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Sich eine Identität erschreiben - Zum Werk von Barbara Honigmann und Esther Dischereit

Title: Sich eine Identität erschreiben - Zum Werk von Barbara Honigmann und Esther Dischereit

Thesis (M.A.) , 2006 , 60 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: M.A, Kerstin Billen (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Der Leitfaden der vorliegenden Arbeit wird die Fragestellung sein, aus welchen Elementen jüdische Identität in den ersten Werken Esther Dischereits und Barbara Honigmanns entsteht. Ausgangspunkt ist ein Blick auf das autobiographische Schreiben, das sich wie ein roter Faden durch die Werke beider Autorinnen zieht, sowie auf die deutsch-jüdische Literatur der 2. Generation.
Der Hauptteil dieser Arbeit beschäftigt sich mit einer vergleichenden Analyse der wichtigsten Motive der Schriftstellerinnen. Kapitel 3 ist unterteilt in die Abschnitte Geschichte und eigene Erfahrungen, Judentum und Religion,Jüdischsein und Erfahrung der Fremdheit sowie Leben in Deutschland oder Emigration. Der Schwerpunkt der Analyse wird dabei auf Esther Dischereits Geschichte "Joëmis Tisch" und den Erzählungen von Barbara Honigmann, die in den Bänden "Roman von einem Kinde" und "Damals, dann und danach" erschienen sind, liegen. "Roman von einem Kinde" und "Joëmis Tisch" sind die ersten literarische Werke der Autorinnen, zudem sind sie nahezu zur gleichen Zeit entstanden. Wie es bei ersten Texten häufig der Fall ist, sind diese Werke sehr von der Autobiographie der Autorinnen geprägt. Wo es für die Analyse hilfreich ist, werden auch Einzelaspekte aus weiteren Werken der Autorinnen betrachtet. In Einzelnen sind dies Honigmannns "Soharas Reise" und "Eine Liebe aus Nichts" und Dischereits Essaysammlungen "Übungen, jüdisch zu sein" sowie "Mit Eichmann an die Börse".
Die Texte werden hier ‚an sich’ betrachtet, d. h. ohne eine tiefgehende Interpretation in Hinblick auf die Biographie der Autorinnen und ohne, dass aus den festgestellten, die Identität der Protagonistinnen prägenden, Einzelelementen bereits ein Gesamtbild der jeweiligen Identität erzeugt wird. Zunächst werden die Vorgehensweisen und die Sprache der Schriftstellerinnen analysiert und einander gegenübergestellt.
In Kapitel 4 werden dann diese einzelnen Identitätsbausteine in ihrer Gesamtheit betrachtet und es wird der Prozess der Identitätsfindung der Hauptfiguren beider Autorinnen nachvollzogen und analysiert, ob diese Identitätsfindung gelungen ist. Als Basis dient hierbei das theoretische Modell der Identität von Jürgen Habermas, das von einer Konstruktion der Identität als einem aktiven, kontinuierlich stattfindenden Prozess ausgeht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergrund

2.1 Autorinnen der zweiten Generation

2.2 Autobiographisches Schreiben

3. Aspekte der deutsch-jüdischen Identitätsbildung

3.1 Geschichte und eigene Erfahrungen

3.1.1 Shoah

3.1.2 Erzählen um zu erinnern

3.1.3 Motiv des Friedhofs

3.2 Judentum und Religion

3.3 Jüdischsein und Erfahrung der Fremdheit

3.4 Leben in Deutschland oder Emigration

3.4.1 Israel

4. Sich eine Identität erschreiben

4.1 Sprache und Struktur

4.2 Wirklichkeitsstatus der Texte

5. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, wie jüdische Identität in den literarischen Werken von Barbara Honigmann und Esther Dischereit konstruiert wird, wobei insbesondere die Auswirkungen der Shoah auf die nachfolgende Generation und die Suche nach Lebensentwürfen im heutigen Deutschland im Fokus stehen.

  • Identitätskonstruktion bei Autorinnen der zweiten Generation
  • Einfluss von Trauma, Shoah und Postmemory auf literarische Texte
  • Spannungsfeld zwischen Judentum, Religion und deutscher Mehrheitsgesellschaft
  • Autobiographisches Schreiben als Mittel der Identitätsfindung
  • Rolle von Sprache, Struktur und Emigration

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Shoah

Die Shoah ist vermutlich für alle heute in Deutschland lebenden Juden und Jüdinnen ein einschneidendes Ereignis, das ihr Leben tief geprägt hat. In den meisten Fällen wurden Eltern oder Verwandte zu Opfern. Die Shoah ist auch ein Raub der Geschichte, deren Erinnerung ein integraler Bestandteil der jüdischen Kultur ist. In vielen Werken der jungen jüdischen Autoren tritt dies zutage, auch in den hier untersuchten Texte spielen diese Auswirkungen eine große Rolle.

