Steigerung der Verfügbarkeit von Kommunikationswegen durch eine redundante externe Netzanbindung


Diplomarbeit, 2006

85 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Technische und organisatorische Rahmenbedingungen
2.1. Groupware und Workflow-Management
2.2. Enterprise Resource Planning (ERP)
2.3. Electronic Data Interchange (EDI)
2.4. Fileservice und Document Management System (DMS)

3. Definition Hochverfügbarkeit
3.1. Messung der Hochverfügbarkeit
3.2. Serielle und parallele Verfügbarkeit

4. Ist-Zustand
4.1. Angewandte Technik
4.2. Standleitung und ISDN Backup
4.3. Zweistufiges Firewallkonzept
4.4. Datendurchsatz und Auslastung

5. Analyse und Begründung des Erweiterungsbedarfs
5.1. Bedrohungsanalyse
5.1.1. Begriff und Auswirkung von Gefahren
5.1.2. Mögliche Gefahren und Bedrohungen
5.1.2.1. Angriffe
5.1.2.2. Störungen
5.2. Risikoanalyse
5.2.1. Ausfallkosten
5.2.2. Durchführung
5.2.3. Betroffene Prozesse
5.2.4. Betroffene Infrastruktur
5.2.5. Prozessorientierter Zusammenhang zwischen Schutzbedarf und Eintrittswahrscheinlichkeit

6. Umsetzung
6.1. Redundante Auslegung auf der Unternehmensseite
6.1.1. Proxyserver
6.1.2. Interne Firewalls
6.1.3. Demilitarisierte Zone
6.1.4. Switche
6.2. Redundante Auslegung der Last-Mile
6.2.1. Router
6.2.2. Richtfunk
6.3. Redundante Auslegung auf der Service-Provider-Seite
6.3.1. Externe Firewall
6.3.2. Externe Demilitarisierte Zone
6.3.3. Virenscanner
6.3.4. Virtual-LAN Infrastruktur
6.3.5. Externe Router
6.3.6. Ausfallsicherheit im Internet
6.4. Weitere Maßnahmen
6.4.1. Physikalische Sicherheit und bauliche Maßnahmen
6.4.1.1. Standort der Komponenten
6.4.1.2. Zutrittskontrolle
6.4.1.3. Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV)
6.4.2. Monitoring und Incident Management
6.4.3. Dokumentation, Tests, Schulungen
6.5. Schwachstellen
6.6. Gesamtübersicht und Notfallmaßnahmen

7. Fazit und Ausblick

Index

Literaturverzeichnis

Ehrenwörtliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Abhängigkeit von der

Abbildung 2 Auswirkungen bei einem E-Mail-Ausfall

Abbildung 3 Vorhandene Serverdienste (stark vereinfacht)

Abbildung 4 Verhältnis Verfügbarkeit und Kosten

Abbildung 5 Verfügbarkeitsgrade

Abbildung 6 Ist-Zustand

Abbildung 7 Entwicklung des Übertragungsvolumens

Abbildung 8 Angriffsformen

Abbildung 9 Störungsformen

Abbildung 10 Präventive und kurative Maßnahmen

Abbildung 11 Risikomatrix

Abbildung 12 Schutzbedarf der Prozessen

Abbildung 13 Prozessabhängige Infrastruktur

Abbildung 14 Maßnahmenermittlung durch die Risikoanalyse

Abbildung 15 Redundante Auslegung Unternehmensseite

Abbildung 16 Redundante Auslegung Last-Mile

Abbildung 17 Redundante Auslegung Service-Provider

Abbildung 18 Autonome Systeme im Internet

Abbildung 19 Gesamtübersicht

Abbildung 20 Notfallmaßnahmen

1. Einleitung

In den letzten Jahren hat sich die IT dahingehend entwickelt, dass sich nahezu sämtliche Geschäftsprozesse auf IT-gestützten Systemen abbilden lassen. Die Soft- und Hardwareentwickler haben sich den Bedürfnissen der Unternehmen angepasst und bieten für die Vielzahl der betrieblichen Anforderungen Lösungen an, welche die erforderlichen Abläufe effizienter und einfacher gestalten.

