Die Darstellung des Krieges in Grimmelshausens "Courasche"


Seminararbeit, 2003

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
I) Grimmmelshausen als „Anti- Kriegs- Autor“
II) Die Beziehung zwischen Courasche und dem Krieg
III) Interpretationsergebnisse

Literaturverzeichnis

Einleitung

In den Augen Bert Brechts sei Grimmelshausen „der erste und der repräsentativste Vertreter der Anti- Kriegsliteratur in deutscher Sprache“ gewesen[1]. Auch in der Forschung ist Grimmelshausen inzwischen als solcher anerkannt. Er vermittele ein „realistisches Bild des Kriegsgeschehens und des soldatischen Alltags“, so Ferdinand von Ingen[2]. Bei der Einschätzung Grimmelshausens als Anti-Kriegs-Autor stehen vor allem der Simplicissimus Teutsch und der Satyrische Pilgram im Vordergrund, aber auch der Courasche wird in dieser Hinsicht eine gewisse Bedeutung beigemessen.

Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Darstellung des Krieges in Grimmelshausens Courasche. Einleitend werde ich anhand der Forschungsliteratur kurz auf den Kriegsaspekt in einigen anderen Schriften Grimmelshausens und auf den Autor eingehen. Um anschließend der Frage nachzugehen, welches Bild vom Krieg Grimmelshausen in der Courasche zeichnet, werde ich vorrangig die Beziehung zwischen der Protagonistin und dem Krieg untersuchen. Diese Beziehung wird durch verschiedene Aspekte bestimmt. Diese Komponenten sind aber alle eng miteinander verbunden und können nicht vollkommen losgelöst voneinander betrachtet werden. Deshalb wird die Analyse einem fortlaufenden Argumentationsgang folgen und nicht in einzelne Thesen oder Kapitel unterteilt werden. Wichtig bei der Analyse ist es, zu beachten, dass der Roman aus einer Ich- Perspektive erzählt wird und dass die Aussagen der Courasche von denen des Autors zu trennen sind. Die in dieser Analyse gewonnenen Ergebnisse werde ich in einem Schlussteil noch einmal zusammenfassen, vertiefen und mit Hilfe der Forschungsliteratur stützen.

Die Hausarbeit bezieht sich auf die von Günther Weydt und Klaus Haberkamm herausgegebene Reclam- Ausgabe der Courasche aus dem Jahr 1971[3].

I) Grimmelshausen als „Anti- Kriegs-Autor“

Um dem Thema meiner Hausarbeit eine Grundlage bzw. einen Ausgangspunkt zu geben, werde ich kurz darstellen, wie der Krieg im Gesamtwerk Grimmelshausens gesehen wird und auch kurz auf seinen eigenen Kriegserfahrungen eingehen.

Betrachtet man die zehn Simplicianischen Schriften und den Satyrischen Pilgram, haben diese Werke alle ein Thema gemeinsam: den Krieg, genauer gesagt, den Dreißigjährigen Krieg. Ob Simplicius, Courasche, Springinsfeld oder Vogelnest, jeder von Grimmelshausen Helden erzählt, wie es ihm im Krieg ergangen ist.

Es stände außer Diskussion, erklärt deshalb Battafarano, dass der Autor in seinem Simplicianischen Zyklus „primär vom großen Teutschen Krieg erzählen wollte“[4].

Man könne sogar annehmen, so van Ingen, dass die „geschilderten Erlebnisse meist auf persönlicher Erfahrung gründen“, allerdings seien mache Stellen aus Quellen rekonstruiert[5]. Erwiesen ist aber, dass Grimmelshausen eigene Erfahrungen im Dreißigjährigen Krieg gemacht hat, in Gefangenschaft war und auch an Schlachtzügen teilgenommen hat. Darüber hinaus führte der Krieg dazu, dass er seine „systematische Ausbildung“ abbrechen musste[6]. In wieweit genau der Dichter seine persönlichen Erlebnisse in seine Werke einfließen lässt, ist nicht eindeutig geklärt. Wichtig ist aber, dass Grimmelshausen den Krieg kennen gelernt hat und dass er deshalb ein „realistisches Bild des Kriegsgeschehens und des soldatischen Alltags vermittelt“[7]. Allerdings, sagt Battafarano, sähe sich Grimmelshausen nicht als Chronist des Dreißigjährigen Krieges, sondern als Dichter.[8]

