Geeignete Unterrichtskonzepte im Anfangsunterricht mit besonderer Berücksichtigung der flexiblen Schuleingangsphase und jahrgangsübergreifendem Unterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. „Flexible Schuleingangsphase“ und „altersgemischte Klassen“

3. Lernen und Lehren im Anfangsunterricht

4. Darstellung ausgewählter didaktischer Prinzipien
4.1 Handlungsorientierter Unterricht
4.2 Problemorientierter Unterricht
4.3 Fächerübergreifender Unterricht
4.4 Offener Unterricht
4.5 Projektorientierter Unterricht

5. Methoden und deren Umsetzung
5.1 Werkstattunterricht
5.2 Stationenlernen
5.3 Freie Arbeit
5.4 Wochenplan

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit dem, seit einigen Jahren äußerst aktuellem Thema der flexiblen Schuleingangsphase in der Grundschule. Die Schule hat sich verändert und somit muss sich zwangsläufig auch das Unterrichten ändern. Diese Arbeit stellt Überlegungen zu alternativen und klassischen Unterrichtsmethoden in Verbindung mit den didaktischen Prinzipien im Anfangsunterricht an. Schlagworte, wie „veränderte Kindheit“ und die immer größer werdende Notwendigkeit der inneren Differenzierung in einer Schulklasse fordern insbesondere von Lehrern und Lehrerinnen ein weit gefächertes Repertoire an Unterrichtsmethoden und die Fähigkeit Lernumgebungen zu schaffen, in denen Schüler und Schülerinnen ihre individuellen Interessen und Möglichkeiten erfahren können. Gerade auch im Anfangsunterricht ist ein solches Repertoire wichtig. Die Schüler und Schülerinnen sind mit ihrer neuen Lebenssituation und der Umgebung Schule noch nicht vertraut, wissen nicht konkret was auf sie zukommt und haben sehr unterschiedliche Ängste und Erwartungen. Gerade jetzt ist es wichtig Vertrauen zu schaffen und Raum für Entwicklungsfreiheit zu bieten, um das Selbstbewusstsein der Kinder zu fördern. Die Unterrichtsmethode, welche im Einzelnen für die Unterrichtsreihen gewählt wird, trägt zu der Entwicklung der Kinder ebenso viel bei, wie das didaktische Prinzip, welches sich wie ein roter Faden durch den Unterricht der jeweiligen Lehrperson zieht. Wichtig ist also differenzierte Unterrichtsmethoden für den Unterricht auszuwählen und zu zulassen, so dass Kindern lernen flexibel mit ihnen umzugehen und eigene Stärken und Schwächen zu erkennen. Das didaktische Prinzip, welches jeder Unterrichtende individuell und persönlich nach seinen Überzeugungen auswählt und was sozusagen die Basis des Unterrichts bildet, muss demnach die Anwendung vielfältiger Methoden zulassen können. Ich stelle hier nun zunächst einige ausgewählte didaktische Prinzipien vor, auf deren Grundlage meiner Meinung nach, ein individuelles und differenziertes Lernen, also eine hohe Methodenvielfalt möglich ist. Anschließend zeige ich wie und warum sich die entsprechenden Methoden insbesondere in der flexiblen Eingangsphase so gut eignen. Dass einzelnen didaktischen Prinzipien meist nicht getrennt voneinander existieren, sondern jeder Unterricht häufig aus einer Mischung verschiedener Elemente besteht, wird deutlich wenn man im weiteren Verlauf die Darstellung der ausgewählten Didaktiken betrachtet.

2. „Flexible Schuleingangsphase“ und „altersgemischte Klassen“ – Die neue Grundschule