Auch das Internet hat sich zu einer nicht mehr wegzudenkenden Ressource für den alltäglichen Gebrauch der IT-Systeme entwickelt. Durch dieses weltumspannende und leistungsfähige Netzwerk ist es zur Selbstverständlichkeit geworden, unmittelbar und standortunabhängig mit Unternehmen zu kommunizieren und Daten auszu­tauschen.[1] Durch die fortschreitende Globalisierung und Internationalisierung der Unternehmen und Märkte haben viele Unternehmen ein weit reichendes Vertriebs­netz aufgebaut, welches durch internationale Vertriebsbüros oder Außendienst­mitarbeiter abgedeckt wird. Der Sprach- und Datendialog zwischen den externen Einheiten und dem Unternehmen ist dabei unentbehrlich.

Eine weitere Form der geschäftsprozessorientierten externen Kommunikation stellen EDI-Systeme[2] dar. Viele Unternehmen nutzen diese Schnittstelle, um ihre IT-gestützten Systeme zu verbinden und die notwendigen geschäftlichen Abläufe mithilfe dieses Verfahrens abzuwickeln.

Durch die ständige Fortführung dieses Trends ist erkennbar, dass die Abhängigkeit der Unternehmen von der IT sehr hoch ist und noch weiter wachsen wird. Unter anderem wurde die Bedeutung der Abhängigkeit durch eine Umfrage der KPMG IRM Innsbruck-Linz vom Juni/Juli 2004 bei österreichischen Unternehmen aus allen Branchen bestätigt.

Aus der Umfrage ist erkennbar, dass bei 80 % der befragten Betriebe ein Großteil der Prozesse IT-gestützt ablaufen (siehe Abbildung 1).[3]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Abhängigkeit von der IT[4]

Eine Umfrage des Merit Project ergab, dass allein der Ausfall des E-Mail-Dienstes das Tagesgeschäft empfindlich stören kann. Die befragten Unternehmen gaben folgende Auswirkungen an:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Auswirkungen bei einem E-Mail-Ausfall[5]

Dieser Zustand verdeutlicht, dass eine Störung der IT-gestützten Systeme schwere Folgen in Bezug auf die Geschäftsprozesse hat. Das Ziel für die Unternehmen muss also eine höchst mögliche Verfügbarkeit dieser Systeme sein, da, abhängig von dem Störungsszenario, ein wirtschaftlicher Schaden bei einem Ausfall entsteht.

Damit die zentralen IT-Dienste von externen Standorten aus genutzt werden können, ist eine technische Außenanbindung des Unternehmens notwendig. Das Internet wird dazu häufig als Verbindungsweg verwendet.

Diese Arbeit behandelt Maßnahmen zur Erhöhung der Verfügbarkeit externer Netzanbindungen anhand eines praxisorientierten Beispiels. Sie richtet sich an moderat technisch-versierte Entscheidungsträger, die vor der Entscheidung stehen, ein Redundanzkonzept bei der datentechnischen Außenanbindung umzusetzen. Obwohl die Sprachkommunikation auch ein wesentlicher Faktor bei externen Verbindungen darstellt, wird aufgrund der Komplexität nicht auf eine Verfügbarkeitserhöhung dieser eingegangen. Auch ein internes Verfügbarkeits­konzept wird in dieser Arbeit nur nebensächlich behandelt.

