Jugendmedium Radio - Nutzungsmotive und Funktionen


Seminararbeit, 2004

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte des Radios

3. Das Radio als Medium der Jugend
3.1. Funktionen des Radios im Leben Jugendlicher
3.2. Nutzungsmotive für Jugendliche
3.2.1.quantitative Nutzung
3.2.2.qualitative Nutzung

4. Radio und Neue Medien in Konkurrenz um die Aufmerksamkeit der Jugendlichen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Nutzungsentwicklung von Radio und Fernsehen 1964-1995

Abbildung 2: Mediennutzung Jugendlicher (14-19 Jahre) an Werktagen

Abbildung 3: Wichtigkeit von Radiobeiträgen bei Jugendlichen 1998 und 2002

Abbildung 4: Medienfunktionen 1998 und 2003

Abbildung 5: Nutzung audiovisueller Medien durch 14- bis 19-Jährige

Abbildung 6: Medienbindung Jugendlicher

1. Einleitung

Das Massenmedium Radio ist mittlerweile zu einem selbstverständlichen Bestandteil im Alltag westlicher Kulturen geworden. Nach seinem Aufkommen in Deutschland in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts machte es bis heute vielfältige Entwicklungen durch. Propagandamedium, Primär- und schließlich Sekundärmedium - die Funktionen und Möglichkeiten des Radios sind mannigfaltig und wandelten sich in den einzelnen Epochen.

Auch heute, mehr als 80 Jahre nach der ersten Sendung, ist das Radio bei weitem noch nicht verschwunden. Im Gegenteil, es ist aus vielen Situationen des alltäglichen Lebens nicht mehr weg zu denken. Allerdings wird sein Fehlen meist bewusster als seine Anwesenheit wahrgenommen. Egal ob am Frühstückstisch, im Supermarkt, bei der Autofahrt oder im Praxiswartezimmer - das Radio ist nahezu überall präsent und durchdringt die sonst anscheinend so unerträgliche Stille.

War in seinen Anfangsjahren das Radio für einen Großteil der Bevölkerung neben Tageszeitungen das einzige, im Vergleich zu ihnen jedoch bedeutend schnellere Medium um an Informationen zu gelangen, erhielt es im Laufe der Jahre und Jahrzehnte in Form des Fernsehens und seit neuestem auch des Internets immer mehr Konkurrenten.

Besonders jetzt, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, befindet sich die Medienlandschaft in Deutschland im Umbruch. Zwar betreffen diese Entwicklungen und technischen Innovationen alle Altersgruppen, besonders involviert sind jedoch die Jugendlichen. Im Gegensatz zur älteren Bevölkerung, die oft schwerfällig und notgedrungen versucht, sich mit medialen Neuerungen anzufreunden, lernt die Gruppe der 14-19-Jährigen deren Umgang als quasi selbstverständlichen Teil ihres Lebens kennen und zu schätzen.

Hier stellt sich nun die Frage, welche Rolle das traditionelle Medium Radio in der heutigen Zeit besonders für die junge Generation besitzt. Wählt sie aus dem vielfältigen und ständig wachsenden Medienangebot noch das „gute alte Radio“ aus? Wenn ja, aus welchen Beweggründen geschieht dies? Hat sich die Hörfunknutzung durch Jugendliche sowie deren Motive im Laufe der Zeit ebenso gewandelt wie die Rolle des Radios selbst?

Diesen Fragen soll nun im Folgenden auf den Grund gegangen werden.

2. Geschichtlicher Abriss zur Entwicklung des Radios (mit Schwerpunkt Deutschland)

Im Jahre 1888 legte der deutsche Physiker Heinrich Hertz durch die Entdeckung elektromagnetischer Wellen den Grundstein für die Entstehung des Radios. Mit der dadurch eingeleiteten Entwicklung der Funktechnik begann das Zeitalter des Hörfunks.

In den USA, von wo die Entwicklung des Radios hauptsächlich ausging, wurde am Weihnachtsabend des Jahres 1906 bereits die erste Radiosendung ausgestrahlt. Damals konnte man auf den Schiffen, die im New Yorker Hafen lagen, klassische Musik und Bibelzitate empfangen. 1922 gab es in den Vereinigten Staaten bereits über 220 Rundfunkstationen und 2,5 Millionen Empfangsgeräte. Im Äther des damaligen Deutschen Reiches herrschte hingegen noch Funkstille - solange, bis alle Rechts- und Kompetenzfragen zwischen Behörden, Ministerien, der Reichspost und den Radioproduzenten geklärt waren.

