Die im vierten Buch seines Werkes „Wohlstand der Nationen“ veröffentlichte Kritik Smiths an den Systemen des Merkantilismus und der Physiokratie wurde von seinen Zeitgenossen weitgehend akzeptiert. Smith gelang damit die Widerlegung zweier der bedeutensten theoretischen Ansätze der politischen Ökonomie seiner Zeit.
Gleichzeitig dienten ihm die Unzulänglichkeiten des merkantilen Systems als Ansatzpunkt zur Formulierung und Verdeutlichung zweier tragenden Ideen seines Gesamtwerkes: der natürlichen Ordnung und der unsichtbaren Hand.
Eine Auseinandersetzung mit Smiths Position zum Merkantilismus kann daher auch heute noch zu einem verbesserten und vertieften Verständnis sowohl des Werkes von Adam Smith als auch von Entwicklungen in der modernen Wirtschaftspolitik nutzbar gemacht werden.
Schließlich sind die seit der Uruguay Round 1986 existierenden und im General Agreement on Tariffs and Trade (GATT) und der Welthandelsorganisation (WTO) institutionalisierten Bemühungen zur Senkung international Handelsbeschränkungen und zur Förderung des Freihandels auf die vor mehr als zwei Jahrhunderten entwickelten Einsichten Smiths in den Nutzen des Freihandels zurückzuführen.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Das historische und wissenschaftliche Umfeld
C. Die Systeme der politischen Ökonomie
I. Das System der Merkantilisten
1. Entstehung, Definition und Idee des Merkantilismus
2. Wirtschaftliche und politische Ziele
3. Maßnahmen zur Erreichung der Ziele
II. Das System der Physiokraten
1. Entstehung, Definition und Idee der Physiokratie
2. Wirtschaftliche und Politische Ziele
3. Maßnahmen zur Erreichung der Ziele
D. Die Position Adam Smiths
I. Kritik am Merkantilismus
II. Die Welt nach Smith
III. Kritik und Wertschätzung der Physiokratie
E. Merkantilistische und physiokratische Ansätze nach Smith
F. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die fundierte ökonomische Kritik von Adam Smith an den vorherrschenden Systemen des Merkantilismus und der Physiokratie aufzuarbeiten und deren Bedeutung für die Entwicklung seiner Konzepte der natürlichen Ordnung und der unsichtbaren Hand herauszustellen.
- Historisches und wissenschaftliches Umfeld des 18. Jahrhunderts
- Strukturen, Ziele und Methoden des Merkantilismus
- Theoretische Grundlagen und ordnungspolitische Ziele der Physiokratie
- Adam Smiths Auseinandersetzung mit Handelsbeschränkungen und Protektionismus
- Bedeutung der Freiheit und der Arbeitsteilung bei Adam Smith
Auszug aus dem Buch
I. Kritik am Merkantilismus
„Wollte man den Reichtum eines Landes dadurch zu erhöhen versuchen, daß unnötig viel Gold und Silber eingeführt oder im Lande gehalten wird, so wäre dies ebenso töricht, wie wenn man einer Familie dadurch zu einer besseren Tafel verhelfen wollte, daß man sie zwingen würde, sich überflüssiges Küchengerät zu halten.“
Adam Smith
Eigentlich ließe sich Smiths Kritik am Merkantilismus kurz und bündig mit vorstehendem Eingangszitat darstellen. In seinem Vergleich zwischen dem bloßen Anhäufen von Goldbeständen, wie es die Merkantilisten wollten, und dem Anhäufen von überflüssigem Küchengeschirr, trifft Smith den Endpunkt der merkantilistischen Logik ins Mark. Goldbestände sind eben nicht gleichbedeutend mit nationalem Wohlstand. Vielmehr ist Gold eine Ware wie jede andere auch, die der Preisbildung auf dem (Welt-)Markt unterliegt und bei Bedarf ein und ausgeführt werden kann.
Nicht der Bestand an Gold und Edelmetallen sei Maßstab für nationalen Wohlstand, sondern die Gesamtprodution einer Volkswirtschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Diese Einleitung führt in Smiths Kritik an Merkantilismus und Physiokratie ein und erläutert die Bedeutung dieser Auseinandersetzung für seine zentralen Ideen sowie deren Relevanz für moderne Handelsaspekte.
B. Das historische und wissenschaftliche Umfeld: Das Kapitel verortet Smiths Werk im 18. Jahrhundert, geprägt durch die schottische Aufklärung und den Übergang zur modernen Staatsfinanzierung.
C. Die Systeme der politischen Ökonomie: Hier werden die Kernkonzepte der Merkantilisten (Handelsbilanzoptimierung) und der Physiokraten (Bodenertrag als Wohlstandsquelle) detailliert dargestellt.
D. Die Position Adam Smiths: Dieses zentrale Kapitel analysiert, wie Smith den Merkantilismus und die Physiokratie theoretisch widerlegt und sein eigenes Modell der natürlichen Freiheit entwirft.
E. Merkantilistische und physiokratische Ansätze nach Smith: Abschließend wird untersucht, wie die kritisierten Ideen nach Smith weiterwirkten und inwiefern sie teils modifizierte Rechtfertigungen in späteren wirtschaftstheoretischen Diskursen erfuhren.
F. Literaturverzeichnis: Verzeichnis der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Adam Smith, Merkantilismus, Physiokratie, Wohlstand der Nationen, unsichtbare Hand, natürliche Ordnung, Außenhandel, Protektionismus, Freihandel, Handelsbilanz, Gesamteinkommen, politische Ökonomie, Kapitalismus, Arbeitsteilung, Ressourcenallokation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Kolloquiumsarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Auseinandersetzung von Adam Smith mit den ökonomischen Lehren des Merkantilismus und der Physiokratie und deren Einfluss auf seine eigenen Theorien.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Fokus stehen die historische Einordnung der ökonomischen Systeme, die Analyse der merkantilistischen und physiokratischen Maximen sowie deren wissenschaftliche Widerlegung durch Smith.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Smith durch die Kritik an diesen Systemen seine Konzepte der unsichtbaren Hand und der natürlichen Freiheit fundiert hat.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine ideengeschichtliche Analyse, die auf einer Auswertung der zentralen Schriften von Adam Smith und ergänzender ökonomischer Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der merkantilistischen und physiokratischen Systeme und die detaillierte Analyse der Gegenpositionen durch Adam Smith.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Wohlstand der Nationen, unsichtbare Hand, Merkantilismus, Physiokratie, Freihandel und natürliche Ordnung.
Warum hält Adam Smith Goldbestände für keinen geeigneten Maßstab für Wohlstand?
Smith argumentiert, dass Gold lediglich eine Ware ist, deren Wert durch den Markt bestimmt wird, und nicht das Gesamteinkommen oder die Produktionskraft einer Volkswirtschaft widerspiegelt.
Inwiefern unterschied sich die Haltung Smiths zur Physiokratie von seiner Kritik am Merkantilismus?
Smith schätzte die Physiokraten grundsätzlich, da sie die Notwendigkeit von Handelsfreiheit erkannten, kritisierte jedoch deren einseitige Fokussierung auf die Landwirtschaft als einzig produktive Klasse.
Welche Rolle spielt die „unsichtbare Hand“ in der Argumentation des Autors?
Die unsichtbare Hand dient Smith als Konzept, um zu verdeutlichen, dass das Verfolgen individueller Interessen innerhalb eines Rahmens natürlicher Freiheit zum allgemeinen Wohlstand führt.
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- Bsc Business Administration Jens Jennissen (Author), 2006, Adam Smiths Kritik am Merkantilismus und an der Physiokratie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55801