Da es sich um ein Projekt aus der Unternehmenspraxis handelt, werden zunächst die im Unternehmen eingesetzten IT-Dienste erläutert, bei denen im Zusammenhang mit der Außenanbindung ein erhöhter Verfügbarkeitsgrad angestrebt wird. In Kapitel drei wird die Begrifflichkeit und Messbarkeit der Hochverfügbarkeit erläutert. Die Komponenten, welche unmittelbar die technische Außenanbindung betreffen, werden im vierten Kapitel anhand der Darstellung des Ist-Zustands aufgezeigt. Entscheidungsrelevante Tatsachen, die durch eine Bedrohungs- und Risikoanalyse ermittelt werden, rechtfertigen die Erweiterung der IT-Infrastruktur. In Kapitel fünf werden dazu die möglichen Gefahren und Bedrohungen aufgeführt und mit der Risikoanalyse in Verbindung gebracht. Die Umsetzung einer möglichen Lösung wird im sechsten Kapitel erarbeitet. Die organisatorischen und technischen Veränderungen werden detailliert angegeben und begründet. Im letzten Kapitel werden die Kerninhalte zusammengefasst und kritisch beurteilt.

2. Technische und organisatorische Rahmenbedingungen

Diese Arbeit begleitet ein Projekt aus der Unternehmenspraxis. Es handelt sich hierbei um ein Produktionsunternehmen mit 1.000 Mitarbeitern, bei dem ca. 800 Personen Zugang zu einem eigenen PC-Arbeitsplatz haben. Das Unternehmen agiert international. Das Mutterunternehmen ist in den Vereinigten Staaten von Amerika angesiedelt und mehrere Vertriebsbüros und Außenstellen sind interkontinental verteilt. 25 Außendienst ­ mitarbeiter sind in zugeteilten Gebieten mobil und flexibel eingesetzt. Außerdem stehen 10 Mitarbeiter innerhalb eines Home-Offices im ständigen Datendialog mit dem Hauptsitz. Die Außenanbindungen werden durch einen VPN-Zugang über das Internet realisiert. Nachfolgend wird aufgeführt, welche wesentlichen Serverdienste im Hauptsitz eingesetzt werden, um die betriebs­wirtschaftlichen Prozesse abzudecken.

Bei der Nutzung dieser Dienste macht es keinen Unterschied, ob die Inanspruchnahme dieser durch den Mitarbeiter von außen oder innen erfolgt. Die folgende Abbildung zeigt in einer stark vereinfachten Form die vorhandenen Serverdienste, welche sowohl von internen, als auch von den externen Clients gleichermaßen in Anspruch genommen werden können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Vorhandene Serverdienste (stark vereinfacht)

2.1. Groupware und Workflow-Management

Der Einsatz von Groupwareerleichtert die Zusammenarbeit durch die rechner­gestützte Verwaltung der gemeinsam bearbeiteten Dokumente. Die Software ist in mehrere Anwendungen unterteilt, die jeweils eine eigene Aufgabe haben. Folgende wesentliche Dienste werden durch den Einsatz von Groupware in dem Unternehmen abgedeckt:[6]

- Elektronische Post zwecks Kommunikation mit internen oder externen Instanzen.
- Gruppenkalender zur terminlichen Koordination von gruppenrelevanten Ereig­nissen und Ressourcenreservierungen[7].
- Datenbank als Bestandteil des Kunden-Informations-Systems. In diesem Teil­system werden insbesondere von Mitarbeitern aus dem Vertrieb relevante Kundendaten, beispielsweise Umsatzzahlen, Besuchstermine, besondere Verein­barungen oder Handelsvolumina gesammelt.

In der Software ist zusätzlich ein Workflow-Management-System implementiert. Dabei handelt es sich um einen vorgeschriebenen Arbeitsablauf, der elektronisch überwacht und nach vordefinierten Regeln Dokumente, Informationen oder Aufgaben zu den jeweiligen Bearbeitern weiterleitet.[8] In dem Unternehmen sind im Wesentlichen folgende Workflows implementiert:

- Bestellanforderungsdatenbank und -workflow. Sämtliche Bestellungen erfordern je nach Wertigkeit einen bestimmten Genehmigungsweg vom Anfordernden bis zum Mitarbeiter im Einkauf.
- Mitarbeiterlaufzettel, welcher notwendig für die Berechtigungsvergabe in Bezug auf Verzeichnisdienste[9] und Fileservice-Ressourcen ist.

