Arisierung im Nationalsozialismus am Fallbeispiel der Hermann Tietz Konzerne im Vergleich zur Enteignung bei Wertheim


Hausarbeit, 2003

14 Seiten, Note: 1,9


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung – Definition der Thematik

2. Allgemeiner Einstieg – Die Anfänge der Warenhäuser in Europa

3. Vom Ladengeschäft bis zum Detailgeschäft

4. Das erste Warenhaus in Berlin

5. „Arisierung“ bei Hermann Tietz
5.1 Boykott jüdischer Geschäfte
5.2 „Arisierungsprozess“ bei Hertie im Vergleich zur Enteignung bei Wertheim
5.3 Das Schicksal der Familie Tietz

6. Zusammenfassung

7. Bibliographie

1. Einleitung – Definition der Thematik

Die Idee durch Boykott und Ausgrenzung jüdischer Unternehmen, um diese zum Aufgeben und schließlich zum Verlassen der Heimat zu bewegen, entstand und begann bereits einige Jahre vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten und fand 1933 ihren ersten Höhepunkt.

Der Handel war eine Domäne der Juden und sie besetzten wichtige Posten in allen Wirtschaftszweigen. Zahlenmäßig am stärksten war 1933 die Stellung der Juden nach wie vor im Waren- und Produkthandel.

Seit der Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933 setzten Diskriminierungsmaßnahmen ein, die einen besonderen Augenmerk auf die wirtschaftlichen Ausschaltung der Juden hatten. Schon in den Jahren zuvor waren im Mittelpunkt der NSDAP Propaganda wirtschaftliche Motive der antisemitischen „Judenhetze“ zu finden. Doch nun war die Gelegenheit günstig und die Rufe der alten Parteimitglieder nach Erfüllung der Wahlversprechen und somit der wirtschaftliche Ausschaltung der Juden wurden immer lauter. Ohne Zweifel entstanden durch die Enteignung jüdischen Besitzes eigene Vorteile und persönlicher Nutzen.

In dieser Hausarbeit soll nun ein Beispiel der Schaffens- und Schöpferkraft einer Kaufmannsfamilie gezeigt werden, die es verstand, der wirtschaftlichen Entwicklung neue Wege zu weisen. Aufstieg, Blüte und Untergang des Hermann Tietz Konzerns sind Leitfaden und Grundgedanke. Dabei soll die Verfahrensweise der „Arisierungen“ im Nationalsozialismus verdeutlicht werden. Insbesondere auf dem Vergleich der „Entjudung“ zweier großer Warenhausunternehmen soll mein Augenmerk gerichtet werden. Die Umstände und auch die politischen Begebenheiten in der Zeit des Nationalsozialismus werden unter besonderem Augenmerk der wirtschaftlichen Ausschaltung der Juden näher betrachtet. Die Frage soll beantwortet werden: Inwieweit und mit welchen Mitteln die jüdischen Unternehmer gezwungen worden sind, ihre Existenzgrundlagen aufzugeben und in die Emigration zu flüchten? Nicht außer Acht gelassen werden soll dabei die Etablierung der Warenhäuser als „Judenhäuser“ und als Ergebnis „unersättlicher jüdischer Machtgier“, bis hin zur „Arisierung“ dieser.[1]

2. Allgemeiner Einstieg – Die Anfänge der Warenhäuser in Europa

Die Idee, verschiedene Warengruppen und deren Verkauf und damit den Bedarf einer möglichst breiten Kosumentenschicht unter einem Dach zu vereinen und diese bei möglichst niedrigen Preisen zu verkaufen, kam aus Amerika. Industriegebiete hatten sich auf den verschiedensten Gebieten entwickelt, hatten in immer größerem Maße den Kleinbetrieb, das Handwerk verdrängt, hatten neue, bis dahin unbekannte Güter geschaffen und den Lebenszuschnitt der Bevölkerung, besonders in den ständig wachsenen Städten, erweitert. Die Gründung der großen Warenhäuser beruht auf der Gründung kleinerer Manufaktur- und Textilwarengeschäfte in der Provinz, die als Familienunternehmen fungierten.

In der Zeit der Etablierung war es den Warenhäusern, trotz aller Anstrengungen, nicht gelungen, von den höheren Gesellschaftsschichten als Einkaufsstätte akzeptiert zu werden. Aber spätestens mit dem Besuch des Kaisers und der Kaiserin bei Wertheim am 23. Januar 1910, einem Sonntag, wurden die umstrittenen Warenhäuser hoffähig.

Bereits vor der Machtübernahme Hitlers war die Haltung der Nationalsozialisten gegenüber den Warenhäusern feindlich. Die Häuser galten als „jüdische“ Erfindung und als Ergebnis „unersättlicher jüdischer Machtgier“, die es zu bekämpfen galt.

