Diese Seminararbeit stellt das Leben und das Werk des Friedrich List vor. Friedrich List war ein großer Journalist des Vormärz, der mit etwa 1000, inhaltlich weit gestreuten Aufs¨ atzen ein reiches journalistisches Erbe hinterläßt. So war er Redakteur oder Gründer von 10 in- und ausländischen Zeitungen. So beeindruckend sein journalistisches Schaffen ist, so bewegt, vielseitig und bewunderungswürdig war sein Leben. Hierbei ist festzuhalten, dass ihm trotz seiner großen und mannigfachen Leistungen, zeitlebens die ihm gebührende Anerkennung versagt wurde. Erst einige Jahre nach seinem Freitod wurde ihm diese zuteil. Friedrich List war: Staatsrechtprofessor, Beamtenkritiker, Verwaltungsreformer, Verurteilter, Wirtschaftspolitiker, Familienvater, Unternehmer, Eisenbahnpionier, Journalist und Wissenschaftler. Aus dem reichhaltigen Fundus seiner Werke soll in dieser Arbeit sein Hauptwerk “Das Nationale System der Politischen Ökonomie“ detailliert vorgestellt werden, da sich in diesem die Grundüberlegungen der List‘schen Theorie wiederfinden lassen. Zuvor werden die Rahmenbedingungen der damaligen Zeit und sein Leben vorgestellt, um das Entstehen und die Bedeutung seines Schaffens und Werkes einordnen zu können. Anschließend werden seine Vorhersagen und Implikationen für die Gegenwart, die sich aus seinen Theorien ergeben, kurz abgeleitet. Diese Vorhersagen resultieren aus der Überzeugung Lists, dass neben einer politkökonomischen Analyse, die Analyse der zukünftigen Entwicklungen und deren möglichst genaue Prognostizierung notwendige Bedingungen für eine effektive Ökonomie seien. An dieser Stelle ist vorwegzunehmen, dass seine Theorien leicht übertragbar auf die Gegenwart sind, so dass das Kapitel 3 zum größten Teil unter Berücksichtigung der aktuellen weltwirtschaftlichen Situation gelesen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einordnung und Einleitendes
1.1 Historie und Geographie
1.2 Vorherrschende Denkrichtungen jener Zeit
2 Die Person Friedrich List – ein vielseitiges Leben
2.1 Die Jugend des Friedrich Lists
2.2 Professor an der Universität Tübingen
2.3 Der gesellschaftliche Abstieg, Flucht nach Frankreich
2.4 Emigration in die Vereinigten Staaten
2.5 Wieder in Deutschland
3 Das Nationale System der Politischen Ökonomie
3.1 Stufentheorie
3.2 Theorie der produktiven Kräfte
3.3 Lehre vom industriellen Erziehungszoll (infant-industry)
3.4 Regionale/Nationale wirtschaftliche Integration
3.5 Infrastruktur
3.6 Fazit: Das Nationale System der Politischen Ökonomie
4 Ableitungen aus Listschen Kernaussagen für die Gegenwart
4.1 Seine Voraussichten und aufgezeigten Perspektiven
4.2 List im zwanzigsten Jahrhundert, Bedeutung für Entwicklungsländer
5 Kritik und Abschließendes
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das Leben und das wirtschaftswissenschaftliche Hauptwerk von Friedrich List, "Das Nationale System der Politischen Ökonomie", vorzustellen und dessen Implikationen für die heutige Zeit zu analysieren, wobei insbesondere die Relevanz für Entwicklungsländer untersucht wird.
- Biografische Analyse und gesellschaftliche Einordnung von Friedrich List.
- Theoretische Grundlagen des "Nationalen Systems der Politischen Ökonomie", insbesondere Stufentheorie und Theorie der produktiven Kräfte.
- Die Rolle von industriellen Erziehungszöllen und wirtschaftlicher Integration.
- Übertragbarkeit von Lists Lehren auf die heutige Weltwirtschaft und Entwicklungspolitik.
Auszug aus dem Buch
3.1 Stufentheorie
Mit der List‘schen Stufentheorie sollte der Beweis artikuliert werden, dass die industrielle Vormachtstellung Englands nicht naturgegeben ist, sondern auf einem Entwicklungsvorsprung beruht, den andere Nationen, bei einer richtigen Handelspolitik, ebenfalls erreichen könnten.
Lists Überlegungen beruhten auf der Terminologie der nachholenden Entwicklung. Nachholende Entwicklung ist hier als dynamischer Prozess zu verstehen, der aus der Produktivität von Volkswirtschaften, resultiert. Die Produktivität ist hierbei wiederum Resultat der Kompetenz. Wenn nun Volkswirtschaften unterschiedliche Kompetenzen bzw. Fähigkeiten haben, dann resultieren hieraus unterschiedliche Produktivitäten, so dass es zu einem Kompetenz- bzw. Produktivitätsgefälle kommt.
