Stellen sie sich vor, sie seien Bürger eines Landes das von einer unvorhergesehenen Währungskrise getroffen wird. Normalerweise werden sie ihr Vermögen in heimischer Währung angelegt haben. Abends kommen die ersten Meldungen im Fernsehen, die einen dramatischen Verfall der Landeswährung beschreiben. Banken schließen, um noch schlimmeres zu verhindern. Sie müssen untätig zusehen, wie ihr Vermögen drastisch an Wert verliert.
In Deutschland ist man meist nur Beobachter solcher Horrorszenarien, doch sie treten immer wieder, über den ganzen Globus verteilt auf. Neben Kriegen gibt es außer Finanzkrisen nur wenige Ereignisse, die in solch kurzer Zeit flächendeckende Verarmung zur Folge haben.
Die volkswirtschaftlichen Kosten von Währungskrisen präzise zu beziffern ist nahezu unmöglich. Doch alleine die Betrachtung von Kernindikatoren spricht Bände. So kommt es nach einer Untersuchung von KAMINSKY unter 69 Währungskrisen zwischen 1970 und 2002 zu einer durchschnittlichen Abwertung von 20% und einem durchschnittlichen Rückgang des BIP um 3%. Von weiteren Auswirkungen, wie dem Anstieg der Preise von Konsumgütern und wachsender Staatsverschuldung ganz zu schweigen.
Geschürt durch wachsende Existenzangst sowie einem erschütterten Vertrauen in das System als Ganzes kann es zu noch weitreichenderen Folgen kommen. Unruhen und Proteste in den betroffenen Ländern zeigen die Empfindlichkeit demokratischer Systeme auf Einschnitte im Lebensstandard breiter Bevölkerungsschichten. In Russland gelang es 1996 nur mit Hilfe massiver Unterstützung des Westens einen Sieg der extremen Parteien zu verhindern, was zu unabsehbaren Folgen über die Grenzen Russlands hinaus geführt hätte.
Diese globale Dimension von Währungskrisen führt verständlicherweise zu einer Flut von Änderungsvorschlägen, Erklärungsversuchen oder einfach nur grober Kritik. Nur wenn es gelingt, mehr Licht in die (oftmals sehr unterschiedlichen) Zusammenhänge zu bringen, die letztendlich zu einer Krise führen, steigen die Chancen solche werte- und vertrauenszerstörenden Phänomene zu verhindern. Doch um dieses Ziel zu erreichen müssen die Mechanismen von Ereignissen der Vergangenheit verstanden sein. Es ist daher Ziel der vorliegenden Arbeit, einen Überblick über die theoretischen Erklärungsversuche von bereits statt-gefundenen Währungskrisen zu verschaffen - sowie die Probleme in der Realität zu verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Währungskrisen – Definition und Historie
1.1 Theoretische Definition und Abgrenzung
1.2 Historie der Währungskrisen
2 Evolution der Modelle – Realität und Theorie
2.1 Modelle der ersten Generation
2.1.1 Währungskrise in Mexiko 1982
2.1.2 Der Modellansatz
2.1.3 Kritikpunkte
2.2 Modelle der zweiten Generation
2.2.1 Der Zusammenbruch des EWS
2.2.2 Obstfeld – Modell
2.2.3 Kritikpunkte
2.3 Twin Crisis und die Asienkrise (Modelle der dritten Generation)
Epilog
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Mechanismen von Währungskrisen, um deren Entstehung durch eine Analyse historischer Ereignisse und theoretischer Modellgenerationen besser verständlich zu machen und Möglichkeiten zur Prävention aufzuzeigen.
- Historische Einordnung und theoretische Definition von Währungskrisen
- Analyse der Modelle der ersten Generation am Beispiel der Mexikokrise 1982
- Untersuchung der Modelle der zweiten Generation und des EWS-Zusammenbruchs
- Erläuterung der "Twin Crisis" und der Asienkrise als Modelle der dritten Generation
- Diskussion über die Rolle von Vertrauen, Erwartungen und internationaler Kapitalmobilität
Auszug aus dem Buch
1.1 Theoretische Definition und Abgrenzung
Eine Währungskrise liegt dann vor, wenn die Devisenreserven der heimischen Zentralbank in kurzer Zeit soweit erschöpft sind, dass ein System fester Wechselkurse nicht mehr aufrechterhalten werden kann und es daher zu einer starken Abwertung der heimischen Währung kommt. (Aschinger, 2000)
Soweit die klassische Beschreibung. Eine etwas genauere Definition spricht bereits dann von einer Währungskrise, wenn es nicht notwendigerweise zu einer Abwertung kommt, die Zentralbank aber im Zuge der Verteidigung des Wechselkurses große Mengen an Devisenreserven verkaufen muss und/oder die Zentralbankzinssätze erhöht werden.
