Im vorliegenden Text befasst sich der Autor mit klassischen und neuen Politikfeldern der deutschen Gewerkschaften. Der Autor skizziert die Stellung einzelner Politikfelder im Gesamtkontext gewerkschaftlicher Arbeit, geht auf Entwicklungen in und außerhalb der Gewerkschaften ein und versucht, wo möglich, Lösungen für mögliche Probleme und Chancen, die sich ergeben, aufzuzeigen.
Der Autor analysiert hauptsächlich den heutigen Zustand der Gewerkschaften anhand ausgesuchter Texte und versucht Wege aus der Krise zu skizzieren, die massiv seit der Mitte der Neunziger Jahre besteht und sich im Mitgliederschwund in Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden sowie in einer Neoliberalisierung der Wirtschafts- und Arbeitspolitik, der meisten Parteien, in den letzten Jahren, widerspiegelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Klassische Politikfelder
2.1. Tarifpolitik
2.1.1. Definition und gesetzliche Verankerung
2.1.2. Geschichte und Wesen der Tarifpolitik
2.1.3. Entwicklungen, Risiken und Chancen
2.2. Sozialpolitik
2.2.1. Definition und Geschichte
2.2.2. Aufgaben und Wirkung gewerkschaftlicher Sozialpolitik
2.2.3. Entwicklungen, Risiken und Chancen
2.3. Industriepolitik
2.3.1. Definition und Formen
2.3.2. Entwicklungen, Risiken und Chancen
2.4. Betriebspolitik
2.4.1. Definition und Bedeutung
2.4.2. Entwicklungen, Risiken und Chancen
3. Neue und vernachlässigte Felder gewerkschaftlicher Betätigung
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den aktuellen Zustand der deutschen Gewerkschaften im Kontext gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen, mit dem Ziel, bestehende Krisenphänomene zu untersuchen und potenzielle Lösungswege sowie Zukunftschancen für gewerkschaftliches Handeln aufzuzeigen.
- Analyse klassischer gewerkschaftlicher Politikfelder (Tarif-, Sozial-, Industrie- und Betriebspolitik)
- Untersuchung von Strukturwandel, Mitgliederschwund und Neoliberalisierung
- Diskussion von Dezentralisierungstendenzen in der Tarifpolitik
- Bewertung gewerkschaftlicher Betriebspolitik und der Rolle von Betriebsräten
- Identifikation neuer Herausforderungen durch Dienstleistungssektor und demografischen Wandel
Auszug aus dem Buch
2.1.3. Entwicklungen, Risiken und Chancen
Mit dem rückläufigen Organisationsgrad in den Gewerkschaften und besonders in den Arbeitgeberverbänden, vor allem in den in den letzten zehn Jahren, geht ein Verlust der Gestaltungsmacht beider Seiten einher. Tarifverträge haben an Verbindlichkeit und Gestaltungseinfluss verloren.
Gleichzeitig mit dem abnehmenden Einfluss der Arbeitgeberverbände ist eine Zunahme von Unternehmensmacht zu verzeichnen. Einzelne Unternehmen, wenn sie nicht in Arbeitgeberverbänden organisiert sind, halten als ‚Einzelkämpfer’ die volle Verhandlungsmacht in Händen und sind an Tarifbeschlüsse der Arbeitgeberverbände nicht gebunden. Damit kommt es auch zu einer Dezentralisierung und Flexibilisierung der Tarifpolitik. Die Anzahl von Haus- und Ergänzungstarifverträgen beispielsweise hat zwischen 1990 und 2001 um 170 % zugenommen. Im Endeffekt führt dies zu einer grundlegenden Veränderung der Arbeitsbeziehungen in der Bundesrepublik von einem einstufigen, zu einem mehrstufigen Verhandlungssystem. Schroeder nennt diese Transformation eine „kontrollierte Dezentralisierung.“
Die Chancen die mit den genannten Veränderungen für die Gewerkschaften einhergehen sind geringer als die Risiken. Die Gewerkschaften müssen darum kämpfen, ihre privilegierte Stellung innerhalb der Arbeitsbeziehungen in der Bundesrepublik zu behalten.