Seine Absicht sei es gewesen, so van Ingen, im Simplicissimus „am Faden der Lebensgeschichte eines Beteiligten“ „eine Darstellung und Deutung eben dieses Krieges zu geben“[9]. Anhand einer Textstelle aus dem Satyrischen Pilgram, dem ersten Werk Grimmelshausens lässt sich diese Absicht des Autors relativ eindeutig nachweisen: Im Nachwort dieses Romans schreibt Grimmelshausen „Ich gestehe gern, daß ich den hundertsten Theil nicht erzehlet, was Krieg vor ein erschreckliches und grausames Monster seye... Mein Simplicissimus wird dem... Leser... viel Particularitäten von ihm erzehlen“[10]. Auf diese Textstelle stützen sich in der Forschung alle Vermutungen bezüglich der Autorintention. Darüber hinaus lässt sich in diesem Nachwort auch die Motivation Grimmelshausens erkennen, nämlich den jungen „Schnautzhahnen“, „die nur deswegen gern einen Krieg sehen, weil sie nit wissen, was Krieg ist“ zu erzählen, was Krieg bedeutet und sie davor zu warnen. Diese Stelle, so Battafarano, werfe Licht auf das Selbstverständnis des Autors[11]. Grimmelshausen wollte also in dem an dieser Stelle angekündigten Simplicissimus (und in den anderen Simplicianischen Schriften, die ja nicht davon zu trennen sind) nicht nur einfach vom Krieg erzählen, sondern ihn so darstellen, wie er wirklich ist: grausam[12]

Sowohl im Simplicissimus als auch im Satyrischen Pilgram lässt sich diese Autorintention nachweisen. Sich an dieser Stelle mit einzelnen Textstellen und Analysen dieser Werke auseinander zu setzen, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen und ist darüber hinaus auch nicht notwendig. Ich verweise hier auf die zitierte Forschungsliteratur, in der die Darstellung des Krieges in diesen Werken untersucht und interpretiert worden ist. Grimmelshausen sehe den Krieg als kulturhistorischen und anthropologischen Rückschritt der Gesellschaft, die christliche Nächstenliebe werde durch den technischen Fortschritt außer Kraft gesetzt und der Mensch werde zum Tier, interpretiert zum Beispiel Battafarano[13].

Ausgehend von dieser Interpretation der anderen Simplicianischen Schriften und der Auslegung der Autorintention werde ich im folgenden untersuchen, wie sich der Krieg in der Courasche darstellt. Ich werde versuchen nachzuweisen, dass Grimmelshausen auch in diesem Werk den Krieg als „erschreckliches und grausames Monstrum“ darzustellen versucht.

[...]


[1] Battafarano, Italo M.: Brechts Maternisierung von Grimmelshausens Courasche. In: Simplciana XXIII (2001). S. 130.

[2] van Ingen, Ferdinand: Der Dreißigjährige Krieg in der Literatur. In: Deutsche Literatur. Eine Sozialgeschichte. Bd. 6. Reinbek bei Hamburg 1985. S. 237

[3] von Grimmelshausen, H.J.C.: Lebensbeschreibung der Erzbetrügerin und Landstörzerin Courasche. Hrsg. von Klaus Haberkamm und Günther Weydt. Stuttgart 1972 u.öfter.

[4] Battafarano, Italo M.: „Was der Krieg vor ein erschreckliches und grausames Monster seye“: Der Dreißigjährige Krieg in den Simplcianischen Schriften Grimmelshausens. In: Simpliciana X (1988), S. 46.

[5] van Ingen 1985, a.a.O., S. 238.

[6] siehe hierzu und zu genaueren Einzelheiten: E. Mannack: Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen. In: Deutsche Dichter des 17. Jahrhunderts. Hg. von Benno von Wiese und Harald Steinhagen. Berlin 1984, S. 518.

[7] van Ingen 1985, a.a.O., S. 237.

[8] Battafarano 1988, a.a.O., 47.

[9] van Ingen, Ferdinand: Krieg und Frieden bei Grimmelshausen. In: Etudes 46 (1991). S. 36.

[10] Grimmelshausen, H.J.C.: Satyrischer Pilgram. Hrsg. von Wolfgang Bender. Tübingen 1970. S. 156.

[11] Battafarano 1988, a.a.O., S. 47.

[12] Andererseits wolle er das in einer „lustigern Manier“ tun, was die These Battafaranos stützt, dass er sich als Dichter sehe.

[13] Battafarano 1988, a.a.O, S. 49.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung des Krieges in Grimmelshausens "Courasche"
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Grimmelshausens „Courasche“ - Eine Einführung in die Literatur des Barock
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V55446
ISBN (eBook)
9783638503914
ISBN (Buch)
9783638797122
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Darstellung, Krieges, Grimmelshausens, Courasche, Grimmelshausens, Eine, Einführung, Literatur, Barock
Arbeit zitieren
Inga Hüttemann (Autor:in), 2003, Die Darstellung des Krieges in Grimmelshausens "Courasche", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55446

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