Den traditionellen Klassenverband altershomogener Kinder gibt es schon lange nicht mehr. Einige Schulen insbesondere in Gebieten mit hohem Ausländeranteil arbeiten schon seit Jahren voller Überzeugung mit dem Konzept der flexiblen Schuleingangsphase, sowie altergemischten Schulklassen und sind auch damit erfolgreich.[1] Diese Schulen sehen die Unterschiedlichkeit ihrer Schüler als Chance an, um die „Gemeinschaft Schule“ für alle zu verdeutlichen. Auch ländliche Schulen, die aufgrund geringer Einschulungszahlen geschlossen werden sollten, haben altergemischten Unterricht eingeführt und sich so aufrechterhalten können. Häufig gaben klassenübergreifende Projekte den Ausschlag zur Auflösung der jahrgangshomogenen Klassen zugunsten gemeinsamen Unterrichts. Ohnehin hat es in Grundschule die klassischen alterhomogenen Gruppen immer seltener gegeben. Der hohe Anteil an ausländischen Kindern, die aufgrund ihrer fehlenden Deutschkenntnisse in untere, nicht ihrem Alters- und Entwicklungstand entsprechenden Klassen eingeschult wurden, trug maßgeblich dazu bei. Die Begriffe „flexible Schuleingangsphase“ und altersgemischte Klassen gehen eigentlich Hand in Hand. Zunächst einmal bedeutet es eine Umorientierung, nämlich weg von der Frage der Schulfähigkeit des Kindes, die durch diverse Einstufungstests festgestellt werden sollte, hin zu einer generellen Bestimmung der Schulfähigkeit nach dem Alter. Diese Einschulungstests fallen jetzt weg, denn spätestens mit sechs Jahren soll jedes Kind die Schule besuchen. Die Einschulung ist also „nicht mehr am Entwicklungsalter der Kinder orientiert, sondern an deren Lebensalter.“[2] Skepsis und Kritik an der Wirksamkeit der Schuleingangstests kam verstärkt in den neunziger Jahren auf. Erstmals wurden die ansteigenden Zurückstellungsquoten und die damit verbundene späte Einschulung auffällig. Die Instrumente zur Ermittlung der Schulfähigkeit erwiesen sich als unzuverlässig, woraufhin die Kultusministerkonferenz zwei Empfehlungen aussprach[3] Diese enthielten die mittlerweile umgesetzten Forderungen von einem flexiblen Umgang mit dem Einschulungstermin, der Erarbeitung der Schulfähigkeit im ersten Schuljahr, altersgemischten Lerngruppen besonders im ersten und zweiten Schuljahr, sowie die Möglichkeit zur Verlängerung der Eingangsstufe.[4] Da die Kinder nun also flexibel nach Wunsch der Eltern eingeschult werden können, theoretisch auch schon im Alter von vier Jahren, gibt es die altershomogene Schulklasse ohnehin nicht mehr. Der Weg zu altergemischten Klassen ist also eigentlich eine logische Konsequenz. Die Orientierung am Entwicklungsstand des Kindes ist sinnvoll, denn auch Kinder gleichen Alters sind nicht unbedingt auf einer gleichen Stufe der Entwicklung. Eine Binnendifferenzierung in einer alterhomogenen Klasse ist also genauso notwendig, wie in einem altersheterogenen Umfeld. Eine Umstellung auf differenzierte Methoden ist nun zwingend notwendig, denn Unterricht unter diesen neuen Bedingungen und die Vielzahl an unterschiedlichen Erfahrungen, die die Kinder mitbringen erfordern dies. Die neue Heterogenität der Grundschule hat, neben dem Zwang zum differenzierten Unterricht zahlreiche Vorteile. Eine zunehmende Öffnung des Unterrichts ist gefragt, auf deren Grund Lage dieses hohe Maß an Binnendifferenzierung möglich ist. Dies führt weiter zu Förderung von Selbstständigkeit und Selbstvertrauen und macht ein individuelles Lernen auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen möglich. Für den Anfangsunterricht ist es wichtig diese beiden Vorteile zu verknüpfen und die Position des Lehrers in einer Art Helfer- und Unterstützerrolle anzunehmen.

3. Lernen und Lehren im Anfangsunterricht

Heute wird die Grundschule nicht mehr nur als Lern-, sondern auch als Lebensraum aufgefasst. Der Lebensraum Grundschule soll verschiedene Bedingungen schaffen, in denen das Kind unterschiedliche Erfahrungen mit sich selbst und seinen Fähigkeiten, aber auch mit seinen Mitschülern machen kann. Eigene Interessen, die außerhalb der Schule entstanden sind, sollen im Lebensumfeld der Schule gefördert und weiter entwickelt werden.[5]

Wichtigste Aufgabe der Grundschule, ist aber nach wie vor das Lernen. Hierzu gibt es viele Theorien, angefangen mit der behavioristischen Theorie von Pavlov und Skinner über das Lernen am Modell bis hin zur strukturgenetischen Lerntheorie von Bruner und dem konstruktivistischen Lernen von Kelly. Das Modell des konstruktivistischen Lernens basiert auf dem Ansatz des psychologischen Konstruktivismus zu dessen Vertretern auch Piaget gezählt werden kann.[6] Betrachtet man Theorien des Lernens so darf man selbstverständlich niemals darauf verzichten auch die Seite des Lehrenden zu betrachten, denn beide Seiten ergänzen sich bzw. stehen in einer Wechselwirkung zueinander. Die Lernfähigkeit des Schülers bzw. der Schülerin hängt von der Lehrfähigkeit des Lehrers bzw. der Lehrerin ab. Andererseits orientiert sich der/ die Lehrende aber auch immer an der Lernfähigkeit, an den Lernwegen und Lerninteressen der Schüler und Schülerinnen. Man muss demnach immer überlegen, wie sich eine Lerntheorie im Unterricht umsetzen lassen könnte, also wie eine Lehrmethode durch eine Lerntheorie begründet werden kann. Erst durch die Theorie des konstruktivistischen Lernverständnisses, welche auf der Vorstellung beruht, dass die Wirklichkeit immer eine individuelle und persönliche, von jeden Menschen selbst konstruierte ist, entwickelte sich das selbstständige und eigenaktive Lernen, dem heute die größte Bedeutung, besonders in der Grundschule, zukommt. Wissen wird nicht von der Lehrperson übernommen, sondern entsteht auf der Basis von Vorwissen und eigener Interpretation. Viele Vertreter dieser Theorie gehen davon aus, dass Wissenserwerb situationsgebunden ist.

