Soziales Lernen - Schwerpunkt im Erstunterricht?


Seminararbeit, 2002

21 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
Die Kinder

2. Der Lehrer / Die Lehrerin

3. Störungen in Gruppen

4. Beziehungslernen

5. Wandlung
Beispiel 1 (Die Aussenseiterin)
Beispiel 2 (Aggressionen)
Beispiel 3 (Nähe und Distanz)

6. Sozialformen

7. Gruppenunterricht

8. Rollentheorie / Soziales Lernen

9. Biologische Grundlagen menschlichen Handelns
9.1 Lernen
9.2 Soziale Beziehungen

10. Fazit nach Reinhold Miller

11. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Kinder

Ich habe um das Beziehungslernen in der Klasse besser beurteilen zu können, eine dritte Klasse in der Eleonoren-Grundschule in Hannover, Linden, über einen Zeitraum von 13 Wochen beobachtet.[1]

Zuerst habe ich mir die Frage gestellt, ob Kinder ähnliche oder ganz andere Beziehungen, wie Erwachsene, untereinander führen.

Jedes Kind in der Klasse hat eine Beziehung zu jedem anderen Kind in der Klasse.

Kinder können gute und schlechte Beziehungen miteinander führen. Genau wie bei den Erwachsenen gibt es hier Rollenträger, Machtkämpfe (wer ist der Stärkere?), es finden Konfliktaustragungen statt und es gibt Probleme der Distanz und der Nähe.

Kinder haben genau wie Erwachsene das Problem der Konfliktaustragung. Einige Kinder gewinnen immer wieder Konflikte, und die „Schwächeren“ verlieren immer wieder Konflikte. Wobei man Kinder unterscheiden muss, die Geschwister haben und Kinder die keine Geschwister haben. Kinder mit Geschwistern haben meistens keine großen Probleme oder Angst vor Auseinandersetzungen und Konflikten. Sie können schneller solche Probleme lösen oder den Konflikt gewinnen, weil sie gelernt haben mit verschiedenen, unterschiedlichen Beziehungen umzugehen. Ein Kind, dass keine Geschwister hat, kann meistens nicht so schnell den Lösungsansatz finden, weil es nicht lernen konnte, regelmäßig mit Konflikten umzugehen.

2. Der Lehrer / die Lehrerin

Die klassische Lehrerrolle hat sich nach Miller grundlegend geändert.

Der Lehrer/die Lehrerin ist nicht mehr nur allein der Wissensvermittler oder ein Fachmann/eine Fachfrau für spezielle Gebiete, sondern Lehrbegleiter. Miller nennt sie sogar Moderatoren von Gruppenprozessen, Leiter(innen) von eigenständigen Lerngruppen.[2]

Auch ich konnte während der Zeit in der Schule beobachten, dass der „altmodische Frontalunterricht“ der Lehrer(innen) nicht mehr aktuell ist. Der Lehrer/die Lehrerin weiß sich in die Beziehungen zwischen den einzelnen Schülern zu integrieren, sich „anzupassen“, indem der Unterricht in der Mehrheit stattfindet.[3]

Das „Ich bin hier vorne, ich bin der Meister!“ gibt es so nicht mehr. Der Lehrer(in) geht eine Mehrwegkommunikation ein. Im Team, in der Gruppe wird nun gelernt. Dabei werden die Beziehungen zwischen den Schülern ebenfalls gepflegt. Es entsteht Kommunikation untereinander. Durch diese Kommunikationen werden der Lebensraum, der Lernraum und der Erfahrungsraum erweitert und die Schule ist somit nicht mehr nur eine reine Stoffvermittlungsanstalt.

Schüler können somit individuell lernen, mittlerweile auch in Gruppen.

Je mehr Erfahrungen ein Lehrer(in) über Gruppenprozesse, Gruppendynamik und Gruppen-leitung sammeln konnte, desto besser und kompetenter können sie auch mit ungewohnten Situationen, die in verschiedenen Gruppen auftreten können, umgehen.

Es ist klar, dass der Lehrer die meisten Erfahrungen in solchem Umgang haben muss. Doch leider wird noch nicht überall und nur selten, Seminare über Beziehungslernen angeboten. Wenn ein Lehrer schon nicht mit verschiedenen Beziehungs-situationen umgehen kann, wie sollen es dann die Schüler in der Klasse können bzw. lernen?!?!

3. Störungen in Gruppen

Viele Lehrer(innen) können mit Störungen in Gruppen nicht umgehen. Sie versuchen nicht die Ursache der Störung zu finden, sondern geben Strafarbeiten, Suspendierungen, werden laut und schreien wenn sie sich überfordert fühlen etc...

