Peter Petersens Jena-Plan

Zum Jena-Plan in der Schulpraxis


Seminararbeit, 2005

11 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Peter Petersen – Leben und Werk im Umriss

3. Der Jena-Plan in der Schulpraxis
3.1. Stammgruppen statt Jahresklassen
3.2. Wochenarbeitsplan statt Fetzenstundenplan
3.3. Kurse zur Sicherung des Mindestwissens
3.4. Arbeits- und Leistungsberichte statt Zensuren
3.5. Schulwohnstube als Raum für soziale und stille Erziehung
3.6. Pädagogische Haltung

4. Jena-Plan im Diskurs

5. Schlussbetrachtung

1. Einleitung

Oft erleben viele Jugendliche die Schulzeit lediglich als unvermeidbare Durchgangsstrecke zum späteren Erwerbsleben, weil die Schule die Kernfragen der jungen Menschen kaum berühren. Berechtigungsscheine, Fachwissen, Noten, Konflikte mit unzufriedenen Eltern und Lehrern belasten immer mehr die Schul- und Entwicklungsjahre. Als Folge kann man neurotische Störungen, Schulangst und Schulverdrossenheit feststellen. Anstelle von Arbeitsfreude tritt Leistungsehrgeiz und Konkurrenzverhalten zwischen den Jugendlichen. Nach den schlechten Ergebnissen in Vergleichenden Schultestreihen (zum Beispiel Pisa), werden die heutigen Schulkonzepte in Frage gestellt. Diese aktuelle Situation lässt eine Beschäftigung mit einen der führenden Reformpädagogen als sinnvoll erscheinen.

Laut Peter Petersen können Schulen auch anders sein, indem sie den Jugendlichen ausreichende Freiräume geben, damit sie zur Eigentätigkeit, wie auch zu gemeinschaftlichen Unternehmungen angeregt werden. Kernpunkt bei der Schulreform ist die Auflockerung der Schule als Institution zu einer freien Lebensstätte der Jugend. Peter Petersen gehört zu den Pädagogen die Erziehungs- und Bildungsarbeit der Sozialform Schule erkannten und in Modellschulen umzusetzen versuchten.

In meinem Freundeskreis wurde ich das erste Mal mit diesem Thema konfrontiert, da ein guter Freund auf die Jena-Plan-Schule gegangen ist. Selbst besuchte ich die „typische“ Grundschule und das „typische“ Gymnasium mit Jahrgangsklassen, die zu der überwiegenden Unterrichtsform in Deutschland zählen. Ich habe mich damals nicht so sehr mit diesem Thema beschäftigt, aber im Nachhinein frage ich mich, ob sich die Kinder, die auf eine Jena-Plan-Schule, oder eine andere reformpädagogische Schule gegangen sind, anders entwickelt haben als jene, die die überwiegende Unterrichtsform erfahren haben. Kann diese Form die Kinder nicht genau so gut auf ein eigenständiges Leben vorbereiten? Welche Argumente sprechen für Jena-Plan, welche dagegen?

Eine mögliche Argumentation möchte ich im Kapitel 4 beginnen, wobei ich durch die begrenzte Seitenzahl nicht alle Thesen auffassen kann. Zuvor möchte ich kurz Leben und Werk von Peter Petersen beleuchten und anschließend einen Einblick des Jena-Plan in der Schulpraxis geben.

2. Peter Petersen – Leben und Werk im Umriss

Ich kann freilich nicht sagen,
ob es besser werden wird,
wenn es anders wird;
aber soviel kann ich sagen,
es muss anders werden,
wenn es gut werden soll.
Lichtenberg

Am 26. Juni 1884 wird Peter Petersen in Großenwiehe bei Flensburg geboren und wächst als ältestes von sieben Kindern auf. 1890 - 1896 besuchte Petersen die einklassige Dorfschule und ab 1896 das Gymnasium Flensburg. 1904 absolvierte er das Abitur und begann mit dem Studium in Leipzig, danach in Kiel, Kopenhagen und Posen, und kehrte letztendlich zurück an die Universität in Leipzig. Er studierte Philosophie, Psychologie, Theologie, Geschichte, Philologie, Englisch, Hebräisch und Nationalökonomie und wurde in die empirische Forschung durch den Psychologen Wilhelm Wundt eingeführt. 1908 bekam er Promotion an der Philosophischen Fakultät der Universität Jena mit einer Dissertation über die Philosophie. 1911 erlangte er eine Anstellung als Oberlehrer.

