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Martyrium zwischen Fanatismus und Heiligkeit

Eine Auseinandersetzung mit dem Martyrium im Anschluss an den Roman "Schweigen" von Shusaku Endo

Title: Martyrium zwischen Fanatismus und Heiligkeit

Thesis (M.A.) , 2005 , 130 Pages , Grade: 1.25

Autor:in: Roger Husistein (Author)

Theology - Systematic Theology
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Summary Excerpt Details

Ausgangslage: Die Selbstmordattentate vom 11. September 2001 haben die westliche Welt geschockt. Sie stellen einen vorläufigen Höhepunkt dar in einer langen Reihe von Anschlägen. Während diese bei uns in erster Linie als Terrorattacken wahrgenommen wurden, werden die Attentäter von ihrem Umkreis als Märtyrer1 verehrt. Seither ist ein alter, schillernder Begriff aus dem Vokabular der Religionen wieder in aller Munde: das Martyrium. Aus eigener Erfahrung erlebe ich, dass viele meiner Zeitgenossen mit dem Martyrium in erster Linie Fanatismus verbinden. Natürlich hängt dies auch mit der Tatsache zusammen, dass das Martyrium vor allem im Zusammenhang mit den Selbstmordanschlägen durch islamistische Fanatiker thematisiert wird, bei denen nicht nur die Attentäter selber, sondern oft auch eine grosse Zahl von unbeteiligten Zivilisten ums Leben kommen. Doch die Skepsis gegenüber dem Martyrium greift wohl noch tiefer. In einer Zeit der postmodernen ‚schwachen Vernunft’ ohne überindividuelle Gewissheiten ist für viele westliche, säkularisierte Menschen die Haltung, dass jemand für eine Idee oder eine religiöse Überzeugung im Ernstfall sein Leben hingibt, zumindest suspekt. Und doch mussten wohl in keinem anderen Jahrhundert so viele Menschen überall auf der Welt wegen ihren Überzeugungen und ihrem Engagement ihr Leben lassen wie im vergangenen. Dazu gehören so grosse religiöse Persönlichkeiten wie Martin Luther King, Dietrich Bonhoeffer, Mahatma Gandhi, Edith Stein oder Oscar Romero, die auch heute noch nicht nur von ihren jeweiligen religiösen Gemeinschaften als Märtyrer verehrt werden. Daneben dürfen aber auch jene wegen ihres Glaubens Verfolgten nicht vergessen werden, die namenlos geblieben sind und weitgehend vergessen wurden. Gerade die christlichen Kirchen haben immer an der speziellen Bedeutung der Märtyrer als Glaubenszeugen festgehalten. Auch in anderen Religionen wie dem Judentum oder dem Islam nimmt das Martyrium (oder ähnliche Phänomene mit anderen Bezeichnungen) einen herausragenden Platz ein. Aber auch scheinbar areligiöse oder sogar antireligiöse Gruppen verehren ihre Märtyrer, man denke nur an die Kommunistin Rosa Luxemburg oder an Che Guevara.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Teil I: Der traditionelle christliche Martyriumsbegriff

1. Das Martyrium in der Urkirche

1.1 Biblischer Hintergrund

1.2 Entstehung des Märtyrertitels

1.3 Die römischen Christenverfolgungen als Kontext des urchristlichen Martyriums

1.4 Martyriumstheologie

1.5 Märtyrerverehrung

1.6 Die Frage der Lapsi

2. Das Martyrium in der Kirchengeschichte

Exkurs: Soziologische Sicht auf das Martyrium

a) The Martyrological Confrontation

b) The Martyr’s Motive

c) The Martyrological Narrative

d) Kritik an Weiner

Teil II: Shusaku Endo und sein Roman Chinmoku – Schweigen – Ein japanischer Blick auf das Martyrium

