Allgemeine Informationen
Privatisierung ist das Verlagern von Angelegenheiten, die bisher von der öffentlichen Hand wahrgenommen wurden in den privatrechtlichen Bereich. Die Privatisierung stellt aus organisationssoziologischer Perspektive einen Prozess verordneter und geplanter Organisationsentwicklung dar.
· Neue Ziele in Privatunternehmen sind: Kundenorientierung, Ergebnis- / Kostenverantwortung und dezentrale Entscheidungskompetenzen.
Allgemeine internationale Erfolge von Privatisierungen staatlicher Unternehmen werden in einer Weltbankstudie belegt:
· In über zwölf Privatisierungsfälle in vier Ländern (3 Telekomprivatisierungen) ergab, dass die Wohlfahrt des Landes als Folge in 11 von 12 Fällen eintrat.
· Neben der Effizienzsteigerung ist das überraschende Ergebnis der Weltbankstudie, dass in keinem der zwölf Fälle die Beschäftigten der privatisierten Unternehmen als Gruppe zu den Verlierern zählte. Besonders überraschend ist dies, da die Beschäftigten in fast allen Fällen die Privatisierung bekämpften.
Die Deutsche Bundespost (DBP) ist bis zur Postreform I wesentlicher Bestandteil der Bundesverwaltung und umfasst mit 700.000 Mitarbeitern, mehr als ein Drittel der Bundesverwaltung. Über Jahre hinweg vollzieht sich der Prozess der Privatisierung auch gegen den Wunsch der Deutschen Postgewerkschaft (DPG):
· 1975 verliert die DBP die Gebühreneinziehung für Fernsehen und Rundfunk
· 1985: Das Bundespostministerium verfügt über die Privatisierung der Gebäudereinigung
· 1989: Die Postreform I (Poststrukturgesetz) wird im Bundesrat beschlossen. Das Telekom-Monopol wird vorübergehend bei Kabelnetzen und im Sprachtelefondienst beibehalten. Der Wettbewerb für alle übrigen Telekommunikationsdienste, bei Mobilfunk- und Satellitennetzen ist beschlossen.
· 1989, 1993: Die Lizenzteilungen mit Mannesmann Mobilfunk GmbH und E-Plus-Mobilfunk GmbH werden entschieden.
· 1995: Das Postneuordnungsgesetz (Postreform II) tritt in Kraft. Es wird eine Beibehaltung der Telekom-Monopole für eine Übergangszeit (§143b (2) GG) und Befristung der Geltungsdauer der Regulierungsgesetze im Telekommunikationssektor auf den 31.12.1997 festgesetzt. Aus dem Sondervermögen entstehen die drei Nachfolgeunternehmen: Deutsche Telekom AG, Deutsche Post AG und Deutsche Postbank AG.
· Alleinaktionär bei allen drei Nachfolgegesellschaften ist gemäß § 3 Abs. 1 PostUmwG der Bund, dessen Inhaberrechte die Bundesanstalt für Post und Telekommunikation Deutsche Bundespost (BA-Post) wahrnimmt.
· 1996, 2000 Börsengang der Deutsche Telekom AG und der Deutschen Post AG
o Der Bund verkauft Grundkapital an die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Beteiligungsrechte für die verbliebenen 50% und 1 Aktie des Bundes werden weiterhin von der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation wahrgenommen.
Inhaltsverzeichnis
1. ALLGEMEINE INFORMATIONEN
2. NOTWENDIGKEIT DER PRIVATISIERUNG
3. ZIELE DER PRIVATISIERUNG
DIE ZIELE IM EINZELNEN
4. DIE ROLLE DER GEWERKSCHAFTEN
VORTEILE AUS SICHT DER DPG
PROBLEME, AUS SICHT DER DPG
DURCHGEFÜHRTE MABNAHMEN
DIE DPG NACH DER PRIVATISIERUNG
5. PROBLEME IN DER UMSETZUNG DER PRIVATISIERUNG
DIE ROLLE DES STAATES
DIE BEAMTENPROBLEMATIK
WODURCH IST DER BEAMTENSTATUS GEKENNZEICHNET?