Auf den Unterricht bezogen bedeutet dies, dass die Schülerinnen und Schüler nicht mehr durch die Lehrperson Wissen anhäufen. Die Wissensvermittlung ist nicht mehr die Hauptaufgabe der Lehrenden, sondern die Schaffung einer optimalen Lernatmosphäre und -situation, in der sich die Kinder selber Wissen aneignen können. Der Lehrende wird so zu sagen dann zum Beobachter und Berater, während sich die Schüler zu Forschern und Experten entwickeln.

4. Darstellung ausgewählter didaktischer Prinzipien im Anfangsunterricht

Bei einem didaktischen Prinzip handelt es sich um ein Unterrichtskonzept, welches vom Lehrenden, nach persönlicher Einstellung, Überzeugung und Abwägung für den Unterricht ausgewählt wird. Es zieht sich somit durch den gesamten Schulunterricht der jeweiligen Lehrperson und prägt die Unterrichtspraxis nachhaltig. Dies heißt jedoch nicht, dass eine Lehrperson sich einer Didaktik verschreibt und diese dann über Jahre beibehält. Es sollte vielmehr so sein, dass auch die Schüler und Schülerinnen durch ihre eigenen Charaktere und Bedürfnisse, Einfluss auf die Lehrmethoden haben. Wird beispielsweise ein offenes Unterrichtskonzept gewählt, so kann es durchaus sein dass einzelne Kinder nicht in der Lage sind mit der gebotenen Freiheit sinnvoll umzugehen, möglicherweise weil sie es von zu hause nie kennen gelernt haben, eigenständig zu sein. Hier muss die Lehrperson Mittel und Wege finden, auch diesen Kindern ein gewohntes Maß an Sicherheit und Vertrauen zu bieten, um so eine angenehme Lernatmosphäre zu schaffen. Wichtig ist aber auch, dass eine Didaktik die anderen nicht völlig ausschließt. Vielmehr besteht die Möglichkeit sie nach eigenen Vorstellungen zu kombinieren und untereinander zu ergänzen. So kann und soll entdeckendes Lernen auch im offenen Unterricht passieren, jedoch geschieht es hier auf eine andere Art, nämlich aus einer inneren Motivation heraus.

Es fällt schon bei den simpelsten Überlegungen zu diesem Bereich auf, wie bedeutsam innere Differenzierung ist. Sie ist ein Kernpunkt des modernen Grundschul- und besonders des Anfangsunterrichts. Die folgenden Didaktiken bieten alle diese Möglichkeit der inneren Differenzierung, weshalb ich sie an dieser Stelle vorstellen möchte.

[...]


[1] Krüger, 1991, S. 9.

[2] Hacker, 2003, S. 8.

[3] vgl. ebd.

[4] vgl. ebd.

[5] vgl.: Einsiedler, 2005, S. 373.

[6] vgl. Kron, 2001, S. 183.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Geeignete Unterrichtskonzepte im Anfangsunterricht mit besonderer Berücksichtigung der flexiblen Schuleingangsphase und jahrgangsübergreifendem Unterricht
Hochschule
Universität zu Köln  (EZW Fakultät)
Veranstaltung
Didaktik des Anfangsunterricht
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V55847
ISBN (eBook)
9783638506991
ISBN (Buch)
9783638765831
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Darstellung von Unterrichtskonzepten für den Anfangsunterricht im Vergleich auf einen Blick. Untersuchung über die Eignung bestimmter Konzepte für die "neue" Grundschule.
Schlagworte
Geeignete, Unterrichtskonzepte, Anfangsunterricht, Berücksichtigung, Schuleingangsphase, Unterricht, Didaktik
Arbeit zitieren
Andrea Kuschel (Autor), 2005, Geeignete Unterrichtskonzepte im Anfangsunterricht mit besonderer Berücksichtigung der flexiblen Schuleingangsphase und jahrgangsübergreifendem Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55847

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