Die Nominalphrase/Determinationsphrase im Deutschen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Traditionelle Ansätze zur Unterscheidung von Polysemie und Homonymie aus der wissenschaftlichen Literatur
3.1. Die Polysemie (nach Schippan, 1984)
3.1.1. Entstehung der Polysemie
3.1.2 Metaphorische Beziehungen als Ausdruck der Mehrdeutigkeit
3.1.3. Metonymische Beziehungen als Ausdruck der Mehrdeutigkeit
3.1.4. Hyperonymische Beziehungen als Ausdruck der Mehrdeutigkeit
3.2. Homonymie
3.2.1. Zwei Arten der Homonymie
3.2.2. Voraussetzungen für die Homonymie
3.3. Vorschläge zur Abgrenzung von Polysemie und Homonymie nach Sigurd Wichter (1988)
3.3.1. Das Etymologiekriterium
3.3.2. Das Verwandtschaftskriterium
3.3.3. Varianten des Verwandtschaftskriteriums

4. Quantitative Ansätze zur Bestimmung von Polysemie und Homonymie nach Schierholz (1991)
4.1 Kritische Einwände der traditionellen Ansätze zur Polysemie von Schierholz
4.1.1. Polysemie oder Homonymie?
4.1.2. Die Definition der Polysemie
4.1.3. Die lexikographische Polysemiedarstellung
4.2. Die qualitative Vorgehensweise von Schierholz zur Ermittlung der Polysemie

5. Polysemie oder Homonymie? - ein Resümee

6. Literaturverzeichnis

7. Eigenständigkeitserklärung

1. Vorwort

Die vorliegende Seminararbeit basiert auf dem von Svetlana Malner und mir am 05. Dezember 2005 gehaltenen Referat innerhalb des Proseminars „Einführung in die Lexikologie“ und trägt den Titel „ Polysemie und Homonymie - zwei Phänomene“. Die vorliegende Seminararbeit ist von mir verfasst.

2. Einleitung

Zu Beginn soll zuerst eine Erklärung des Begriffs „ Wort" folgen, bevor zu einer Definition von Polysemie und Homonymie aus der wissenschaftlichen Literatur[1] übergegangen wird. Ein Wort wird auch als Lexem bezeichnet und ist definiert als eine zusammengesetzte Einheit aus materialen Formen und den ihnen zugeordneten Bedeutungen. Nach Ferdinand de Saussure bestehen sprachliche Zeichen aus einem Inhalt und einem Ausdruck, wobei diese Verbindung arbiträr (beliebig) und konventionell ist. Viele sprachliche Zeichen sind prinzipiell arbiträr, so dass es keinen ursächlichen, vorbestimmten Zusammenhang zwischen dem Bezeichneten und der Form des Zeichens gibt. Sprachliche Zeichen sind außerdem prinzipiell konventionell, was bedeutet, dass sich die Angehörigen einer Kommunikationsgemeinschaft darüber einigen (meist stillschweigend, nur selten bewusst), mit welchem Ausdruck (oder Zeichen) eine bestimmte Sache bezeichnet wird.

Im Folgenden wird eine Definition für Polysemie und Homonymie dargestellt.

Edgar Schneider definiert das Phänomen der Polysemie als „Mehrdeutigkeit oder Vieldeutigkeit von Wörtern. Die Tatsache, dass ein Wort mehrere miteinander

verbundene/zusammenhängende Bedeutungen hat (Lewandowski,1979b: 575), wird als eine zentrale Eigenschaft lexikalischer Einheiten bezeichnet (Schippan, 1975: 94). Bedeutsam und zugleich auch problematisch ist die Tatsache insbesondere dadurch, dass durch sie die Einheit des Zeichenbegriffs im Saussure'schen Sinne gesprengt zu werden droht. Somit ist fraglich, ob die Polysemie anhand der wissenschaftlichen Literatur überhaupt zu definieren ist und ob eine Unterscheidung zwischen Polysemie und Homonymie möglich ist.

Köhler (1986: 57) schlägt daher vor, diese beiden Phänomene unter dem Begriff Polylexie zu vereinen. Es stellt sich die Frage, ob das Phänomen der Polysemie überhaupt existiert? In Anbetracht der Unklarheiten bezüglich dieser beiden Phänomene, soll der quantitative Ansatz von Stefan Schierholz miteinbezogen werden.

Homonymie ist ein Zusammenfall von Homographie und Homophonie. Homophonie bedeutet, dass ein Lexem gleich ausgesprochen wird bei unterschiedlicher Orthographie und Bedeutung, z.B. Saite vs. Seite.

Homographie bedeutet, dass ein Lexem gleiche Schreibweise hat jedoch in der Aussprache und Bedeutung sich unterscheidet, z.B. Tenor, mask. [te "no: 6 ^] vs. Tenor, mask. [ "teno: 6 ^], Bedeutung: der Sänger vs. die gemeinsame Gruppenmeinung.

