J.R.R. Tolkiens 'The Hobbit' als Beispiel für fantasy literature im Englischunterricht der 10. Jahrgangsstufe


Seminararbeit, 2006
22 Seiten, Note: 1-

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Literatur im Englischunterricht
2.1. Lehrplanvorgaben
2.2 Funktion der Literatur im Englischunterricht
2.3. Fantasy literature im Englischunterricht
2.3.1 Definition von fantasy literature
2.3.2. Verwendung von fantasy literature im Unterricht

3. Sachanalyse von The Hobbit
3.1. Entstehung von The Hobbit und Aufbau des Romans
3.2. Personenkonstellation und Charakteristiken der wichtigsten Personen
3.2.1. Bilbo Baggins
3.2.2. Gandalf
3.2.3 Thorin Oakenshield
3.2.4. Gollum
3.2.5. Smaug

4. Didaktische Analyse
4.1. Didaktische Relevanz
4.2. Unterrichtsvorschläge
4.3. Schreiben einer Fortsetzung von The Hobbit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Durch die Verfilmungen von John Ronald Reuel Tolkiens Hauptwerk The Lord of the Rings durch Peter Jackson in den Jahren 2001 bis 2003 in drei über dreistündigen Filmen ist die Popularität Tolkiens Werke noch größer geworden als sie schon zur Zeit ihrer Veröffentlichung und vor allem in den sechziger Jahren waren. Es löste einen sehr großen Mittelerde-Boom aus. Nicht nur Bücher folgten, auch Computerspiele, Musik und conventions auf denen sich die Fans von Mittelerde treffen. Nach der Bibel ist The Lord of the Rings das meistverkaufte Buch des 20. Jahrhunderts. Allerdings ist eine Umsetzung von The Lord of the Rings im Englischunterricht hier sehr zwiespältig, da dieses Werk mit einem Umfang von über 1200 Seiten den Rahmen, den der Lehrplan für die 10. Klasse an Realschulen für den Literaturunterricht vorsieht, deutlich übersteigen würde. Neben dem Hauptwerk gibt es allerdings auch weniger umfangreichere Bücher von Tolkien, die sich deshalb eher für den Einsatz im Englischunterricht eignen. Beispiele hierfür sind The Hobbit, Farmer Giles of Ham oder auch Roverandom. Der Einsatz des Ersteren im Unterricht soll das Thema dieser Arbeit sein, da es doch sozusagen als Vorgeschichte zu The Lord of the Rings für Jugendliche recht interessant sein kann.

Ausgehend vom Lehrplan an bayerischen Realschulen soll der Einsatz von Literatur und insbesondere von fantasy literature im Englischunterricht deutlich gemacht werden. Neben einer Sachanalyse von The Hobbit soll ebenfalls eine didaktische Analyse Teil dieser Arbeit sein, um einige mögliche Umsetzungen für den Englischunterricht zu zeigen.

2. Literatur im Englischunterricht

2.1. Lehrplanvorgaben

Richtlinie eines jeden Lehrers ist der Lehrplan, der ihm vorgibt was die Lernziele der jeweiligen Jahrgangsstufe sind. Die Grundlage hier ist der bayerische Lehrplan für Englisch für die 10. Klassen an Realschulen. In der 10. Klasse ist der Englischunterricht vierstündig und damit zeitlich beschränkt. Dennoch sollte der Literaturunterricht nicht vernachlässigt werden, da durch ihn die meisten Lernziele erreicht werden können. Ein Lernziel ist hier die Verbesserung der kommunikativen Fähigkeiten. So soll der Schüler in der Lage sein, längere unbekannte Texte selbstständig im Detail zu erschließen und auszuwerten, sowie die Intention des Autors zu erkennen.[1] Ebenso sollen der Wortschatz und die Strukturen erweitert werden. Es sollen circa 600 neue lexikalische Einheiten gelernt werden. Das Lesen von Literatur ist eine der effizientesten Art und Weisen seinen Wortschatz zu vergrößern, da er gleich im Zusammenhang gelernt werden kann. Ein weiterer wichtiger Bereich ist da interkulturelles Lernen. Es sollen hier wichtige englischsprachige Autoren der Gegenwart kennen gelernt und Einblick in ihre Werke gewonnen werden. Auch ist es ein elementares Ziel des Lehrplanes den Schülern gewisse Lern- und Arbeitstechniken beizubringen. Dazu gehören fachspezifische Lesestrategien wie skimming, speculating, highlighting und bei Hör- und Lesetexten die Anwendung von note-taking.[2]

