Hegel und die jüdische Religion


Seminararbeit, 2005

14 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Überblick über die Entwicklung der Religionen nach Hegel

III Die Religion der Erhabenheit
a) Der jüdische Gott
b) Der Kultus

IV Das Verhältnis Hegels zur jüdischen Religion

V Fazit

Literaturverzeichnis

I Einleitung

Bereits früh, schon während seiner Zeit in Tübingen, beginnt Hegel sich mit der jüdischen Religion auseinanderzusetzen. Diese Zeit ist wesentlich von den Gedanken der französischen Revolution geprägt, die sich schnell in ganz Europa ausbreiteten und diskutiert wurden. Hierein viel auch eine neue, kritische Bewertung der christlichen Kirche. Der Drang der Aufklärung zur grenzenlosen Anwendung der menschlichen Vernunft führte zu einem erbitterten Anprangern des kirchlichen Machtanspruchs im Staat und dessen Unvereinbarkeit mit der menschlichen Vernunft. Dabei blieb auch die jüdische Religion, aus der die christliche Religion ja im wesentlichen hervorging, von den massiven Angriffen der „Aufklärer“ nicht verschont. Auch G.W.F. Hegel beteiligte sich rege an der aktuellen Debatte. Schon in seinen frühesten Werken aus der Berner Zeit wird die Beschäftigung mit dem Judentum deutlich. Auch wenn er ein harter Kritiker der jüdischen Religion ist, so verfällt er doch nicht jener antijüdischen Hetze, die diese Zeit maßgeblich geprägt hat.

Diese Arbeit wird sich mit der jüdischen Religion (Religion der Erhabenheit) und ihrer Position im Hegelschen Stufensystem der Entwicklungsgeschichte der Religionen auseinandersetzen. Ich beginne bei der Darstellung des jüdischen Gottes und seinen wesentlichen Charakterzügen, wodurch sich auch das Verhältnis zum Menschen, sowie zur Natur ausdrückt. Anschließend gehe ich auf den Kultus in der jüdischen Religion ein und seiner Bedeutung für die Identität des jüdischen Volkes. Abschließend werde ich kurz die Wandlung verdeutlichen, die Hegel von seinen frühen Werken bis hin zu seiner Religionsphilosophie vollzieht.

a) Der jüdische Gott

Zum ersten Mal in der Geschichte der Religion kommt Gott eine absolute Subjektivität zu, er ist nunmehr der Eine , aus dem alles Andere hervorgeht. Gott ist die absolute Weisheit. Jedoch ist diese Weisheit noch abstrakt und unmittelbar, da sie sich erst bestimmen muss. In der Bestimmung seiner selbst liegt die Macht Gottes, welche absolute Negativität und zugleich negative Beziehung auf sich selbst ist, also das Setzen der Bestimmung ist, was zugleich Notwendigkeit und somit das Material ist, aus der die Welt entsteht. Gott besondert sich nicht in sich selbst, sondern im Unterschied zur Schöpfung. In der Religion der Erhabenheit ist in Gott alle Besonderung und Äußerlichkeit untergegangen. Die Welt ist aus der Macht Gottes (der Macht des Guten) entstanden. Der wesentliche Unterschied von Gott zu seiner Schöpfung liegt darin, dass der Welt keine eigene Selbstständigkeit zukommt. Das Verhältnis von Gott zur Welt in der jüdischen Religion ist das der Güte und Gerechtigkeit. Nur durch die Güte Gottes ist die Welt. Genauer gesagt liegt die Güte Gottes wesentlich im Ur-Teilen seiner selbst, also in der Bestimmung Gottes. Die Gerechtigkeit liegt in der Nichtigkeit der Schöpfung, also in der Bewegung von Entstehen und Vergehen. Aus der Tatsache, dass der Welt keine Selbstständigkeit zukommt, folgert Hegel, dass die Natur entgöttert ist[1]. Zwar manifestiert sich Gott in der Welt auch auf individuelle Weise und jeweils für einen bestimmten Zweck, wir Menschen nennen dieses dann ein Wunder, jedoch sind diese Manifestationen zufällig und bestimmen somit nicht das eigentliche, absolute Verhältnis von Gott zur Welt. Sein Charakter in Bezug auf die Schöpfung ist erhaben. Die Welt, das Natürliche wird als etwas Unangemessenes negiert, denn das was sich manifestiert (Gott)

ist gleichzeitig die absolute Macht über die Welt. Die Erhabenheit Gottes über die Welt zeigt sich zudem darin, dass er sich die Naturgewalten zu seinen Dienern macht. “Dies ist die Erhabenheit, dass die Natur so ganz negiert, unterworfen [..] vorgestellt wird“[2]. Die Erhabenheit ist als Ausdruck seiner Macht aber ein Charakterzug Gottes, sie gibt nicht den wesentlichen Zweck wieder, warum dieser Gott ein Schaffender ist. Der Zweck Gottes mit der Welt ist für Hegel vor allem, dass Gott sich selbst realisiert und sich in sich (seiner Schöpfung) erkennt. Der Ort an dem Gott sich selbst erkennt, liegt im menschlichen Bewußtsein. Dieses ist bisher endlich, also ohne Wissen von Gott. Erst die Anwesenheit Gottes, das An-und Erkennen seiner unendlichen Macht und damit verbunden das Erkennen der Unzulänglichkeit der äußerlichen Welt, macht den Geist zu einem unendlichen. Nun ist Gott Bestandteil des menschlichen Bewußtseins und wird von diesem anerkannt. Dieser Moment ist die Entstehung der Religion im Menschen. Hieraus erfolgt eine weitere Bestimmung des Zwecks Gottes, nämlich die Sittlichkeit. In der Sittlichkeit erfährt der Mensch die Differenzen seiner Innerlichkeit in Rücksicht auf Gott und der Natürlichkeit des Daseins, als ein Gebrochensein[3], d.h. der Unterschied von der natürlichen, äußerlichen Welt und dem menschlichen Geist. Der Mensch soll erkennen, dass die Natur durch Gottes guten Willen besteht. Sobald er dieses erkannt hat, ist auch der Wille des Menschen dadurch bestimmt, Gutes zu tun („Rechttun“). Hegel führt hierzu das Beispiel Hiobs an, der sich, an Gott richtend, als unschuldig wähnt und Missmut über seinen Zustand äußert. Gott aber sagt, dass Hiob nicht wissen kann ob er immer rechtens lebte, denn das kann nur Gott beurteilen. Hiob müsse sich voll und ganz der

Macht Gottes und somit der absoluten Zuversicht unterwerfen.[4]

[...]


[1] Vgl. Hegel, G.F.W. , Reliogion , S. 61.

[2] Vgl. Hegel, G.F.W. , Reliogion , S. 65.

[3] Vgl. Wölfle, Gerhard , „Kult und Opfer in Hegels Religionsphilosophie“ , S.49.

[4] Vgl. Hegel, G.F.W. , Reliogion , S. 69.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Hegel und die jüdische Religion
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Philosophie)
Veranstaltung
Hegels Religionsphilosophie
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V55623
ISBN (eBook)
9783638505222
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hegel, Religion, Hegels, Religionsphilosophie
Arbeit zitieren
Sebastian Haack (Autor), 2005, Hegel und die jüdische Religion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55623

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