild machen? Sozusagen aus meiner Subjektivität heraus Urteile heranziehen? Zu bedenken ist auch, dass mir, auch wenn ich meinen Verstand ohne Leitung eines anderen bedienen möchte, Rahmen gesetzt sind, da ich beispielsweise das Fachwissen eines Arztes nicht habe. Andererseits sieht Kant die Ursache auch in Feigheit, da der Weg zur Mündigkeit beschwerlich und gefährlich sei, denn unter anderem zeigen wohl Vormünder die Gefahren der Mündigkeit auf und schrecken den Einzelnen ab. Von der Natur sei der Mensch schon längst von fremder Leitung freigesprochen worden. Kant jedoch sieht die Gefahren auf dem Weg zur Mündigkeit als nicht so Große an, da die Menschen „durch einige Male fallen wohl endlich gehen lernen“[9] würden. Also soll wohl der Mensch Weitsicht erlangen, indem er zwar die Gefahr zur Kenntnis nimmt, sich jedoch das Ziel und auch die Vorteile der Mündigkeit vor Augen hält, sich somit meiner Meinung nach auch der Konsequenzen des Erlangens der Mündigkeit bewusst werden würde und diese in Kauf nähme. Vielleicht kann man diese neu zu gewinnende Verantwortung auch als Ursache sehen, warum Menschen unmündig seien und blieben - durch das Erkennen und Abwägen der Verantwortung abgeschreckt. Denn sind diese hier von Kant angeführten Ursachen die einzigen oder wichtigsten dieser Problematik? Doch schließt Kant insgesamt daraus, dass es für den Einzelnen schwer sei, sich aus seiner beinahe zur Natur gewordenen Unmündigkeit herauszuarbeiten.

[...]


[1] Aster, Ernst von, Immanuel Kant, 2. Aufl., Leipzig, 1918

[2] Kant, Immanuel, Was ist Aufklärung? Aufsatz zur Geschichte und Philosophie, Zehbe, J. (Hg.), Göttingen, 4 Aufl., 1994, S.20

[3] Ebd. S. 20

[4] Philosophen-Lexikon, Leben, Werke und Lehren der Denker, Eisler, Rudolf (Hg.), Würzburg, 1972

[5] Microsoft Encarta, Enzyklopädie Standart 2003

[6] Kant, Immanuel, Was ist Aufklärung? Aufsatz zur Geschichte und Philosophie, Zehbe, J. (Hg.), Göttingen, 4 Aufl., 1994, S.20-27.

[7] Ebd. S.20

[8] Ebd. S.20

[9] Ebd. S. 21

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Immanuel Kant: "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?"
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Hegels Rezeption der Aufklärung
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
13
Katalognummer
V55215
ISBN (eBook)
9783638502283
ISBN (Buch)
9783640603497
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Immanuel, Kant, Beantwortung, Frage, Aufklärung, Hegels, Rezeption
Arbeit zitieren
Andrea Franz (Autor), 2004, Immanuel Kant: "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55215

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