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Die Reflexion der Reformation in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Title:  Die Reflexion der Reformation in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 24 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Matthias Widner (Author)

History of Germany - World War I, Weimar Republic
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Wie wurde ein bestimmter Zeitabschnitt der Historie in einem anderen Zeitraum, der weniger vergangen ist, eingeschätzt? Diese Frage, bezogen auf die kirchliche Reformation im 16. Jahrhundert und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, soll auf differenzierte Art und Weise erläutert werden.

Das zwanzigste Jahrhundert wird als das „Zeitalter der Ideologien“ bezeichnet. Während sich der Imperialismus um die Jahrhundertwende vollends ideologisch ausgebildet hat, kommt es nach der Weimarer Republik in Deutschland zur Nationalsozialistischen Diktatur mit ihrer antisemitischen Rassenideologie. Die aufkommenden Fragen diesbezüglich sind der Grad der Ideologisierung im Reformationsbild, und im speziellen die Änderungen des Lutherbildes, während des Nationalsozialismus.

Als Vorbereitung, beziehungsweise Hinarbeitung sollen die zwei unterschiedlichen vorhergehenden Zeitabschnitte in der deutschen Geschichte gelten. Angefangen vom deutschen Kaiserreich mit dem Eintritt in das imperialistische Wetteifern bis hin zur Weimarer Republik soll herausgearbeitet werden, in wiefern das Reformationsbild mit dem Zentrum der Lutherrezension als Vorlage für die Zeit des „Dritten Reiches“ galt und dort für die eigene staatstragende Ideologie genutzt wurde. Es wird somit versucht auf die differenzierten und stellenweise sehr konträren Meinungen über die Reformation während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit dem Schwerpunkt der nationalsozialistischen Zeit einzugehen und zu untersuchen, ob es möglich ist, Verknüpfungen zwischen der Reflexion der Reformation und der jeweils aktuellen Staatsideologie zu finden.
Das Thema begründet sich gleichfalls aus der Tatsache heraus, dass sich die Verwissenschaftlichung her Historiografie erst in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts herausbildete, wobei die herrschende Gesellschaft zeitgleich anfing diesen Prozess zu nutzen, indem sie versuchte den wissenschaftlichen Diskurs in eine von ihr gewünschte Richtung zu lenken.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen

2.1. Reflexionsgeschichte

2.2. Reformation

2.3. Ideologie

3. Die Reformation im Spiegel des späten Wilhelminischen Kaiserreichs

3.1. Der erste Weltkrieg

4. Die Reformation in der Geschichtsschreibung der Weimarer Republik

5. Das „Bild Luthers“ und der Reformation im Nationalsozialismus

5.1. Das Verhältnis zwischen der NSDAP und den christlichen Konfessionen in Deutschland

5.2. Wissenschaftliche und theologische Sichtweisen auf Luther während des Nationalsozialismus

5.3. Religiös fundierter Widerstand

6. Schlusswort

7. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedliche Wahrnehmung und Reflexion der kirchlichen Reformation sowie des Lutherbildes in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen dem jeweiligen Reformationsbild und der dominierenden Staatsideologie – vom Wilhelminischen Kaiserreich über die Weimarer Republik bis hin zur nationalsozialistischen Diktatur – aufzuzeigen und deren politische Instrumentalisierung kritisch zu beleuchten.

  • Wandel des Lutherbildes als Reflexionsgeschichte im 20. Jahrhundert
  • Ideologische Umdeutung der Reformation im Ersten Weltkrieg
  • Spannungsfeld zwischen demokratischer und traditionell elitärer Geschichtsschreibung in der Weimarer Zeit
  • Instrumentalisierung Luthers und der Reformation im Nationalsozialismus (z. B. "Deutsches Christentum", "Führerprinzip")
  • Religiös fundierter Widerstand gegen die nationalsozialistische Ideologie

Auszug aus dem Buch

3.1. Der erste Weltkrieg

Die nahezu religiöse Kriegsbegeisterung im Ersten Weltkrieg gegen das katholische Frankreich formte relativ schnell ein entsprechend politisch generiertes Luther- und Reformationsbild. Der Konflikt zwischen dem preußisch und protestantisch dominierten Deutschland und dem katholischen Frankreich beziehungsweise dem orthodoxen Russland wurde jedoch auch von französischer und russischer Seite auf einen Konfessionskonflikt reduziert. In Frankreich hatte es neben dem kriegsideologisch Hintergrund gleichfalls innenpolitische Gründe: Die in der dritten französischen Republik immer mit Misstrauen betrachtete katholische Kirche, konnte durch eine Diskreditierung des Protestantismus und der Reformation am Beispiel des Kaiserreiches sich selbst wieder profilieren. Der religiöse Eifer, der das Land erfasste, zeigte sich beispielsweise in einer Vervielfachung der Kommunionen ab. Durch den Anspruch aller Parteien im Namen Gottes zu kämpfen, entstand eine Kriegstheologie, die die patriotischen Kulte des 19. Jahrhunderts mit den jeweiligen christlich-religiösen Werten verband.

Ein Problem stellte diese Argumentationskette jedoch bei den ebenfalls protestantischen Gegnern wie beispielsweise Holland, den Vereinigten Staaten, dem anglikanischen England oder im Inland bei den süddeutschen, katholisch orientierten, Bevölkerungsgruppen dar. Durch den nationalen Chauvinismus, welcher ethische und humane Denkkategorien beiseite schob, wurde die nationale Propaganda in dieser Hinsicht jedoch nicht hinterfragt.

