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Die Kommunikationsstrategie der sächsischen NPD - Eine semantische und pragmatische Analyse

Title: Die Kommunikationsstrategie der sächsischen NPD - Eine semantische und pragmatische Analyse

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 37 Pages , Grade: 1.Teil: 1,3 / 2. Teil: 1,0

Autor:in: Frank Brunner (Author), Johanna Baumann (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Am 19. September 2004 gelang es der NPD erstmals seit 36 Jahren mit zwölf Abgeordneten in ein Landesparlament einzuziehen. Dieser Wahlerfolg konfrontierte die rechtsextreme Partei aber auch mit einem Problem: Durch die Fokussierung ihres Wahlkampfes auf Sozialpolitik („Quittung für Hartz IV“) und Populismus („Schnauze voll“) muss sie einerseits die Ansprüche ihrer gemäßigten Protestwähler erfüllen, die eine realistische Sachpolitik bevorzugen. Dementsprechend bieder, demokratisch und volksnah präsentieren sich die Landtagsabgeordneten. Andererseits ist es für sie auch notwendig, die radikal-antidemokratischen Forderungen der „Freien Kameradschaften“ zu berücksichtigen, mit denen personelle, organisatorische und ideologische Schnittpunkte existieren. Dies erfordert zweifellos ein Höchstmaß an rhetorischem Geschick. Wie spiegelt sich diese Ambivalenz in der Kommunikationsstrategie der sächsischen NPD wieder? Anhand einer Wahlkampfzeitung, eines Gesetzesantrages und einer Parlamentsrede soll diese Frage beantwortet werden. Dabei wird sowohl auf eine politikwissenschaftliche wie auch eine semantische Analyse zurückgegriffen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Semantische Analyse (Frank Brunner)

2.1 Methodik

2.2 Populismus und Propaganda: Die NPD im Wahlkampf

2.3 Politik als Provokation: Die NPD im Parlament

2.4 Zwischen Ideologie und Pragmatismus: Der Gesetzesantrag der NPD

2.5 Analogien und Differenzen: Die Wortwahl der NPD

3. Pragmatische Analyse (Johanna Baumann)

3.1 Sprachspiele im Politischen System

3.2 Thesen zur Ambivalenz im Sprachspielverhalten der NPD

3.2 Das Sprachspielverhalten der NPD im Licht der Theorie Neuer Sozialer Bewegungen

4. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Kommunikationsstrategie der sächsischen NPD nach ihrem Einzug in den Landtag. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie sich die politische Ambivalenz der Partei – zwischen gemäßigtem Auftreten für Protestwähler und radikal-antidemokratischen Ideologien – in ihrer semantischen und pragmatischen Sprachverwendung widerspiegelt.

  • Analyse semantischer Methoden (Schlagwörter, Neologismen, Metaphern) in Wahlkampf und Parlament.
  • Untersuchung der Sprachspieltheorie zur Einordnung der Kommunikationsstrategien.
  • Kontrastierung von Wahlkampf-Flyern, Parlamentsreden und Gesetzesinitiativen.
  • Beleuchtung der NPD-Strategie im Licht der Theorie Neuer Sozialer Bewegungen.
  • Deutung der Rolle parlamentarischer Arbeit als Mittel zur Systemkritik.

Auszug aus dem Buch

2.2 Populismus und Propaganda: Die NPD im Wahlkampf

Aufgrund ihres werbenden Charakters eignen sich Wahlkampfbroschüren besonders zur Prüfung semantischer Methoden im Persuasionsprozess. Im Vorfeld der Landtagswahl 2004 verschickte die NPD drei verschiedene Postwurfsendungen. Nur eines dieser Faltblätter wurde von der NPD-Sachsen herausgegeben. Unter dem Titel: „Nationaldemokraten in den Landtag – Das passiert als erstes, wenn die NPD ins Parlament einzieht“, thematisierte der Landesverband regionale Probleme und vermied dabei programmatische Aussagen. An den Grundsatzpositionen der Partei interessierte Leser, wurden auf zwei weitere, zur Landtagswahl verbreitete Schriften verwiesen. Für diese zeichnete sich allerdings der Bundesvorstand verantwortlich. Der im Folgenden analysierte Wahlkampf-Flyer trägt den Titel: „Aktionsprogramm für ein besseres Deutschland.“ Das zweiseitige Papier gliedert sich in einen einleitenden und fünf thematische Blöcke.