In den jüdischen Kaufhäusern, das schrieb die rechtsnationale Presse, würde mit falschen Maßen gearbeitet, es würden Lockwaren eingesetzt, um letztendlich minderwertige Waren anzubieten, es herrschten schlechte Arbeitsbedingungen und das große Angebot stelle eine sittliche Gefährdung der Kunden dar.[2]

Aber nicht nur den Nationalsozialisten war die wirtschaftliche Stellung der Juden und die Gründung von Warenhäusern ein Dorn im Auge. Die etablierten Einzelhändler beobachteten die Entwicklung der Warenhäuser mit feindseligem Interesse, brachte sie doch mit ungewöhnlichen Methoden den übersichtlichen Markt durcheinander.

So versuchte der Mittelstand gegen die Warenhäuser anzugehen. Da man annahm, dass Großbetriebe durch die Umsatzsteuer weniger als andere belastet und Konsumvereine offensichtlich begünstigt wurden, forderte der Mittelstand eine Sondersteuer , die schließlich am 15. April 1930 in einer Großbetriebsumsatzsteuer auch durchgesetzt wurde. Wiederholt wurde eine Konzessionierungspflicht für Warenhäuser, ihr rigoroses Verbot oder gar der Nachweis für ihre wirtschaftliche Notwendigkeit gefordert. Der Effekt der beabsichtigten Eindämmung der Warenhäuser wurde mit der Sonderbsteuerung jedoch nicht erzielt, denn diese entwickelten sich ungehindert weiter. Eine Liquidierung kam nicht in Frage, da die Warenhäuser als Arbeitgeber sehr gefragt waren und ebenfalls als sehr effiziente Großverteiler faktisch gebraucht wurden.

Noch reichte der Widerstand des Mittelstandes und der Nationalsozialisten gegen die Juden nicht aus, um sie aus der Wirtschaft und ihrer Heimat zu vertreiben. Und so lautete die nationalsozialistische Lösung der Warenhausfrage „Arisierung“.

Der nationalsozialistische Begriff der „Arisierung“ bezeichnet die Entfernung der deutschen Juden aus dem Wirtschafts- und Berufsleben. Sie umfaßte die Enteignung jüdischen Besitzes und Vermögens zugunsten der Nichtjuden („Ariern“) und auch die Einschränkung jüdischer Erwerbstätigkeit und den direkten Zugriff auf jüdisches Vermögen.[3]

Die ersten Betriebe die in „arische“ Hände fielen waren die Tietz-Betriebe.

3. Aufstieg - Vom Ladengeschäft bis zum Detailgeschäft

Die Firma Hermann Tietz hat als Familienunternehmen begonnen und auf dieser Basis einen äußerst differenzierten Konzern aufgebaut.

Unter dem Firmennamen „Hermann Tietz“ hatte Oscar Tietz mit seinem Onkel Hermann Tietz am 1. März 1882 in Gera ein kleines Kurz- und Weißwarengeschäft, in dem auch Wollwaren angeboten wurden, eröffnet. Zur Geschäftsgründung erhielt Oscar einen Kredit von seinem Onkel Hermann und nannte es deshalb zu dessen Ehren Hermann Tietz.

In der Zeitung wurde zur Eröffnung folgendes inseriert:

„Einem Verehrten Publikum Geras und Umgebung die ergebene Mitteilung, daß ich am hiesigen Platz ein Garn-, Knopf-, Posamentier-, Weiß- und Wollwarengeschäft, Engros und Detail, unter der Firma „Hermann Tietz“ eröffnet habe. Ich hoffe, durch große Auswahl und billige Preisorientierung jede Konkurrenz zu bestehen. Hochachtung, Hermann Tietz, Sorge 23, im Hause des Herrn Anton Pretzel.“[4]

Oscar Tietz, 1858 in der Provinz Posen geboren, der in der Textilbranche bei seinem Bruder Leonhard in Stralsund gelernt hatte, entwickelte die neuen Geschäftsprinzipien für den kleinen Laden: die waren so billig wie möglich (großer Umsatz – kleiner Nutzen), Barzahlung, feste Preise und möglichst direkter Einkauf beim Fabrikant. Desweiteren war dem Geschäft in kurzer Zeit ein großer Erfolg durch ein von Oscar Tietz selbst entwickeltes Verfahren zur maschinenmäßigen Produktion von Spitze beschieden.

[...]


[1] Mönninghoff, Wolfgang: Enteignung der Juden, S. 70

[2] www.berlin-judentum.de/bildung/wertheim.htm

[3] Mönninghoff, Wolfgang: Enteignung der Juden, S. 12

[4] Tietz, Georg: Hermann Tietz – Geschichte einer Familie und ihrer Warenhäuser, S. 24

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Arisierung im Nationalsozialismus am Fallbeispiel der Hermann Tietz Konzerne im Vergleich zur Enteignung bei Wertheim
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Veranstaltung
"Arisierung" im Nationalsozialismus
Note
1,9
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V55422
ISBN (eBook)
9783638503693
ISBN (Buch)
9783638773430
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arisierung, Nationalsozialismus, Fallbeispiel, Hermann, Tietz, Konzerne, Vergleich, Enteignung, Wertheim
Arbeit zitieren
Katja Born (Autor), 2003, Arisierung im Nationalsozialismus am Fallbeispiel der Hermann Tietz Konzerne im Vergleich zur Enteignung bei Wertheim, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55422

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