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Überlegungen zur Hyperaktivität des Kindes und die Bedeutung des Spiegelstadiums

Title: Überlegungen zur Hyperaktivität des Kindes und die Bedeutung des Spiegelstadiums

Research Paper (undergraduate) , 2003 , 29 Pages , Grade: 2

Autor:in: Piroschka Weßling (Author)

Pedagogy - Pedagogic Psychology
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„Spieglein,Spieglein an der Wand,wer ist die Schönste im ganzen Land?“Dann antwortet der Spiegel:„Frau Königin,ihr seid die schönste hier,aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als ihr!“
Nicht nur in Märchen kommt Spiegeln eine große Faszination zu;daran hat sich seit Jahrtausenden nichts geändert.Bei Schneewittchen erscheint der Spiegel als Ort der Wahrheit.Er gibt Auskunft darüber,wer die Schönste im Lande sei. Ein eigenartiges Paradox zeigt sich:Der Spiegel verrät die Wahrheit nicht durch das Bild,sondern er verkündet sie durch die Stimme.Betrachten wir den gewöhnlichen Spiegel;auch er zeigt Merkwürdigkeiten.Da ist die Vertauschung von links nach rechts.Das weckt immer wieder Zweifel daran,ob das Spiegelbild die Gestalt des Betrachters wirklich so zeigt,wie er ist–ein Zweifel,der dazu führen kann,das Spiegelbild nochmals zu spiegeln und damit die Vertauschung aufzuheben.Gewöhnlich sagt man,man sehe sich im Spiegel.Sieht man sich wirklich?Oder nur die Vorderseite der eigenen Gestalt?Hinzu kommen weitere Ursachen der Verwirrung: Nicht jeder Spiegel ist gleich wie der andere.Die eigene Gestalt erscheint auf Wasseroberflächen,in ebenen und gekrümmten Spiegel oder im Auge des Gegen-über in unterschiedlicher Form,so dass der Zusammenhang von Spiegelbild und Objektivität nicht ohne weiteres evident ist.Schließlich erstaunt der Reiz von Idealität,Makellosigkeit, der vom Spiegelbild ausstrahlt!Auch in der Psychoanalyse,deren Aufmerksamkeit dem gilt,was man Seelisches nennt,sind diese Erfahrungen aufgenommen worden: Schon das Wort „Seele“ weckt Assoziationen zu See,damit auch zu Spiegel,Oberfläche und Tiefe.Schon S. Freud,hat in ein überlieferten Mythos,in dem sich der Held in sein Spiegelbild im Wasser verliebt: Narzißmus,gesprochen. Liest man Freuds Werke,stößt man nicht nur in der Arbeit,die er mit „Zur Einführung des Narzißmus“ betitelt hat, auf Spiegelmetaphern. Dennoch hat Freud nicht von einen Spiegelstadium gesprochen und seine Beobachtungen und Gedanken dazu nicht systematisiert.Anders verhält es sich bei Lacan,der in bezug auf diese Thematik Freuds Werke in direkter Linie fortgesetzt hat.Das Konzept des Spiegelstadiums beansprucht in der Lehre Lacans einen privilegierten Platz.Dies aus zwei Gründen:Es wurde zuerst ausgearbeitet,vor den Konzepten des Symbolischen und des Realen.In inhaltlicher Hinsicht ist das Spiegelstadium geeignet,Vorgänge in der psychoanalytischen Kur zu erhellen, aber auch Einsichten über Liebe und Sexualität zu vermitteln.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Was heißt Spiegelstadium?

