Adam Smiths Kritik am Merkantilismus und an der Physiokratie


Seminararbeit, 2006
22 Seiten, Note: 15,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Das historische und wissenschaftliche Umfeld

C. Die Systeme der politischen Ökonomie
I. Das System der Merkantilisten
1. Entstehung, Definition und Idee des Merkantilismus
2. Wirtschaftliche und politische Ziele
3. Maßnahmen zur Erreichung der Ziele
II. Das System der Physiokraten
1. Entstehung, Definition und Idee der Physiokratie
2. Wirtschaftliche und Politische Ziele
3. Maßnahmen zur Erreichung der Ziele

D. Die Position Adam Smiths
I. Kritik am Merkantilismus
II. Die Welt nach Smith
III. Kritik und Wertschätzung der Physiokratie

E. Merkantilistische und physiokratische Ansätze nach Smith

F. Literaturverzeichnis

A. Einleitung

"Little else is requisite to carry a State to the highest degree of opulence from the lowest barbarism, but peace, easy taxes, and a tolerable administration of justice; all the rest being brought about by the natural course of things."

Adam Smith

Die im vierten Buch seines Werkes „Wohlstand der Nationen“ veröffentlichte Kritik Smiths an den Systemen des Merkantilismus und der Physiokratie wurde von seinen Zeitgenossen weitgehend akzeptiert.[1] Smith gelang damit die Widerlegung zweier der bedeutensten theoretischen Ansätze der politischen Ökonomie seiner Zeit.[2]

Gleichzeitig dienten ihm die Unzulänglichkeiten des merkantilen Systems als Ansatzpunkt zur Formulierung und Verdeutlichung zweier tragenden Ideen seines Gesamtwerkes: der natürlichen Ordnung und der unsichtbaren Hand.

Eine Auseinandersetzung mit Smiths Position zum Merkantilismus kann daher auch heute noch zu einem verbesserten und vertieften Verständnis sowohl des Werkes von Adam Smith als auch von Entwicklungen in der modernen Wirtschaftspolitik nutzbar gemacht werden.

Schließlich sind die seit der Uruguay Round 1986 existierenden und im General Agreement on Tariffs and Trade (GATT) und der Welthandelsorganisation (WTO) institutionalisierten Bemühungen zur Senkung international Handelsbeschränkungen und zur Förderung des Freihandels auf die vor mehr als zwei Jahrhunderten entwickelten Einsichten Smiths in den Nutzen des Freihandels zurückzuführen.

B. Das historische und wissenschaftliche Umfeld

Adam Smiths Kritik am Merkantilismus und an der Physiokratie fällt in das 18. Jahrhundert und ist sowohl typisch als auch wegweisend für das zeitgeschichtliche und wissenschaftliche Umfeld[3].

Dem Werk „Wohlstand der Nationen“ vorausgegangen waren grundlegende Veränderungen der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse durch die großen Geistesströmungen der Renaissance, sowie des Humanismus. Smith Arbeit traf zusammen mit und war Teil der sogenannten schottischen Aufklärung, die sich nach dem Anschluß Schottlands and England vornehmlich in Glasgow entwickelte.[4]

Gesellschaftlich löste der Staat (Nationlastaat) die Vormachtstellung der Kirche ab und der Nationlastaat wurde zum alleinigen Träger staatlicher Macht und Gewalt. Materielle Grundlage dieses Machterwerbs und der Machtentfaltung wurde die Wirtschaft.

Gleichzeitig fand eine zunehmende Umstrukturierung der Staatsfinanzierung statt. Einnahmen aus Staatseigentum, insbesondere aus Ländereien, verloren zunehmend an Bedeutung zugunsten von Steuereinahmen.[5] Die Einsicht, dass Steuereinahmen auf eine möglichst große wirtschaftliche Basis gestützt werden müssen, führte zur Entwicklung der politischen Ökonomie, die sich mit den Bedigungen und Umständen auseinandersetzte, die der Förderung nationalen Reichtums förderlich oder schädlich sind.[6]

Sowohl der Merkantilismus, die Physiokratie als auch Smith folgen diesem Ziel der Förderung des nationalen Wohlstands. Jedoch auf zum Teil höchst unterschiedlichen Wegen, wie im Folgenden zu sehen sein wird.

C. Die Systeme der politischen Ökonomie

Die politische Ökonomie […] hat zwei verschiedene Ziele: sie hat erstems dem Volke reichliches Einkommen oder Unterhalt zu verschaffen [...] ; zweitens aber hat sie dem Staat oder dem Gemeinwesen ein Einkommen zuzuführen, das zur Bestreitung der öffentlichen Dienste hinreicht.”

Adam Smith

I. Das System der Merkantilisten

"The encouragement of exportation, and the discouragement of importation, are the two great engines by which the mercantilist system proposes to enrich every country."

