Im Rahmen dieses Referates wird die Situation von Pflegepersonen dargestellt. Dabei wird auf die Rolle des Pflegenden eingegangen und mögliche Gründe und Motive für die Übernahme der Pflege erläutert. Durch die Übernahme einer Pflege treten Belastungen auf, welchen die pflegenden Angehörigen ausgesetzt sind. Diese Belastungen werden in diesem Referat benannt und beschrieben. Im zweiten Teil des Referates wird eine Verbindung zwischen den Maßnahmen der Sozialpolitik und den bestehenden Belastungen der Pflegenden verdeutlicht. Speziell die Leistungen der Pflegeversicherung als Teildisziplin der sozialen Sicherung werden herausgearbeitet und somit mögliche Lösungswege und Hilfsangebote durch die Sozialpolitik ausgezeigt.
Aufgrund der Vielzahl von tarifvertraglichen Möglichkeiten und Einzelabsprachen zwischen Unternehmern und Beschäftigten, die keine Allgemeingültigkeit haben, liegt der Schwerpunkt des Referates auf der staatlichen und nicht der betrieblichen Sozialpolitik. Auffällige betriebliche Maßnahmen werden zwar zum Teil genannt, eine nähere, inhaltliche Vertiefung wird jedoch nicht angestrebt. Des Weiteren wird wegen der teilweise umfassenden Problematik im Zuge der Abgrenzung von gesunden und pflegebedürftigen Kindern bzw. hieraus resultierenden Leistungsvarianten, nicht im Speziellen auf den Bereich der pflegenden Erziehungsberechtigten eingegangen. Vorab werden wichtige Begrifflichkeiten aus diesem Bereich geklärt, um eine Basis für das gewählte Thema zu schaffen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffserläuterungen
2.1 Sozialpolitik
2.2 Pflegebedürftigkeit
2.3 Pflegende Angehörige
3 Situationsbeschreibung Pflegende
3.1 Gesellschaftliche Rollenverteilung
3.2 Pflegemotive und Motivation
3.3 Pflegeaufgaben und Pflegeintensität
4 Belastung und Problematik
4.1 Das Belastungserleben
4.2 Gefühlsüberflutung
4.3 Persönlichkeitsveränderung der gepflegten Person
4.4 Rollenkonflikte und Beziehungsveränderung
4.5 Gesundheitliche Belastung
4.6 Einschränkung der Erwerbstätigkeit
4.7 Pflegebedingte Isolation
4.8 Finanzielle Belastung
5 Das System der sozialen Sicherung
5.1 Hintergründe und Versicherungszweige
5.2 Wirkungsweise auf pflegende Angehörige
5.3 Die Leistungen der Pflegeversicherung
5.3.1 Hilfsangebote
5.3.2 Finanzierung der privaten Pflege
5.3.3 Pflegehinzukaufmöglichkeiten
5.3.4 Soziale Sicherung von Pflegepersonen
5.4 Unterstützungsangebote
5.4.1 Information und Beratung
5.4.2 Aktive Unterstützung
5.4.3 Patientenberatungsstellen und Selbsthilfegruppen
5.4.4 Gesundheitsförderung
5.5 Soziale Mindestsicherung
5.6 Weitere staatliche Förderung
6 Handlungsoptionen der Sozialpolitik
7 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Situation pflegender Angehöriger in Deutschland, beleuchtet die damit verbundenen physischen, psychischen und finanziellen Belastungen und analysiert, inwieweit das System der sozialen Sicherung, insbesondere durch die Pflegeversicherung, Unterstützung und Entlastung bieten kann.
- Sozialpolitische Rahmenbedingungen und das System der sozialen Sicherung
- Herausforderungen und Belastungsspektrum bei der häuslichen Pflege
- Leistungen und Unterstützungsmöglichkeiten der Pflegeversicherung
- Perspektiven und Handlungsoptionen zur Verbesserung der Situation pflegender Angehöriger
Auszug aus dem Buch
3.2 Pflegemotive und Motivation
In vielen Fällen müssen Entscheidung zur Pflege eines Angehörigen plötzlich und unter besonderem Druck getroffen werden. Denn bei Schlaganfall oder Unfällen tritt plötzlich eine Situation auf, welche vorher nicht erkennbar war. Bei anderen Menschen entwickeln sich Krankheiten und Gebrechlichkeiten eher langsam. Oftmals beginnt die Übernahme der Pflege schon mit häufigeren Besuchen und Hilfen im Haushalt.
Viele Pflegende Angehörige geben an, dass es nie eine bewusste Entscheidung gegeben hat. Es sind oft Entscheidungen nach Abwägen des Für und Wider. So spielen oftmals unklare Gründe eine Rolle, wie
▪ weil man in der Nähe wohnt,
▪ weil es finanziell günstig ist,
▪ weil man ein Versprechen gegeben hat und
▪ aus Dankbarkeit und Gegenleistung.