2.2. Enterprise Resource Planning (ERP)

Durch den Einsatz einer ERP-Software ist das Unternehmen in der Lage, sämtliche betriebliche Funktionsbereiche, wie Beschaffung, Produktion, Vertrieb, Finanz­wesen und Personalwirtschaft mit einem einzigen System abzudecken.[10] Der Hauptteil der Geschäftsprozesse ist in dieser Komponente integriert und bildet somit ein wichtiges und nicht-redundantes Kernelement für den Betrieb. Fast alle Mitarbeiter haben Zugriff auf dieses System, um die betriebswirtschaftlichen Tätigkeiten zu dokumen­tieren und zu verwalten.

2.3. Electronic Data Interchange (EDI)

In dem Unternehmen kommt ein EDI-System zum Einsatz, welches die Möglichkeit bietet, Geschäftstransaktionen mit anderen Geschäftspartnern, wie Kunden, Lieferanten, Banken und Behörden abzuwickeln. Durch die vereinheitlichten und strukturierten Daten ist es dem Empfänger möglich, die Daten direkt in seinen Anwendungsprogrammen weiterzuverarbeiten.[11] Die meisten Abläufe im EDI-Umfeld finden derzeitig mit Lieferanten statt, jedoch wachsen gegenwärtig auch die Kundenanforderungen in Bezug auf diese Art von Geschäftsabwicklung. In dem Betrieb gewinnt dieses System somit zunehmend an Bedeutung.

2.4. Fileserviceund Document Management System (DMS)

Nicht-strukturierte Dokumente, die zum Geschäftsalltag gehören, werden je nach Bedeutung auf einem zentralen Fileserver oder in einem DMS hinterlegt. Die Mitarbeiter haben einen durch die Organisation vorgegebenen[12] oder einen funktions­orientierten Zugriff auf die Ressourcen dieser Systeme. Das DMS erlaubt noch eine zusätzliche Versionskontrolle, eine erweiterte Zugriffsrechtevergabe und eine verbesserte Suchfunktion.[13] Die Zugriffsberechtigungen werden durch einen definierten Genehmigungsworkflow im Groupware-System geregelt.

3. Definition Hochverfügbarkeit

„Unter der Zusicherung der Verfügbarkeit (englisch: availability) eines Informations­-

systems versteht man die Garantie, dass Dienste, die einem berechtigten Benutzer von einem Informationssystem angeboten werden, diesem auch stets zur Verfügung stehen.“[14] Ein Ausfall tritt ein, wenn mindestens ein Dienst, ungeplant (Störung) oder geplant (Wartung), nicht verfügbar ist. Im Falle einer Störung hängt die Dauer der Nicht-Verfügbarkeit davon ab, wie viel Zeit die für den Betrieb der IT-Infrastruktur zuständige Instanz benötigt, um den Ausfall der Komponente zu bemerken und zu beheben.[15] Bei einer geplanten Wartung ist die Ausfallzeit meist vorher bekannt. So kann diese an die betroffenen Nutzer der Dienste im Vorfeld bekannt gegeben werden, sodass sich die Anwender darauf einstellen können. Außerdem finden die Wartungszeit­räume meist zu den Tageszeiten statt, an welchen die geringste Inanspruchnahme vermutet wird, denn je nach Ausfallzeit und -dauer wird die Unterbrechung meist negative Auswirkungen auf den Betriebsablauf haben.[16]

Anstatt nur die Möglichkeiten der Betriebszeit oder Stillstandszeit zu betrachten, macht es in manchen Situationen Sinn, die Ausfallzeit in weitere Kategorien zu unterteilen:[17]