Im Lehrplan sind ebenfalls verschiedene Themengebiete angegeben, die Teil des Unterrichts in der 10. Klasse sein können. So soll der Schwerpunkt auf gesellschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Themen aus der englischsprachigen Welt liegen. Es spielen in außerschulischen Sprachbegegnungen authentische Hör- und Lesetexte eine wichtige Rolle. Dabei müssen auch Texte ausgewählt werden, die zur Stellungnahme oder zum Meinungsaustausch anregen. Dadurch wird ein Einblick in die zeitgenössische englischsprachige Literatur ermöglicht. Dafür sind ungefähr acht Unterrichtsstunden vorgesehen. Diese knappe Zeit kann allerdings durch das folgende Themengebiet erweitert werden, das cirka 16 Stunden umfasst: weitere Interessensgebiete der Schüler, wie Lektüren und Projekte.[3]

Der Lehrplan umfasst auch die Vorgaben welche kommunikativen Fähigkeiten in der 10. Klasse erlernt werden sollen, wie zum Beispiel die Verbesserung des Leseverstehens. Es sollen einfache literarische Texte, eine Ganzschrift oder Sprachzeitschriften gelesen werden. Neben diesem soll ebenfalls das Schreiben verbessert werden. Für uns ist hier das guided writing wichtig. Hierbei handelt es sich um das Anfertigen von Texten mit unterschiedlichen Zielrichtungen mit Hilfe von Vorgaben.[4]

Der Lehrplan bietet somit genügend Grundlagen für einen Literaturunterricht. Doch warum überhaupt Literaturunterricht im Englischunterricht? Die Antwort hierfür wird nun im folgenden Abschnitt näher betrachtet werden.

2.2 Funktion der Literatur im Englischunterricht

Wie schon gesagt, gehört Lesen im Unterricht zu einer der wichtigsten Möglichkeiten die Schüler in der englischen Sprache zu unterrichten. Die primäre Funktion der Lektüre im Unterricht ist die Förderung des Spracherwerbprozesses sowie die Schulung des Leseverstehens. Warum aber Leseverstehen? Wolfgang Gehring hat hier einen kleinen Katalog zusammengestellt: So liegen viele Informationen nur in schriftlicher Form vor. Auch erschließen sich für die Schüler neue Welten durch Lesenverstehen. Ferner ist in der Eigenkultur des Lernenden das Lesen englischsprachiger Texte die einfachste Form, die fremde Sprache aktiv zu halten. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass für die Nutzung neuer Technologien englischsprachige Leseerfahrungen wichtig sind. Das Leseverstehen ist für das autonome und selbsttätige Lernen unverzichtbar.[5] Diesen Gründen für den Literaturunterricht ist grundsätzlich zuzustimmen, bis auf die Tatsache, dass durch die neuen Medien das Lesen für die meisten Schüler nicht mehr die einfachste Form ist, die englische Sprache aktiv zu halten. Durch mehrsprachige DVDs ist nicht mehr so schwierig wie früher, sich Filme in der Originalversion anzuschauen. Da fast jeder Haushalt über diese Möglichkeit verfügt, wird diese Möglichkeit heute mehr und mehr genutzt. Dennoch ist ein Literaturunterricht in Englisch unverzichtbar. Zu Beginn des Fremdsprachenerwerbs ist allerdings eher die Verwendung des simplified readers zu empfehlen. Diese Lektüren kann man in simplifiers und abridged versions unterteilen. In simplifiers werden Passagen, die für das Nachvollziehen der Haupthandlung nicht von Belang sind, komplett gestrichen oder auf wenige Sätze mit vereinfachten Vokabeln und Syntax zusammengekürzt. Abridged versions sind eher für fortgeschrittene Leser gedacht, da Vokabular und Syntax meist unverändert bleiben. Diese simplified literature übernimmt in der Sekundarstufe I eine Brückenfunktion. Die Begegnung mit Originaltexten wird in den Lehrplänen erst in der Sekundarstufe II zu einem Unterrichtsschwerpunkt erhoben.[6] Diese Begegnung ist allerdings unerlässlich, da bei der Vereinfachung solcher Texte der Sprachstil der Autoren verloren geht.

