Die Sorge um eine erschwerte Kreditfinanzierung für mittelständische Unternehmen wird in der Wirtschaftspresse und in unzähligen weiteren Veröffentlichungen hervorgehoben. Häufig wird über die bestehenden Probleme der Unternehmen bei der Fremdkapitalbeschaffung berichtet, aber auch über Möglichkeiten, diese Probleme zu lösen. Insbesondere der Sparkassen-Sektor erhebt hier einen Führungsanspruch, in dem er das Geschäft mit mittelständischen Kunden ausbauen und auch die Kreditvergabe an diese Unternehmen wieder stärker in den Vordergrund rücken will.
Bei dieser Diskussion bleibt allerdings unbeachtet, dass Unternehmen, seien es mittelständische oder Großunternehmen, neben Fremdkapital auch weitere Produkte und Dienstleistungen von ihren Bankpartnern benötigen. Abseits der steigenden Nachfrage im M&A-Geschäft, die eine steigende Bedeutung vor allem für größere Mittelständler gewonnen hat , bleibt der Mittelstand klassischer Bankkunde mit Bedarf an Konto- und Zahlungsverkehrsprodukten. Von besonderer Bedeutung sind die angebotenen Beratungs- und Betreuungskonzepte dabei vor allem für Klein- und Kleinstunternehmen, da diese häufig keine Mitarbeiter mit entsprechendem Know-how vorhalten bzw. vorhalten können. Insgesamt führen nur 23 % der Unternehmen mit bis zu 20 Mitarbeitern überhaupt eine Finanzplanung durch. Aufbauend auf die gerade beschriebene Situation stellt sich die Frage, welche Bankverbindung für ein durchschnittliches Kleinstunternehmen am attraktivsten ist. Dazu gehen wir nach einer allgemeinen Betrachtung des Mittelstands in Kapitel 2 dieser Arbeit auf die Gruppe der Kleinstunternehmen (auch Mikrounternehmen genannt ) ein. Nach Definierung eines durchschnittlichen Kleinstunternehmens wird in Kapitel 3 dessen Bedarf ermittelt. Anschließend werden das Bankenumfeld sowie die angebotenen Betreuungskonzepte anhand der an einem spezifischen Markt ansässigen Banken eingehend untersucht und bewertet. Schlussendlich wird die Fragestellung beantwortet, inwiefern die angebotenen Konzepte der Banken mit dem Bedarf des Kleinstunternehmens zusammenpassen bzw. dem am nächsten kommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lage und Entwicklung der Kleinstunternehmen
2.1. Abgrenzung der Kleinstunternehmen
2.2. Die Bedeutung der Kleinstunternehmen für die Wirtschaft
3. Bedarf des durchschnittlichen Kleinstunternehmens
3.1 Bestimmung des durchschnittlichen Kleinstunternehmens
3.2 Anforderungen der Kleinstunternehmen an ihre Bank
3.2.1 Anforderungen an Produkte und Dienstleistungen
3.2.2 Anforderungen an die Berater
3.2.3 Anforderungen an die Bank
4. Das Angebot am Standort Hanau
4.1. Die Stadt Hanau
4.2. Der Standort Hanau - Zahlen, Daten, Fakten
4.3. Banken am Standort Hanau
4.4. Methodik der Untersuchung
4.5. Untersuchungsergebnisse
4.5.1 Commerzbank AG
4.5.2 Deutsche Bank AG
4.5.3 Deutsche Postbank AG
4.5.4 Dresdner Bank AG
4.5.5 Frankfurter Sparkasse 1822
4.5.6 Frankfurter Volksbank eG
4.5.7 HypoVereinsbank AG
4.5.8 SEB AG
4.5.9 Sparkasse Hanau
4.5.10 Sparkasse Langen-Seligenstadt
5. Welche Bankverbindung ist für ein durchschnittliches Kleinstunternehmen am attraktivsten?
5.1. Analyse der Bewertung nach Punkten
5.2. Analyse der Bewertung nach Preis und Leistung
5.3. Verbesserungsvorschläge für den Sieger nach Punkten
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, welche Bankverbindung für ein durchschnittliches Kleinstunternehmen am Standort Hanau am attraktivsten ist. Dabei wird basierend auf dem ermittelten Bedarf der Kleinstunternehmen das Angebot der lokalen Banken analysiert und bewertet, um eine fundierte Empfehlung zur Wahl eines geeigneten Bankpartners abzugeben.