WODURCH IST DAS ANGESTELLTENVERHÄLTNIS GEKENNZEICHNET?
GESETZLICHE NEUREGELUNGEN
POSTREFORM I (1989):
POSTREFORM II (1994): → BELEIHUNGSMODELL
FOLGEN
6. MABNAHMEN DER NEUEN PRIVATEN UNTERNEHMEN
PERSONALABBAU INNERHALB DER UNTERNEHMEN
GRÜNDE FÜR DIE NOTWENDIGKEIT EINES PERSONALABBAUS.
WEGE AUS DEM PERSONALÜBERHANG
DER PERSONALABBAU IN ZAHLEN
ÄNDERUNG DER ARBEITSBEDINGUNGEN
OUTSOURCING
UMSTRUKTURIERUNGEN
7. GEHALTSMODELLE
DIE TARIFVERTRÄGE
MITARBEITERBETEILIGUNGEN
KLASSISCHES MODELL (IN DEUTSCHLAND ÜBLICHE FORM)
INNOVATIVES MODELL („DAS NEUE MODELL“)
BEVORRECHTIGE ZUTEILUNG
ZIELE DER MITARBEITERBETEILIGUNGEN WAREN:
AKTIENOPTIONEN
8. SONSTIGE VERÄNDERUNGEN DURCH DIE PRIVATISIERUNG
DOPPELSTELLUNG DES BEAMTEN
KNOW-HOW-STEIGERUNG
EFFIZIENZSTEIGERUNG
KARRIEREPROBLEMATIK / CHANCEN
KEIN STREIKRECHT
MITBESTIMMUNGSTHEMATIK
SOZIALVERSICHERUNG
9. KRITISCHE BETRACHTUNG
DIE DBP HAT EIN NEUES GESICHT BEKOMMEN
UND DIE ENTWICKLUNG GEHT WEITER
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Prozess der Privatisierung der Deutschen Bundespost (DBP) und dessen Auswirkungen auf die Mitarbeiter, den Beamtenstatus sowie die organisatorischen Strukturen. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse, wie der Übergang von einem behördlichen Staatsbetrieb hin zu einem wettbewerbsorientierten privaten Unternehmen gestaltet wurde und welche Herausforderungen dies für die Beschäftigten mit sich brachte.
- Transformation des Beamtenstatus und rechtliche Rahmenbedingungen bei Privatisierungen
- Maßnahmen des Personalabbaus und Änderung der Arbeitsbedingungen
- Rolle und Einfluss der Deutschen Postgewerkschaft (DPG)
- Finanzielle Anreizsysteme, wie Mitarbeiterbeteiligungen und Aktienoptionen
- Einfluss von Outsourcing auf Personalstrukturen und Unternehmenseffizienz
Auszug aus dem Buch
Gründe für die Notwendigkeit des Personalabbaus.
Die aus der DBP hervorgegangenen Unternehmen suchen in den 90er Jahren nach Wegen, den Personalüberhang zu kontrollieren. Dieser war folgendermaßen entstanden:
Der Bund hat während der Zeit der DBP als staatliches Unternehmen Arbeitsmarktpolitik betrieben. In dieser Zeit wurden zu viele Arbeitsverhältnisse geschlossen, um die Arbeitslosenquote stabil zu halten. Als privates Unternehmen ist dies nicht mehr tragbar.
Gleichzeitig verändert sich die Beschäftigtenstruktur durch den technologischen Wandel. Instandhaltungsarbeiten werden z.B. durch Verbesserungen der Systeme (z.B. durch die automatische Verkabelung über Ozeane hinweg) nicht mehr so stark benötigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. ALLGEMEINE INFORMATIONEN: Einführung in die Privatisierung als Prozess der Organisationsentwicklung und Überblick über die Entwicklung der Deutschen Bundespost bis zur Postreform I.