2. Der Blick des Dritten

3. Das Begehren nach Einssein und sein Scheitern

4. Die Verschränkung von Bild und Sprache

5. Die Bedeutung des Spiegelstadiums am Beispiel der Hyperaktivität

5.1 Überlegungen zur Hyperaktivität des Kindes

5.2 Einführung

5.3 Ein klinisches Beispiel

5.4 Eine psychoanalytische Annäherung

6. Schlussgedanke

7. Bibelzitat

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologische Entwicklung des Kindes im Spiegelstadium und setzt diese in Bezug zur Entstehung und Dynamik hyperaktiven Verhaltens. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie die mütterliche Spiegelung und die Verschränkung von Bild und Sprache das kindliche Identitätsgefühl prägen und welche Auswirkungen Störungen in diesem frühen intersubjektiven Prozess auf die spätere Motorik und Aufmerksamkeit haben.

  • Das Spiegelstadium als Ausgangspunkt der Ich-Bildung und Identitätsentwicklung
  • Die Rolle des "Dritten" und der mütterlichen Anerkennung für die kindliche Sicherheit
  • Dialektik des Begehrens: Spannung zwischen Einssein und Differenz
  • Die Bedeutung von Sprache und Symbolisierung für die psychische Strukturierung
  • Psychoanalytische Perspektiven auf Hyperaktivität und motorische Instabilität

Auszug aus dem Buch

3. DAS BEGEHREN NACH EINSSEIN UND SEIN SCHEITERN:

Das Spiegelstadium läßt sich zwar einem bestimmten Lebensabschnitt zuordnen, aber es verliert nach dem 18. Lebensmonat seine Bedeutung nicht. Mit dem Eintritt ins Spiegelstadium ist eine psychische Struktur erreicht, die trotz weiterer Differenzierungen andauern wird. Nichts zeigt dies besser als die Liebe. Die gegenseitige Idealisierung und die unablässige Suche nach Gemeinsamkeit weisen darauf hin, dass sich eines im anderen wie in einem Spiegel sehen möchte. Dabei gibt es keine festen Abgrenzungen des einen vom anderen. Es gibt ein Hin- und Herschaukeln des Ichs und seiner Wahrnehmung. In Momenten, in denen sich das eine nicht selber seines eigenen Existierens vergegenwärtigt, gleichsam das eigene Sein vergißt und nur das andere sieht, tritt es an die Stelle des andern. Es bemerkt dies in dem Augenblick, in dem es wieder „bei sich“ ist, von der Hingabe an das andere gelöst hat.

Dieses Vergessen, das sich im Zustand der Verliebtheit deutlich zeigt, geschieht deshalb, weil jedes Subjekt seinen eigenen Körper gewöhnlich nicht sieht, es ist andern zugewendet. Es bewohnt seinen Körper, und darum ist er ihm fremd, fremder als die Gestalt ihm Gegenüber.

Wird die eigene Selbstvergessenheit bemerkt, kann ein Gefühl entstehen, das bis zum Entsetzen reicht. Die Andersheit von andern, ihre Fremdheit, die das eigene Subjektsein ausgrenzt, wird in voller Angst verspürt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Was heißt Spiegelstadium?: Kapitel über die primäre Entdeckung des eigenen Spiegelbildes beim Kind und die initiale jubilatorische Reaktion als Ausdruck der Selbstwahrnehmung.

2. Der Blick des Dritten: Untersuchung der Mutter-Kind-Beziehung und der Bedeutung der mütterlichen Bestätigung für das Gefühl der Sicherheit.

3. Das Begehren nach Einssein und sein Scheitern: Erörterung der Dynamik zwischen dem Streben nach Einheit und der notwendigen Anerkennung von Differenz in Beziehungen.

4. Die Verschränkung von Bild und Sprache: Analyse der Transformation visueller Wahrnehmung in symbolische Repräsentationen durch das Aufkommen der Sprache.

5. Die Bedeutung des Spiegelstadiums am Beispiel der Hyperaktivität: Hauptteil, der hyperaktives Verhalten als Folge einer unzulänglichen mütterlichen Spiegelungsfunktion konzeptualisiert.

5.1 Überlegungen zur Hyperaktivität des Kindes: Zusammenfassung der Zusammenhänge zwischen mütterlicher Besetzung und der motorischen Entwicklung.