Diese starke Verteidigung der als eigen geglaubten Werte kommt zum einen daher, dass das persönliche Schicksal durch die Zugehörigkeit zu einem Staat oder einer christlichen Kirche in ein kollektives Schicksal eingebettet wurde, und zum anderen durch eine immer stärkeren Spiritualität des Krieges, hervorgerufen durch den ständigen Austausch von Propaganda, persönlichen Nachrichten voller patriotischer Empfindungen, Hoffnungen und Trauer zwischen der Front und der Heimat. Hierdurch war die Bevölkerung gezwungen den Krieg mitzuerleben. Vor allem die Angst vor dem Tod erzeugte ein Anwachsen religiöser Empfindlichkeit in der zumeist erst seit wenigen Generationen städtischen Bevölkerung.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie die Reformation im 20. Jahrhundert ideologisch reflektiert und instrumentalisiert wurde.

2. Begriffsdefinitionen: Hier werden die zentralen analytischen Begriffe Reflexionsgeschichte, Reformation und Ideologie definiert, um eine theoretische Grundlage für die Untersuchung zu schaffen.

3. Die Reformation im Spiegel des späten Wilhelminischen Kaiserreichs: In diesem Kapitel wird der ideologische Rahmen beleuchtet, in dem die Reformation vor 1914 als Teil eines nationalistischen Geschichtsbildes funktionalisiert wurde.

3.1. Der erste Weltkrieg: Dieser Abschnitt analysiert die Entstehung einer Kriegstheologie, die Luther als nationale Identifikationsfigur im Konflikt gegen Frankreich und Russland nutzte.

4. Die Reformation in der Geschichtsschreibung der Weimarer Republik: Das Kapitel untersucht, wie Historiker und Theologen in der Zwischenkriegszeit die Reformation unter dem Eindruck von Krisen und Demokratisierungsbewegungen neu bewerteten.

5. Das „Bild Luthers“ und der Reformation im Nationalsozialismus: Hier wird der Fokus auf die massive Vereinnahmung Luthers durch die nationalsozialistische Ideologie gelegt, insbesondere durch die "Deutschen Christen".

5.1. Das Verhältnis zwischen der NSDAP und den christlichen Konfessionen in Deutschland: Es wird die politische Strategie der NSDAP beschrieben, Kirchen für die eigene Ideologie nutzbar zu machen.

5.2. Wissenschaftliche und theologische Sichtweisen auf Luther während des Nationalsozialismus: Dieses Unterkapitel zeigt, wie akademische Kreise und Theologen versuchten, Luther als Legitimation für die NS-Weltanschauung und das Führerprinzip umzudeuten.

5.3. Religiös fundierter Widerstand: Hier wird thematisiert, wie christliche Akteure, etwa Bischof Berggrav, sich auf Basis ihrer Luther-Interpretation gegen die totalitären Ansprüche des Staates stellten.

6. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert die Wandlungen des Reformationsbildes über die untersuchten Zeitabschnitte hinweg und betont den starken Einfluss der Staatsideologie auf die historische Reflexion.

7. Literatur: Auflistung der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.

Schlüsselwörter

Reformation, Martin Luther, Ideologiegeschichte, Reflexionsgeschichte, Nationalsozialismus, Kaiserreich, Weimarer Republik, Lutherbild, Kriegstheologie, Antisemitismus, Geschichtsschreibung, Christentum, Staatsideologie, Führerprinzip, Konfessionen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, wie die Reformation und Martin Luther in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland geschichtswissenschaftlich und politisch gedeutet wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen den Einfluss von Ideologien auf die Geschichtsschreibung, die Instrumentalisierung von Religion für politische Zwecke sowie das Spannungsverhältnis zwischen Kirche und Staat.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Die Untersuchung zielt darauf ab, die Verknüpfungen zwischen dem jeweiligen Reformationsbild und der herrschenden Staatsideologie in den Jahren 1900 bis 1945 herauszuarbeiten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine reflexionsgeschichtliche Analyse, um den Diskurs der Historiker und Theologen über die Reformation in unterschiedlichen historischen Phasen zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Reformationsreflexion im Wilhelminischen Kaiserreich, in der Weimarer Republik und detailliert die Vereinnahmung Luthers durch den Nationalsozialismus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Reformation, Lutherbild, Ideologisierung, Nationalsozialismus, staatliche Propaganda und Konfessionsgeschichte.

Wie unterschied sich die Luther-Rezeption in der Weimarer Republik vom Nationalsozialismus?

Während in der Weimarer Republik Luther primär als Identifikationsfigur zur Krisenbewältigung diente, wurde er im Nationalsozialismus ideologisch zu einem Vorläufer des Führerprinzips und eines völkisch-nationalen Christentums umgedeutet.

Welche Rolle spielte der "Religiös fundierte Widerstand"?

Er beschreibt Versuche christlicher Akteure, sich auf theologische Grundsätze Luthers zu berufen, um den totalitären Anspruch des NS-Staates als antichristlich zu entlarven und abzulehnen.

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Details

Title
Die Reflexion der Reformation in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
College
University of Rostock  (Historisches Institut)
Course
Die Reformation in der deutschen Kultur der Erinnerung
Grade
2,3
Author
Matthias Widner (Author)
Publication Year
2006
Pages
24
Catalog Number
V55255
ISBN (eBook)
9783638502597
ISBN (Book)
9783638663816
Language
German
Tags
Reflexion Reformation Hälfte Jahrhunderts Reformation Kultur Erinnerung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Widner (Author), 2006, Die Reflexion der Reformation in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55255
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