John Stuart Mill - Utilitarismus: Ein Überblick


Hausarbeit, 2004
20 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
A. Der Begriff Utilitarismus
B. Abriss der Biographie John Stuart Mills

II. John Stuart Mill – Utilitarismus
A. Zweites Kapitel: „Was heißt Utilitarismus?“
1. pleasure and pain
2. pig-philosophie
3. Besser ein unzufriedener Sokrates,
als ein zufriedener Narr
B. Viertes Kapitel: „Welcherart Beweis sich für das
Nützlichkeitsprinzip führen lässt“
1. Etwas ist wünschenswert, weil der Mensch wünscht
2. Das Glück als konkretes Ganzes

III. Schlussbetrachtung

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

A. Der Begriff Utilitarismus

Uti-li-ta-ris-mus, der: Lehre, die Handlungen und sittliche Werte nur nach ihrer gesellschaftlichen Nützlichkeit bewertet.[1]

Uti-li-ta-ris-mus, der: Lehre, dass der Nutzen Grundlage und Zweck des menschlichen Handelns sei und der Gemeinschaft dienstbar gemacht werden müsse.[2]

Uti-li-ta-ris-mus, der: philosophische Lehre, die im Nützlichen die Grundlage des sittlichen Verhaltens sieht und ideale Werte nur anerkennt, sofern sie dem Einzelnen oder der Gemeinschaft nützen.[3]

Uti-li-ta-ris-mus, der: Theorie der Ethik, des Rechts und der Sozialphilosophie. Nach der Lehre des Utilitarismus kann eine Handlung dann als ethisch gut beurteilt werden, wenn sie für das Glück der meisten Menschen förderlich oder „nützlich“ ist.[4]

Uti-li-ta-ris-mus, der: Unter dem Prinzip der Nützlichkeit ist jenes Prinzip zu verstehen, das schlechthin jede Handlung in dem Maß billigt oder missbilligt, wie ihr die Tendenz innezuwohnen scheint, das Glück der Gruppe, deren Interesse in Frage steht, zu vermehren oder zu vermindern, oder – das gleiche mit anderen Worten gesagt – dieses Glück zu befördern oder zu verhindern.[5]

Uti-li-ta-ris-mus, der: Wer in dieser Sache nur einigermaßen bewandert ist, wird wissen, dass alle Autoren von Epikur bis Bentham, die die Nützlichkeitstheorie vertreten haben, unter Nützlichkeit nicht etwas der Lust Entgegengesetztes, sondern die Lust selbst und das Freisein von Schmerz verstanden haben.[6]

B. Abriss der Biographie John Stuart Mills

Unter dem Begriff Utilitarismus sind viele verschiedene Formulierungen zu finden. Vom Allgemeinen eines Fremdwörterbuches her bis hin zur spezifischen Definition, wie beispielsweise die des Moral- und Rechtsphilosophen Jeremy Bentham. Zuletzt ist ein Auszug aus der Schrift von John Stuart Mills Utilitarismus dargestellt. Mit diesem Werk soll sich im Folgenden auseinandergesetzt werden. Doch bevor das zweite und vierte Kapitel des Utilitarismus unter aufgezeigt wird, soll in Kürze die biographische Seite des Federführers John Stuart Mill vorgestellt werden.

„Ich wurde am 20. Mai 1806 als ältester Sohn von James Mill, dem Verfasser der Geschichte von „British Indien“, geboren.“ So leitet John Stuart Mill seine Autobiographie ein.[7] Auf dieses Werk stützen sich sowohl Bettina Düppen als auch Manuel Garcia Pazo, wenn sie in ihrer Literatur über das Leben von John Stuart Mill schreiben. Die Autobiographie gilt als Hilfe für die Interpretation Millscher Werke laut Pazo und beruft sich hier auf M. Ludwig.[8] Manuel Garcia Pazo teilt das Leben des Philosophen in drei Hauptperioden ein, wobei er auf die autobiographische Dreiteilung Mills zurückgreift.