Damit ist das Problem nicht verschwunden. In jeder normalen, gesunden Beziehung gibt es mal Streit, Auseinandersetzungen oder nur eine Meinungsverschiedenheit. Hier muss gesprochen werden. Der Lehrer/die Lehrerin muss ein Vorbild sein und den Kindern den richtigen Weg der Problemlösung zeigen.

Tut der Lehrer/die Lehrerin das nicht, so wird es immer wieder Störungen geben. Wobei es dann nicht nur eine Störung für den Einzelnen ist, sondern eine Störung der gesamten Gruppe. Und das produktive Lernen kann nicht mehr gewährleistet werden.[4]

Wichtig ist, dass auch die Eltern der Schüler in diese „Beziehungsarbeit“ mitintegriert werden. Lehrer(innen) können selbst Erfahrungen sammeln, indem sie eine Elterngruppe leiten. Laut Miller entstehen: Zitat „Lehrer-Schüler-Eltern-Gruppen, welches ein Ausdruck einer „Schule als Ganzes“ und einer „Schule als lernendes System“ sein soll. Miller empfindet es als sehr wichtig, dass Gruppenarbeit, Gruppendynamik und Gruppenprozesse wesentlich stärker als bisher in die Bildungs- und Lehrpläne aufgenommen werden muss.[5]

4. Beziehungslernen

Wichtig ist vor allem, dass die Lehrer und Lehrerinnen Fachleute des Beziehungslernens werden/sind . Sie müssen in der Lage sein, Gruppen zu leiten und zu führen. Sie müssen ihren Schülern und Schülerinnen Selbsterfahrungen aber auch Gruppenerfahrungen ermöglichen. Die Lehrer und Lehrerinnen müssen verantwortungsbewusst mit jedem einzelnen Schüler und mit der Gruppe als Ganzes umgehen.[6]

Die Lehrer(innen) müssen die Prozesse und die Dynamik, die in der jeweiligen Klasse stattfinden, genau beachten.

Nur so wird Beziehungslernen möglich![7]

5. Wandlung

„Aus einer „belehrten Klasse“ wird eine „lernende Gruppe““ (Zitat: R. Miller)[8]

Beispiele aus einer 3. Klasse, der Eleonoren-Grundschule, Hannover, Linden:

Beispiel 1 (die Außenseiterin)

Mir ist gleich in der ersten Unterrichtstunde aufgefallen, dass Esma große Schwierigkeiten hat, von dem Rest der Klasse akzeptiert zu werden[9].

Sportunterricht: Die Kinder sollten zwei Gruppen wählen, wobei Esma (9 Jahre alt, weiblich) immer zum Schluss gewählt wurde. Aufgefallen ist, dass die Kinder, die schon gewählt wurden, sagten: „Wähle nicht Esma, nimm jemand anders, die kann eh nicht!“ Oder: „Naja, wenn Esma übrigbleibt, dann nehmen wir sie halt.“

[...]


[1] PGS, an der Eleonoren-Grundschule in Hannover, Linden. Eigene Erfahrungen die ich während des Praktikum sammeln konnte.

[2] Reinhold Miller, Beziehungsdidaktik, Pädagogik, Beltz, 1999, Seite 81

[3] PGS, an der Eleonoren-Grundschule in Hannover, Linden. Eigene Erfahrungen die ich während des Praktikum sammeln konnte.

[4] PGS, an der Eleonoren-Grundschule in Hannover, Linden. Eigene Erfahrungen die ich während des Praktikum sammeln konnte.

[5] Reinhold Miller, Beziehungsdidaktik, Pädagogik, Beltz, 1999, Seite 82

[6] Reinhold Miller, Beziehungsdidaktik, Pädagogik, Beltz, 1999, Seite 82

[7] PGS, an der Eleonoren-Grundschule in Hannover, Linden. Eigene Erfahrungen die ich während des Praktikum sammeln konnte.

[8] Reinhold Miller, Beziehungsdidaktik, Pädagogik, Beltz, 1999, Seite 82, Zitat

[9] PGS, an der Eleonoren-Grundschule in Hannover, Linden. Eigene Erfahrungen die ich während des Praktikum sammeln konnte. An den Beispielen von Reinhold Miller, Beziehungsdidaktik, Pädagogik, Beltz, 1999, Seite 83

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Soziales Lernen - Schwerpunkt im Erstunterricht?
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Soziales Lernen - Schwerpunkt im Erstunterricht
Note
gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
21
Katalognummer
V5543
ISBN (eBook)
9783638133876
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziales Lernen, Beziehungslernen, Erstunterricht
Arbeit zitieren
Martina Szonn (Autor), 2002, Soziales Lernen - Schwerpunkt im Erstunterricht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5543

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