In einer Handelssituation zwischen einer hoch- und einer niedrig entwickelten Nation, wie sie damals zwischen Deutschland und England bestand, werden die günstiger und qualitativ besseren Waren des produktiveren Landes mittel- und langfristig die Waren des weniger produktiven Landes vom Markt verdrängen. Aus dem Gefälle an Fähigkeiten resultiert bei anhaltendem Austausch somit ein Verdrängungswettbewerb zugunsten der weiter „vorgerückten“ Ökonomie und zu ungunsten der minder „vorgerückten“. Die höchste Entwicklungsstufe hatte einzig England erreicht. Deutschland nannte List ein Entwicklungsland. Wenn auf diese Konstellation nun der von Ricardo entwickelte Freihandel angewandt würde, dann resultiere hieraus ein Verdrängungswettbewerb zu Ungunsten des weniger entwickelten Deutschlands. Die Lösung dieses Problems lag in der Angleichung der unterlegenen Ökonomie an die Überlegene.
Aus diesen Überlegungen heraus, entwickelte List eine Stufentheorie, die die statisch formulierte klassische Theorie durch eine dynamische Sicht der Entwicklung der Wirtschaft erweiterte. List dynamisiert somit die Handelstheorie von Ricardo, die nach List lediglich zwischen Nationen, die die gleiche Entwicklungsstufe teilen, Gültigkeit hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einordnung und Einleitendes: Einführung in das Leben und Werk von Friedrich List sowie Darstellung der zeitgeschichtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen seiner Epoche.
2 Die Person Friedrich List – ein vielseitiges Leben: Detaillierte Biografie, die Lists Werdegang vom Journalisten und Staatsrechtsprofessor bis hin zu seinem politischen Wirken und seiner Emigration in die USA nachzeichnet.
3 Das Nationale System der Politischen Ökonomie: Analyse des Hauptwerks, mit Fokus auf Stufentheorie, Theorie der produktiven Kräfte, Erziehungszölle sowie infrastrukturelle und integrative Maßnahmen.
4 Ableitungen aus Listschen Kernaussagen für die Gegenwart: Untersuchung der Prognosen Lists und deren Anwendbarkeit auf die heutige globale Wirtschaftssituation und die Entwicklungspolitik.
5 Kritik und Abschließendes: Kritische Würdigung der Rezeption von Lists Werk durch Zeitgenossen wie Engels und Marx sowie eine abschließende Einordnung seiner Bedeutung.
Schlüsselwörter
Friedrich List, Nationale Ökonomie, Stufentheorie, produktive Kräfte, Erziehungszoll, infant-industry, Deutschland, Industrialisierung, Protektionismus, wirtschaftliche Integration, Zollverein, Entwicklungspolitik, Wachstum, Humankapital, Wirtschaftstheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Leben, das Wirken und das wirtschaftswissenschaftliche Hauptwerk von Friedrich List, um dessen Relevanz und theoretische Ansätze für ökonomische Fragestellungen, insbesondere für die nachholende Entwicklung von Nationen, aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die Biografie von List, die Stufentheorie der wirtschaftlichen Entwicklung, die Theorie der produktiven Kräfte, das Konzept des industriellen Erziehungszolls sowie die Bedeutung von infrastruktureller und nationaler wirtschaftlicher Integration.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel besteht darin, das theoretische Werk von List im Kontext seiner Zeit vorzustellen und zu prüfen, inwieweit seine Lehren als politökonomisches Maßnahmenbündel auf heutige Herausforderungen, insbesondere in Entwicklungsländern, übertragbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literatur- und Quellenanalyse des Werkes von Friedrich List sowie auf historische und ökonomische Kontextualisierungen, um seine Theorien zu interpretieren und in Bezug zur Gegenwart zu setzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biografische Darstellung, eine detaillierte Analyse der theoretischen Kernelemente (wie Stufentheorie, produktive Kräfte und Erziehungszoll) sowie eine Diskussion über infrastrukturelle und integrative Aspekte seiner Lehre.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Nationalökonomie, Erziehungszoll, Stufentheorie, produktive Kräfte, wirtschaftliche Integration und nachholende Entwicklung charakterisiert.
Warum betrachtet List Deutschland zu seiner Zeit als Entwicklungsland?
List sieht Deutschland aufgrund der Zersplitterung in zahlreiche Kleinst- und Mittelstaaten mit Zollmauern im Vergleich zur fortgeschrittenen Industriemacht England als ökonomisch unterlegen und daher in einer Phase der nachholenden Entwicklung befindlich.
Inwiefern unterscheidet sich Lists Auffassung von der Theorie der komparativen Vorteile nach Ricardo?
List lehnt Ricardos statisches Freihandelsprinzip für Nationen ab, die sich noch in einer frühen Entwicklungsphase befinden, da dies zu einem Verdrängungswettbewerb zugunsten der bereits industrialisierten Nationen führen würde; stattdessen befürwortet er einen temporären Schutzzoll.
Welche Rolle spielt das Humankapital in Lists Theorie?
List definiert Humankapital, neben materiellen Faktoren, als elementar für die wirtschaftliche Entwicklung einer Nation; er betont die Notwendigkeit von Bildung, Kunst und Wissenschaft sowie staatlichen Institutionen für die Entfaltung der produktiven Kräfte.
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- Fabian Paetzel (Author), 2005, Der Nationalökonom Friedlich List- Ableitungen seiner Lehre für die Gegenwart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55670