Neben einfachen Formen wie limericks, songs, Gedichten, aber auch Märchen und Fabeln sollen Erzähltexte wie Romane und short stories Teil des Literaturunterrichts sein. Die analytische Beschäftigung hat den Sinn “die Schüler zu einem sachgerechten Umgang mit Literatur zu befähigen.“[7] Man muss die Schüler auf die chronologische Abfolge des Erzählten lenken, auf flashback und foreshadowing. Ebenso muss der Lehrer auf die Eigenschaften und Merkmale von Charakteren eingehen. Hier sollte besonders darauf geachtet werden ob ein Charakter stative oder dynamic, flat/round oder main/minor ist. Die Schüler müssen auch angeregt werden, die aus der Analyse von Kurzgeschichten gewonnen Fähigkeiten auf den Roman zu übertragen. Weiterhin sind die kognitiven Texterschließungsverfahren um produktorientierte und kreative zu ergänzen. So könnten die Schüler zum Beispiel aus der Perspektive eines Charakters Stellung zu beziehen, sei es nun in der Form eines Briefes oder eines Kommentars. Weiterhin ist es förderlich, summaries der jeweiligen Kapitel zu Hause als Hausaufgabe verfassen zu lassen. Diese so entstehenden Lesetagebücher erleichtern es den Schülern, mit dem Text umzugehen.[8]

Im Unterricht ist es nötig Leseerwartungen aufzubauen. Dies erreicht man durch so genannte pre reading activities. Zum Beispiel durch brainstorming oder contextual guessing. Danach folgen die while reading activities wie das note taking, bei dem der Schüler lernen soll, sich während des Lesens Notizen zu machen. Danach kann der Lehrer post reading activities anschließen, wie zum Beispiel einen Bericht in einen Dialog umzuschreiben.[9]

Die Schüler sollen auch lernen, nebensächliche und zusätzliche Informationen außer Acht zu lassen und nur die central idea einer Textstelle durch schnelles Lesen herausbekommen. Diese Leseweise wird im Englischen skimming genannt.[10] Das Herausarbeiten der central idea ist bei simplified readers nicht mehr möglich, da diese bereits bearbeitet sind und alles Nebensächliche entfernt wurde. Deswegen ist der Umgang mit Originaltexten unerlässlich, vor allem, da diese Lesefähigkeit eines der Lernziele im Lehrplan ist. Eine weitere Leseweise ist das scanning. Hier sollen die Schüler bestimmte Details eines Textes herausfinden. Danach sollen die Schüler die Textstelle genau erfassen. Dieses Lesen wird reading for full understanding genannt. Erst nachdem diese drei Schritte vollzogen wurden, kann der Lehrer eine soziale Interaktion durchführen, bei der tiefgehende Fragen beantwortet werden müssen.[11] Diese im Lehrplan verlangten Lernziele der verschiedenen Lesearten kann man besonders gut mit dem Umgang mit Literatur im Unterricht erreichen.

[...]


[1] Vgl. Lehrplan für bayerische Realschulen http://www.realschule.bayern.de/lehrplan/ebenen/lehrplan/e10.pdf, p.486. 29.January 2006.

[2] Vgl. Ibid.

[3] Vgl. Ibid., p.487.

[4] Vgl. Ibid.

[5] Vgl. Wolfgang Gehring, Englisch in der Sekundarstufe I unterrichten, Donauwörth: Ludwig Auer, 2002. p.97.

[6] Vgl. Wolfgang Gehring, Englische Fachdidaktik, Berlin: Erich Schmidt, 1999. pp.135-137.

[7] Ibid., p. 140.

[8] Ibid., pp.140-141.

[9] Vgl. Wolfgang Gehring, Englisch in der Sekundarstufe I unterrichten, Donauwörth: Ludwig Auer, 2002. pp. 98-99.

[10] Vgl. Karlheinz Hecht and Ludwig Waas, Englischunterricht konkret, Donauwörth: Ludwig Auer, 1995. p.158.

[11] Vgl. Ibid., p.158-159.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
J.R.R. Tolkiens 'The Hobbit' als Beispiel für fantasy literature im Englischunterricht der 10. Jahrgangsstufe
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Anglistik und Amerikanistik)
Veranstaltung
Oberseminar Kulturwissenschaft und Postmodernismus
Note
1-
Autor
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V55652
ISBN (eBook)
9783638505451
ISBN (Buch)
9783638922050
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tolkiens, Hobbit, Beispiel, Englischunterricht, Jahrgangsstufe, Oberseminar, Kulturwissenschaft, Postmodernismus
Arbeit zitieren
Burkhard Werner (Autor), 2006, J.R.R. Tolkiens 'The Hobbit' als Beispiel für fantasy literature im Englischunterricht der 10. Jahrgangsstufe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55652

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