Bereits im Sommer 2003 legten CDU/CSU einen Gesetzesvorschlag zur Änderung des TVG und Betriebsverfassungsgesetzes (BVG) vor:
Die Parteien wollen gesetzliche Öffnungsklauseln im BVG festschreiben, die „Abweichung von geltenden Tarifverträgen durch Vereinbarung eines betrieblichen Bündnisses für Arbeit“ erlauben, welches mit Zwei-Drittel-Mehrheit Tarifverträge abändern kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Autor führt in die Thematik der klassischen und neuen gewerkschaftlichen Politikfelder ein und skizziert die Krisensituation der Gewerkschaften seit Mitte der 1990er Jahre.
2. Klassische Politikfelder: Dieses Kapitel untersucht die vier tragenden Säulen der Gewerkschaftsarbeit, nämlich Tarif-, Sozial-, Industrie- und Betriebspolitik, hinsichtlich ihrer Definition, historischen Bedeutung sowie aktueller Herausforderungen.
3. Neue und vernachlässigte Felder gewerkschaftlicher Betätigung: Hier werden strukturelle Probleme wie die Tertiarisierung, der demografische Wandel und die Unterrepräsentation bestimmter Beschäftigtengruppen in den Gewerkschaften thematisiert.
4. Schluss: Der Autor resümiert, dass die Gewerkschaften vor historischen Umbrüchen stehen und ihren Kampf sowohl für Arbeitnehmerinteressen als auch für ihre eigene gesellschaftliche Positionierung neu ausrichten müssen.
Schlüsselwörter
Gewerkschaften, Tarifpolitik, Sozialpolitik, Industriepolitik, Betriebspolitik, Tarifautonomie, Mitbestimmung, Betriebsrat, Strukturwandel, Mitgliederschwund, Neoliberalisierung, Arbeitsbeziehungen, Krisenmanagement, Flächentarifvertrag, Interessenvertretung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der verschiedenen Politikfelder, in denen deutsche Gewerkschaften tätig sind, und untersucht deren Anpassungsfähigkeit an den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit gliedert sich in die Untersuchung der vier klassischen Felder Tarif-, Sozial-, Industrie- und Betriebspolitik sowie in die Betrachtung vernachlässigter Felder wie die Integration neuer Beschäftigtengruppen im Dienstleistungssektor.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den aktuellen Krisenzustand der Gewerkschaften zu skizzieren und Wege aufzuzeigen, wie gewerkschaftliche Akteure auf den Mitgliederschwund und die veränderten wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen reagieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Der Autor führt eine Literaturanalyse durch, bei der er bestehende wissenschaftliche Texte, Handbücher und Studien zur deutschen Gewerkschaftslandschaft auswertet, um den Ist-Zustand und mögliche Lösungsstrategien abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die vier klassischen Politikfelder, arbeitet deren jeweilige Definitionen und Funktionen heraus und bewertet die aktuellen Risiken und Chancen für die Gewerkschaften in diesen Bereichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Gewerkschaften, Tarifautonomie, Mitbestimmung, Krisenmanagement, Strukturwandel und gewerkschaftliche Interessenvertretung.
Warum wird die Tarifautonomie in der Arbeit als so zentral bewertet?
Die Tarifautonomie gilt als Kernbereich der Gewerkschaftsarbeit, der es ermöglicht, Arbeitsbedingungen unabhängig vom Staat zu regeln, wobei der Autor besonders auf die Bedrohung dieses Systems durch Dezentralisierung und "betriebliche Bündnisse" eingeht.
Welche besondere Schlussfolgerung zieht der Autor in Bezug auf den Strukturwandel?
Der Autor schlussfolgert, dass die Gewerkschaften Gefahr laufen, an Bedeutung zu verlieren, wenn sie sich nicht stärker für bisher vernachlässigte Gruppen, wie etwa Beschäftigte im Dienstleistungssektor, öffnen und ihren Fokus an die realen Arbeitsmarktbedingungen anpassen.
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- Paul Koleczko (Author), 2005, Politikfelder von Gewerkschaften - Präferenzen und Handlungschancen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55237