Die erste Periode nennt Pazo „Lernen aus Büchern und Begegnung mit dem Utilitarismus“. Diese erstreckt sich bis zu Mills einundzwanzigsten Lebensjahr. In dieser Zeit wird der junge John Stuart von seinem Vater unterrichtet, da dieser Schulen skeptisch gegenüber steht. Er soll vom Vater zum „Wunderkind“ herangezogen werden. So liest und schreibt er mit dem dritten Lebensjahr. Er lernt die griechische und lateinische Sprache sowie deren Anwendung. Mill beschäftigt sich im Kindesalter unter anderem mit Aesop, Xenophon, Diogenes und Plato. Mit dem Achten Lebensjahr unterrichtet der Knabe seine jüngeren Geschwister und im Alter von zwölf Jahren beginnt er philosophische Werke, wie Aristoteles, zu lesen. John Stuart liest und korrigiert die Werke des Vaters. Es folgt das Studium der klassischen englischen Nationalökonomen Adam Smith und David Ricardo. Als Vierzehnjähriger geht John Stuart Mill für etwa zwei Jahre nach Frankreich. Hier erwirbt er chemische und zoologische Kenntnisse und lernt Saint - Simon sowie dessen Anhänger, die Saint - Simonisten, kennen. Nach seiner Rückkehr nach England 1821 übernimmt James Mill wieder die Erziehung des Sohnes. John Stuart gewinnt Erkenntnisse in Psychologie und beginnt sich mit den Schriften Benthams auseinander zu setzen.[9] Mill steht bis zum Erwachsenenalter unter dem Einfluss des Vaters und dessen Freund Jeremy Bentham. Er hat bis auf die Treffen mit Freunden James Mills keine sozialen Kontakte. Seine bisherige Erziehung ist auf die Bewältigung intellektueller Probleme ausgerichtet, frei von Umgang mit Emotionen. Unter dieser einseitigen Erziehung leiden Erfahrung in anderen wichtigen Erziehungs- und Lebensbereichen John Stuart Mills.[10]

So folgt die zweite Periode, die von Pazo als „Die geistige Krise und ihre Überwindung (1826-1840). Enttäuschung über den Utilitarismus Jeremy Benthams“ betitelt wird. Im Herbst 1829 erleidet der junge Mann James Stuart einen Nervenzusammenbruch. Er ist nun nicht mehr von dem Prinzip der Nützlichkeit überzeugt und verfällt einer Depression. Als Grund hierfür gilt die ungewöhnliche Erziehungsmethode des Vaters. Allmählich erholt er sich und erfreut sich an Naturdarstellungen in Werken von W. Wordsworth und W. Scott. Nach seiner Erholung wendet er sich wieder dem Benthamschen Utilitarismus zu. Er verwirft diesen nicht, sondern strebt nach Vervollkommnung und Erweiterung. Seine altruistische Haltung, die Idee die Menschheit verbessern zu können, hat hier ihren Ursprung der Moral- und Sozialphilosophie John Stuart Mills.[11] Seine entgültige Abwendung vom klassischen Utilitarismus findet man auch in seinen Essays, wie „Remarks on Bentham´s Philosophie“ von 1833, wieder. Mill löst sich in seiner Literatur von dem einseitigen hedonistischen Menschenbild des 18. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt der Diskussionen um das Nützlichkeitsprinzip steht die Differenziertheit von logischen und anthropologischen. John Stuart Mill bleibt den intuitiven Erkenntnissen skeptisch gegenüber, wie auch schon sein Vater und dessen Freund Jeremy Bentham.[12]