Man unterscheidet zwei Arten von Homonymie: die totale Homonymie liegt vor, wenn die Lexeme in allen Formenspektren übereinstimmen, außer in ihrer Bedeutung (z.B. die Weiche (Weichheit) vs. die Weiche (Eisenbahnschiene oder Körperflanke). Fest steht, dass solche Fälle äußerst selten sind. Eine partielle Homonymie liegt vor, wenn die Lexeme manche Formenaspekte gleich haben: z.B. Bank/Bänke, fem.vs. Bank/Banken, fem.

Homonyme sind also Ausdrücke gleicher Laut- und Schreibweise, die aber dennoch unterschiedliche Bedeutungen haben. Deswegen sind Wörter mit solchen Eigenschaften auch als Lexeme getrennt in Wörterbüchern aufgeführt. Wenn man die Ursprünge dieser Wörter und deren Bedeutung zurückverfolgt, wird man auf unterschiedliche Quellen stoßen. Es wird eventuell eine Bedeutungsnähe erkennbar sein, Synonymie jedoch nie.

Im weiteren Verlauf der Seminararbeit soll die Entstehung der Polysemie sowie die Arten und Voraussetzungen der Homonymie beschrieben werden.

Schierholz unterstellt diesen Ansätzen, dass sie häufig von subjektiven Entscheidungen und Institutionen der Untersuchenden beeinflusst sind. Ferner bemängelt er, dass zu einer klaren Differenzierung von Polysemie und Homonymie weitgehende Uneinigkeit herrscht. (Schierholz, 1991: 64)

Der zweite Teil der Seminararbeit beschäftigt sich mit dem quantitativen Ansatz von Schierholz. Es geht darum, die Existenz der Polysemie zu klären. Hierbei soll der quantitative Forschungsansatz aufgezeigt werden, da die bisherigen Methoden keine quantitativen Ergebnisse über die Existenz der Polysemie liefern. Außerdem soll aufgezeigt werden, dass empirische Methoden sowohl in der Lexikologie als auch in anderen Forschungsgebieten der Linguistik aufschlussreiche Resultate ergeben können (Schierholz, 1991 Vorwort).

3. Traditionelle Ansätze zur Unterscheidung von Polysemie und Homonymie aus der wissenschaftlichen Literatur

3.1. Die Polysemie (nach Schippan, 1984)

Die Polysemie ist nach Edgar W. Schneider (1988) als „ Mehrdeutigkeit oder Vieldeutigkeit von Wörtern" definiert. Nach Bußmann (2002: 524) bedeutet der Terminus Polysemie übersetzt « Mehrdeutigkeit » und zwar insofern, als ein einziges sprachliches Zeichen, also ein Ausdruck, zwei oder mehr Bedeutungen aufweist, welche etwas miteinander gemein haben und sich unter Umständen aus einer einzigen Grundbedeutung ableiten lassen. Die Bedeutungseigenschaft bezieht sich somit auf ein und dasselbe Lexem mit identischer Form, wobei sich unter dieser Form verschiedene Inhalte zusammenfassen lassen. Wenn man in einem Wörterbuch nachschlägt, wird man diese Inhalte unter einem Oberbegriff finden. Ein Lexem ist also polysem, wenn es mehrere miteinander verbundene Bedeutungen beziehungsweise Bedeutungsvarianten aufweist. Was unter mehrere miteinander verbundene Bedeutungen beziehungsweise Bedeutungsvarianten` zu verstehen ist, wird unter den Punkten 3.1.2 - 3.1.4 erläutert.

Ein konkretes Beispiel von Polysemie zeigt, dass das Adjektiv „ alt" mehrere Bedeutungsvarianten hat (Löbner, 2003: 60):

- als Gegenteil von „ neu" bezieht es sich auf die Dauer des bisherigen Gebrauchs oder des Bestehens eines Gegenstandes (z.B. altes Auto, altes Haus)
- als Gegenteil von „ jung" gibt es die bisherige Lebenszeit von Dingen oder auch von Unbelebtem an, das eine innere Entwicklung durchläuft (z.B. alter Wein, alte Sprache)
- „ alt" kann auch etwas zeitlich Zurückliegendes bezeichnen (z.B. die alten Römer)

Polysemie kann ebenso als das Ergebnis einer natürlichen ökonomischen Tendenz von Sprache definiert werden. Anstatt neue Ausdrücke zu erfinden, wählen Sprachgemeinschaften meistens den Weg, bei dem sie für die neuen Zwecke auf bereits verfügbare Ausdrücke mit ähnlicher Bedeutung zurückgreifen. Dieser Wandel bzw. diese Entwicklung ist vorwiegend geeignet, um die terminologischen Bedürfnisse der Wissenschaft zu befriedigen. Neue Fachausdrücke werden erfunden, aber meistens bedient sich die Wissenschaft bereits vorhandener Ausdrücke, für die sie eine besondere zusätzliche Bedeutungsvariante festlegt.