Diese Argumente oder auch Motive werden selten offen unter den Beteiligten diskutiert. Denn es bestehen natürlich Faktoren, die eher dafür sprechen, die Pflege eines Angehörigen nicht auf sich zu nehmen:
▪ schlechter Gesundheitszustand,
▪ familiäre Verpflichtungen der eigenen Familie gegenüber,
▪ Vermeidung der Verurteilung durch andere und
▪ Erhoffen eines finanziellen Vorteils.
Wenn die Motivation zur Übernahme der Pflege abnimmt und somit die „negativen Gefühle die Oberhand gewinnen, besteht die Gefahr, dass die Pflege lieblos wird, das Risiko der Verwahrlosung oder der seelischen und/oder körperlichen Misshandlung“.
Besteht zwischen dem pflegenden Angehörigen und dem zu Pflegenden kein harmonisches Verhältnis, kann auch der Erkrankte zu seelischer Misshandlung gegenüber seinem pflegenden Angehörigen übergehen. Man spricht hier auch von einer Gewaltspirale, wo es in aller Regel nicht nur Täter und Opfer gibt, sondern häufig sind alle Beteiligten beides.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den steigenden Bedarf an Pflege durch die Alterung der Gesellschaft und stellt die Zielsetzung der Arbeit sowie die methodische Herangehensweise dar.
2 Begriffserläuterungen: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe Sozialpolitik, Pflegebedürftigkeit und pflegende Angehörige definiert und rechtlich eingeordnet.
3 Situationsbeschreibung Pflegende: Dieses Kapitel beschreibt die gesellschaftliche Rollenverteilung, die Motive für die Pflegeübernahme sowie die alltäglichen Pflegeaufgaben und die Pflegeintensität.
4 Belastung und Problematik: Hier werden die vielfältigen Belastungen, von körperlicher und psychischer Beanspruchung bis hin zu finanziellen Einbußen und sozialer Isolation, detailliert analysiert.
5 Das System der sozialen Sicherung: Das Kapitel erläutert die Hintergründe der sozialen Sicherung, die Leistungen der Pflegeversicherung für Pflegende sowie ergänzende Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten.
6 Handlungsoptionen der Sozialpolitik: Dieses Kapitel diskutiert Ansätze zur Verbesserung der Situation pflegender Angehöriger, wie bessere Vereinbarkeit von Beruf und Pflege sowie psychosoziale Entlastungsangebote.
7 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Situation und einem Ausblick auf zukünftige sozialpolitische Notwendigkeiten.
Schlüsselwörter
Pflegende Angehörige, Sozialpolitik, Pflegeversicherung, Soziale Sicherung, Häusliche Pflege, Pflegebedürftigkeit, Belastungserleben, Vereinbarkeit, Pflegeintensität, Unterstützungssysteme, Demografischer Wandel, Altenhilfe, Pflegemotive.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik und der Situation pflegender Angehöriger im Kontext sozialpolitischer Ansatzpunkte und des deutschen Systems der sozialen Sicherung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Belastungssituation der Pflegenden, rechtliche Definitionen der Pflegebedürftigkeit und die Wirksamkeit der Leistungen der Pflegeversicherung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Situation pflegender Angehöriger darzustellen, auftretende Belastungen zu analysieren und Verbindungslinien zu den Leistungen der Sozialpolitik als Lösungsweg aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf Basis aktueller Gesetze (SGB XI, etc.) und wissenschaftlicher Studien die soziale Lage pflegender Angehöriger systematisch aufbereitet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Situationsbeschreibung der Pflegenden, die Analyse verschiedener Belastungsfaktoren und eine detaillierte Erläuterung des Systems der sozialen Sicherung inklusive Hilfsangeboten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Pflegende Angehörige, Pflegeversicherung, häusliche Pflege, soziale Isolation und die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege.
Welche Rolle spielt die geschlechtsspezifische Rollenverteilung bei der Pflege?
Der Autor zeigt auf, dass Frauen die Hauptlast der familiären Pflege tragen und oft unter dem Druck stehen, Beruf und Pflege sowie Familie zu vereinbaren.
Wie kritisch bewertet der Autor das bestehende System der Pflegeversicherung?
Der Autor erkennt an, dass das System Hilfen bietet, kritisiert jedoch die zu starke körperliche Ausrichtung der Pflegebedürftigkeitsbeurteilung, die den Bedarf bei psychischen Erkrankungen oft nicht ausreichend abdeckt.
Was schlägt der Autor als Handlungsoption vor?
Neben dem Ausbau von Tages- und Kurzzeitpflegeplätzen plädiert er für gesetzliche Regelungen zur besseren Vereinbarkeit, ähnlich wie beim Erziehungsurlaub, um den Wiedereinstieg in den Beruf zu erleichtern.
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- Ralf Babuke (Author), 2005, Sozialpolitik - Problematik und Situation von pflegenden Angehörigen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55597