- Art der Unterbrechung in Bezug auf einen Teilausfall oder Totalausfall
- Ausfallzeitpunkt
- Zeitraum, bis der Ausfall bemerkt wird
- Zeitraum, bis der Fehler identifiziert wird
- Zeitraum, bis eine Lösung gefunden wird
- Zeitraum, bis die Lösung umgesetzt wird
- Zeitraum, bis die Komponente wieder im Normalbetrieb ist

Die Kategorisierung erweist sich insbesondere bei der Dokumentation für sehr sinnvoll. Im Optimalfall wird für die gestörte IT-Komponente der komplette Ablauf dokumentiert. Somit lassen sich in Zukunft die Schwachstellen bei der Ausfall­behebung analysieren und eliminieren, was auch zur Verfügbarkeitserhöhung beiträgt. Außerdem fällt durch eine detaillierte Dokumentation auf, welche Kompo­nenten von welchen Herstellern besonders fehleranfällig sind.[18]

Das Ziel der Hochverfügbarkeit besteht darin, die geplanten und ungeplanten Aus­fallzeiten zu minimieren. Durch spezielle Maßnahmen ist das System in der Lage, auftretende Fehler ohne äußerlichen Einfluss zu reduzieren oder mit einer bestimmten Methode zu umgehen. Der Unterbrechungszeitraum bei der Durch ­ führung dieser Maßnahmen ist so gering wie möglich zu halten.

Es existiert keine allgemeingültige Lösung zur Erhöhung der Verfügbarkeit, die für alle Unternehmungen gilt. Der Verfügbarkeitsgrad ist auch abhängig von den Unter­nehmensbedürfnissen, die je nach Branche sehr unterschiedlich sind.

Die Lösungswege sind sehr vielfältig und betreffen unterschiedliche Teile der vorhandenen und zukünftigen IT-Infrastruktur. Wenn Maßnahmen zum Erweitern des Verfügbarkeitsgrades getroffen werden, sollte jedoch stets beachtet werden, dass die Infrastruktur klare Vorgehensweisen vorschreibt und vorbeugende Maßnahmen bereithält, um Unregelmäßigkeiten entgegenzuwirken.[19]

3.1. Messung der Hochverfügbarkeit

Eine Verfügbarkeit von 100 % ist unter der Berücksichtigung sämtlicher Rahmen­bedingungen nahezu unfinanzierbar. Auf eine detaillierte Darstellung wird an dieser Stelle verzichtet, jedoch drückt das folgende Schaubild das Verhältnis des Verfügbarkeitsniveaus zu den Kosten aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Verhältnis Verfügbarkeit und Kosten[20]

Die Kosten steigen überproportional im Verhältnis zum Verfügbarkeitsniveau.

Wie sich die prozentualen Verfügbarkeitsgrade auf die Zeit auswirken, zeigt die folgende Tabelle.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 Verfügbarkeitsgrade[21]

Für viele Systeme reicht eine Verfügbarkeit von 99 % aus. Eine durchschnittliche Ausfallzeit von 1 ½ Stunden pro Woche ist oftmals vertretbar, wenn auch bedacht wird, dass ein nächtlicher Ausfall meist wenig Konsequenzen auf den Geschäftsfluss hat. Es gibt jedoch einige Branchen, wo genau dieser Zeitraum geschäftskritisch ist. Beispielsweise stellt es einen wesentlichen Unterschied dar, ob bei einem Zeitungsverlag während der nächtlichen Hauptproduktionszeit ein System ausfällt oder sich der Ausfall auf die Nebenzeit beschränkt.[22]