Adam Smith

„Trade is the source of public finance, and public finance is the vital nerve of war.“

Jean Baptiste Colbert

1. Entstehung, Definition und Idee des Merkantilismus

Der Merkantilismus bezeichnet sowohl eine volkswirtschaftliche Denkweise als auch wirtschaftspolitische Maximen, die sich für Interventionen des Staates in das wirtschaftliche Geschehen im Interesse des Naitonalstaats aussprachen.[7] Der Merkantilismus entwickelte sich im 17. und 18. Jahrhundert und war die typische Wirtschaftsauffassung der Epoche des Handelskapitalismus.

[...]


[1] Ballestrem, Karl, Brühlmeier, Daniel: Adam Smith, in Helmut Holzhey/Vilem Mudroch (Hrsg.) Ueberweg, Die Philosophie des 18. Jahrhunderts, 1. Band, Basel 2004, S. 586; und auch Skinner, Andrew: Adam Smith: Ein System der Sozialwissenschaft, in Franz-Xaver Kaufmann/Hans-Günther Krüsselberg (Hrsg.), Markt, Staat und Solidarität bei Adam Smith, Frankfurt 1984, S. 74.

[2] Ballestrem, Karl, Brühlmeier, Daniel, S. 563; auch Rasch, Hans : Adam Smith’s Beziehungen zum Merkantilismus mit dem Versuch einer ideengeschichtlichen Einordnung., Gießen 1929, S. 9.; wie zu sehen sein wird, schätzte Smith jedoch auch Teile des physiokratischen Ideengutes.

[3] Diese Arbeit konzentriert sich allein auf die inhaltliche Kritik Smiths am Merkantilismus und an der Physiokratie. Die Bedeutung der genauen Lebensumstände Smiths für sein Werk wird zwar anerkannt, eine ausführliche Darstellung dieser kann jedoch nicht Gegenstand dieser Arbeit sein und ist in erschöpfender und gründlicher Form vielfach erschienen. Eine gute Einführung zu Smiths Werk findet sich z. B. bei Recktenwald, Horst Claus : Einleitung: Überblick und Zugang zur Persönlichkeit und zum Werk, in Recktenwald, Horst Claus (Hrsg.), Ethik, Wirtschaft und Staat. Adam Smiths politische Ökonomie heute, Damstadt 1985, S. 1 ff.; eine ausführliche Darstellung der Person Smith findet sich bei Recktenwald, Horst Claus : Adam Smith. Sein Leben und sein Werk, 1. Auflage, München 1976; Darstellungen zu Smith Gesamtwerk finden sich bei Stewart, Dugald : Die Bedeutung der Schriften Adam Smiths, in Recktenwald, Horst Claus (Hrsg.), Ethik, Wirtschaft und Staat. Adam Smiths politische Ökonomie heute, Damstadt 1985, S. 33 ff; und Viner, Jacob : Adam Smith und Laissez-faire, in Recktenwald, Horst Claus (Hrsg.), Ethik, Wirtschaft und Staat. Adam Smiths politische Ökonomie heute, Damstadt 1985, S. 72 ff.

[4] Waszek, Norbert: Grundlinien der schottischen Aufklärung, in in Helmut Holzhey/Vilem Mudroch (Hrsg.) Ueberweg, Die Philosophie des 18. Jahrhunderts, 1. Band, Basel 2004, S. 513 ff.

[5] Ausführliche Übersicht über die historische Entwicklung der Staatsfinanzen bei Ferguson, Niall : The Cash Nexus. Money and Power in the Modern World, 1700-2000, New York 2001, S. 53 ff.

[6] Smith, Adam: Der Reichtum der Nationen, Reihe: Hauptwerke der großen Denker, Voltimedia, Paderborn, S. 430

[7] Streißler, Erich : Zur Vorgeschichte der wirtschaftspolitischen Vorstellungen Adam Smiths, in Franz-Xaver Kaufmann/Hans-Günther Krüsselberg (Hrsg.), Markt, Staat und Solidarität bei Adam Smith, Frankfurt 1984, S. 19; und auch Mokyr, Joel (Editor in Chief): The Oxford Encyclopedia of Economic History, Vol. 3, Oxford 2003, S. 482 ff.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Adam Smiths Kritik am Merkantilismus und an der Physiokratie
Hochschule
Bucerius Law School - Hochschule für Rechtswissenschaften in Hamburg
Veranstaltung
Seminar
Note
15,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V55801
ISBN (eBook)
9783638506618
ISBN (Buch)
9783638727013
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adam, Smiths, Kritik, Merkantilismus, Physiokratie, Seminar
Arbeit zitieren
Bsc Business Administration Jens Jennissen (Autor), 2006, Adam Smiths Kritik am Merkantilismus und an der Physiokratie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55801

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