Die Entwicklung der internationalen Kapitalmärkte in den letzten Monaten hat gezeigt, wie sensibel Volkswirtschaften auf tausende Kilometer entfernte Ereignisse und Änderungen ökonomischer Daten reagieren können. Neben einer großen Portion an psychologischen Faktoren beeinflussen aber auch handfeste, theoretisch begründbare Zusammenhänge solche Phänomene. Diese Arbeit soll sich daher in begrenztem Umfang der Problematik des internationalen Konjunkturzusammenhangs annehmen.
Vor nunmehr einhundert Jahren war in einer wirtschaftswissenschaftlichen Abhandlung zu lesen: „Die Vorstellung unserer Zeit, daß es ein gutes Zeichen sei, wenn die Handelsbilanz ‚günstig‘ ist, d.h. wenn die Ausfuhr größer ist als die Einfuhr, ist kaum auszurotten“1. Mit wenigen Abwandlungen kann diese Feststellung noch heute verwendet werden. Zunächst gilt es jedoch zu klären, was die Bilanz überhaupt ist, was sich dahinter verbirgt und wie besagter Aspekt tatsächlich zu beurteilen ist. Zur theoretischen Untermauerung soll hierzu das Mundell-Fleming-Modell herangezogen werden bevor im Einzelnen auf den internationalen Konjunkturzusammenhang eingegangen wird.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Zahlungsbilanz
2.1 Begriffe und Definitionen
2.2 Struktur und Mechanik der Zahlungsbilanz
2.3 Außenbeitrag und Sozialprodukt
2.4 Gesamtwirtschaftliches Sparen und Investitionen
3. Das Mundell-Fleming-Modell
3.1 Grundsätzliche Aussagen
3.2 System fester Wechselkurse
3.2.1 System fester Wechselkurse bei Neutralisierungspolitik
3.2.2 System fester Wechselkurse ohne Neutralisierungspolitik
3.3 System flexibler Wechselkurse
3.4 Wirkung von Geld- und Fiskalpolitik
4. Internationale Konjunkturtransmission
4.1 Realwirtschaftliche Betrachtung
4.1.1 System fester Wechselkurse
4.1.2 Beggar-my-neighbour-policy
4.1.3 System flexibler Wechselkurse
4.2 Realwirtschaftliche und monetäre Betrachtung
4.3 Wechselkurs-/Wähungsunion
5. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den internationalen Konjunkturzusammenhang unter Anwendung des Mundell-Fleming-Modells. Das primäre Ziel besteht darin, theoretische Mechanismen zu analysieren, durch die ökonomische Schwankungen zwischen offenen Volkswirtschaften übertragen werden, wobei die Rolle verschiedener Wechselkurssysteme sowie geld- und fiskalpolitischer Maßnahmen im Zentrum der Betrachtung steht.
- Zahlungsbilanzmechanismen in offenen Volkswirtschaften
- Struktur des Mundell-Fleming-Modells unter festen und flexiblen Wechselkursen
- Internationale Konjunkturtransmission und Transmissionskanäle
- Vergleich geld- und fiskalpolitischer Wirkungen
- Analyse des Konjunkturzusammenhangs in Währungsunionen
Auszug aus dem Buch
3.3 System flexibler Wechselkurse
Sind die Verpflichtungen zur Aufrechterhaltung eines Wechselkurses aufgehoben und verzichtet die Zentralbank gleichzeitig auf dieses wirtschaftspolitische Instrument, haben Devisenmarktinterventionen der Währungsbehörden kaum noch Auswirkungen auf die inländische Geldmenge, die mithin als konstant anzusehen ist. MAENNING/WILFLING stellen fest, daß unter dem Regime flexibler Wechselkurse Zahlungsbilanzungleichgewichte durch eine angemessene Wechselkursänderung, die Ergebnis einer realwirtschaftlichen Störung sein kann, immer eliminiert werden.