Die Verfügbarkeit (V) lässt sich durch eine simple mathematische Formel berechnen. Diese setzt sich aus dem MTBF-Wert (Mean Time Between Failure[23] ) und dem MTTR-Wert (Maximum Time To Repair[24] ) zusammen. Der MTBF-Wert erfasst nur einen Blickwinkel hinsichtlich der Hochverfügbarkeit. Er alleine erfasst nicht die benötigte Wiederherstellungszeit nach einem durch einen Fehler verursachten Ausfall. Der MTBF-Wert wird errechnet, indem die Summe der gesamten Betriebszeit durch die Gesamtzahl aller Fehler dieser Komponente dividiert wird. Der MTTR-Wert gibt die Zeitspanne wieder, die für die Instandsetzung der Komponente benötigt wird.[25]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Je mehr sich MTTR Null nähert, desto höher ist die Verfügbarkeit.
- Ebenso hat MTTR weniger Auswirkung auf V, je größer MTBF wird.

Eine Komponente hat beispielsweise eine durchschnittliche ausfallfreie Zeit von 100.000 Stunden. Außerdem beträgt die Wiederherstellungszeit 6 Stunden. Gemäß der Formel ergibt sich für das Gerät ein Verfügbarkeitswert von 99,994 %.

Auf Basis des errechneten Verfügbarkeitswertes, lässt sich die Ausfalldauer innerhalb eines definierten Zeitraumes bestimmen. Es wird angenommen, dass ein Jahr 365,25 Tage und somit 525.960 Minuten hat. Die Jahresdauer spiegelt sich in der Formel in der Variable t­­j wider.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wenn der Verfügbarkeitswert der Komponente 99,994 % beträgt, ergibt sich eine jährliche Ausfallzeit von 31,35 Minuten.

3.2. Serielle und parallele Verfügbarkeit

Wenn mehrere IT-Komponenten in einer Reihe geschaltet werden, ist zu beachten, dass jede von ihnen zu einem Ausfall beitragen kann. Wenn der Datenaustausch als Prozess betrachtet wird, ist es relevant, wie hoch die Verfügbarkeitsrate jeder einzelnen Komponente ist. In einem seriellen System fällt das komplette System aus, wenn eine einzelne Komponente ausfällt.

Die serielle Topologie ist also nicht redundant ausgelegt und wird wie folgt berechnet:[26]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

i = Komponentennummer

n = Anzahl der seriellen Komponenten

In dem folgenden Beispiel wird ein Netzwerk aufgeführt, welches aus zwei Switchen und einem Router besteht. Die Komponenten haben eine unterschiedliche Verfügbarkeit:

Switch 1: 99,97 %

Switch 2: 99,98 %

Router: 99,99 %

Durch die serielle Kombination der Komponenten beträgt die Verfügbarkeit nur noch 99,94 %, da jede Einheit etwas zur Gesamtausfallzeit beiträgt.

Durch eine parallele Schaltung der Komponenten sind die erforderlichen Dienste auch dann verfügbar, wenn eine Komponente ausfällt. Die entsprechenden Komponenten sind mehrfach vorhanden und hängen nicht voneinander ab. Die parallele Topologie wird wie folgt berechnet:[27]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

i = Komponentennummer

n = Anzahl der parallelen Komponenten

Wenn eine Komponente mit einer Verfügbarkeit von 99,7 % redundant geschaltet wird ist durch einen Fail-Over-Prozess der Dienst weiterhin verfügbar, selbst wenn eine der beiden Komponenten ausfällt. Gemäß der Formel beträgt die Verfügbarkeit dieses Prozesses durch die Redundante Kombination 99,9991 %.