An dieser Stelle eignet sich ein grober Vergleich der Auffassung des Nützlichkeitsgedankens von Jeremy Bentham und John Stuart Mill. Ersterer betreibt eine Lust - Unlust - Philosophie. Der Mensch als egoistisches Individuum strebt allein nach eigener Lust. Wobei Mill dem Menschen die Fähigkeit zuspricht, er könne sich moralisch vervollkommnen und Ideale um ihrer selbst Willen erstreben. Der Mensch misst eine Handlung so nicht nur mit Glücks- und Unglücksfolgen, wie Bentham es vorsieht, sondern auch nach Gesinnung, Würde und moralischer Schönheit.[13] Wobei die Vorstellung Mills als reines Ideal zu betrachten ist. Hier sind deutlich die schon erwähnten Erweiterungsvorstellungen erkennbar. Als ein weiterer Unterschied der utilitaristischen Ethik gilt, dass Bentham ein quantitativer Hedonist ist und Mill ein qualitativer Hedonist.[14] Auf letzteres wird noch im Folgetext einzugehen sein. Die Gemeinsamkeit der utilitaristischen Formel Benthams und Mills liegt darin, dass der Maßstab für Richtig und Falsch die größte Freude für die größte Anzahl ist.[15]

Zum Ende hin der zweiten Lebensphase Mills intensiviert sich der französische Einfluss auf ihn. Er steht im Briefkontakt mit A. Comte. 1840 reist er dann mit großer Begeisterung für die politischen Radikalen nach Frankreich zur Revolution.[16]

[...]


[1] Friedhelm Hübner (Hg.): Das große Fremdwörterbuch, München 2001. S. 662.

[2] Ursula Hermann (Hg.): Die neue deutsche Rechtschreibung, München 1996. S. 965.

[3] Prof. Dr. Dr. h. c. Günther Drosdowski, Dr. Werner Scholze – Stubenrecht, Dr. Matthias Wermke (Hg.): Fremdwörterbuch, 5. Bd. Duden, Mannheim 1997. S. 838.

[4] Microsoft Encarta, Enzyklopädie, Standart 2003.

[5] Jeremy Bentham: Eine Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung, (1789). In: Einführung in die utilitaristische Ethik. Hg. von Otfried Höffe, Tübingen 1992.S. 35f.

[6] John Start Mill: Utilitarismus, In: Einführung in die utilitaristische Ethik. Hg. von Otfried Höffe Tübingen S.59.

[7] Bettina Düppen: Der Utilitarismus, Eine theoriegeschichtliche Darstellung von der griechischen Antike bis zur Gegenwart, Köln 1996, S. 163.

[8] M. Ludwig hebt in seinem Werk „Die Sozialethik des John Stuart Mill“, Zürich 1963, den Interpretationswert der Autobiographie hervor.

[9] Manuel Garcia Pazo: Die Moralphilosophie John Stuart Mills Utilitarismus, Bonn 1999, S. 7ff.

[10] Bettina Düppen: Der Utilitarismus, Eine theoriegeschichtliche Darstellung von der griechischen Antike bis zur Gegenwart, Köln 1996, S.164f.

[11] Manuel Garcia Pazo: Die Moralphilosophie John Stuart Mills Utilitarismus, Bonn 1999, S. 15.

[12] Bettina Düppen: Der Utilitarismus, Eine theoriegeschichtliche Darstellung von der griechischen Antike bis zur Gegenwart, Köln 1996, S. 165ff.

[13] Ebd.

[14] Wolfgang R. Köhler: Zur Geschichte und Struktur der utilitaristischen Ethik, Frankfurt am Main 1979, S. 32.

[15] Dr. Wolfgang Lasars: Die klassisch-utilitaristische Begründung der Gerechtigkeit, Berlin 1982, S. 25.

[16] Manuel Garcia Pazo: Die Moralphilosophie John Stuart Mills Utilitarismus, Bonn 1999, S. 16.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
John Stuart Mill - Utilitarismus: Ein Überblick
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Einführung in die Philosophie des Utilitarismus
Note
2,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V55219
ISBN (eBook)
9783638502320
ISBN (Buch)
9783640603503
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
John, Stuart, Mill, Utilitarismus, Einführung, Philosophie
Arbeit zitieren
Andrea Franz (Autor), 2004, John Stuart Mill - Utilitarismus: Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55219

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