Zu Beginn wendet sich der Bundesvorsitzende Udo Voigt persönlich an die „lieben Landsleute“. Darstellung und Bewertung der politischen Lage erfolgen exemplarisch durch Charakterisierung der konkurrierenden Parteien und Politiker. Als Nominationen werden die Begriffe „Herrschaften“ und „Herrschende(n)“ benutzt. Beide Lexeme enthalten die implizit negativ deontische Komponente von Unkontrollierbarkeit und Illegitimität. Die nähere Beschreibung erfolgt mit explizit negativen Attributionen und Prädikationen. Beispielhaft sind die Beifügungen „volksfeindlich“ oder „gesetzeswidrig“ für andere Parteien sowie die Vokabel „gefallsüchtig“ für deren Spitzenpolitiker. Ähnlich negativ sind die Wortbedeutungen auf der Prädikationsebene. So zähle es zu den Eigenschaften der anderen Parteien, das Volk zu „verschaukeln“ und untereinander ein „Kartell“ zu bilden. Bedient sich Voigt mit „verschaukeln“ eines umgangssprachlichen Jargons, rekurriert „Kartell“ auf Vokabular aus dem Wirtschaftsrecht. Das Wort hat gleichzeitig eine metaphorische Komponente, die suggeriert, dass die etablierten Parteien die gleichen Ziele verfolgen und diese mit Absprachen zur Ausschaltung der Konkurrenz durchsetzen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den medialen Eklat nach dem Einzug der NPD in den sächsischen Landtag 2004 und beschreibt die damit verbundene kommunikative Herausforderung für die Partei.

2. Semantische Analyse (Frank Brunner): In diesem Kapitel werden die Sprachstrategien anhand von Wahlkampfunterlagen, Parlamentsreden und Gesetzesinitiativen durch eine semantische Untersuchung von Schlagwörtern, Neologismen und Metaphern analysiert.

3. Pragmatische Analyse (Johanna Baumann): Dieser Abschnitt nutzt die Sprachspieltheorie und die Theorie Neuer Sozialer Bewegungen, um die pragmatische Funktion der NPD-Kommunikation und deren politische Zielsetzung zu erklären.

4. Resümee: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Doppelstrategie der NPD, durch differenzierte Wortwahl sowohl gemäßigte Protestwähler anzusprechen als auch die radikale Anhängerschaft zu binden.

Schlüsselwörter

NPD, Rechtsradikalismus, Kommunikationsstrategie, Semantische Analyse, Pragmatische Analyse, Sprachspieltheorie, Populismus, Propaganda, Landtag Sachsen, politische Ambivalenz, Ideologie, Rhetorik, Geschichtsrevisionismus, Parlamentsarbeit, Stigmawörter.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie die NPD ihre Sprache nutzt, um unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen und ihre politische Agenda in verschiedenen Kontexten zu verbreiten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Wahlkampfkommunikation, Parlamentsreden im sächsischen Landtag sowie offizielle Gesetzesinitiativen der NPD.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die „politische Ambivalenz“ der NPD-Kommunikation zu entschlüsseln, also den Spagat zwischen moderatem Auftreten und radikaler Ideologie.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine linguistische Analyse durchgeführt, die semantische Kategorien (Schlagwörter, Neologismen, Metaphern) mit der pragmatischen Sprachspieltheorie verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte semantische Analyse von Brunner und eine pragmatische Einordnung durch Baumann, inklusive einer theoretischen Fundierung durch die Theorie Neuer Sozialer Bewegungen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Sprachspiel, Ideologievokabular, persuasive Strategien, politische Ambivalenz und die Nutzbarmachung politischer Gelegenheitsstrukturen.

Wie verändert sich die Sprache der NPD, wenn sie Parlamentsanträge stellt?

Bei offiziellen Gesetzesanträgen legt die NPD ihre aggressive Rhetorik weitgehend ab und nutzt neutralere Bezeichnungen, um parlamentarische Strukturen formal zu akzeptieren und anschlussfähig zu wirken.

Welche Funktion hat die „Bomben-Holocaust-Rede“ für die NPD?

Dieser kalkulierte Eklat diente primär als integratives Sprachspiel, um die eigene Anhängerschaft zu mobilisieren und geschichtsrevisionistische Narrative als Identitätsthema zu festigen.

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Details

Title
Die Kommunikationsstrategie der sächsischen NPD - Eine semantische und pragmatische Analyse
College
Free University of Berlin  (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft)
Course
Sprache in der Politik
Grade
1.Teil: 1,3 / 2. Teil: 1,0
Authors
Frank Brunner (Author), Johanna Baumann (Author)
Publication Year
2006
Pages
37
Catalog Number
V55503
ISBN (eBook)
9783638504300
ISBN (Book)
9783638663977
Language
German
Tags
Kommunikationsstrategie Eine Analyse Sprache Politik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Frank Brunner (Author), Johanna Baumann (Author), 2006, Die Kommunikationsstrategie der sächsischen NPD - Eine semantische und pragmatische Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55503
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