Peter Petersen übernahm 1912 die Geschäftsführung im Vorstand des Bundes für Schulreform. Außerdem war er Schriftführer im (umbenannten) Deutschen Ausschuß für Erziehung und Unterricht. Die Leitung der Lichtwarkschule in Hamburg übernahm Petersen 1920. 1924 folgte die Eröffnung der Erziehungswissenschaftlichen Anstalt (EA).
Petersen besuchte 1927 den Weltkongress des "Bundes für Erneuerung der Erziehung" in Locarno, hier wurde der Name "Jena-Plan" für Petersens pädagogischen Ansatz geprägt, den er im sog. „Kleinen Jenaplan“ komprimiert vorstellt. 1930 wurde er Mitglied im Vorstand des „Internationalen Kongresses für Sittliche Erziehung“. 1950 wurde seine Schule als ein reaktionäres, politisch gefährliches Überbleibsel aus der Weimarer Republik geschlossen. Peter Petersen verstarb am 21. März 1952 in Jena.

(vgl. Eichelberger, Wilhelm, 2000, S.28ff.)

3. Der Jena-Plan in der Schulpraxis

3.1. Stammgruppen statt Jahresklassen

Peter Peterson schreibt zur Thematik Gruppierung:

„ Auf diese Weise kommt es zur Selbsterziehung der Gruppen und eines jeden Schülers in ihr gerade mit ihrer Hilfe (der Schulgemeinde, K.B.), dadurch zur Entfaltung des Persönlichen Lebens in den Einzelnen; denn einzig und allein in der Gemeinschaft und durch sie kann die Individualität zur Persönlichkeit werden und sich als Persönlichkeit behaupten.“

(Seitz, 2001, S.132)

Beispielsweise stellt in einer Jena-Plan-Grundschule die altersheterogene Stammgruppe die Basisgruppierung dar, in der Kinder den allergrößten Teil der Schulzeit zusammen sind und (nicht an eine Jahrgangsgruppe gebunden) sprechen, spielen, arbeiten und feiern. Es gibt die Dreiteilung in die Stufen des Unter-, Mittel- und Oberbaus, außerdem werden in der Stammgruppe frei gewählte Tischgruppen von drei oder vier Kindern gebildet. Es sind auch stammgruppenübergreifende Gruppierungsformen möglich. Pädagogisch gesehen ist die Stammgruppe gegenüber der Jahrgangsklasse eine wesentliche Weiterentwicklung. Die Vorteile einer Stammgruppe liegen im sozialen Engagement der Schüler. Sie haben die Möglichkeit, sich bei der Bewältigung des Lernstoffs gegenseitig zu unterstützen. Schulneulinge wachsen besser in die vorhandene Gruppenorganisation hinein. Die Stammgruppe wird von dem Lehrer geleitet, dessen Funktion darin besteht, wie ein Trainer zu agieren.

3.2. Wochenarbeitsplan statt Fetzenstundenplan

Die Strukturierung der wesentlichen Tätigkeiten von Schülern und Lehrern, eigentlich der gesamten Schulgemeinde, im Sinne eines Wochenplans ist neben dem Stammgruppenprinzip – der Auflösung der Jahresklassen – das zweite Herzstück der Jena-Plan Pädagogik Peter Petersens. Einerseits wird damit an einer Planlegung von Unterricht bzw. von Schulleben festgehalten, andererseits jedoch einer rigiden Durchorganisation von Lehr- und Lernaktivitäten im Schematismus des Fächer- und Stundenunterrichts eine Absage erteilt. Die Organisation der Unterrichtswoche geschieht nicht mehr unter dem Blickwinkel nicht oder wenig kinderorientierten Kriterien wie z.B. fachspezifische Einteilungen, institutionelle Zwänge etc., sondern geht von einem allgemeinen Bedürfnis des Kindes nach zeitlicher Strukturierung bzw. von kindspezifischen Voraussetzungen des effektiven Lernen aus.

(vgl. Eichelberger, Wilhelm, 2000, S.173)

Die Gestaltung des Schullebens, die Verwirklichung der Idee der Erziehung und der Stammgruppenaufbau erfordern eine Umgestaltung des Stundenplans. Kinder können in diesem Fall nicht nach einem herkömmlichen Stundenplan miteinander arbeiten. Peter Petersen setzt daher an die Stelle des sogenannten „Fetzenstundenplanes“ den Begriff Wochenarbeitsplan. Dieser Arbeitsplan soll sich an Tages- und Wochenarbeitsrhythmus der Kinder anpassen. Es werden die Leistungshöhepunkte der Tagesarbeitskurve (10,15,16 Uhr) und die Wochenarbeitskurve (zum Mittwoch hin aufsteigend, dann fallend) berücksichtigt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Peter Petersens Jena-Plan
Untertitel
Zum Jena-Plan in der Schulpraxis
Hochschule
Berufsakademie Sachsen in Breitenbrunn
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
11
Katalognummer
V55335
ISBN (eBook)
9783638503235
ISBN (Buch)
9783638886505
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Peter, Petersens, Jena-Plan
Arbeit zitieren
Christin Seidler (Autor), 2005, Peter Petersens Jena-Plan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55335

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