Deutsche Dialekte im Allgemeinen


Seminararbeit, 2005

28 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe


Inhalt

0. Vorwort

1. Sprache und Dialekt
1.1. Definition: Sprache
1.2. Definition: Hochsprache
1.3. Definition: Gemeinsprache
1.4. Definition: Umgangssprache
1.5. Definition: Dialekt

2. Definitorisches: Dialekt vs. Sprache

3. Verteilung der deutschen Mundarten um 1900

4. Deutsche Mundarten im deutschsprachigen Raum und die Ansiedlung der Deutschen je nach Ursprung

5. Die Benrather Linie und ihre Weiterführung

6. Deutsche Mundarten und Dialekte und ihre Einteilung

7. Die zweite Lautverschiebung als Kriterium der Dialektgliederung im deutschen Sprachraum

8. Weitere strukturbildende Faktoren für die Sprachentwicklung in der deutsche Dialektlandschaft

9. Geographische Verteilung der Dialektkenntnis

10. Die sozialen Schichten und ihre Sprachen

11. Wechsel zwischen Standardsprache und Dialekt

12. Hyperkorrektheit

13. Einige berühmte Vertreter deutscher Dialektsprecher

14. Schlussbemerkung

15. Abkürzungsverzeichnis

16. Literaturverzeichnis

0. Vorwort

In Mittel- und Süddeutschland, in Österreich und in der Schweiz sprechen viele Menschen auch in nicht-privaten Situationen mit einer abgeschwächten oder starken dialektalen Färbung[1]. Von Norden nach Süden (zunehmendes Nord/Südgefälle) findet der Dialekt immer mehr Akzeptant; in der Schweiz wird er auch in vielen öffentlichen Situationen gesprochen. Viele Sprachforscher teilen die Bandbreite zwischen Ortsdialekten und genormter Standardsprache in drei Schichten ein: den Ortsdialekt, eine regionale Umgangssprache und die Standardsprache.

1. Sprache und Dialekt

Als bisher unbefriedigend gelten die bis zur Gegenwart andauernden Versuche Dialekt und Sprache voneinander abzugrenzen, auch ist es - wohl aufgrund individuell abweichender Verhältnisse - offenbar unmöglich, hinsichtlich aller Nationalsprachen und Sprachvarietäten gemeinsam verwendbare Oberbegriffe zu finden.

Vorweg ist es notwendig einige Begriffe zu definieren, um verstehen zu können, wie sich Dialekte in das „Gesamtbild“ der Kommunikationsmittel des Menschen einfügen.

1.1. Definition: Sprache

Sprache ist ein Kommunikationsmittel des Menschen und ist gekennzeichnet durch die Verwendung arbiträrer (willkürlicher) gesprochener oder geschriebener Symbole mit festgelegter Bedeutung.

Sprache lässt sich definieren als Zeichensystem zum Zweck der Kommunikation. Im weitesten Sinn werden neben den so genannten natürlichen Sprachen auch künstliche Sprachen (wie beispielsweise Welthilfssprachen oder Programmiersprachen in der EDV) sowie die Kommunikationsmittel der Tiere dazu gerechnet.

Einige Linguisten betrachten die Sprache als Form des Denkens und der Kognition. Die Frage, wie viele Sprachen auf der Welt gesprochen werden, lässt sich nicht exakt beantworten. Die Angaben schwanken zwischen 3 000 und 5 500 Einzelsprachen. Naturgemäß ist es schwierig, Dialekte von Sprachen zu unterscheiden, da die Übergänge oft fließend sind.

Im Übrigen hängt die Antwort auch davon ab, welche Kriterien man bei der Klassifizierung der Sprachen anwendet. Bei vielen Sprachen sind die Verwandtschaftsverhältnisse noch nicht geklärt, und es besteht bei verschiedenen Sprachwissenschaftlern keine Einigkeit über die Zuordnung zu Sprachfamilien.

1.2. Definition: Hochsprache

Hochsprache ist diejenige sprachliche Varietät, die sich während der Sprachgeschichte gegenüber anderen Dialekten und Varietäten durchsetzen konnte.

Wichtigstes Kennzeichen einer Hochsprache ist die Existenz einer standardisierten schriftlichen Form. Natürliche Sprachen lassen sich unterteilen in: Hochsprache, Umgangssprache, Gemeinsprache, Dialekt, Slang und Sondersprache. In vielen Fällen wird die Hochsprache als Pendant zur Umgangssprache gesehen.