- Definition und wirtschaftliche Bedeutung von Kleinstunternehmen
- Anforderungsanalyse an Bankprodukte, Beratung und Betreuungskonzepte
- Methodische Untersuchung und Bewertung der Banken am Standort Hanau
- Analyse des Preis-Leistungs-Verhältnisses im Bereich Zahlungsverkehr und Kreditversorgung
- Identifikation von Verbesserungspotenzialen für die Kreditinstitute
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Anforderungen an Produkte und Dienstleistungen
Eine Umfrage unter 150 Führungskräften von kleinen und mittleren Unternehmen hat im Rahmen der Studie „Auslaufmodell Hausbank?“ des F.A.Z.-Instituts aus dem Jahr 2003 ergeben, dass die Kreditversorgung die wichtigste Dienstleistung für Kleinstunternehmen darstellt. Die Liquiditätsversorgung stellt also für viele Unternehmen die Existenzbasis dar, sei es um bspw. laufende Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen, Aufträge vorzufinanzieren, neue Investitionen o.ä. zu tätigen. Beleg dafür ist u.a. die Tatsache, dass 87 % aller Unternehmen ab TEUR 500 Jahresumsatz einen Kontokorrentkredit nutzen. Nach den von uns durchgeführten Interviews (siehe Kapitel 4.5) ist dies auch für Kleinstunternehmen mit einem geringeren Umsatz anzunehmen. Somit bildet die Inanspruchnahme vorhandener Kontokorrentlinien für die Unternehmen den Grundstein, um Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Daneben hat für viele die Aufnahme von Investitionskrediten einen hohen Stellenwert, denn: „Nur die wenigsten Unternehmen, zumindest bei den kleinen und mittleren, können ihren Kapitalbedarf ausschließlich durch Selbstfinanzierung aufbringen. Fast jede junge, innovative Unternehmung und jede Existenzgründung ist auf langfristige oder zumindest kurzfristige Bankkredite angewiesen.“
„Den Unternehmen ist bewusst, welche Bedeutung der korrekten und schnellen Organisation von Konten und Transaktionen zukommt.“ So kann z.B. das rechtzeitige Eingehen einer Überweisung beim Lieferanten über die Ausnutzung von Skonti entscheiden. Sie ist letztendlich aufgrund der rufschädigenden Wirkung wiederholt verspäteter oder ausbleibender Zahlungen überlebenswichtig für das Unternehmen. Damit ordnet sich gem. F.A.Z.-Studie die pünktliche und schnelle Abwicklung des Zahlungsverkehrs hinter der Kreditvergabe an zweiter Stelle der Wünsche und Erwartungen der Kleinstunternehmen ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Sorge um die Kreditfinanzierung mittelständischer Unternehmen und definiert die Fragestellung der Arbeit bezüglich der Attraktivität von Bankverbindungen für Kleinstunternehmen.
2. Lage und Entwicklung der Kleinstunternehmen: In diesem Kapitel werden Kleinstunternehmen gemäß EU-Definition abgegrenzt und ihre hohe Bedeutung für die deutsche Beschäftigungsstruktur hervorgehoben.
3. Bedarf des durchschnittlichen Kleinstunternehmens: Hier wird der Bedarf an Bankdienstleistungen durch eine Analyse von Mitarbeiterzahlen und Umsätzen sowie durch Anforderungen an Berater und Kreditprozesse ermittelt.
4. Das Angebot am Standort Hanau: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über den Wirtschaftsstandort Hanau, listet die ansässigen Banken auf und beschreibt die methodische Vorgehensweise zur Bewertung der Betreuungskonzepte.
5. Welche Bankverbindung ist für ein durchschnittliches Kleinstunternehmen am attraktivsten?: Die Analyse der Untersuchungsergebnisse führt zu einer Bewertung der Banken nach Punkten sowie nach einem Preis-Leistungs-Vergleich, inklusive konkreter Verbesserungsvorschläge für die Sparkasse Hanau.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und spricht eine Präferenz für die Sparkasse Hanau als das den Kundenanforderungen am nächsten kommende Institut aus.
Schlüsselwörter
Kleinstunternehmen, Bankverbindung, Kreditfinanzierung, Hanau, Geschäftskunden, Betreuungskonzept, Kontokorrentkredit, Mittelstand, Bankberatung, Zahlungsverkehr, EU-Definition, Sparkasse, Wirtschaftsförderung, Liquiditätsversorgung, Kundenanforderungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche Bankverbindung für ein durchschnittliches Kleinstunternehmen am attraktivsten ist, fokussiert auf den Wirtschaftsstandort Hanau.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Segmentierung von Kleinstunternehmen, deren Anforderungen an Bankprodukte, die persönliche Betreuung durch Berater, die Kreditversorgung sowie das Angebot an Fördermitteln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Betreuungskonzepte verschiedener Banken in Hanau zu bewerten und auf Basis der Ergebnisse zu ermitteln, welches Institut den Bedürfnissen eines typischen Kleinstunternehmens am besten entspricht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Sekundärstudien sowie eine empirische Untersuchung in Form von strukturierten Interviews mit Filial- und Geschäftsstellenleitern der Banken in Hanau.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Im Hauptteil wird der spezifische Bedarf des Kleinstunternehmens definiert, das Bankenumfeld in Hanau beschrieben und die verschiedenen Institute anhand definierter Kriterien bewertet.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Kleinstunternehmen, Bankverbindung, Kreditfinanzierung, Betreuungskonzept, Marktkenntnis und Preisstruktur.
Warum wurde gerade der Standort Hanau für die Untersuchung gewählt?
Hanau bietet als stark gewerblich geprägter Standort mit einer großen Dichte an unterschiedlichen Bankinstituten die ideale Voraussetzung für einen repräsentativen Vergleich.
Welches Fazit ziehen die Autoren nach der Untersuchung?
Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass die Sparkasse Hanau die Anforderungen der Kleinstunternehmen am besten erfüllt und somit als präferierter Bankpartner gilt.
Welche Rolle spielt die Preisstruktur für die Bewertung?
Obwohl die Preisstruktur einen Teil der Bewertung darstellt, betonen die Autoren, dass die Kosten für die Bankverbindung für Kleinstunternehmen im Vergleich zu anderen Faktoren wie Beratung und Kreditversorgung eine eher untergeordnete Rolle spielen.
- Arbeit zitieren
- Jens Kellner (Autor:in), Tobias Nees (Autor:in), Stefan Pesch (Autor:in), Roland Wehkamp (Autor:in), 2005, Kleinstunternehmen - Welche Bankverbindung ist für ein durchschnittliches Kleinstunternehmen am attraktivsten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55252