Nach zwei Jahrzehnten des Experimentierens und der Erprobung setzte sich 1923 der „Rundfunk-Vater“ (Faulstich 1995: 238) Hans Bredow mit seiner Idee eines öffentlichen Unterhaltungs- und „Erbauungs“-Hörfunks in Deutschland durch. So begann am 29. Oktober um 20 Uhr mit einer einstündigen Übertra- gung von Kammermusik aus dem Vox-Haus in Berlin auf Welle 400 Meter offi- ziell der deutsche Hörfunk als „Deutsche Stunde AG“, dessen Empfang bereits damals genehmigungs- und mit zwei Reichsmark pro Monat gebührenpflichtig war.

Die in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eingeleitete Entwicklung des Radios zum Massenmedium ging auch im folgenden Jahrzehnt rasch voran. So waren zu Beginn der 30er Jahre bereits mehr als vier Millionen „als Rundfunk- empfangsgeräte geeignete Hörstellen“, wie Radiogeräte im Rundfunk-Staats- vertrag definiert werden (vgl. Faulstich 1995: 235), angemeldet und das Hörfunk- publikum wuchs von zirka 100 000 Hörern im Jahr 1924 auf über 5 Millionen Rundfunkteilnehmer im Jahr 1934 an. Dieser sprunghafte Anstieg lag haupt- sächlich an der Ausnutzung des Rundfunks als Propagandamedium durch die Nationalsozialisten. Allerdings wurde dadurch auch die technische Entwicklung des Radios erheblich vorangetrieben und staatliche Subventionen führten dazu, dass sich nahezu jeder Haushalt ein Radiogerät leisten konnte und die Anzahl der Rundfunkteilnehmer bis zum Ende des Krieges auf 15 Millionen anstieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland sage und schreibe über fünfhundert Sender. Diese wurden zunächst von den Siegermächten über- nommen (vgl. Faulstich 1995: 240) und in der Folgezeit so gefördert und um- strukturiert, dass der Rundfunk rasch zur Information und Umerziehung der Deut- schen eingesetzt werden konnte. Zur demokratischen Organisation des Rund- funks wurde das britische Modell des öffentlich-rechtlichen Rundfunks übernom- men, da dieses am besten für die Entwicklung eines politisch unabhängigen pub- lizistischen Massenmediums taugte. Nach den Entwicklungen zu NS-Zeiten war staatlicher Rundfunk ausgeschlossen und privater Rundfunk nach amerika- nischem Vorbild aufgrund der Kriegsschäden wirtschaftlich nicht möglich.

Die 50er Jahre waren die Blütezeit des Radios, welches sich nun als „‚elektro- nischer Gast’ und allgegenwärtiges Unterhaltungsmedium“ durchgesetzt (Faulstich 1995: 240) und zum Primärmedium entwickelt hatte. Allein dem Radio- programm galt die gesamte Aufmerksamkeit der Rezipienten, bei denen vor allem Hörspiele der große Renner waren. Als das Fernsehen als neuer Konkur- rent auftauchte und gegen Ende der 60er Jahre bereits über 4,5 Millionen der deutschen Haushalte ein Fernsehgerät besaßen, drohte das Radio in der Ver- senkung zu verschwinden, da alles, was zuvor das Radio seinen Hörern bot, jetzt das Fernsehen auch im Angebot hatte und die Radio-Programmmacher nur lang- sam oder gar nicht auf diese neue Entwicklung reagierten.

Durch die in den 60er Jahren aufkommende Hörerforschung wandelten sich die Radioprogramme zu einem tagesbegleitendem Medium, welches zum einen die steigende Flut an Informationen in verdaulichen Portionen darbot und zum ande- ren ein unterhaltsames Umfeld schaffte. Das Radio wurde mobil und als „Neben- beimedium“ ständiger Begleiter der Bevölkerung, egal ob in der Berufswelt, im Auto oder in der Freizeit. Die Gerätepreise fielen und so stieg bis Mitte der 80er Jahre der Prozentsatz der deutschen Haushalte mit mindestens einem Radioge- rät auf 98Prozent an. Der im Jahr 1985 erhobene tägliche Konsum der Bundes- bürger von Massenmedien lag bei 6 Stunden, wovon rund 45 Prozent auf das Radio, hingegen lediglich 34 Prozent auf das Fernsehen fielen.

Nach vorübergehenden Einbrüchen in den 60er und 70er Jahren zugunsten des Fernsehkonsums, liegt der Hörfunk seit etwa 1980 sowohl bezüglich der Verweildauer als auch im Hinblick auf die Gesamtzeit, die der Hörer dem Radiokonsum widmet, wieder über dem Fernsehen (vgl. Abbildung 1).