1. Shusaku Endo – Leben und Werk

2. Die japanische Christenverfolgung im 17. Jahrhundert – Ursachen und Hintergründe

2.1 Geschichtlicher Überblick über die Christenverfolgungen

2.2 Ursache für die Christenverfolgung

2.3 Martyriumsvorstellungen

3. Der Roman Chinmoku – Schweigen

3.1 Entstehungskontext

3.2 Inhalt

3.3 Analyse

3.3.1 Schwachheit – Stärke

3.3.2 Endos Christologie

3.3.3 Das Martyrium im Kontext von Endos Roman Schweigen

Teil III : Zeitgenössische Ansätze des Martyriumsverständnisses

1. Orte der Reflexion über das Martyrium im 20. Jahrhundert

2. Erweiterungen des Martyriumsbegriffs

2.1 Politische Märtyrer – Märtyrer für das Reich Gottes

2.2 Der fehlende Hass auf den christlichen Glauben: Christen als Opfer von Christen

2.3 Vom individuellen zum kollektiven Martyrium: Das gekreuzigte Volk

2.4 Der gewaltbereite Märtyrer

Exkurs: Kurzer Überblick über islamische Martyriumskonzepte

Teil IV: Grundüberlegungen zu einem aktuellen christlichen Martyriumsverständnis

1. Das Martyrium in einer säkularisierten Gesellschaft

2. Christliches Martyrium in der Nachfolge Jesu

3. Gratwanderungen

3.1 Die Konflikte, die zum Martyrium führen

3.2 Martyrium und Jenseitsvertröstung

3.3 Martyrium und Heldentum

3.4 Die Idealisierung des Leidens

Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das christliche Martyriumsverständnis im Wandel der Zeit, ausgehend von frühchristlichen Traditionen bis hin zu zeitgenössischen Diskursen, mit einem besonderen Fokus auf Shusaku Endos Roman "Schweigen". Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie heute sinnvoll von einem christlichen Martyrium gesprochen werden kann, ohne es mit Fanatismus gleichzusetzen.

  • Historische Analyse des christlichen Martyriumsbegriffs in der Urkirche.
  • Literarische und theologische Auseinandersetzung mit Shusaku Endos "Schweigen".
  • Soziologische Perspektiven auf das Martyrium durch Eugene und Anita Weiner.
  • Diskussion zeitgenössischer Ansätze, inklusive der Befreiungstheologie.
  • Reflektion über Abgrenzungen zu islamischen Martyriumskonzepten.

Auszug aus dem Buch

1.3 Die römischen Christenverfolgungen als Kontext des urchristlichen Martyriums

Bis zur Anerkennung als offiziell erlaubte Religion im römischen Reich durch Kaiser Galerius im Toleranzedikt von Nikomedia 311 n. Chr., welches durch die beiden Kaiser Konstantin I. und Licinius im Mailänder Toleranzedikt 313 n. Chr. bestätigt und ausgeweitet wurde, hatte die junge christliche Kirche mehr als 250 Jahre lang immer wieder unter Verfolgungen zu leiden. Die Verfolgungen waren bis in die Mitte des 3. Jh. n. Chr. meist lokal beschränkt und gingen wellenartig vor sich. Die Zahl der Martyrien hielt sich relativ in Grenzen. Die staatlichen Behörden schritten meist nicht von sich aus ein, sondern erst nach Anfeindungen durch die lokale Bevölkerung, die Christen beim Staat anzeigten.

Erst als die Christen zahlenmässig ein ernstzunehmender Machtfaktor geworden waren, wurden unter Kaiser Decius und Valerian (um ca. 250 n. Chr.) systematischere Verfolgungsmassnahmen eingeleitet. In dieser Zeit geriet das römische Reich durch grosse soziale und wirtschaftliche Verwerfungen und Angriffe von aussen in Bedrängnis, worauf die Behörden mit einer Verstärkung und Erneuerung des traditionellen römischen Götter- und Kaiserkults als einheitsstiftendes Element im Reich reagierten. Die traditionelle römische Einstellung zur Religion war geprägt von Toleranz gegenüber den zahllosen lokalen Kulten in den eroberten Gebieten des Weltreichs. Auch privat konnte jeder sich jenem Gott und Kult zuwenden, den er bevorzugte.

Gleichzeitig war aber jeder dazu verpflichtet, den Gott seiner Heimatstadt und vor allem die Götter Roms zu verehren, deren Gunst für das Wohl des Reiches unerlässlich war. Die Verehrung der römischen Götter und im Speziellen der römische Kaiserkult galten als wichtigstes Integrationselement für die Aufrechterhaltung der Ordnung im Weltreich. Die einzelnen Kulte benötigten eine staatliche Anerkennung. Um diese zu erhalten, durften sie die öffentliche Ordnung nicht stören. Die christliche Kirche war zwar gegenüber dem Kaiser durchaus loyal eingestellt, ihr monotheistischer Glaube verbot ihnen jedoch jegliche Götzen und Kaiserverehrung, was auch die verlangten Opfer vor dem kaiserlichen Standbild und den Götterstatuen einschloss. In dieser Weigerung sahen die römischen und lokalen Behörden eine Ablehnung der römischen Ordnung und ihrer Götter und eine subversive Gefahr für den Staat.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass das Martyrium heute oft mit Fanatismus assoziiert wird, und stellt das Ziel der Arbeit vor, ein zeitgemäßes Verständnis des christlichen Martyriums zu entwickeln.

