Nach dem Zusammenbruch des ehemaligen Ostblocks Anfang der 90er Jahre stand Bulgarien vor der Notwendigkeit einer umfassenden gesellschaftlichen und ökonomischen Transformation. Im Jahre 1997 überstand es eine der schärfsten Banken-, Währungs-, und Wirtschaftskrisen im postkommunistischen Osteuropa, deren Auswirkungen bis heute noch erkennbar sind - jahrelang hohe Arbeitslosigkeit, Armut, Unsicherheit und Angst für die Zukunft. Das Ziel dieser Hausarbeit ist es, der Verlauf der Wirtschaftskrise in Bulgarien unter besonderer Berücksichtigung des bulgarischen Bankensektors zu untersuchen.
Die Hausarbeit beginnt mit einer kurzen Beschreibung des Staatsaufbaus und der politischen Lagen Bulgariens vor und nach der Krise. Im Rahmen dieser Untersuchung werde ich nach den möglichen Ursachen und Auslöser suchen, die zu einer der schwierigsten Perioden des Landes und zu einem Zusammenabbruch des Wirtschafts-und Finanzsystems geführt haben. Da Bulgarien nicht in der Lage war, allein aus der Krise zu kommen, hat es die Internationalen Finanzinstitutionen um finanzielle Hilfe gebeten. Des Weiteren werde ich die Merkmale für das vom Internationalen Währungsfond und der Weltbank angebotene Sanierungsprogramm und seine Einführung gründlich erforschen. Darüber hinaus erfolgt eine kritische Auswertung des eingeführten Currency Board und seiner Folgen bei der Stabilisierung der ökonomischen Faktoren. Ebenso werden die Besonderheiten des bulgarischen Bankensektors und seine Problemfeldern analysiert.
Die Hausarbeit endet mit einer kurzen Rekapitulation der Ergebnisse (Fazit) und einer persönlichen Stellungnahme. Abschließend werden im Literaturverzeichnis die verwendeten Quellen aufgeführt. Im beigefügten Anhang befinden sich Tabellen und Abbildungen zu den wirtschaftlichen Indikatoren des Landes. Da das Thema sehr umfangreich ist, musste ich mich in meinen Ausführungen hauptsächlich auf die wirtschaftlichen Aspekte der Krise beschränken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Staatsaufbau und politische Lage Bulgariens
3. Die wirtschaftliche Lage bis zum Ausbruch der Krise
4. Verlauf der Wirtschafts- und Bankenkrise 1996/97
5. Die Hauptursachen für den Ausbruch der Krise
5.1 Strukturelle Ursachen
5.2 Die Krise im Bankensektor
5.3 Die Verschuldungssituation in Bulgarien
6. Das Programm des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank
6.1 Grundsätzliches
6.2 Maßnahmen zur Stabilisierung der Volkswirtschaft
6.2.1 Das Currency Board
6.2.2 Das Stabilisierungs- und Reformprogramm
6.3 Kritik an den IWF und an die Weltbank
6.4 Erste Ergebnisse der Reformen
7. Die wirtschaftliche Lage und der Bankensektor ab 2000
7.1 Die wirtschaftliche Lage
7.2 Der Bankensektor
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, den Verlauf der bulgarischen Wirtschaftskrise in den Jahren 1996/97 zu analysieren, wobei ein besonderer Fokus auf die Rolle und Probleme des bulgarischen Bankensektors gelegt wird. Die Forschungsfrage untersucht die Ursachen des Zusammenbruchs des Wirtschafts- und Finanzsystems sowie die Auswirkungen der darauf folgenden Stabilisierungsmaßnahmen durch den IWF und die Weltbank.
- Analyse des bulgarischen Transformationsprozesses nach dem Zusammenbruch des Ostblocks.
- Untersuchung der strukturellen Ursachen und der Bankenkrise 1996/97.
- Kritische Bewertung des vom IWF und der Weltbank implementierten Reformprogramms.
- Einfluss des Currency Board auf die monetäre Stabilität und die Inflation.
- Darstellung der wirtschaftlichen Entwicklung und der Bankenlandschaft ab 2000.
Auszug aus dem Buch
Die Krise im Bankensektor
„Wie in allen anderen ehemaligen sozialistischen Ländern verschwand auch in Bulgarien 1989/90 mit dem Systemwechsel das frühere Monobankensystem.“ Während des kommunistischen Regimes spielte die Zentralbank auch die Rolle einer Geschäftsbank. Eine ihrer Hauptfunktionen war die Verteilung von Krediten an Staatsunternehmen.
Die Ersparnisse der privaten Haushalte wurden von der Sparkasse gesammelt. Den Privatpersonen wurden selten Kredite vergaben. Größtenteils wurden die privaten Ersparnisse an die Zentralbank und damit an das Finanzministerium weiter geleitet. Für den Geld- und Kapitalverkehr mit dem Ausland war ausschließlich die Außenhandelsbank zuständig.
