Schule und Jugendhilfe sind die wichtigsten Einrichtungen öffentlicher Erziehung und Erziehungshilfen. Die Schule qualifiziert den gesamten gesellschaftlichen Nachwuchs, liest aus und weist in Berufspositionen ein. Die Jugendhilfe begleitet diesen Qualifikations- und Selektionsprozess, indem sie dann eingreift, wenn eine normale Sozialisation von Jugendlichen gefährdet erscheint.
Trotz der offensichtlichen Wichtigkeit des Themas, gab es in der Bundesrepublik Deutschland jahrelang so gut wie keine Diskussionen, die das Verhältnis zwischen Schule und Jugendhilfe beleuchten. Somit fiel es auch schwer eine wirkliche Beziehung zwischen Schul- und Sozialpädagogik aufzubauen. Erst Ende der siebziger Jahre entstand mit der Schulsozialarbeit eine Kooperationsform zwischen Schule und Jugendhilfe.
Doch was ist Schulsozialarbeit eigentlich und was soll mit ihr erreicht werden? Im Verlauf meiner Hausarbeit versuche ich zu klären, was der komplexe Begriff Schulsozialarbeit beinhaltet. Bei der Beantwortung dieser Frage werde ich mich zunächst der Notwendigkeit von Schulsozialarbeit zuwenden. Im weiteren Verlauf soll diskutiert werden, welche Zielgruppen mit welchen Handlungsweisen angesprochen werden sollen, um damit ein Bild von den Aufgaben und Tätigkeitsfeldern zu vermitteln. Weiterhin werde ich versuchen, die Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe zu beleuchten. Um dies effektiv tun zu können, habe ich mich entschieden zwei Kooperationsformen vorzustellen, das distanzierte und das integrative Modell. Abschließend werde ich kurz auf das Verhältnis von Lehrer und Schulsozialarbeiter eingehen, das von der Literatur oft als Hassliebe charakterisiert wird.
Am Ende dieser Einleitung möchte ich nun noch kurz auf die Literaturlage eingehen. Erschwerend kam bei der Besprechung des Themas hinzu, dass in der Fülle der Publikationen wenig aktuelles Material zu finden war. Daraus resultiert, dass ich mich zum Grossteil auf das Buch von Matthias Drilling und auf die drei Zeitschriftenartikel von Wilfried Wulfers beziehen werde. Trotzdem habe ich versucht, dem Leser im folgenden den größtmöglichen Einblick zum Thema Schulsozialarbeit zu vermitteln.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schulsozialarbeit: Was ist das überhaupt?
2.1 Ein Definitionsversuch
2.2 Schulsozialarbeit als Reaktion auf eine veränderte Lebenswelt
2.3 Ziele, Aufgaben und Tätigkeitsfelder der Schulsozialarbeit
3. Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe
3.1 Das distanzierte Modell
3.2 Das integrative Modell
3.3 Die „Kooperation“ von Lehrer und Sozialarbeiter
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeit und den Stellenwert der Schulsozialarbeit vor dem Hintergrund sich wandelnder gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Dabei steht die Forschungsfrage im Zentrum, wie die Zusammenarbeit zwischen Schule und Jugendhilfe effektiv gestaltet werden kann, um den komplexen Anforderungen an die Förderung und soziale Unterstützung von Schülern gerecht zu werden.