Teil I: Der traditionelle christliche Martyriumsbegriff: Dieser Teil beschreibt die Ursprünge und Entwicklung des christlichen Martyriumsverständnisses in der Urkirche und dessen theologische Fundierung.

Teil II: Shusaku Endo und sein Roman Chinmoku – Schweigen – Ein japanischer Blick auf das Martyrium: Dieser Abschnitt widmet sich dem Leben und Werk von Shusaku Endo sowie der historischen Analyse der japanischen Christenverfolgung und der literarischen Aufarbeitung im Roman „Schweigen“.

Teil III : Zeitgenössische Ansätze des Martyriumsverständnisses: Hier werden moderne theologische Diskurse, insbesondere die Perspektive der Befreiungstheologie und die Abgrenzung zum islamischen Martyriumsverständnis, analysiert.

Teil IV: Grundüberlegungen zu einem aktuellen christlichen Martyriumsverständnis: Dieser Teil fasst die Überlegungen zusammen und entwickelt Ansatzpunkte für ein gegenwärtiges Martyriumsverständnis, das sich der Gratwanderung zwischen Idealismus und menschlicher Schwäche bewusst ist.

Schlüsselwörter

Martyrium, Christentum, Shusaku Endo, Schweigen, Nachfolge Jesu, Verfolgung, Soziologie, Befreiungstheologie, Opferlogik, Glaubenszeugnis, Christologie, Historie, Religion, Fanatismus, Inkarnation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht das christliche Martyrium im historischen Wandel und sucht nach einer zeitgemäßen theologischen Bedeutung, die sich von Fanatismus und Opferlogik abgrenzt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die frühchristliche Tradition, die Rezeption des Martyriums in Shusaku Endos Roman „Schweigen“ sowie befreiungstheologische Ansätze des 20. Jahrhunderts.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Kriterien für ein gegenwärtiges christliches Martyriumsverständnis zu erarbeiten, das trotz der säkularen Skepsis und der modernen Instrumentalisierung sinnvoll diskutiert werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin/der Autor kombiniert theologische, kirchengeschichtliche und literaturwissenschaftliche Analysen mit soziologischen Theorien, insbesondere der von Eugene und Anita Weiner.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert das Martyrium im Kontext von Shusaku Endos Werk, die soziologische Sichtweise auf Martyriumsbegriffe sowie zeitgenössische Erweiterungen durch die Befreiungstheologie.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind unter anderem Martyrium, Nachfolge Christi, Zeugnis, Schweigen Gottes, inkarnatorische Theologie und befreiungstheologische Praxis.

Wie geht die Arbeit mit der „Schwachheit“ um?

Die Arbeit stellt fest, dass Endos Roman besonders die „Schwachen“ und „Gefallenen“ ins Zentrum rückt, um zu verdeutlichen, dass christlicher Glaube auch in menschlicher Zerbrechlichkeit stattfindet und nicht nur in heroischer Standhaftigkeit.

Wie unterscheidet die Arbeit zwischen „Opfer“ und „Märtyrer“?

Die Arbeit hinterfragt die Erweiterung des Martyriumsbegriffs auf das „gekreuzigte Volk“ und weist auf die Gefahr hin, dass der Begriff des Martyriums konturlos wird, wenn er vom bewussten Zeugnisgeben entkoppelt und rein als Opferdasein verstanden wird.

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Details

Title
Martyrium zwischen Fanatismus und Heiligkeit
Subtitle
Eine Auseinandersetzung mit dem Martyrium im Anschluss an den Roman "Schweigen" von Shusaku Endo
College
University of Fribourg  (Theologische Fakultät)
Grade
1.25
Author
Roger Husistein (Author)
Publication Year
2005
Pages
130
Catalog Number
V55666
ISBN (eBook)
9783638505550
ISBN (Book)
9783656526636
Language
German
Tags
Martyrium Fanatismus Heiligkeit Eine Auseinandersetzung Martyrium Anschluss Roman Schweigen Shusaku Endo
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Roger Husistein (Author), 2005, Martyrium zwischen Fanatismus und Heiligkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55666
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