In den früheren 90er Jahren bewies sich das neue Bankensystem als sehr instabil und höchst ineffizient. Die Zentralbank konnte die wirtschaftliche Lage nicht stabilisieren und es gab keine andere Institution, die den Bankensektor beobachtete und unterstützte. Anders als in den anderen Transformationsländern galt der bulgarische Kapitalmarkt bis Mitte der 90er als unterentwickelt. „Auf dem Rentenmarkt werden lediglich Staatsobligationen gehandelt und der Aktienmarkt weist eine geringe Kapitalisierung und Liquidität auf. Die einzige Möglichkeit der Kapitalbeschaffung für Unternehmen besteht in der Kreditaufnahme bei Banken. Es existiert außer dem Bankensystem kein anderer den privaten Unternehmen zugänglicher Kapitalmarkt.“
Die ersten privaten Geschäftsbanken wurden zunächst weitgehend durch Kapitaleinlagen und Kredite der Staatsbanken finanziert. Von der Bankenaufsicht kaum kontrolliert, verfolgten die meisten von ihnen die Interessen ihrer Kreditkunden, die in vielen Fällen mit den Eigentümern der Banken eng verbunden waren. Einer von den Hauptgründen für die Bankenkrise lag in der Überversorgung des bulgarischen Bankenmarktes und in der ungünstigen volkswirtschaftlichen Entwicklung begründet. Anfang 1996 wurden 45 Banken mit 4240 Bankfilialen tätig (durchschnittlich 2.050 Einwohner auf eine Bankfiliale, während in Polen eine Bankfiliale im Durchschnitt 15.360 Einwohner versorgt). Viele von den neu eröffneten Niederlassungen konnten ihre Gesamtkosten nicht decken und die Defizite wurden vom Budget der Hauptbank übernommen. Infolgedessen verschuldeten sich immer mehr Banken bei der Nationalbank. „Von 45 Banken machten 1995 nur lediglich sechs Banken einen Gewinn.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Notwendigkeit einer ökonomischen Transformation in Bulgarien nach 1990 und Einführung in das Ziel der Analyse der Banken- und Wirtschaftskrise.
2. Staatsaufbau und politische Lage Bulgariens: Überblick über die politische Struktur Bulgariens seit der Wende 1989 bis zum Regierungswechsel 2001.
3. Die wirtschaftliche Lage bis zum Ausbruch der Krise: Beschreibung der schwierigen Transformationsphase von der Plan- zur Marktwirtschaft unter schwierigen Rahmenbedingungen.
4. Verlauf der Wirtschafts- und Bankenkrise 1996/97: Analyse des Zusammenbruchs des Finanzsystems, der Hyperinflation und der massiven Abwertung der Landeswährung.
5. Die Hauptursachen für den Ausbruch der Krise: Untersuchung struktureller Defizite, der Bankenkrise und der zunehmenden Verschuldung des Landes.
6. Das Programm des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank: Erörterung der Stabilisierungsmaßnahmen, der Einführung des Currency Board und der damit verbundenen sozialen und ökonomischen Folgen.
7. Die wirtschaftliche Lage und der Bankensektor ab 2000: Analyse der Stabilisierung, des Einflusses ausländischer Banken und des fortbestehenden Mangels an Bankkrediten für den Privatsektor.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Krisenbewältigung und der heutigen Rolle des Bankensektors in Bulgarien.
Schlüsselwörter
Bulgarien, Wirtschaftskrise, Bankensektor, Transformation, Currency Board, IWF, Weltbank, Hyperinflation, Privatisierung, Staatsschulden, Bankenaufsicht, Auslandsinvestitionen, Finanzsystem, Reformpolitik, Marktwirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die schwere Wirtschafts- und Bankenkrise in Bulgarien Mitte der 1990er Jahre und die Maßnahmen zur Stabilisierung durch internationale Finanzinstitutionen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Felder sind die Transformationsprobleme von der Plan- zur Marktwirtschaft, die Ursachen des Bankenversagens und die Auswirkungen der Stabilisierungsprogramme.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Verlauf der Krise sowie die Rolle des Bankensektors und die Wirksamkeit der Rettungspakete von IWF und Weltbank zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Analyse von Wirtschaftsdaten, Sekundärliteratur zu den Reformprozessen sowie Berichten internationaler Organisationen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor der Krise, die Ursachen der Bankenkrise und die Implementierung sowie Kritik am Currency Board.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Transformation, Currency Board, Bankensystem, Fiskalpolitik, IWF und wirtschaftliche Stabilität.
Warum war die Einführung eines Currency Board so entscheidend für Bulgarien?
Es diente als Disziplinierungsmaßnahme für die Geldpolitik, stoppte die Hyperinflation und stellte das Vertrauen in die Währung sowie das Investitionsklima wieder her.
Wie hat sich der bulgarische Bankensektor nach der Krise verändert?
Der Sektor ist heute stark durch ausländische Banken dominiert, weist eine kompetente Bankenaufsicht auf und arbeitet unter international gültigen Standards.
Stellt die Dominanz ausländischer Banken in Bulgarien ein Problem dar?
Sie bringt zwar eine hohe Wettbewerbsintensität und Stabilität mit sich, führt aber laut Analyse zu einer sehr konservativen Kreditpolitik, was besonders kleine und mittlere Unternehmen beim Zugang zu Kapital benachteiligt.
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- Margarita Russeva (Author), 2006, Die Wirtschaftskrise in Bulgarien unter besonderer Berücksichtigung des bulgarischen Bankensektors, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55716