Vom logischen Gesichtspunkt her scheint es sinnvoll, im Weiteren die umfassendere Definition zur Bestimmung einer Krise zu verwenden, da hier die Belastungen für eine Volkswirtschaft schon frühzeitig berücksichtigt werden.
Währungskrisen treten häufig in Verbindung mit anderen Finanzkrisen auf. Um eine sinnvolle Abgrenzung zu ermöglichen, wird kurz auf andere Krisenformen eingegangen. Abbildung 1 soll hierbei die Einordnung visuell verdeutlichen. Der Überbegriff Finanzkrise ist nach ASCHINGER als eine schnelle erhebliche Verschlechterung wichtiger finanzieller Indikatoren, wie einer starken Erhöhung kurzfristiger Zinssätze u. ä. definiert. Sie entstehen durch plötzliche Risikoneubewertung einer relevanten Anzahl von Marktteilnehmern. Wobei es zu einer Flucht aus realen und langfristigen Vermögenswerten in Geld kommt. Dies ist demnach das Grundmerkmal aller noch folgenden Krisenarten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die gravierenden volkswirtschaftlichen und sozialen Folgen von Währungskrisen und formuliert das Ziel, die Mechanismen vergangener Krisen zu verstehen.
1 Währungskrisen – Definition und Historie: Dieses Kapitel definiert Währungskrisen abgrenzend zu anderen Finanzkrisen und gibt einen historischen Überblick über das weltweite Auftreten dieser Phänomene.
2 Evolution der Modelle – Realität und Theorie: Dieses Kapitel analysiert chronologisch die drei Generationen von Krisenmodellen, von der Mexikokrise über den EWS-Zusammenbruch bis hin zur Twin Crisis.
Epilog: Der Epilog resümiert die Schwierigkeit der Prognose von Währungskrisen und betont die Notwendigkeit stabiler Finanzsysteme und Transparenz.
Schlüsselwörter
Währungskrise, Finanzkrise, Abwertung, Devisenreserven, Wechselkurs, Spekulative Attacke, EWS, Asienkrise, Twin Crisis, Kapitalmobilität, Zentralbank, Inflationsrate, Risikoneubewertung, Marktteilnehmer, Modellgenerationen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die wissenschaftliche Analyse von Währungskrisen, deren theoretische Erklärungsansätze sowie die historische Entwicklung verschiedener Krisentypen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Definition von Währungskrisen, die Entwicklung von Erklärungsmodellen (1., 2. und 3. Generation) und die empirische Betrachtung konkreter Krisenbeispiele.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Mechanismen von Währungskrisen durch ein besseres Verständnis vergangener Ereignisse transparent zu machen, um die Chancen für deren Prävention zu erhöhen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Modellanalyse angewandt, die durch historische Fallbeispiele (Mexiko, EWS, Asien) und empirische Daten veranschaulicht wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der drei Modellgenerationen sowie deren jeweilige Kritikpunkte und praktische Anwendung auf historische Krisen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Währungskrise, Spekulative Attacken, Wechselkurssysteme, Kapitalmobilität und Modellgenerationen sind zentrale Begriffe der Arbeit.
Was beschreiben die Modelle der ersten Generation?
Sie erklären Währungskrisen als Ergebnis einer unzureichenden Haushaltsdisziplin, die zu einer Erschöpfung der Devisenreserven durch exzessives Geldangebot führt.
Warum wird im Kontext der Asienkrise von einer "Twin Crisis" gesprochen?
Weil hierbei Währungs- und Bankenkrisen kombiniert auftreten und sich gegenseitig in ihrer zerstörerischen Wirkung auf den Output verstärken.
- Quote paper
- Diplom-Volkswirt Wolf Friedle (Author), 2004, Währungskrisen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55424