Abb. 1: Nutzungsentwicklung Radio und Fernsehen 1964-1995

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

nach Berg/Kiefer: Massenkommunikation V, 1995

In den 70er Jahren geriet das zunehmend unausgewogene Programm des öf- fentlich-rechtlichen Rundfunks zunehmend in die Kritik, da sich dieses mehr und mehr zugunsten der jeweils im Kontrollgremium vertretenen Partei entwickelte. Zudem stieg der Bedarf der Wirtschaft an den im öffentlich-rechtlichen Rundfunk begrenzten Werbezeiten. Somit entstanden 1885 und 1987 die ersten Privat- radiosender. Das duale Rundfunksystem war geboren. Im Jahr 2003 konnten die deutschen Hörer bereits aus mehr als 323 Radioprogrammen wählen (Media Analyse 2003), Tendenz steigend. Zahlen wie 40,92 Millionen angemeldete Hör- funkgeräte in Deutschland (Statistisches Bundesamt, zit. nach: www.ard.de) sowie der Angabe von rund 95 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung als Nutzerkreis des Mediums Radio im selben Jahr (Klingler/Müller 2003: 415), lassen ebenso wie neue Entwicklungen1 vermuten, dass auch 2004 bei der Entfaltung des Massenmediums Radio noch kein Ende in Sicht ist.

Allerdings: Die aktuellen Daten des Jahres 2003, welche erwartungsgemäß einen Anstieg der Nutzung audiovisueller Medien2 auf mehr als 7 Stunden täglich zeigen (www.ard.de), offenbaren auch eine Umverteilung der Medienzuwendung in der Bevölkerung. Seinen 1985 noch vorhandenen Vorsprung von rund 10 Pro- zentpunkten gegenüber dem Fernsehen musste das Radio im Laufe der Jahre abgeben, sodass letzteres mit 200 Minuten täglicher Publikumszuwendung (45%) nun knapp vor dem Hörfunk, dem pro Tag durchschnittlich 195 Minuten (44%) gewidmet werden, liegt.

3. Das Radio als Medium der Jugend

Hauptsächlich seit Einführung der Dritten Wellen der öffentlich-rechtlichen Rund- funkanstalten3 Anfang der 70er Jahre gilt der Hörfunk als Medium mit besonderer Bedeutung, speziell für die jeweils heranwachsende Generation. Diese gilt be- sonders seit dem vergangenen Jahrzehnt als immer kompliziertere Zielgruppe, der in zunehmendem Maße nachsagt wird, „nur noch rudimentäre Vorstellungen von den vielfältigen kommunikativen Möglichkeiten des Mediums Radio“ zu be- sitzen oder gar „für anspruchsvolles Radio nicht aufschließbar zu sein“ (Oehmichen 1998: 61). Welche Rolle der Hörfunk für sie, besonders Ende des 20. beziehungsweise zu Beginn des 21. Jahrhunderts, nun tatsächlich spielt, sei im Folgenden beleuchtet.

3.1. Funktionen des Radios im Leben Jugendlicher

Das Massenmedium Radio scheint eine besondere Anziehungskraft auf seine Konsumenten zu haben, irgendetwas Besonderes in sich zu vereinen - wie sonst ist es zu erklären, dass auch nach über 80 Jahren Hörfunkgeschichte, in der das Radio nun bereits den Alltag von Groß und Klein begleitet und trotz zunehmen- der Konkurrenz durch immer neue Medien, seine Nutzung nach wie vor einen zentralen Stellenwert im Leben so vieler Menschen einnimmt? Nicht zuletzt die vergangenen 30 Jahre seitdem der Hörfunk die Jugend als besondere Zielgruppe entdeckte sowie die Tatsache, dass Radiohören trotz Fernsehen, CDs, Computer & Co. bei ihr noch nicht als „von vorgestern“ gilt, sollte Anlass genug dafür sein, seine Bedeutung für die jungen Menschen von heute zu untersuchen. Trotz die- ser offensichtlich enormen qualitativen Bedeutung gingen bisherige Forschungen meist nicht über quantitative Erhebungen hinaus und derartigen „rezipienten- orientierte[n] Fragestellungen unter psychologischer Perspektive“ (Gleich 2000: 427) wurde in Studien leider nur sporadisch nachgegangen. Die bereits erwähnte Behandlung des Radios als zwar selbstverständliches aber meist nebensäch- liches Alltagsmedium verleitet anscheinend zu dem Schluss: „Das Radio ist zwar da, ist aber nicht weiter erwähnenswert.“ (Gleich 2000: 427).

[...]


1 z.B. Satelliten- und Internetradio

2 Schallplatte, Kassette, PC, Video, Fernsehen, Radio

3 z.B. Pop- und Servicewellen des Bayerischen und Hessischen Rundfunks

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Jugendmedium Radio - Nutzungsmotive und Funktionen
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Veranstaltung
Medienwirkung I: Das aktive Publikum
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V55348
ISBN (eBook)
9783638503273
ISBN (Buch)
9783638752114
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendmedium, Radio, Nutzungsmotive, Funktionen, Medienwirkung, Publikum
Arbeit zitieren
Nicole Fleischmann (Autor), 2004, Jugendmedium Radio - Nutzungsmotive und Funktionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55348

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