2. NOTWENDIGKEIT DER PRIVATISIERUNG: Analyse der Probleme der DBP, wie Ineffizienz, Überbesetzung und starre Strukturen, die den Reformbedarf begründeten.
3. ZIELE DER PRIVATISIERUNG: Darstellung der ökonomischen und strategischen Zielsetzungen, einschließlich der Effizienzsteigerung und Vorbereitung auf den Börsengang.
4. DIE ROLLE DER GEWERKSCHAFTEN: Beschreibung der gewerkschaftlichen Begleitung und Einflussnahme durch die DPG auf den Privatisierungsprozess.
5. PROBLEME IN DER UMSETZUNG DER PRIVATISIERUNG: Erörterung verfassungsrechtlicher Fragen sowie der komplexen rechtlichen Überleitung von Beamtenverhältnissen.
6. MABNAHMEN DER NEUEN PRIVATEN UNTERNEHMEN: Untersuchung konkreter Strategien wie Personalabbau, Outsourcing und Anpassung der Arbeitsbedingungen.
7. GEHALTSMODELLE: Analyse der Vergütungssysteme, einschließlich der Rolle von Tarifverträgen, Aktienoptionen und Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen.
8. SONSTIGE VERÄNDERUNGEN DURCH DIE PRIVATISIERUNG: Beleuchtung zusätzlicher Aspekte wie Doppelstellung von Beamten, Effizienzsteigerung und Mitbestimmung.
9. KRITISCHE BETRACHTUNG: Abschließende Einschätzung des Privatisierungserfolgs und Ausblick auf die weiteren Entwicklungen der Branche.
Schlüsselwörter
Privatisierung, Deutsche Bundespost, Personalabbau, Beamtenstatus, Deutsche Postgewerkschaft, Postreform, Mitarbeiterbeteiligung, Outsourcing, Aktiengesellschaft, Arbeitsmarktpolitik, Arbeitsbedingungen, Effizienzsteigerung, Börsengang, Postneuordnungsgesetz, Leistungsdruck
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Privatisierung der Deutschen Bundespost und deren tiefgreifende Auswirkungen auf die Beschäftigtenstruktur und die rechtliche Stellung des Personals.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen den Abbau von Beamtenstellen, die Rolle der Gewerkschaften, die Änderung der Arbeitsbedingungen sowie die Einführung neuer Vergütungsmodelle im Zuge der Unternehmensprivatisierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Transformation vom staatlichen Behördenbetrieb zum marktwirtschaftlich agierenden Unternehmen unter Berücksichtigung der arbeitsrechtlichen Herausforderungen vollzogen wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte Analyse und Untersuchung auf Basis von gesetzlichen Reformen, Personalberichten und unternehmensinternen Strategien im Zeitraum der Postreformen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden detaillierte Maßnahmen wie Personalabbau, Outsourcing, Gehaltsmodelle und die spezifische Problematik der Überleitung von Beamten in privatwirtschaftliche Strukturen diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Privatisierung, Deutsche Bundespost, Personalabbau, Beamtenstatus und die verschiedenen Postreformen.
Wie gehen die Unternehmen mit dem Personalüberhang um?
Es werden verschiedene Methoden wie Vorruhestandsregelungen, Abfindungen, Einstellungssperren und die sogenannte „In Sich Beurlaubung“ eingesetzt, um den Personalbestand sozialverträglich zu reduzieren.
Wie unterscheidet sich die Situation der Beamten nach der Privatisierung?
Beamte behalten ihren Status bei, befinden sich jedoch in einer Doppelstellung zwischen ihrem verfassungsrechtlichen Dienstherrn und dem privatwirtschaftlichen Arbeitgeber, was komplexe rechtliche und organisatorische Anpassungen erforderlich macht.
- Quote paper
- Manja Ledderhos (Author), 2001, Mitarbeiter bei Privatisierungen - Eine Untersuchung zur Privatisierung der Deutschen Bundespost, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5562