Dennoch können auf dem Weg der Teilbilanzen trotz Eliminierung des Liquiditätseffekts kurzfristig Zahlungsbilanzsalden auftreten. Die Anpassung der Wechselkursverhältnisse sorgt im Zuge einer kurzfristigen Überschußnachfrage nach Devisen (Nettokapitalexport = Linksverschiebung der ZZ-Kurve) zu einer Abwertung der heimischen gegenüber der ausländischen Währung mit den entsprechenden Auswirkungen auf den Gütermarkt. Die Anpassung des Wechselkurses bewirkt jedoch eine neuerliche Rechtsverschiebung beider Kurven, bis sich schließlich das ursprüngliche gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht wieder einstellt. Diese Aussage läßt auch hier sich für unterschiedliche Kapitalmobilitäten bzw. Zinselastizitäten, d.h. für die unterschiedlichen Neigungen der ZZ-Kurve verallgemeinern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Sensibilität internationaler Kapitalmärkte gegenüber ökonomischen Änderungen und führt das Mundell-Fleming-Modell als theoretisches Instrument zur Analyse des Konjunkturzusammenhangs ein.
2. Die Zahlungsbilanz: Dieses Kapitel definiert die Zahlungsbilanz als systematische Aufzeichnung ökonomischer Transaktionen und erläutert deren Struktur sowie die Bedeutung des Außenbeitrags für das Sozialprodukt.
3. Das Mundell-Fleming-Modell: Hier werden die Grundsätze des Modells für kleine offene Volkswirtschaften hergeleitet und die Auswirkungen von Geld- und Fiskalpolitik unter verschiedenen Wechselkurssystemen untersucht.
4. Internationale Konjunkturtransmission: Dieses Kapitel analysiert mittels eines Zwei-Länder-Modells, wie exogene Störungen und Konjunkturimpulse zwischen Ländern übertragen werden, einschließlich der speziellen Problematik einer Währungsunion.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, wobei betont wird, dass das vorherrschende Wechselkurssystem eine entscheidende Rolle für den Schutz vor negativen Konjunkturübertragungen spielt.
Schlüsselwörter
Mundell-Fleming-Modell, Zahlungsbilanz, Konjunkturtransmission, Wechselkurssysteme, Geldpolitik, Fiskalpolitik, Außenbeitrag, Kapitalmobilität, Währungsunion, Leistungsbilanz, Terms of Trade, Konjunkturzusammenhang, IS-LM-Modell.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den internationalen Konjunkturverflechtungen und der theoretischen Erklärbarkeit dieser Phänomene durch das Mundell-Fleming-Modell.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Analyse umfasst die Zahlungsbilanztheorie, die Funktionsweise von Wechselkursregimen (fest vs. flexibel) sowie die Wirkungsmechanismen von nationaler Geld- und Fiskalpolitik im internationalen Kontext.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Konjunkturschwankungen zwischen Ländern übertragen werden und wie sich verschiedene wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen auf diese Transmission auswirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf dem keynesianischen IS-LM-Modell für eine offene Volkswirtschaft (Mundell-Fleming-Modell) basiert und durch Literaturstudien untermauert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Zahlungsbilanz, die formale Herleitung des Mundell-Fleming-Modells sowie die Analyse der internationalen Konjunkturtransmission in verschiedenen Wechselkurs- und Unionsszenarien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mundell-Fleming-Modell, Konjunkturtransmission, Wechselkurssysteme, Leistungsbilanz, Kapitalmobilität und Währungsunion.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Neutralisierungspolitik und Nicht-Neutralisierung wichtig?
Die Unterscheidung ist entscheidend, da sie bestimmt, ob die Zentralbank bei festen Wechselkursen die inländische Geldmenge aktiv steuern kann oder ob Interventionspflichten bei Zahlungsbilanzungleichgewichten die Geldmenge automatisch verändern.
Wie wirkt sich eine Währungsunion auf die Konjunkturübertragung aus?
Die Arbeit zeigt, dass in einer Währungsunion mit gemeinsamer Geld- aber nationaler Fiskalpolitik negative Konjunkturübertragungen entstehen können, da expansives Handeln eines Landes über Wechselkurs- und Zinskanäle kontraktiv auf die Partnerländer wirken kann.
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- Heiko Bubholz (Author), 2001, Der internationale Konjunkturzusammenhang und das Mundell-Fleming-Modell, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5550