Die Beispielrechnungen verdeutlichen, dass, je mehr seriell geschaltete Kompo­nenten verwendet werden, auch höhere Ausfallwahrscheinlichkeiten die Folge sind, jedoch durch einen redundanten Betrieb die Verfügbarkeit maßgeblich gesteigert wird. Oftmals wird auch die serielle Topologie mit der parallelen Topologie vermischt. Die Entscheidung, welche Komponenten mit welcher dieser Strategien in Betrieb genommen werden, hängt von der Wichtigkeit und der Grundverfügbarkeit der einzelnen Einheiten ab.[28]

Im Falle einer Kombination wird erst die parallele Verfügbarkeit errechnet und diese im Anschluss gemäß der Rechenmethode der seriellen Verfügbarkeit mit den restlichen Verfügbarkeitswerten der seriellen Komponenten multipliziert.[29]

Um eine Verfügbarkeitserhöhung des Gesamtsystems zu erzielen, ist ein Redundanz ­ konzept notwendig. Dabei leistet jede einzelne Komponente einen Beitrag zu der Bestimmung des Verfügbarkeitsgrades des Gesamtsystems. Welche Details im Rahmen des Konzeptes zu beachten sind und welche Maßnahmen für die redundante Nutzbarkeit der einzelnen Komponenten notwendig sind, wird in Kapitel sechs beschrieben.

[...]


[1] Vgl. Lipp, M. (2001), S. 15.

[2] Die Erläuterung des EDI-Systems befindet sich in Kapitel 2.3.

[3] Vgl. KPMG Report IT-Umfrage (2004), S. 8.

[4] Vgl. KPMG Report IT-Umfrage (2004), S. 8.

[5] Informationsweek 16/1999.

[6] Vgl. Hansen, Neumann (2001), S. 438 ff.

[7] Beispielsweise die Bereitstellung von technischem Equipement oder Raumreservierungen

[8] Vgl. Hansen, Neumann (2001), S. 444 ff.

[9] Vgl. Hansen, Neumann (2001), S. 165.

[10] Vgl. Hansen, Neumann (2001), S. 523 ff.

[11] Vgl. Hansen, Neumann (2001), S. 602 ff.

[12] Ein Mitarbeiter des Einkaufs hat beispielsweise Dateizugriff auf das definierte Einkaufsverzeichnis.

[13] Vgl. Hansen, Neumann (2001), S. 452.

[14] Hansen, Neumann (2001), S. 175.

[15] Vgl. Erasim, Karagiannis (2002), S. 25.

[16] Vgl. Gebauer, Hartmann, Seguin (1999), S. 16.

[17] Vgl. Oggerino (2001), S. 15.

[18] Vgl. Oggerino (2001), S. 15.

[19] Vgl. Gebauer, Hartmann, Seguin (1999), S. 16.

[20] Vgl. Marcus, Stern (2000), S. 6.

[21] Vgl. Marcus, Stern (2000), S. 10.

[22] Vgl. Marcus, Stern (2000), S. 10.

[23] Durchschnittlich ausfallfreie Zeit.

[24] Wiederherstellungszeit.

[25] Vgl. Gebauer, Hartmann, Seguin (1999), S.19 f.

[26] Vgl. Oggerino (2001), S. 23.

[27] Vgl. Oggerino (2001), S. 24.

[28] Vgl. Oggerino (2001), S. 28.

[29] Vgl. Oggerino (2001), S. 28.

Ende der Leseprobe aus 85 Seiten

Details

Titel
Steigerung der Verfügbarkeit von Kommunikationswegen durch eine redundante externe Netzanbindung
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
85
Katalognummer
V55673
ISBN (eBook)
9783638505628
ISBN (Buch)
9783638693431
Dateigröße
1391 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Diplomarbeit befasst sich mit dem Phänomen der stark gewachsenen Abhängigkeit nahezu aller Geschäftsfunktionen von funktionsfähiger Infrastruktur und entsprechenden Maßnahmen, um insbesondere die Netzanbindung als kritische Ressource in ihrer Verfügbarkeit und Funktionssicherheit zu verbessern.
Schlagworte
Steigerung, Verfügbarkeit, Kommunikationswegen, Netzanbindung
Arbeit zitieren
Markus Erwig (Autor), 2006, Steigerung der Verfügbarkeit von Kommunikationswegen durch eine redundante externe Netzanbindung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55673

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