Das Aufkommen und die Erhaltung einer Hochsprache werden in vielerlei Hinsicht begünstigt: Im Rahmen von Sprachpolitik und Sprachpflege wird der häufige Gebrauch der Hochsprache in Anlehnung an die schriftsprachliche Norm gefördert. Daneben spielt auch die – künstlich geförderte – öffentliche Sprache (Sprache der Medien), die möglichst frei von dialektalen Einflüssen zu sein hat, eine Rolle.

Die Hochsprache eint zwar die Sprecher einer Landessprache, doch reicht die praktizierte Sprache der meisten Sprecher kaum an den genormten Standard heran; Hochsprache gilt zudem als künstliche Sprache.

1.3. Definition: Gemeinsprache

Im September 1534 lag bei Hans Lufft in Wittenberg der Druck der gesamten Lutherbibel in hochdeutscher Sprachform vor.

Entsprechend den Forderungen von Renaissance und Humanismus, auf die Quellen zurückzugehen, hatte Luther eine Bibelübersetzung aus der jeweiligen Ursprache, d. h. der hebräischen und der griechischen, geschaffen. Die Qualität seiner deutschen Übersetzung sollte sich von den vorhergehenden deutschen Bibeln besonders positiv abheben, denn Luther hatte entscheidend zur Entstehung einer an der Hochsprache der sächsischen Kanzlei orientierten deutschen Gemeinsprache beigetragen. Sie zeichnete sich durch ihre Anschaulichkeit und Volkstümlichkeit aus.

1.4. Definition: Umgangssprache

Umgangssprache ist die Bezeichnung für eine Sprachvarietät in Abgrenzung zur Hoch- bzw. Standardsprache.

Obwohl der Begriff Umgangssprache oft synonym mit Dialekt gebraucht wird, kann man beide Begriffe unterscheiden. Wird zwischen der Hochsprache als allgemeiner Standardsprache in Wort und Schrift und dem Dialekt als eindeutig regional anzutreffender, geographisch einzugrenzender Varietät unterschieden, so kann man Umgangssprache im Zwischenbereich dieser Endpole einordnen. Somit werden der Umgangssprache, die lediglich als gesprochene Sprache existiert, zum Teil typische Kennzeichen eines Dialekts zugeordnet, die sich durch Besonderheiten auf allen sprachlichen Ebenen zeigen (Phonologie, Lexikon, Morphologie, Syntax und Idiomatik). Sie ist jedoch insgesamt nicht so eindeutig fassbar und weist auch nicht die lange Geschichte auf, die Dialekten normalerweise zugeschrieben wird.

Daneben kann der Begriff Umgangssprache auch auf eine bestimmte stilistische Varietät bezogen werden. Sie ist dann die Sprache für den privateren Umgang in Situationen, wo die Benutzung der Hochsprache als unangemessen empfunden würde.

1.5. Definition: Dialekt

Dialekt ist die regionale Variante einer Sprache, die sich auf verschiedenen sprachlichen Ebenen, vor allem aber in der Aussprache und im Wortschatz, von der Standardsprache unterscheidet. Dialekte weisen ein ebenso großes Maß an Regelmäßigkeit und an Eignung als Kommunikationsmittel auf wie Hochsprachen. Doch gibt es meist keine schriftsprachliche Normierung der Orthographie und der Grammatik. Oft entwickelte sich der schriftliche Standard einer Sprache aus einem gesprochenen Dialekt, der von einem oder mehreren Schriftstellern verwendet wurde. Der hochdeutsche Dialekt, in dem Martin Luther die Bibel übersetzte, wurde zum Standarddeutsch.

In der Regel ist es schwierig oder unmöglich, zwischen einzelnen Dialekten oder zwischen Hochsprache und Dialekt eine scharfe Grenze zu ziehen. Die wechselseitige Verstehbarkeit zwischen Sprechern verschiedener Dialekte ist vielfach nur teilweise möglich. Wenn die gesprochenen Varianten über eine gemeinsame Schriftsprache verfügen, kann man davon sprechen, dass sie Dialekte ein und derselben Sprache sind.

2. Definitorisches: Dialekt vs. Sprache

Im Folgenden sind dazu einige exemplarische Zitate aufgelistet:

- Mundart ist „die besondere Art zu reden, wodurch sich die Einwohner einer Gegend von den Einwohnern anderer Gegenden unterscheiden, die Abweichungen einzelner Gegenden, in der gemeinschaftlichen Sprache; wohin also nicht nur die Abweichungen in der Aussprache, sondern auch die Bildung der Bedeutung, und dem Gebrauche der Wörter gehöret [...][2].
- Die allgemeine dt. Schrift-, Hoch- oder Gemeinsprache ist ein Gebilde, das mehr in der Idee als in der Wirklichkeit lebt, mehr geschrieben als gesprochen wird. […] Sie stellt ein in heißem Ringen […] gewonnenes Kunstprodukt das. […] die […] Mundart wird in der Regel nur gesprochen, nicht geschrieben. […][3].
- Die regionalen Dialekte weisen keine geringere systematische Regelmäßigkeit auf als die Standardsprache; […] kommunikativ sind sie ebenso leistungsfähig […]. Oft lassen sich zwischen Standardsprache und Dialekt Interferenz und Funktionsdifferenzierung feststellen; erster dient dem formellen Verkehr, letztere dem mehr informellen (familiären, intimen) Gebrauch[4].
- Dialekte sind in Bezug auf Lautung, Flexion/Wortbildung, Wortschatz und ggf. Stilistik (Phraseologie, Syntax) eigentümliche, landschaftlich oder örtlich beschränkte Systemvarianten einer staatlichen oder überstaatlichen Gemeinsprache[5].
- Dialekte definieren sich nach geograph. bestimmten Deckungs- und Vorkommensbereichen von Idio- und Soziolekten. Eine Sprache ist (in der Regel) ein Gefügekomplex und Deckungsbereich aus Idiolekten, Soziolekten und Dialekten. Der Übergang von Dialekt zu dem ,was man Sprache nennt, ist fließend[6].
- Die Definition besagt, dass man von irgendetwas genau dann sagen kann: „Es ist ein Dialekt“, wenn es sämtliche der folgenden vier Eigenschaften hat: 1. eine Langue zu sein, 2. eine Varietät zu sein, 3. kleinregional zu sein und 4. nicht standardisiert = oral zu sein […][7].
- Dialekt und Umgangssprache sind die nicht kodifizierten, ‚flexiblen’, nicht durch schulische Einwirkungen ‚entfremdeten’ Sprachformen der Nähe, des persönlichen Umgangs, wogegen die Standardsprache v. a. in ihrer strikt kodifizierten schriftlichen Form oft mit schulischen Misserfolgserlebnissen konnotiert ist und als Sprache der Distanz erlebt wird[8].
- Ein Dialekt ist als solcher ‚Dialekt einer Sprache’ (sonst an sich betrachtete ist er ebenfalls eine „Sprache“). Hingegen kann man „Sprache“ entweder in Bezug auf auf „Dialekt“ auffassen oder auch als ein ‚substantivischen’ Begriff, d. h. als einen nicht-relationellen und in dieser Hinsicht autonomen, selbstständigen Begriff[9].

[...]


[1] Schwitalla,Johannes: Gesprochene Sprache, 2. überarbeitete Auflage, Schmidt Verlag 2003 (künftig zitiert: Schwitalla), S. 48.

[2] Adelung, Johann Christoph: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart. Mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber des oberdeutschen. 2., vermehrte und verbesserte Auflage. Leipzig 1793-1801, Bd.3, S.311.

[3] Bach, Adolf: Deutsche Mundartforschung. Ihre Wege, Ergebnisse und Aufgaben. Heidelberg 1969, S. 3, (§ 3 ).

[4] Lewandowski, Theodor: Linguistisches Wörterbuch. 3 Bde., Heidelberg 1979.

[5] Näser, Wilhelm; Materialien für den Internationalen Ferienkurs der Philipps-Universität Marburg (Vortrag: Die deutschen Mundarten), 1978.

[6] König, Werner: dtv Atlas, Deutsche Sprache, Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994 (künftig zitiert: König) S. 11.

[7] Ammon, Ulrich: Vorbereitung einer Explizit-Definition von „Dialekt“ und benachbarten Begriffen mit Mitteln der formalen Logik: In: Klaus J. Mattheier (Hrsg.): Aspekte der Dialekttheorie, Tübingen 1983 (Reihe Germanistische Linguistik 46) ,S. 27-68.

[8] Linke, Angelika et al.: Studienbuch Linguistik, 3. Auflage, Niemeyer Tübingen 1996, S.305.

[9] Coseriu, Eugenio. in: Göschel, Joachim et al. (Hsg): Dialekt und Dialektologie. Ergebnisse des Internationalen Symposions „ Zur Theorie des Dialekts“. Marburg/Lahn. 5.-10. September 1977, Wiesbaden 1980, Beiheft NF. 26.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Deutsche Dialekte im Allgemeinen
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für Linguistik)
Veranstaltung
Einführung in die Soziolinguistik
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
28
Katalognummer
V55371
ISBN (eBook)
9783638503358
ISBN (Buch)
9783638734943
Dateigröße
1067 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsche, Dialekte, Allgemeinen, Einführung, Soziolinguistik
Arbeit zitieren
Claudia Nickel (Autor:in), 2005, Deutsche Dialekte im Allgemeinen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55371

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