- Veränderte Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen
- Aufgaben und Tätigkeitsfelder der Schulsozialarbeit
- Modelle der Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe
- Spannungsfelder im professionellen Verhältnis von Lehrern und Sozialarbeitern
Auszug aus dem Buch
3.1 Das distanzierte Modell
Bei diesem Modell sind Schule und Schulsozialarbeit in zwei Bereiche getrennt und beide Berufsgruppen sind unterschiedlichen Trägern unterstellt. Die Schulsozialarbeit ist in der Regel nicht im Schulhaus untergebracht und Schule und Soziale Arbeit kooperieren in loser Form.(vgl. Barz 1981, S. 9-10) Dabei geht man von der Auffassung aus, dass Schule und Jugendhilfe unterschiedliche Aufgaben und Arbeitsbereiche haben, denen spezifische Vor- und Nachteile eigen sind. Dieses Konzept zeichnet sich dadurch aus, dass die Zuständigkeiten von Schule und Schulsozialarbeit klar geregelt sind. Dort, wo die Schule bzw. die Lehrer den Bedarf sehen, werden Schulsozialarbeiter in die Schule geholt. Deshalb kommt es in den meisten Fällen eher zu einem Nebeneinander von Schule und Schulsozialarbeit, als zu einem Miteinander. Die Praxis zeigt, dass Abgrenzung und Differenzierung eher Kooperation verhindert und ein distanziertes Verhältnis zwischen Schule und Sozialarbeit schaffen. (vgl. Barz 1981, S.11) Das distanzierte Modell zielt aber ausdrücklich nicht darauf ab, diese räumlich organisatorische Trennung zwischen Schule und Schulsozialarbeit aufzubrechen und somit die Schulsozialarbeiter dauerhaft in der Schule anzusiedeln. (vgl. Drilling 2001, S.10) Die Zusammenarbeit reicht von Aktionstagen über Schulprojekte bis hin zur externen Schulberatung in Krisensituationen. Die Zielsetzungen dieses Modells sind aber eher kurzfristig angelegt. Und eben das reicht heutzutage nicht mehr. Somit werden Fragen aufgeworfen wie etwa: Wer unterstützt die Lehrer bei der weiteren Bearbeitung eines Problems? Oder wer garantiert, dass die Arbeit und somit die Erfolge regelmäßig überprüft werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Vernachlässigung des Verhältnisses von Schule und Jugendhilfe und führt in die zwei zentralen Kooperationsmodelle ein.
2. Schulsozialarbeit: Was ist das überhaupt?: Dieses Kapitel widmet sich der begrifflichen Definition und analysiert, wie gesellschaftlicher Wandel neue Anforderungen an die schulische Sozialisation stellt.
3. Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe: Es werden zwei wesentliche Organisationsmodelle vorgestellt und die spezifischen Konfliktpotentiale in der täglichen Zusammenarbeit von Lehrern und Sozialarbeitern beleuchtet.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Schulsozialarbeit kein Allheilmittel, aber ein notwendiger Bestandteil einer modernen, sozialpädagogisch orientierten Schule ist.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten fachwissenschaftlichen Quellen und Publikationen.
Schlüsselwörter
Schulsozialarbeit, Jugendhilfe, Kooperation, Schule, Sozialpädagogik, Lebenswelt, Schulerfolg, Prävention, Lehrer-Sozialarbeiter-Verhältnis, integrative Modelle, distanzierte Modelle, Schulentwicklung, soziale Kompetenz, Beratungsarbeit, Krisenintervention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle und die Notwendigkeit der Schulsozialarbeit im deutschen Bildungssystem sowie die Kooperationsformen zwischen Schule und Jugendhilfe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der gesellschaftliche Wandel, die Definition der Schulsozialarbeit, die Aufgabenbereiche und die Dynamik zwischen den pädagogischen Akteuren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Komplexität des Begriffs Schulsozialarbeit zu klären und die Effektivität verschiedener Kooperationsmodelle in der Praxis kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse und fachwissenschaftliche Diskurse zur Schnittstelle von Schule und Sozialpädagogik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Veränderung der Lebenswelten von Jugendlichen, die Zielgruppen und Aufgaben der Schulsozialarbeit sowie die zwei Hauptmodelle: das distanzierte und das integrative Modell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Schulsozialarbeit, Kooperation, Lebensweltorientierung und die professionelle Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe charakterisiert.
Was unterscheidet das distanzierte vom integrativen Modell?
Das distanzierte Modell basiert auf einer räumlichen und organisatorischen Trennung bei loser Kooperation, während das integrative Modell die Schulsozialarbeit fest im Schulalltag verankert.
Warum wird das Verhältnis von Lehrern und Sozialarbeitern oft als "Hassliebe" bezeichnet?
Aufgrund unterschiedlicher Zielvorstellungen, Vorurteilen bezüglich des Status und der Sorge der Lehrkräfte um ihre pädagogische Autonomie entstehen häufig Konflikte, die eine echte Kooperation erschweren.
- Arbeit zitieren
- Andreas Janowski (Autor:in), 2002, Schulsozialarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5533