3.1.1. Entstehung der Polysemie

Nach Schippan ist die Polysemie aufgrund einer Bedeutungsextension bzw. durch eine Bedeutungsdifferenzierung entstanden, wobei im Falle der Bedeutungsextension ein Lexem auf weitere Denotate[2] angewandt wird, wodurch die Erweiterung des Bedeutungsumfangs ermöglicht wird.

Mit der Bedeutungsdifferenzierung ist gemeint, dass mehrere Lexeme der gleichen Bedeutung entsprechen. Als Beispiel wird hier eine ältere Form der Bedeutungsdifferenzierung angeführt. Die Formen Knabe und Knappe sind im Mittelhochdeutschen vollständig gleichbedeutend und vereinigen beide die verschiedenen neuhochdeutschen Bedeutungen in sich. Ebenso werden Raben (=nhd. Rabe) und Rappe beide zur Bezeichnung des Vogels verwendet, während heutzutage in der Schriftsprache Rappe auf die metaphorische Verwendung für ein schwarzes Pferd beschränkt ist. Eine dritte Form, Rappen (durch den Kasus Nominativ mit einem n) hat sich für die Münze (ursprünglich mit einem schwarzen Vogelkopf) festgesetzt, die anfänglich auch Rappe, Rapp heißt und außerdem als Rabenheller, Rabenpfennig, Rabenbatzen, Rabenvierer bezeichnet wird.

Die Polysemie verweist vor allem auch auf die metaphorischen und metonymischen Beziehungen zwischen Sememen[3].

3.1.2 Metaphorische Beziehungen als Ausdruck der Mehrdeutigkeit

Eine metaphorische Beziehung[4] kommt zustande, wenn zwei Sememe Ähnlichkeitsbeziehungen aufweisen. Dadurch weisen metaphorisch verbundene Sememe ein oder mehrere Seme gemeinsam auf.

Von einem lexikalisch metaphorischen Semem kann aber erst gesprochen werden, wenn die metaphorische Verwendung fest geworden ist. Dies ist problematisch, da Metapher die Eigenschaft haben im Laufe der Zeit zu verblassen, so dass im Bewusstsein des Sprachträgers allmählich die Vergleichsmerkmale und damit auch die Ähnlichkeitsbeziehungen verloren gehen. Dieser Prozess hat zur Folge, dass aus Polysemen Homonyme werden, da die Bedeutungsverschiedenheit nicht mehr auf ein Wort sondern auf mehrere zurückzuführen ist.

Aufgrund verlorener Vergleichsmerkmale beim Sprachträger ist eine genaue Trennung der Polysemie und Homonymie nur schwer möglich, denn es kann keine Aussage getroffen werden, welche Vergleichsmerkmale als noch bekannt vorausgesetzt werden können.

Folgende Beispiele veranschaulichen die Bedeutungsverschiedenheit von Polysemen:

(1) Er ist ein Fuchs -Vergleichsmerkmal - ,listig' (Mensch)
(2) Er reite den Fuchs -Vergleichsmerkmal - ,rotfarben’ (Pferd)
(3) Der Wind singt -Vergleichsmerkmal - , melodisch gebunden'

Ein weiterer Bereich, in dem Metapher vorkommen, ist die metaphorische Verwendung von Tierbezeichnungen oder Bezeichnungen von Körperteilen von Tieren für Gegenstände:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Häufig treten auch Sachbezeichnungen als metaphorisch gewonnene Körperteilbezeichnungen auf:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Vgl. Bergmann 1973 und 1977, Schippan 2002, Ullmann 1973, Wichter 1988

[2] (lat. denotare = bezeichnen): Außersprachliches Phänomen, das von einem Sprecher mit einem bestimmten sprachlichen Zeichen gemeint wird, w. B. das Wort Tisch bezieht sich auf einen physikalisch klar bestimmbaren Gebrauchsgegenstand

[3] Ein Semem ist eine (usuelle, lexikalisierte) Bedeutungsvariante eines Lexems. Viele Lexeme tragen nicht nur eine Bedeutung, sondern gleich mehrere.

[4] Metapher (griech. lat.): bildliche Übertragung, besonders eines konkreten Begriffs auf einen abstakten auf Grund eines Bergreichs, Bild (z. B. das Haupt der Familie); nach : Duden - das große Fremdwörterbuch

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Nominalphrase/Determinationsphrase im Deutschen
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für Linguistik Abteilung germanistische Linguistik)
Veranstaltung
Struktur der Nominalgruppen
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V55326
ISBN (eBook)
9783638503167
ISBN (Buch)
9783638775625
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nominalphrase/Determinationsphrase, Deutschen, Struktur, Nominalgruppen
Arbeit zitieren
Claudia Nickel (Autor), 2005, Die Nominalphrase/Determinationsphrase im Deutschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55326

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