5.2 Einführung: Historische und begriffliche Betrachtung der Entwicklung vom Begriff der Instabilität zur Hyperaktivität.

5.3 Ein klinisches Beispiel: Fallstudie eines 13-jährigen Jungen zur Illustration der psychoanalytischen Hypothesen.

5.4 Eine psychoanalytische Annäherung: Versuch einer theoretischen Deutung der kindlichen motorischen Übererregung durch den Rückgriff auf das Spiegelstadium.

6. Schlussgedanke: Zusammenfassende philosophische und psychoanalytische Reflexion über das "Cogito", die Verkennung des Ichs und die Existenz als Spiegeluniversum.

Schlüsselwörter

Spiegelstadium, Jacques Lacan, Hyperaktivität, Psychoanalyse, Ich-Bildung, Mutter-Kind-Beziehung, Identitätsentwicklung, Symbole, Sprache, Narzissmus, motorische Instabilität, Subjekt, Begehren, psychische Struktur, Verkennung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der psychoanalytischen Interpretation des kindlichen Spiegelstadiums und dessen zentraler Bedeutung für die Identitätsbildung sowie die Entstehung spezifischer Symptome wie der Hyperaktivität.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Entwicklung des kindlichen Ich-Begriffs, die Rolle der Sprache, die Dynamik zwischenmenschlicher Begehrensstrukturen und die Auswirkungen mütterlicher Beziehungsqualität auf die kindliche Selbstregulation.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, das hyperaktive Kind nicht primär als neurologisch defizitär zu sehen, sondern dessen Verhalten als spezifischen Ausdruck einer Störung im intersubjektiven Prozess des Spiegelstadiums verstehbar zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine psychoanalytische Theoriearbeit, die sich primär auf die Konzepte von Jacques Lacan stützt und diese durch klinische Betrachtungen und Literaturanalysen ergänzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil wird die Verbindung zwischen der mütterlichen "Haltefunktion", der Fähigkeit des Kindes zur Symbolisierung und der Entstehung von hyperkinetischem Verhalten im Kontext der Psychoanalyse detailliert untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Spiegelstadium, Identitätsbildung, Lacan, Hyperaktivität, Symbolisierung und mütterliches Begehren charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die Sichtweise der Arbeit auf Hyperaktivität von einer rein medizinischen Perspektive?

Die Arbeit betrachtet Hyperaktivität als ein Symptom innerhalb einer unbewussten Familiendynamik und nicht ausschließlich als biologisch determiniertes Defizit, was den Fokus von der Störungsbekämpfung hin zum Verstehen des Kindes als Subjekt verschiebt.

Welche Bedeutung kommt der Sprache in der Entwicklung des Kindes zu?

Sprache fungiert laut der Arbeit als trennende Instanz, die das Kind aus der initialen, "imaginären" Identifikation mit dem Spiegelbild löst und ihm ermöglicht, sich als eigenständiges Subjekt in eine soziale Ordnung einzuschreiben.

Warum wird im Schlussgedanken der Begriff "Cogito" kritisch beleuchtet?

Der Begriff wird kritisch als eine Form der Selbstvergewisserung auf Basis einer grundlegenden "Verkennung" diskutiert, wobei das Denken als ein in das Imaginäre "Hereingeleimtwerden" dargestellt wird.

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Details

Title
Überlegungen zur Hyperaktivität des Kindes und die Bedeutung des Spiegelstadiums
College
University of Kassel
Course
Sozialwesen - Erkenntnistheorie
Grade
2
Author
Piroschka Weßling (Author)
Publication Year
2003
Pages
29
Catalog Number
V55254
ISBN (eBook)
9783638502580
ISBN (Book)
9783638680417
Language
German
Tags
Hyperaktivität Kindes Bedeutung Spiegelstadiums Sozialwesen Erkenntnistheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Piroschka Weßling (Author), 2003, Überlegungen zur Hyperaktivität des Kindes und die Bedeutung des Spiegelstadiums, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55254
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