„Die Legenden meiner Kindheit aber waren andere, und ich bin sehr lange in ihrem Bann geblieben. Im Bann der Gesänge von den mythischen Orten und Begebenheiten, tausendmal genannt und zugleich von viel Schweigen umgeben [...].“ (D, S. 11)

In dieser Textstelle von Barbara Honigmann wird zugleich auf mehrere Themenkomplexe verwiesen, die typisch für die deutsch-jüdische Literatur der zweiten Generation sind. Das wichtigste Motiv ist hier das Schweigen, mit dem die Kinder der Überlebenden aufgewachsen sind. Hier scheint es so zu sein, dass die Eltern nur sehr wenig von ihrer Vergangenheit erzählt haben, so dass die Ich-Erzählerin hieraus kein richtiges Bild von deren Lebensgeschichte entwickeln konnte. Das Wort „Legenden“ zeigt, dass ihr bewusst ist, dass dieses Bild eher ein erfundenes Bild ist, als dass es der Realität entspricht. „Legenden“ weist zusätzlich noch auf eine historische Dimension hin, da hiermit auch Sagen oder Überlieferungen aus älterer Zeit bezeichnet werden, hier vermutlich Geschichten aus der Vergangenheit der Juden. Festzuhalten ist auch, dass die Erzählungen der Eltern sie trotzdem oder vielleicht gerade wegen ihrer Unbestimmtheit besonders geprägt haben. Auf der psychologischen Ebene, klingt hier das Phänomen des Postmemory an.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die deutsch-jüdische Literatur der Gegenwart ein und stellt die Forschungsfragen zu Identitätsfindung und Lebensentwürfen im Kontext der Shoah.

2. Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die biographischen und literarischen Grundlagen der Autorinnen als Vertreterinnen der sogenannten "zweiten Generation".

3. Aspekte der deutsch-jüdischen Identitätsbildung: Die einzelnen identitätsstiftenden Faktoren wie Geschichte, Religion, Fremdheit und der Wohnort werden detailliert auf ihre Bedeutung für die Protagonistinnen analysiert.

4. Sich eine Identität erschreiben: Hier wird der Prozess der Identitätskonstruktion anhand des theoretischen Modells von Jürgen Habermas sowie die spezifischen Erzähltechniken und der Wirklichkeitsstatus der Texte untersucht.

5. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und hebt die unterschiedlichen sprachlichen und strukturellen Herangehensweisen der beiden Autorinnen hervor.

Schlüsselwörter

Deutsch-jüdische Literatur, Identitätsbildung, Shoah, Barbara Honigmann, Esther Dischereit, zweite Generation, Autobiographie, Postmemory, Judentum, Religion, Exil, Fremdheit, Heimat, Erinnerung, Lebensentwurf

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie zwei zeitgenössische Autorinnen jüdische Identität in Deutschland in ihren literarischen Texten konstruieren und welche Rolle die Geschichte, insbesondere die Shoah, dabei spielt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Identitätsfindung der "zweiten Generation" nach der Shoah, das Verhältnis zur Religion, Erfahrungen von Fremdheit sowie die Frage nach einem jüdischen Leben in Deutschland im Vergleich zur Emigration.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, aus welchen Elementen und durch welche Erzählweisen Esther Dischereit und Barbara Honigmann jüdische Identität in ihren Texten aufbauen und wo sich hierbei Gemeinsamkeiten und Unterschiede zeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine vergleichende Textanalyse durchgeführt, die sich primär auf die Interpretation der erzählten Motive stützt und dabei theoretische Konzepte wie Postmemory und das Identitätsmodell von Jürgen Habermas einbezieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden spezifische Aspekte wie der Umgang mit Geschichte, Religion, die Erfahrung von Fremdheit sowie die Entscheidung zwischen Leben in Deutschland und Emigration anhand von Textstellen der Autorinnen analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Identitätsbildung, zweite Generation, Shoah, Postmemory, jüdische Literatur und autobiographisches Schreiben definiert.

Wie unterscheiden sich die Erzählstile von Honigmann und Dischereit?

Während Honigmann auf eine bewusste Einfachheit und klare Strukturen setzt, verwendet Dischereit eine hermetischere, fragmentarische Sprache, die den Prozess der Identitätsfindung als schwieriger und weniger linear darstellt.

Welche Rolle spielt der Begriff "Postmemory"?

Der Begriff beschreibt die Art und Weise, wie die Kinder der Überlebenden durch imaginative Imagination und Repräsentationen der Familiengeschichte mit dem Trauma der Shoah verbunden sind, auch ohne eigene Erlebnisse.

Warum wird die Rückkehr in die jüdische Gemeinde von den Figuren unterschiedlich bewertet?

Die Rückkehr wird oft als Versuch gesehen, einen Platz in einer jüdischen Gemeinschaft zu finden, wobei sie bei den Figuren teils zur Geborgenheit, teils aber auch zu neuen Konflikten und Zweifeln führt.

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Details

Title
Sich eine Identität erschreiben - Zum Werk von Barbara Honigmann und Esther Dischereit
College
RWTH Aachen University  (Germanistisches Institut)
Grade
1,0
Author
M.A, Kerstin Billen (Author)
Publication Year
2006
Pages
60
Catalog Number
V55544
ISBN (eBook)
9783638504614
ISBN (Book)
9783638734950
Language
German
Tags
Sich Identität Werk Barbara Honigmann Esther Dischereit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A, Kerstin Billen (Author), 2006, Sich eine Identität erschreiben - Zum Werk von Barbara Honigmann und Esther Dischereit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55544
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